Herbstgedichte

Alles so schön bunt hier?! Wer den Herbst liebt, der liebt auch Herbstgedichte. Darin werden zum Beispiel das Blätterfallen, die abnehmende Sonnenkraft oder der November-Blues beschrieben. Wer eine Pollenallergie hat, der feiert den Herbst als Beginn der niesfreien Zeit: Endlich ist die Nase wieder frei. Und das geht ebenfalls mit einem treffenden Gedicht. Vielleicht haben Sie einen Freund, für den Sie mal ein solches Gedicht schreiben wollen? In Herbstgedichten mit traurigem Grundtenor wird ein wehmütiges Lied angestimmt: Die warme Jahreszeit ist vorüber. Die Tage werden kürzer – erst recht, wenn die Uhren von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt werden. Die bunten Baumkronen und die Blätter, die herunterfallen, sind ein Symbol für das Sterben der Natur. Vor allem in den Novembertagen sieht die Welt draußen grau und düster aus: Da bläst der eine oder andere Trübsal. Wieder anderen gefällt diese Herbststimmung total. Suchen Sie Herbstgedichte? Hier finden Sie eine Menge davon.

Im Herbst
Vorbei der Rosen Prangen,
Die Blätter flattern im Wind,
Die Rosen auf Deinen Wangen
Verwelkten, Du bleiches Kind,
Gebrochen die Lilien stehen,
Du bist geknickt wie sie;
Alles will schlafen gehen,
Geh' schlafen auch Du, Marie!

Der Sommer ist geschieden,
Der Winter ihn jäh vertrieb,
Und nimmer bleibt Glück und Frieden
Zurück bei verrath'ner Lieb';
Ob auch die Stürme verwehen,
Dir kehrt der Frühling nie:
Alles will schlafen gehen,
Geh' schlafen auch Du, Marie!

Autor: Albert Traeger

Herbst.
Still schreit’ ich dahin über raschelnde Blätter
durch die dunkle Schwermut der herbstlichen Flur,
es zittert der Tau auf sterbenden Blüten
wie eine heimliche Tränenspur...

Von fern tönt ein Lied - verlorene Klänge
einer klagenden Handharmonika,
seltsam - da ist mir’s, als riefe mich jemand,
als hört’ ich dich rufen, als wärst du mir nah...

Die weinenden Blüten schauern in Winde,
die Schatten sinken, der Regen rauscht -
und immer leiser die klagende Stimme -
meine müde, einsame Seele lauscht...

Autor: Leon Vandersee

Der Herbst
Trinkt, trinkt, trinkt,
Trinkt, ihr unverdroßnen Brüder
Eures Lebens Sorgen nieder!
Singt, singt, singt,
Singt darunter frohe Lieder,
Trinkt darauf und singet wieder!

Reich, reich, reich,
Träufelt Seegen von Lyäen,
Von den weinbepflanzten Höhen!
Euch, euch, euch,
Lächelt er zukünftge Freuden,
Um die Götter euch beneiden.

Hört, hört, hört,
Hört der Winzer frohen Willen
Fässer her! wir müssen füllen.
Leert, leert, leert,
Leert dieß Faß mit tapfern Zügen,
Daß die Winzer Tonnen kriegen.

Autor: Christian Felix Weiße

Im Herbst
Nun prangt das Feld mit goldnen Garben,
Der Fruchtbaum hat sich tief gebückt
Und mit des Jahres dunklern Farben
Die Flur noch einmal sich geschmückt.

Doch schauern kalt die Abendwinde,
Die Tonne ward so krank und blaß;
Und leise zittert von der Linde
Das welke Laub ins welke Gras.

Ich ahne schon des Winters Tosen
Und gäbe gern, so karg ich bin,
Für eine Handvoll Frühlingsrosen
Des Herbstes ganzen Reichtum hin.

Autor: Friedrich Wilhelm Weber

Das ist der Herbst
Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,
Durch nackte Zweige fährt der Wind;
Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen -
Leb wohl, du reizend Schifferkind! --

Sie schaute mit den klaren Augen
Vom Bord des Schiffes unverwandt,
Und Grüße einer fremden Sprache
Schickte sie wieder und wieder ans Land.

Am Ufer standen wir und hielten
Den Segler mit den Augen fest -
Das ist der Herbst! wo alles Leben
Und alle Schönheit uns verläßt.

Autor: Theodor Storm

Herbst
Rot wird das Laub am wilden Wein,
Die Luft geht schon so herbstlich kühl.
Das Eichhorn sagt: "Jetzt fahr' ich ein;
Schon lose wird die Nuß am Stiel,"

Dem Sperling geht's nicht schlecht, er speist
Den ganzen Tag, bald hier, bald dort.
Er sagt: "Die Schwalb' ist schon verreist.
Gut, daß sie fort! Gut, daß sie fort!"

