Abschiedsgedichte

Ein Abschied ist meistens ein trauriges Ereignis: Für wie lange wird man getrennt sein? Wird man sich überhaupt wiedersehen, wenn bald mehrere tausend Kilometer zwischen einem und seiner Cousine oder seinem besten Kumpel liegen? Es gibt Menschen, die aalen sich in ihrer Abschiedsmelancholie – und füttern jene mit entsprechenden Gedichten. Andere wollen einem lieben Menschen mit einem schönen Gedicht Danke sagen für eine tolle gemeinsame Zeit. Suchen Sie Abschiedsgedichte für Facebook-Einträge, um damit Ihre traurige Gemütsverfassung zu verdeutlichen? Wollen Sie in Ihrem Kollegenkreis Verse an jemanden richten, der das Unternehmen oder die Einrichtung bald verlässt? Oder möchten Sie einer Freundin sagen, dass Sie sie nicht vergessen werden, obwohl sie in wenigen Wochen weit wegzieht? Dann werden Sie hier viele Abschiedsgedichte finden. Falls Sie es bevorzugen, selbst zu Paper und Stift zu greifen, kann diese Zusammenstellung eine Anregung für ein individuelles Abschiedsgedicht sein.

Liebe, wunderschönes Leben
Liebe, wunderschönes Leben,
Willst du wieder mich verführen,
Soll ich wieder Abschied geben
Fleißig ruhigem Studieren?

Offen stehen Fenster, Türen,
Draußen Frühlingsboten schweben,
Lerchen schwirrend sich erheben,
Echo will im Wald sich rühren.

Wohl, da hilft kein Widerstreben,
Tief im Herzen muss ich's spüren:
Liebe, wunderschönes Leben,
Wieder wirst du mich verführen!

Autor: Joseph von Eichendorff

Abschied für immer
Ist's ein Wunder, daß dich alle lieben,
Die nach meinem Scheiden sich dir nahen,
Meine Seufzer sind bei dir geblieben
Und als Luftgeist sehnlich dich umfahren,
Wer zu athmen wagt an deinem Munde
Zieht sie unbewußt zu seinem Herzen,
Diese Seufzer mancher trüben Stunden,
Diese Geister, mir entflohn in Schmerzen.

Zu lebendig war des Herzens Hoffen,
Es vergeht nicht mit den Schmerzenstagen,
Ja es liegt die Welt jetzt vor mir offen,
Meine Liebe fühl' ich drinnen schlagen;
Leb' ich nun in Andern, die dich lieben,
Mag ich wohl der armen Mutter gleichen,
Die ihr Kind von ihrer Brust vertrieben,
Ihre Brust dem fremden Kind zu reichen.

Hoffnungsgeister, die mit schönen Bildern
Mich getäuschet wie die Jugendzeiten,
Meiner Nächte Einsamkeit zu mildern,
Ich entlaß euch in die blauen Weiten,
Einen Händedruck gebt noch zum Scheiden,
Sei's die Jugend, die ich heut entlassen,
Was auch komme, nichts will ich vermeiden,
Was vorbei, das läßt sich nicht mehr fassen.

Autor: Achim von Arnim

Abschied
Was zu glücklich, um zu leben,
Was zu scheu, um Klang zu geben,
Was zu lieblich zum Entstehen,
Was geboren zum Vergehen,

Was die Monde nimmer bieten,
Rosen aus verwelkten Blüten,
Tränen dann aus jungem Leide
Und ein Klang verlorner Freude.

Du weißt es, alle, die da sterben
Und die für immer scheiden gehn,
Die müssen, wär's auch zum Verderben,
Die Wahrheit ohne Hehl gestehn.

So leg ich's denn in deine Hände,
Was immer mir das Herz bewegt;
Es ist die letzte Blumenspende,
Auf ein geliebtes Grab gelegt.

