Trauergedichte

Sie bereiten eine Beerdigung vor? Wenn ein Mensch stirbt, der allseits gemocht, geliebt und geschätzt wurde, dann hinterlässt er eine große Lücke: Zu den um ihn trauernden Menschen gehören Familienangehörige, Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen, Gemeindemitglieder, Vereinsmitglieder und/oder Parteifreunde. Trauergedichte können in Gedenken an den Verstorbenen oder als Aufmunterung an die Hinterbliebenen nicht nur vor und während des Begräbnisses, sondern auch während des anschließenden gemeinsamen Essens vorgetragen werden. Oder suchen Sie ein Gedicht für eine Trauerkarte? Es ist Tradition, dass sie per Post verschickt oder persönlich überreicht wird. In Zeiten des Internets gibt es zudem die Option, per E-Mail Trauergedichte zu versenden oder damit auf einer Website an den Toten zu erinnern. Die Zeilen beziehungsweise Verse können darüber hinaus religiösen Inhalts sein. Beispiele für Trauergedichte aller Art sehen Sie hier. Sie sind zugleich ein Fundus, falls Sie selbst ein Trauergedicht schreiben wollen und dafür Anregungen brauchen.

Mitunter weicht von meiner Brust...
Mitunter weicht von meiner Brust,
Was sie bedrückt seit deinem Sterben;
Es drängt mich, wie in Jugendlust,
Noch einmal um das Glück zu werben.

Doch frag ich dann: Was ist das Glück?
So kann ich keine Antwort geben
Als die, dass du mir kämst zurück,
Um so wie einst mit mir zu leben.

Dann seh ich jenen Morgenschein,
Da wir dich hin zur Gruft getragen;
Und lautlos schlafen die Wünsche ein,
Und nicht mehr will ich das Glück erjagen.

Autor: Theodor Storm

Über alle Gräber wächst...
Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.

Autor: Friedrich Rückert

An die Vergessene
Das Grab hat dich verschlungen,
Da schlummert dein Gebein;
Das Sterbelied ist verklungen,
Wer denkt noch fürder dein?
Ach! alle sind verschwunden,
Die einst geweint mit mir;
Ich hab’ allein gefunden
Den stillen Weg zu dir.

Ich kann es nimmer fassen,
Dass noch der Frühling glüht,
Dass nicht die Blumen blassen,
Seitdem du ausgeblüht;
Dass nicht ein schmerzlich Bangen
Durch jeden Jubel geht,
Seitdem du heimgegangen
Sanft, wie ein Nachtgebet.

Unendlich war dein Lieben,
Groß wie die Welt dein Herz;
Dies bleibet tief geschrieben
In meines Schmerzes Erz.
Lass dich getrost vergessen –
Wenn jedes Band zerbricht,
Wenn alle dich vergessen,
Mein Herz vergisst dich nicht!

Ein Lied, das, kaum geboren,
Auf leisem Hauch entschwebt,
Und doch so unverloren
In treuem Busen lebt –
So lebst du mir in Dauer:
Bist ein verklungnes Lied,
Das durch der Seele Trauer
Mit ew’gem Singen zieht.

Autor: Ludwig Pfau

Tod und Trennung
Gottes Milde mocht es fügen,
Liegt ein Mensch in letzten Zügen,
Stehn am Sterbepfühl die Seinen,
Dass sie müssen weinen, weinen;

Dass sie nicht vor Tränen schauen
Das unnennbar bange Grauen,
Wie der Geist verlässt die Hülle,
Letztes Zucken, tiefe Stille.

Weh dem Tränenlosen, wehe,
Der sich wagt in Sterbens Nähe,
Denn ihm kann durchs ganze Leben
Jenes Grauen heimlich beben.

Doch ein Anblick tiefrer Trauer,
Bänger als des Sterbens Schauer,
War es, könnt ein Aug es fassen,
Wie zwei Herzen sich verlassen.

Autor: Nikolaus Lenau

Letzte Wache
Wie dunkel sind deine Schläfen.
Und deine Hände so schwer.
Bist du schon weit von dannen,
Und hörst mich nicht mehr.

Unter dem flackenden Lichte
Bist du so traurig und alt,
Und deine Lippen sind grausam
In ewiger Starre gekrallt.

Morgen schon ist hier das Schweigen
Und vielleicht in der Luft
Noch das Rascheln von Kränzen
Und ein verwesender Duft.

Aber die Nächte werden
Leerer nun, Jahr um Jahr.
Hier wo dein Haupt lag, und leise
Immer dein Atem war.

Autor: Georg Heym

In der Fremde
Ich hör’ die Bächlein rauschen
Im Walde her und hin,
Im Walde in dem Rauschen
Ich weiß nicht, wo ich bin.