Im Garten um den Rosenstrauch,
Da klingt ganz anders das Gered'.
Ein Blümchen spricht: "Merkt ihr's nicht auch?
Es wird so trüb, so still und öd.

Das Bienchen flog doch sonst so flink
Bei uns umher — wo ist es nun?
Weiß eines was vom Schmetterling?
Der hatt sonst hier so viel zu tun."

Ein zweites sagt: "Eh man's gedacht
Kommt schon die Nacht und weilt so lang,
Wie lieblich war doch einst die Nacht!
Nun ist sie gar unheimlich bang.

Wie muß man warten morgens früh,
Bis daß die Sonn guckt übern Zaun!
Ach, und ganz anders wärmte sie,
Als sie noch gern uns mochte schaun."

Ein drittes drauf: "Mir sinkt der Mut,
Der Morgentau, der ist so kalt!
Die spinne sagt: Es wird noch gut!
Ach, wenn's nur würd'! und würd's nur bald!

Nur einmal noch so, wie es war,
Nur ein paar sonn'ge Tage noch.
's wird nicht mehr viel — ich seh' es klar!
Und leben, leben möcht man doch!"

Autor: Johannes Trojan

Schöner Herbst
Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Die Luft ist klar und kalt und windig,
weiß Gott: ein Vormittag, so find ich,
wie man ihn oft erleben mag.

Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Jetzt schlägt das Meer mit voller Welle
gewiß an eben diese Stelle,
wo dunnemals der Kurgast lag.

Ich hocke in der großen Stadt:
und siehe, durchs Mansardenfenster
bedräuen mich die Luftgespenster ...
Und ich bin müde, satt und matt.

Dumpf stöhnend lieg ich auf dem Bett.
Am Strand wär es im Herbst viel schöner
Ein Stimmungsbild, zwei Fölljetöner
und eine alte Operett!

Wenn ich nun aber nicht mehr mag!
Schon kratzt die Feder auf dem Bogen,
das Geld hat manches schon verbogen ...
Das ist ein sündhaft blauer Tag!

Autor: Kurt Tucholsky

Herbst im Fluß
Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort. -
Ich dachte an alte Leute,
Die auswandern ohne ein Klagewort.

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
Gefügig, und sinken dann still. - -

Wie jeder, der Großes erlebte,
Als er an Größerem bebte,
Schließlich tief ausruhen will.

Autor: Joachim Ringelnatz

Herbst
Einst sah die Nacht so sternenhell und mild
Auf Auen, voll von frischen Blumen, nieder.
Das war die Zeit, als noch im Lenzgefild
Erklangen laut der Nachtigallen Lieder.
Nun schaut die Nacht auf ein verödet‘ Land,
Auf eine Flur, des letzten Schmucks beraubt,
Und sie zerreißt ihr leuchtend‘ Sterngewand
Und hüllt in Wolkenschleier ein das Haupt.

Einst wehten Winde sommerlich und lau;
Vom fernen Westen kamen sie gezogen.
Da hat die Blumenlippe mit dem Tau
Den frischen Hauch der Lüfte eingesogen.
Doch wild aus Westen wehet heut‘ der Wind;
Kein Blumenkind des Sturmes Rauschen kühlt.
Nach seinem blassen, toten Blumenkind
Im welken Laub der Wind, der wilde, wühlt!

Autor: Friedrich Emil Rittershaus

Im Herbst
Es glänzen roth die Waldeshügel;
Der schöne Sommer ging zur Ruh.
Der Vogel regt die leichten Flügel
Und fliegt dem fernen Frühling zu.

Ich seh' sie ziehn die schnellen Schaaren
Am klaren Himmel südenwärts -
So möchte wohl von dannen fahren,
Wenn es betrogen ward, das Herz.

So möcht' es fliehn zum fernen Garten,
Wo Glück und Liebe wieder blühn -
Nun aber muß es ruhig warten,
Bis ihm die Rosen wieder glühn.

Autor: Heinrich Seidel

Hinweis:

Wir sind stets auf der Suche nach neuen Gedichten und dabei auf die Mithilfe unserer fleißigen Besucher angewiesen, die uns eifrig dabei helfen, unser Sammelsurium weiter zu komplettieren. Sollten auch Sie noch Gedichte kennen, die auf unserer Seite bislang fehlen, würden wir uns sehr über einen Eintrag der Werke freuen. Klicken Sie dazu einfach auf den folgenden Button. Gedicht eintragen