Autor: Theodor Storm

Abschied
Indem ich ungern steure nach dem Lande
Und rückwärts oft zur Stadt die Blicke richte,
Erscheint mir alles wie im Zauberlichte,
Wie in romantisch-feeigem Gewande.

Wahr ist's, auch jetzt an des Verderbens Rande
Ist diese Stadt ein Wunder, ein Gedichte.
Nur in der unerbittlichen Geschichte,
Wie haftet an dem Untergang die Schande!

Ganz ohne Schwertschlag, ganz der Furcht zum Raube,
Feig, wanden diese alten Herrn der Meere
Vor einem Jüngling flehend sich im Staube.

Und sänken die Palläste in die Fluten,
Die Götterbilder in des Feuers Gluten,
So bleibt das Höchste doch des Namens Ehre.

Autor: Heinrich Beitzke

Abschied
Die Bäume hören auf zu blühn,
Mein Schatz will in die Fremde ziehn;
Mein Schatz, der sprach ein bittres Wort:
Du bleibst nun hier, aber ich muss fort.

Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu,
Wo du auch bist, wo ich auch sei.
Bei Regen und bei Sonnenschein,
Solang ich lebe, gedenk ich dein.

Solang ich lebe, lieb ich dich,
Und wenn ich sterbe, bet für mich,
Und wenn du kommst zu meinem Grab,
So denk, dass ich dich geliebet hab.

Autor: Wilhelm Busch

Urlaub und Abschied
Sahn wir nicht wiederum die Märchenerde,
die Wunderhimmel und die Fabeltiere,
als wir beisammen waren?

Und nun muss alles fahren:
Erde wird Erde, Himmel Himmel, Tiere werden Tiere.
Tag ist nicht mehr als Tag und Nacht ist Nacht.

Ich geh von dir.
Krieg ruft hinweg und Wut und Tod darinnen
von Mensch und Tier.

Einsam ist nun dein Park. Ein abgewandtes Sinnen
und stilles Wandeln nimmt dich auf.

Wann zaubern wir von neuem sie herauf
die Märchenerde und die Wunderhimmel,
die Fabeldinge und die Fabeltiere,
die wir gesehn, und die wir lassen fahren?

Frag nicht. Ich weiß nur noch dass wir beisammen waren.

Autor: Rudolf G. Binding

Abschied
Das Leben ist voll Gier und Streit,
- Hüte dich, kleines Vöglein! -
Viel große Schnäbel stehen weit
Und böse offen und heiß bereit,
Dich zu zerreißen.

Dein Herzchen schwillt, dein Kehlchen klingt,
- Hüte dich, kleines Vöglein! -
Der Geier kommt, der dich verschlingt;
Du, so beseelt und bunt beschwingt,
Zuckst in den Fängen.

Mir ist so bitterbang zumut,
- Hüte dich, kleines Vöglein! -
Ich weiß nun bald, wie Sterben thut,
Und laß mich tragen von der Flut,
Die Alles fortschwemmt.

Autor: Otto Julius Bierbaum

Abschied
Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes-, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

Autor: Rainer Maria Rilke

Abschied
Wir standen stumm uns gegenüber,
die Augen heiß, der Atem schwer.
Jäh brannten alle Kerzen trüber.
Und heitre Menschen um uns her!

Da nahmst du zitternd meine Hände,
wir schwiegen, blickten irr im Kreis —
und wußten wohl: Dies war das Ende!
Und deine Lippen wurden weiß.

Autor: Mathilde von Bayern

Der Abschied
Lass mein Aug den Abschied sagen,
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
Und ich bin doch sonst ein Mann.

Traurig wird in dieser Stunde
Selbst der Liebe süßstes Pfand,
Kalt der Kuss von deinem Munde,
Matt der Druck von deiner Hand.

Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen,
O wie hat es mich entzückt!
So erfreuet uns ein Veilchen,
Das man früh im März gepflückt.

Doch ich pflücke nun kein Kränzchen,
Keine Rose mehr für dich.
Frühling ist es, liebes Fränzchen,
Aber leider Herbst für mich!

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

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