Die Nachtigallen schlagen
Hier in der Einsamkeit,
Als wollten sie was sagen
Von der alten, schönen Zeit.

Die Mondesschimmer fliegen,
Als seh’ ich unter mir
Das Schloss im Tale liegen,
Und ist doch so weit von hier!

Als müsste in dem Garten,
Voll Rosen weiß und rot,
Meine Liebste auf mich warten,
Und ist doch lange tot.

Autor: Joseph von Eichendorff

Trauer
Auf den alten lieben Witthoh
Lenkt' ich wieder meine Schritte,
Dieses Mal mit schwerem Herzen
Und mit tiefer, tiefer Trauer,
Denn sie hatten, ach, im Märzen
Mir mein Töchterlein begraben!
Drosselsang und Lerchentriller
Grüßt' ich sonst mit lautem Jubel,
Heute aber war's, als sängen
Alle Vöglein Trauerlieder,
Und die ersten Frühlingsblümchen,
Anemonen nemorosa,
Osterglocken, blaue Veilchen
Ließen, so hat mir's geschienen,
Alle ihre Köpfchen hängen,
Und es kam mir der Gedanke:
Mehr sieht man oft mit dem Herzen
Als mit Augen sich die Welt an: -
Liegt im Herzen Winterschwermut,
Sieht es draußen keinen Frühling;
Liegt im Herzen Freud und Lenzlust,
Sieht es draußen keinen Winter.

Also lenkt' ich meine Schritte
Wieder auf den lieben Witthoh
Und mit großer Wehmut pflückte
Ich die ersten Anemonen,
Meines Kindes liebste Blumen,
Und ich band drei zarte Sträußchen;
Eines legt' ich auf den Hügel
Meines kleinen holden Engels
Und die beiden andern will ich
Nun als Trauergruß versenden.
Grüßet, grüßet, erste Boten
Nahen Frühlings, grüßet freundlich
Meine lieben, treuen Freunde.
Alles, was ich möchte sagen,
Meines Herzens Not und Plagen,
Sollet ihr zu ihnen tragen,
Leise, leise schmerzlich klagen!

Autor: Paul Cornel

Trauer in der Natur
Heute war ich an der Stätte,
wo ich oftmals mit dir ging,
wo dein Arm, der treue, starke
zärtlich meinen Hals umfing.

Damals blühten Sommerrosen,
heute peitscht der Sturm den Schnee,
und es starrt in eisger Decke
nun der waldumhegte See.

Unterm Strauche, wo im Lenze
Vöglein sich ihr Nest gebaut,
liegt jetzt tot ein bunter Sänger,
in der Kehle starb sein Laut.

Von dem Zauber dieser Stätte
welch ein wehmutvoller Rest! -
Seit du gingst, Geliebter, feiert
die Natur ihr Totenfest.

Autor: Else Galen-Gube

Trauer
Trauer hält mein Herz umfaßt,
Schwer, ach! ist des Lebens Last.
Doch gesegnet der Gebeugte,
Wie — von Frucht gebeugt — der Ast.
Selig, wer gleich ihm in Ahnung
Nahender Befreiung praßt.
Wenn Du nicht den heißen Willen,
Ferner sie zu tragen, hast —
Leichter wird des Daseins Bürde
Und ihr Druck verschwindet fast.
Drängst Du Dich mit Gier an's Leben,
Straft es bitter Deine Hast;
Bist Du stets gewillt zu scheiden,
Ehrt es Dich als edlen Gast,
Reicht zum Labetrunk die süße
Vorempfindung ew'ger Rast.

Autor: Hieronymus Lorm

Trauer
Mein Leben, meine Kraft ist hin;
Mein Glück, die Freunde, mir erkoren,
Sogar den Stolz hab' ich verloren,
Der Welt zu zeigen, was ich bin.

Wie einer treuen Führerin
Hatt' ich der Wahrheit zugeschworen;
Seitdem sie Kinder mir geboren,
Ließ ich auch sie, gesättigt, ziehn.

Doch keiner, der sie je besessen,
Die ewig jung, wird sie vergessen,
Da er durch sie gereift zum Mann.

Mir selber ist von ihrem Lieben
Mein höchstes Lebensgut geblieben:
Daß ich zuweilen weinen kann.

Autor: Alfred de Musset

Hinweis:

Wir sind stets auf der Suche nach neuen Gedichten und dabei auf die Mithilfe unserer fleißigen Besucher angewiesen, die uns eifrig dabei helfen, unser Sammelsurium weiter zu komplettieren. Sollten auch Sie noch Gedichte kennen, die auf unserer Seite bislang fehlen, würden wir uns sehr über einen Eintrag der Werke freuen. Klicken Sie dazu einfach auf den folgenden Button. Gedicht eintragen