kurze Gedichte

Warum ein langes Gedicht, wenn mit einem kurzen Gedicht das Gleiche gesagt werden kann? Kurze Gedichte zu schreiben, das ist gar nicht so einfach: Es ist eine große Herausforderung, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen, und das nett verpackt. Kurz, kürzer, SMS-Gedichte: Sehr kurze Gedichte passen in jedem Fall in eine SMS – oder zwei oder drei, wenn die Verse länger als 160 Zeichen sind. Wer kurze Gedichte am Morgen verschickt, zum Beispiel per E-Mail, kann dafür sorgen, dass der Empfänger fröhlich und beschwingt in seinen Tag startet. Kurze Gedichte kommen außerdem prima an beim Chatten. Schließlich handelt man sich mit dem Posten eines langen Gedichts ruckzuck den Ruf eines Spielverderbers ein – mit dem Resultat, dass die Chatrunde vorzeitig vom Gegenüber beendet wird. Auf dieser Seite können Sie etliche kurze Gedicht für jede Situation entdecken: Für welche Zeilen entscheiden Sie sich?

Der Schnupfen
Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Autor: Christian Morgenstern

Ein grünes Blatt
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Autor: Theodor Storm

Erkanntes Glück
Was bedächtlich Natur sonst unter viele verteilet,
Gab sie mit reichlicher Hand alles der Einzigen, ihr.
Und die so herrlich Begabte, von vielen so innig Verehrte,
Gab ein liebend Geschick freundlich dem Glücklichen, mir.

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Dich kosen
Ists möglich, daß ich, Liebchen, dich kose,
Vernehme der göttlichen Stimme Schall!
Unmöglich scheint immer die Rose,
Unbegreiflich die Nachtigall.

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Der Träge sitzt, weiß nicht wo aus...
Der Träge sitzt, weiß nicht wo aus,
und über ihm stürzt ein das Haus,
mit frohen Segeln munter
fährt der Frohe das Leben hinunter

Autor: Ludwig Tieck

Das bringt bei Weibern manche Not
Das bringt bei Weibern manche Not:
zu manchem treibt sie ein Verbot,
wozu sie gar nichts triebe,
wenn‘s unverboten bliebe.

Autor: Gottfried von Straßburg

Der Erde köstlichster Gewinn
Der Erde köstlichster Gewinn
ist frohes Herz und reiner Sinn.

Autor: Johann Gottfried Seume

Die Alten hatten ein Gewissen
Die Alten hatten ein Gewissen ohne Wissen;
wir heutzutag haben das Wissen ohne Gewissen.

Autor: Julius Wilhelm Zincgref

Über den Einwand eines Gescheiten
Über den Einwand eines Gescheiten
lässt sich streiten;
über der Entgegnung eines Dummen
muss man verstummen.

Autor: Ludwig Fulda

Keine Rose ohne Dorn
Keine Rose ohne Dorn,
Keine Liebe ohne Zorn,
Kein Begegnen ohne Scheiden,
Keine Freude ohne Leiden –
Aller Dinge tiefstes Wesen
Mußt im Gegensatz du lesen.

Autor: Ernst von Wildenbruch

Hinweis:

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