traurige Gedichte

Selten gleicht das Leben einer Bilderbuchwelt. Traurige Gedichte spiegeln das wider. Ein trauriges Ereignis ist es immer, wenn jemand stirbt, den man sehr mochte, den man liebte. Das ist ein Abschied für ewig. Abschiede anderer Art können zudem in traurigen Gedichten vorkommen – allen voran das Ende einer Liebesbeziehung. Dafür werden oft Metaphern, also Bildervergleiche, aus der Natur verwendet: Mit dem Frühling fing alles an, mit dem Winter ist alles vorbei. Suchen Sie nach Zeilen wegen eines traurigen Anlasses? Dann ist es gut, dass Sie auf diese Seite gestoßen sind: Auf ihr finden Sie zahlreiche traurige Gedichte. Wollen Sie sie in Ihrem Blog oder in einem sozialen Netzwerk veröffentlichen? Tipp: In dem Fall könnte es clever sein, mal in den eigenen Bilder-Ordnern zu gucken, ob darin das eine oder andere Foto liegt, das prima zu den traurigen Zeilen passen könnte.

Abschied
Wenn die Schwalben heimwärts zieh'n,
wenn die Rosen nicht mehr blüh'n,
wenn der Nachtigall Gesang
mit der Nachtigall verklang.
Fragt das Herz in bangem Schmerz:
“Ob ich Euch wohl wieder seh'?” -
Scheiden, ach Scheiden tut weh!“

Wenn die Schwäne südwärts ziehn,
dorthin, wo Orangen blüh'n,
wenn das Abendrot versinkt,
durch die grünen Wipfel blinkt.
Fragt das Herz in bangem Schmerz:
“Ob ich Euch auch wieder seh'?
Scheiden, ach Scheiden tut weh!”

Armes Herz, was klagest Du!
Ach Du gehst auch einst zur Ruh!
Was auf Erden, - muss vergeh'n,
gibt es dort ein Wiedersehn?
Fragt das Herz im bangen Schmerz: -
“Tut auch hier das Scheiden weh?
Glaub', dass ich Dich wiederseh.”

Autor: Karl Herloßsohn

Das tote Kind
Es hat den Garten sich zum Freund gemacht,
Dann welkten es und er im Herbste sacht,
Die Sonne ging, und es und er entschlief,
Gehüllt in eine Decke weiss und tief.

Jetzt ist der Garten unversehns erwacht,
Die Kleine schlummert fest in ihrer Nacht. -
"Wo steckst du?" summt es dort und summt es hier.
Der ganze Garten frägt nach ihr, nach ihr.

Die blaue Winde klettert schlank empor
Und blickt ins Haus: "Komm hinterm Schrank hervor!
Wo birgst du dich? Du tust dirs selbst zuleid!
Was hast du für ein neues Sommerkleid?"

Autor: Conrad Ferdinand Meyer

Zum Abschied meiner Tochter
Der Herbstwind schüttelt die Linde,
Wie geht die Welt so geschwinde!
Halte dein Kindelein warm.
Der Sommer ist hingefahren,
Da wir zusammen waren –
Ach, die sich lieben, wie arm!

Wie arm, die sich lieben und scheiden!
Das haben erfahren wir beiden,
Mir graut vor dem stillen Haus.
Dein Tüchlein läßt du noch wehen,
Ich kann’s vor Tränen kaum sehen,
Schau still in die Gasse hinaus.

Die Gassen schauen nochnächtlich,
Es rasselt der Wagen bedächtig –
Nun plötzlich rascher der Trott
Durchs Tor in die Stille der Felder,
Da grüßen so mutig die Wälder,
Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!

Autor: Joseph von Eichendorff

Am Grabe meiner Tochter
Du ruhst in meinem Herzen,
Wo magst du stiller ruhn?
Ein Grab, von tausend Schmerzen
Behütet, deckt dich nun;

Ein Schlummerbett, bereitet
In Tränen, Klag' und Not,
Aus Allem was da scheidet
Das Leben von dem Tod.

Zu Füßen weiße Rosen,
Ein Myrtenreis im Haar,
Und auf dem makellosen
Herzen ein Lilienpaar, —

Ein Kreuz und eine Schale,
Ein ew'ges Licht dazu,
Schmücken als Totenmale
Die Stätte deiner Ruh.

Das Kreuz will ich erfassen
Als meinen Wanderstab,
Den trag' ich still, gelassen
Bis an mein eignes Grab.

Die Lampe will ich nähren
Mit meiner Liebe Brand;
Die Schale sei von Zähren
Gefüllt bis an den Rand.

So ruhst du mir im Herzen,
Das nimmer dich vermisst,
Weil du mit tausend Schmerzen
Ihm auferstanden bist.

Autor: Georg Scheurlin

Mauern
Wir gehen aneinander vorüber,
Jeder in sich und sein Schicksal gebannt
Wir schicken Gruß und Gebärde hinüber
und leben jeder in anderem Land...
Aber hinter Wällen und Mauern,
Die sich unsichtbar zwischen uns baun,
Lebt der einsamen Seelen Trauern
Und der verwirrten Geschöpfe Graun.
Suchender Sehnsucht trübe Funken
Schwirren über den Mauerrand
Aber schon hat sie die Nacht getrunken,
Ehe das Licht zum Ziele fand...
Und von der nächtlichen Schwermut Fächeln,
Von der Wehmut des jähen Verwehns
Bleibt nur der wissenden Seele Lächeln
Über den kurzen Trug des Verstehns.
Alles wähnt, im andern zu leben
Wenige küssen im Dunkeln sich sacht,
Wenn die Mauern klingend erbeben
Doch über allen brütet die Nacht.

