Freundschaftsgedichte

Nicht wenige Menschen sind tatsächlich der Meinung, dass ein guter Freund das Schönste ist, was es auf der Welt gibt, wie es in einem bekannten deutschen Lied heißt: Haben Sie bei Ihren besten Freunden mitunter das Gefühl, dass sie zur Familie gehören? Passt zwischen sie kein Blatt Papier? Mit seinen engsten Freunden erlebt man Höhen und Tiefen: Sie sind immer für einen da – zum Spaßhaben und zum Mutmachen. Freundschaftsgedichte sind ein Weg, um sich bei seinen Mädels und/oder Jungs für ihre treuen Dienste zu bedanken. Gestalten Sie gern selbst Karten und wollen darin ein Freundschaftsgedicht festhalten? Oder stöbern Sie nach Freundschaftsgedichten für soziale Netzwerke oder um sie auf einer Feier selbst zu präsentieren? Hier kann jeder Freundschaftsgedichte finden, mit denen er einen Volltreffer landet. Sollten doch (noch) nicht die passenden Zeilen darunter sein, werden Sie beim Lesen vielleicht dazu inspiriert, eigene Freundschaftsgedichte zu verfassen.

Dein wahrer Freund...
Dein wahrer Freund ist nicht,
wer dir den Spiegel hält der Schmeichelei,
worin dein Bild dir selbst gefällt.
Dein wahrer Freund ist,
wer dich sein lässt deine Flecken
und sie dir tilgen hilft,
eh' Feinde sie entdecken.

Autor: Friedrich Rückert

An die Freundschaft
Heil'ge Freundschaft, die auf Engelsflügeln
Sich emporschwang zu den sel'gen Hügeln,
Unser Erdenland verließ
Und ging auf ins Väterparadies,

Wo sie noch aus guten Mutterhänden
Uns ihr Kind zuweilen her will senden,
Liebe, die auch irre geht
Und für Treue öfters Reu empfäht –

Holde Freundschaft, kehr, o kehre wieder,
Hand und Herzen bindend, zu uns nieder!
Ohne Dich ist Alles leer,
Auch die Liebe selbst nicht Liebe mehr.

Wenn Du Dich uns länger, länger raubest
Und Dein Bild dem süßen Trug erlaubest,
O, so wird Dein Menschenreich
Bald dem wüsten, wilden Chaos gleich.

Autor: Johann Gottfried Herder

Freundschaft
Wenn Menschen sich aus innrem Werte kennen,
So können sie sich freudig Freunde nennen,
Das Leben ist den Menschen so bekannter,
Sie finden es im Geist interessanter.

Der hohe Geist ist nicht der Freundschaft ferne,
Die Menschen sind den Harmonien gerne
Und der Vertrautheit hold, daß sie der Bildung leben,
Auch dieses ist der Menschheit so gegeben.

Autor: Friedrich Hölderlin

Freundschaft
Was aber hätt ich von dieser Welt,
Und hätt ich, was ich wünscht, im Nu,
Was Herz erwärmt und Geist erhellt,
Und hätt keinen Freund dazu?

Was hätt ich von aller Liebe gar,
Was hätt ich von dem funkelnden Wein,
Wenn Alles, was süß mir ist und war,
Nur blühte für mich allein?

Was wollt ich mit der schwellenden Brust
Und schütte sie arglos nimmer aus?
Vergrabenes Leid, verschlossene Lust,
Das ist der Seelengraus.

Der Alles überdauern muss,
Wenn dir so manche Blüte geknickt,
Das ist des Geistes kräftiger Genuss,
Der ewig verjüngt, erquickt.

Es ist allein der liebende Freund,
Der Einen ganz und gar versteht,
Der mitgelacht und mitgeweint,
Geerntet, was mitgesät.

Dann erst, o dann, geschähs einmal,
Da würd es einsam in dir und leer,
Wenn deine Freunde wegstürben all,
Würde dirs Leben schwer.

Autor: Ludwig Eichrodt

Einem fernen Freund
Mit dem »Du« im Herzen darf man schweigen,
Um so tiefer dann sein Innres zeigen,
Wenn die Stunde kommt, da ganz allein
Leben sich dem Leben drängt zu weihn...
Und es ist ein still beständig Wissen,
Und es ist ein ruhiges Vertrauen:
Unser Freundeskranz wird unzerrissen
Schweben in Maienlüften wie in rauhen
Sturmesnächten schlimmeren Geschicks...
Nein, es ist kein Rausch des Augenblicks,
Wie ihn rasches Jugendblut verdampft,
Keine Traumsaat, die der Tag zerstampft -
Wir belauschen unser altes Spiel
Und gedenken und besinnen viel...

