Gedichte Sehnsucht

Sie sehnen sich nach Ihrem Herzblatt, weil Sie es seit einer kleinen Ewigkeit nicht gesehen haben? Sie wohnen beide weit voneinander entfernt? Dann ist es verständlich, dass Sie gern entsprechende Zeilen lesen. Und möchten Sie Ihrem Schatz mit einem Sehnsuchtsgedicht eine Liebeserklärung machen, können Sie ihm schreiben, mailen oder ihn anrufen. Die Romantiker waren es, die dem Motiv der Sehnsucht in ihrer Lyrik ab dem Ende des 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. ein Denkmal gesetzt haben: Das bekannteste Symbol für die Sehnsucht ist die Blaue Blume. Wer online mit den zwei Worten Gedichte Sehnsucht nach Versen voller Romantik oder Wehmut sucht, der ist hier genau an der richtigen Adresse: Auf dieser Seite finden Sie derlei Gedichte. Sehnsucht kommt übrigens ebenfalls durch das beschreiben von Liebeskummer zum Ausdruck: Das Verlangen, dem anderen nah sein zu wollen, ist riesengroß, wird aber nicht erfüllt – egal, was die Gründe dafür sind.

Sehnsucht
Wie eine leise Glocke klingt
Die Sehnsucht in mir an;
Weiß nicht, woher, wohin sie singt,
Weil ich nicht lauschen kann.

Es treibt das Leben mich wild um,
Dröhnt um mich mit Gebraus,
Und mählich wird die Glocke stumm,
Und leise klingt sie aus.

Sie ist nur für den Feiertag
Gemacht und viel zu fein,
Als daß ihr bebebanger Schlag
Dräng in die Lärmluft ein.

Sie ist ein Ton von dorten her,
Wo alles Feier ist;
Ich wollte, daß ich dorten wär,
Wo man den Lärm vergißt.

Autor: Otto Julius Bierbaum

Sehnsucht.
Schwer, langweilig ist mir mein Zeit,
Seit ich mich thäte scheiden,
Von dir mein Schatz und höchste Freud,
Ich merk, daß ich muß leiden,
Ach weh der Frist, zu lang sie ist,
Wird mir zu lang in Schmerzen,
Daß ich oft klag,
Es scheint kein Tag,
Des wird gedacht im Herzen.

Autor: Achim von Arnim

In Sehnsucht
Jüngling: Möcht es hassen,
dies Sehnen ohne Maßen.
Weiß nicht, was ich tun will;
weiß nicht, ob ich ruhn will.
Jetzt alles tragen und stolz verzagen,
jetzt alles wagen
und zu ihr jagen.
Ein träges Hasten
selbst mein Gang,
ein blödes Tasten
von Drang zu Drang,
ein Sehnen ohne Maßen.
Möcht es hassen;
ach, aber bin
so glücklich drin.Mädchen:Möcht ein Lied dem Liebsten singen,
daß er tief ins Herz mir sieht.
Doch es will mir nicht gelingen,
alles in mir stockt und flieht.

Ob ich nur das Wort verfehle?
ob zu Ihm gleich alles flieht?
Aber meine ganze Seele
ist ein einzig Sehnsuchtslied.

Autor: Richard Dehmel

Sehnsucht
Ich kenn' ein Land, es ist weit dahin,
Doch stets bin ich dorten in meinem Sinn;
Zwar redet man nicht meine Sprach' in dem Land,
Doch nimmer versteh' ich, was dort ich verstand.
Dieß Land, o seh' ich's denn niemals mehr?
O wenn ich nur einmal noch dorten wär'!

Und in dem Lande ein Städtlein ist,
So klein, daß es kaum hundert Spannen mißt,
Doch schließet dieß Stadtlein, so winzig klein,
Die größten der Freuden wohl in sich ein.
Dieß Städtlein, o seh' ich's denn niemals mehr?
O wenn ich nur einmal noch dorten wär'!

Und in dem Städtlein da ist ein Haus,
Da geht man viel lieber hinein, als heraus;
Da fänd' ich meine Ruhe gewiß,
Ich weiß ja, daß ich sie drinnen ließ. -
Dieß Haus, o seh' ich's denn niemals mehr?
O wenn ich nur einmal noch dorten wär'!

Und in dem Hause da wohnt ein Weib,
Ein wahrer Engel an Seel' und an Leib,
Der Himmel lacht aus dem Augenpaar,
Mein war dieser Himmel so ganz und gar;
Das Schicksal verstieß mich so grausam d'raus, -
Nie find' ich mehr Weiblein, Land, Städtlein und Haus.