Autor: Kurt Walter Goldschmidt

Ein Licht geht nach dem andern aus
Ein Licht geht nach dem andern aus,
und immer dunkler wird das Haus.
Ich bin allein beim Lampenschein,
ein Leuchtturmgeist in all der Nacht,
der in dem Schlaf der andern wacht
und Angst hat, auf dem Meer zu sein.

Von fern und nah umflattern blass
der andern Liebe mich und Hass,
gelockt von meinem späten Licht;
ihr Stöhnen tönt mit Lust und Leid
in meine große Einsamkeit,
ihr Gram weht kühl um mein Gesicht.

Schon liegen sie, wie Tote tun,
als probten sie, im Grab zu ruhn,
und nur ihr Atem flackert sacht.
Ich fürchte dieses Schlafes Bann,
der mich für immer halten kann,
und bleibe wach in all der Nacht.

Für immer schloss vielleicht das Tor,
von dem der Schlüssel sich verlor,
bin ich vom Feind umstellt.
Verfallen ist mein Vaterhaus,
ein Licht geht nach dem andern aus,
und immer dunkler wird die Welt.

Autor: Max Herrmann-Neiße

Abschiedsgruß an meine jüngste Tochter
Viel’ Worte konnt’ ich sagen
Zum Abschied nicht, mein Kind:
Mein Herz war voll von Weinen,
Der Wagen fuhr geschwind.

Doch Grüße kann ich senden,
Dir über Berg und Tal;
Gott segne’und behüte
Mein Kind viel tausendmal!

Er lass dich in der Ferne
In seinen Wegen gehn,
Lass dich als reine Blüte
In seinem Garten stehn!

Und denk an jedem Abend,
Bei jedem Morgenschein,
Dass Eltern für dich beten
Daheim im Kämmerlein.

Gott möge dich beschützen
Mit treuem Vaterblick,
Und dich im Segen führen
Zur Heimat einst zurück!

Autor: Ottilie Wildermuth

Der Sohn
Mutter, halte mich nicht,
Mutter, dein Streicheln tut weh,
Sieh durch mein Gesicht,
Wie ich glüh und vergeh.
Gib den letzten Kuss. Lass mich frei.
Schick mir Gebete nach.
Dass ich dein Leben zerbrach,
Mutter, verzeih.

Autor: Alfred Lichtenstein

Einer Witwe am Grabe ihres Sohnes
Stiller ist's im Haus der Klage,
Nun das kranke Herz gebrochen,
Nun es mit dem letzten Schlage
Letztes Lebewohl gesprochen.
Jedes Auge blickt in Nacht,
Um den Frieden flehn die Seelen,
Um die kühlenden Juwelen,
Um der Tränen milde Macht.

Still ist's, — durch die öde Stätte
Zieht der bleiche Todesengel,
Dass er eine Krone bette,
Die er zögernd riss vom Stängel.
Wessen ist das teure Haupt?
Wes' die Frucht, die ernteschwere? —
Kalter Schnitter, welche Ähre
Hat dein Todesarm geraubt?

Eine Frucht? — Ach nimmer, nimmer!
Nenn' es eine Frühlingsblüte,
Einen Zweig, des holder Schimmer
Nach dem Ostermorgen glühte.
Und sein Ostermorgen kam.
Wollt ihr klagen, dass verloren
Was — in's ew'ge Licht geboren —
Früh den Weg des Lichtes nahm?

Treue Mutter, darfst du weinen
Um den Liebling deiner Schmerzen?
Nur das Leben trennt; es einen
Sich im Tod die milden Herzen.
Zu dem Vater hat der Sohn —
Geist zum Geiste — sich erschwungen;
Wenn die Harfe ausgeklungen,
Durch die Himmel zieht ihr Ton.

Ja zurück den theuern Erben
Hast dem Vater du gegeben;
Denn die Treue teilt im Sterben
Wie sie je getheilt im Leben.
Hier die Saat, die Ernte dort!
Du im Glauben, Er im Frieden!
Was die Liebe nie geschieden,
Trägt der Himmel ewig fort!

Autor: Georg Scheurlin

Auf mein früh gestorbenes Kind
Wir sahn entzückt aus unsrer Liebe Feuer
Sich zwischen uns ein Flämmchen rein erheben
In des geliebten süßen Kindes leben;
Und uns begann des höchsten Glückes Feier!

Die Flamme glänzte uns zu täglich neuer
Und süßrer Freude, und mit frohem Beben
Vereinten wir des Herzens liebstes Streben,
Zu pflegen was uns über alles theuer.

Da kam mit schwerem Tritt der Tod gegangen;
Die Flamme, die so herrlich uns geleuchtet,
Die tischte er zu unserm tiefsten Beben.

Nun scheinet kalt und dunkel uns das Leben,
Mit Thränen ist Gesicht und Aug' befeuchtet;
Wir stehn erschüttert, tief vom Schmerz befangen.

Schon wehm wieder Frühlingslüfte lind,
Und Veilchen lassen süßen Duft entschweben,
Mit jungem Gras und Laube spielt der Wind,
Auch hör' ich Nachtigall ihr Lied erheben.

So viel auch Wesen und Gewüchse sind,
Es dränget alles sich zum Licht und Leben;
Nur welken mußte, ach, mein zartes Kind,
Es sollte keinen Frühling je erleben!

Nicht Frühlingsluft, nicht Veilchen, Nachtigallen,
Und was noch sonst der Frühling Süßes bringt,
Nichts davon sollte in dein leben fallen,

Da dich so früh das dunkle Grab verschlingt!
Und mir, die ich in Schmerz um dich vergehe,
Blüht nichts im Frühling als mein tiefes Wehe!

Autor: Rosa Maria Assing

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