Hochzeitsgedichte

Der Tag, an dem man sich das Jawort gibt, ist für die meisten Menschen einer der schönsten Tage in ihrem Leben – nicht selten sogar der allerschönste. Eine Möglichkeit, zur Eheschließung zu gratulieren, ist es, auf dem Postweg eine Karte zu schicken. Darin kann auch ein Hochzeitsgedicht stehen. Während der Trauung kann ein Gedicht verlesen werden. Das Gleiche gilt für die anschließende Hochzeitsfeier: Verwandte, Bekannte, Freunde und Kollegen des Brautpaars können so ihren Beitrag leisten und ihre Freude zum Ausdruck bringen. In den Worten kann sich darüber hinaus widerspiegeln, was man den Frischvermählten für die gemeinsame Zukunft wünscht. Hochzeitsgedichte können erbauend sein – nach dem Motto „In guten und schlechten Zeiten solltet Ihr zusammenhalten“. Sie können außerdem witzig sein, wenn man sich sicher ist, dass das Ehepaar darüber lachen kann. Eine Auswahl an Hochzeitsgedichten können Sie hier finden – sie sind gleichzeitig als Inspirationsquelle für eigene Gedicht-Ideen gedacht.

Hochzeit
Es pfeift’s ja schon die ganze Welt,
Ich hör’s ja schon in Flur und Feld
Am Weg die Grillen geigen,
Die können’s nicht verschweigen,
Die streichen die Fiedel immerzu:
„Ein Mädel ist ohn’ Strümpf’ und Schuh’
Durch roten Klee gegangen,
Trug weder Hut noch Spangen!“

Schatz, morgen sollen’s die Menschen wissen,
Auf offener Strasse will ich dich küssen,
Dann folgt der grosse Familienkrach,
Dann wird die heil’ge Entrüstung wach.
Lass du nur ruhig das Ponny grasen,
Ich tröste inzwischen Vettern und Basen,
Und wenn der Tag im Westen verglüht,
Schirr an und sei mir nicht zu müd’,
Dann wollen wir ohne Händefalten
Die lustigste Lumpenhochzeit halten.

Autor: Martin Boelitz

Hochzeit
Das ist am herrlichsten Maientag
Ein jubelndes Singen und Klingen,
Ein Flötengetön, ein Paukenschlag,
Ein Geigen, ein Tanzen und Springen.

Die Knospen drängen hervor mit Macht,
Es leuchten die Felder und Auen,
Es ist die Erde in ihrer Pracht,
Als Wunder des Schöpfers zu schauen.

Und heut' am herrlichsten Maientag
Hast Du in glückseligen Stunden,
Am frisch ergrünenden Schwarzwaldhag
Ein liebliches Röslein gefunden.

Es soll der goldene Maienschein
Auf Euren Wegen und Stegen
Ein glückverheißendes Zeichen sein;
Gott gebe Euch beiden den Segen.

Autor: Paul Cornel

Zu einer Hochzeit
Nun den Wunsch zur Pflicht ihr wandeln
wollt fürs Leben, stets aufs Neue:
lernet ja die Kunst behandeln,
dass den Wunsch die Pflicht auch freue!

Denn es ist die Pflicht des Strebens,
alle Wünsche zu versöhnen!
Doch es ist die Kunst des Lebens,
sich die Pflichten zu verschönen!

Autor: Richard Dehmel

Zur Hochzeit
Was das für ein Gezwitscher ist!
Durchs Blau die Schwalben zucken
Und schrein: »Sie haben sich geküßt!«
Vom Baum Rotkehlchen gucken.

Der Storch stolziert von Bein zu Bein;
»Da muß ich fischen gehen -«
Der Abend wie im Traum darein
Schaut von den stillen Höhen.

Und wie im Traume von den Höhen
Seh ich nachts meiner Liebsten Haus,
Die Wolken darüber gehen
Und löschen die Sterne aus.

Autor: Joseph von Eichendorff

Zu einer Hochzeit
Knisternd schon die Blätter fallen,
Herbstlich wird's im Nord;
Durch des Waldes kahle Hallen
Klingt des Abschieds Wort.
Darum kehrt man ein zu Hause
In der Heimstatt Herzensklause,
Hegt im Schutz der warmen Räume
Seine Freiluftträume.