Autor: Ignaz Friedrich Castelli

Sehnsucht
Schon viel zu lang
Hab’ ich der Bosheit mich ergeben.
Ich lasse töten, um zu leben,
Und bös macht bang.

Denn niemals ruht
Die Stimme in des Herzens Tiefe,
Als ob es zärtlich klagend riefe:
»Sei wieder gut!«

Und frisch vom Baum
Den allerschönsten Apfel brach ich.
Ich biß hinein, und seufzend sprach ich,
Wie halb im Traum:

»Du erstes Glück,
Du alter Paradiesesfrieden,
Da noch kein Lamm den Wolf gemieden,
O komm zurück!«

Autor: Wilhelm Busch

Sehnsucht
Morgenluft! die Wasser rauchen
In der heißen Sonne Gluth;
Weiße Wasserlilien tauchen
Blühend aus der tiefen Fluth.

Und vom Bord im weiten Schiffe
Blickt der Seemann still hinab
Nach dem hellen Felsenriffe,
In das kühle Wassergrab.

Immer länger blickt er nieder,
Immer ruhiger, voller Luft,
Lieb' und Sehnsucht füllen wieder,
Neu erwacht, die kalte Gruft.

Und im Grunde auf dem Meere
Wogt und sprüht es hin und her,
Und die weite Wasserleere
Scheint ein endlos Blüthenmeer.

Und aus weiter Wassertiefe
Klingt's herauf, ihn grüßend schon
Gleich, als ob die Liebe riefe
Mit der Sehnsucht Zauberton.

Still vom Bord im weiten Schiffe
Blickt der Seemann tief hinab,
Nach dem hellen Felsenriffe
In das kühle Wassergrab;

Bis es schäumt im Wassergrunde,
Und im Schiffe geht das Wort
Flüchtig um von Mund zu Munde:
Hoch! ein Mann! hoch über Bord!

Autor: Friedrich Brunold

Sehnsucht des Mädchens
Die Wolken treibt vorbei der rauhe Wind,
Mein Athem macht die Fensterscheiben blind,
Und meine Augen, wie sie müde sind!

Weit über braunes Feld und grüne Saat
Späh' ich hinüber, ob ein Reiter naht -
Er kommt nicht und ich weiß mir keinen Rath.

Wie soll mir nun die lange Nacht vergehn,
Bis ich kann wiederum am Fenster stehn,
Und auf den Weg, den ewig öden, sehn!

Ach, beten beten will ich still für dich.
Dann in die Träume leise weinen mich,
Bis meine Augen wieder öffnen sich.

Autor: Ida von Düringsfeld

Sehnsucht
Es schienen so golden die Sterne,
am Fenster ich einsam stand
und hörte aus weiter Ferne
ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leibe entbrennte,
da hab’ ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
in der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
vorüber am Bergeshang,
ich hörte im Wandern sie singen
die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
wo die Wälder rauschen so sacht,
von Quellen, die von den Klüften
sich stürzen in Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
von Gärten, die überm Gestein
in dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
wo die Mädchen am Fenster lauschen,
wann der Lauten Klang erwacht,
und die Brunnen verschlafen rauschen
in der prächtigen Sommernacht.

Autor: Joseph von Eichendorff

Sehnsucht
Mitten in dem Spiel der Freuden,
In der Arbeit Drang und Lust,
Schleicht das Sehnen und das Leiden
In die unbewachte Brust.

Denn du weilst so fern, so ferne,
Und ich bin so ganz allein;
Und bei dir bin ich so gerne,
Und ich kann nicht bei dir sein!

Wie ein Röslein in dem Scherben,
Wenn es Niemand warten mag,
So verkümmern, so verderben
Muß auch ich am lichten Tag.

Alles Leben geht zu Grabe,
Und die Seel auch ganz zu Grund,
Wenn ich dich nicht wieder habe,
Werd ich nimmer mehr gesund.

Autor: Ludwig Eichrodt

Sehnsucht
Die große Sehnsucht, die in allem lebt,
Hat immer ihre dunkeln Augen offen;
Den stillen Baum beseelt dasselbe Hoffen,
Das deine Tage aus dem Dumpfen hebt.

Sehnsüchtig klingt der Sang des Vogels her,
Der Blumen stummes Lied, die süßen Düfte,
Wie seelenvoll durchzittert es die Lüfte -
Und du, mein Herz, wie bist du sehnsuchtsschwer!

Autor: Gustav Falke

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