Autor: Karl Henckell

Freundschaft
Achtung, Liebe, Vertrauen, - Grundzüge im Dasein der Freundschaft;
Treue, Weisheit und Mut und Geduld und Liebe - sind Freundschaft!
Freundschaft will, wie das Feuer, genährt sein, - oder sie stirbt.
Wahre Freundschaft sagt, was keine Lippen sonst sagen, -
Wahre Freundschaft verschweigt, was keine Lippen verschweigen.
Was die Freundschaft gibt, nimmt Freundschaft kindlich und froh an.
Schön find des Freundes Tränen, die niemand, als Engel und Gott, sieht!
Wer sich des Glückes des Freundes nicht freut, den Tränen des Freundes
Tränen nicht opfert, - der ist des Freundesnamens nicht würdig.
Edle Freunde bürgen dem Edlen Gott und die Zukunft!
Echte Freunde trennt kein Tod, kein trennendes Schicksal!

Autor: Johann Kaspar Lavater

Die Freundschaft.
Du Mutter holder Triebe,
O Freundschaft! dir zur Ehre,
Dir, Freundschaft, nicht der Liebe,
Erschallen unsre Chöre,
Und Phyllis stimmt mit ein:
Doch sollte das Entzücken
Von Phyllis Ton und Blicken
Nichts mehr als Freundschaft sein?

Autor: Friedrich von Hagedorn

Wert der Freundschaft
So feurig, unverfälscht und rein,
wie unsers Vaterlandes Wein,
muß Freundschaft sein; fest muß sie halten,
wenn auch des Schicksals Mächte schalten;
Sie kann uns Seligkeit bereiten,
selbst wenn wir mit dem Unglück streiten,
und nimmer reizt selbst Krösus Gold
den Glücklichen, dem sie ist hold;
er wird nicht nach dem Glücke laufen,
um das sonst Menschenkinder raufen,
und wenn die Freunde Freund ihn grüßen,
kann keine Unbild ihn verdrießen.

Autor: Franz Grillparzer

Von der Freundschaft
Ein Freund ist die Antwort auf das, was euch fehlt.
Er ist das Feld, auf das ihr Liebe sät
und dankbar erntet.
Und er bietet euch einen Stuhl an seinem Tisch
und einen warmen Platz.
Denn ihr kommt hungrig zu ihm
und sucht bei ihm euren Frieden.

Wenn er offen und ehrlich mit euch redet,
dann habt keine Angst vor eurem 'Nein',
noch haltet euer 'Ja' zurück.

Und wenn er schweigt,
dann hört euer Herz seinem Herzen zu;
denn alle Gedanken, Sehnsüchte und Erwartungen
werden aus der Freundschaft geboren und in ihr geteilt,
wortlos und mit stiller Freude.

Wenn ihr geht, dann seid nicht traurig;
denn das, was ihr am meisten an ihm schätzt,
zeigt sich vielleicht klarer, wenn er weg ist,
so wie sich der Berg dem Bergsteiger
von der Ebene aus klarer zeigt.

Und unterwerft eure Freundschaft keinem Zweck,
es sei denn die Seele zu erweitern.
Denn Liebe, die bloß ihr eigenes Geheimnis
aufdecken möchte, ist keine Liebe,
sondern ein ausgeworfenes Netz,
das nur Wertloses fängt.

Lasst eurem Freund das Beste.
Und wenn er eure Ebbe erfahren muss,
dann zeigt ihm auch eure Flut.
Denn was ist ein Freund, den man nur aufsucht,
um die Zeit tot zu schlagen.
Sucht ihn vielmehr auf, um die Zeit mit Leben zu erfüllen.
Denn er ist da, euch das zu geben,
was ihr braucht - nicht für eure innere Leere.
Lacht und habt Freude miteinander
in einer glücklichen Freundschaft.
Denn im Tau der kleinen Dinge findet das Herz
seinen Morgen und seine Erfrischung.

Autor: Khalil Gibran - übersetzt von Bertram Kottmann

Das Glück der Freundschaft.
Freundschaft darf empfindungsvollen Seelen
Niemals in des Lebens Stürmen fehlen;
Nur wenn uns ihr holder Engel lacht,
Schwindet jeder sorgenvolle Kummer;
Sie nur reißt uns aus des Geistes Schlummer,
Der zur Tugend neugestärkt erwacht.

Ganz vom Weltgetümmel losgebunden
Sind der Freundschaft wonnevolle Stunden:
Still und heiter strahlet unser Glück.
Wer an ihrer Hand durchs Leben wandelt,
Den entflammt sie, dass er edel handelt;
Ruhig blickt er in sein Herz zurück.

Doch wem blühen ihre süßen Freuden?
Wen erquickt sie auch im größten Leiden?
Den, der ihren Wert niemals verkennt.
Nicht den falschen, lasterhaften Seelen,
Die aus Eigennutz sich Freunde wählen,
Blüht die Blume, die man Freundschaft nennt.

Nur wenn Gleichgesinnte sich verbinden,
Die der Tugend hohen Wer empfinden,
Lächelt mild die holde Trösterin.
Sie vereinigt durch die Band das Wahre,
Denn an ihrem heiligen Altare
Fordert sie den unbefleckten Sinn.

Darin liegt das höchste Glück des Lebens.
Ach so viele suchen es vergebens!
Ohne Tugend blüht auch Freundschaft nicht.
O mit welcher unbegrenzten Milde
Führt sie uns in göttliche Gefilde!
Selbst des Kummers Nacht erhellt ihr Licht!

Autor: Luise Egloff

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