Die ihr euch erwählt zum Paare,
Eins fortan zu sein,
Mit des Lenzes Kranz im Haare
Zieht ins Haus ihr ein.
Ob auch des Oktobers Decke
Neblig übers Land sich strecke, –
Hier sei Blühen und Gedeihen
In des Lebens Maien!

Das heißt Lebenskunst verstehen
Auf die rechte Art:
Daß ihr, was auch mög' geschehen,
Jung das Herz bewahrt,
Noch im Herbstessonnenstrahle
Eures Frühlings Ideale
Glanzvoll, keck als Banner schwingend,
So den Sieg erringend!

Dies ist des Zusammenlebens
Schönste goldne Frucht.
Alle Klugheit forscht vergebens,
Wie sie späht und sucht;
Doch was tief verborgen deuchte,
Offenbart der Liebe Leuchte.
Hütet treulich denn zusammen
Ihre heiligen Flammen!

Dieses Lebenslicht mögt stellen
Ihr auf den Altar;
Sorgennächte zu erhellen,
Schein' es mild und klar.
Wenn dann bei des Herbstwinds Wehen
Rückwärts eure Blicke sehen, –
Schaut verklärt von diesem Schimmer
Euren Lenz noch immer!

Autor: Henrik Ibsen

Gott sei Dank, sie haben sich!
O wie lieblich, o wie schicklich,
sozusagen herzerquicklich,
ist es doch für eine Gegend,
wenn zwei Leute, die vermögend,
außerdem mit sich zufrieden,
aber von Geschlecht verschieden,
wenn nun diese, sag ich, ihre
dazu nötigen Papiere,
sowie auch die Haushaltssachen
endlich mal in Ordnung machen
und in Ehren und beizeiten
hin zum Standesamte schreiten,
wie es denen, welche lieben,
vom Gesetze vorgeschrieben,
dann ruft jeder freudiglich:
„Gott sei Dank, sie haben sich!"

Autor: Wilhelm Busch

O glücklich, wer ein Herz gefunden!
O glücklich, wer ein Herz gefunden,
Das nur in Liebe denkt und sinnt

Und mit der Liebe treu verbunden
Sein schönres Leben erst beginnt!

Wo liebend sich zwei Herzen einen,
Nur eins zu sein in Freud und Leid,

Da muss des Himmels Sonne scheinen
Und heiter lächeln jede Zeit.

Die Liebe, nur die Lieb’ ist Leben:
Kannst du dein Herz der Liebe weihn,

So hat dir Gott genug gegeben,
Heil dir! Die ganze Welt ist dein!

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Ehespruch
Das ist die rechte Ehe,
Wo zweie sind gemeint,
Durch alles Glück und Wehe
Zu pilgern treu vereint:
Der eine Stab des andern
Und liebe Last zugleich,
Gemeinsam Rast und Wandern
Und Ziel das Himmelreich.

Autor: Emanuel Geibel

Warum heiratet man
Der eine tuts um die Dukaten,
der zweite um ein hübsch Gesicht,
der dritte darf nicht länger warten,
der vierte, weil Mama so spricht.
Der fünfte will sich einmal setzen,
der sechste ist nicht gern allein,
der siebte hofft, sich zu ergötzen,
der achte möcht auch einmal frein,
beim neunten sind es Mitleidstriebe,
doch ihr - ihr heiratet sicher
nur aus Liebe.

Autor: Wilhelm Busch

Hochzeitslied
Im Schlafgemach, fern von dem Feste,
sitzt Amor dir getreu und wacht,
dass nicht die List mutwill'ger Gäste
das Brautbett dir unsicher macht.
Er harrt auf Dich. Der Fackel Schimmer
umglänzt ihn, und ihr flammend Gold
treibt Weihrauchdampf, der durch das Zimmer
in wollustvollen Wirbeln rollt.

Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,
der deiner Gäste Lärm verjagt!
Wie blickst du nach dem schönen Munde,
der dir nun bald nichts mehr versagt.
Du gehst, und wünschend geht die Menge;
ach wer doch auch so glücklich wär'!
Die Mutter weint, und ihre Strenge
hielt' gern dich ab und darf nicht mehr.

Dein ganzes Glück nun zu vollenden,
trittst du ins Heiligtum herein;
die Flamme in des Amors Händen
wird wie ein Nachtlicht still und klein.
Schnell hilft der Schalk die Braut entkleiden
und ist doch nicht so schnell wie du,
sieht euch noch einmal an, bescheiden
hält er zuletzt die Augen zu.

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

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