Wintergedichte

Sind Sie ein Winterfan? Dann lieben Sie sicher auch Wintergedichte. Denn mit ihnen kann man sich wunderbar auf die kalte Jahreszeit einstimmen: Jetzt sind die Tage am kürzesten, weshalb niemand ein schlechtes Gewissen zu haben braucht, in der Stube zu hocken. Schneebegeisterte zieht es nach draußen, wo sie in Winterlandschaften spazieren gehen und Sport treiben können. Wer lieber in den eigenen vier Wänden bleibt und sich bei Kerzenschein und einer Tasse Tee in eine Kuscheldecke einmummelt, um beim Blick aus dem Fenster die tanzenden Schneeflocken zu beobachten, kann sich dabei Wintergedichte vorlesen lassen beziehungsweise anhören. Mögen Sie die Wintergedichte, in denen eine heimelige Atmosphäre gezaubert wird? Oder die Wintergedichte, in denen die schlafende Natur beschrieben wird? Oder die Wintergedichte, in denen es um Winter-Action geht? Egal, wo Ihre Präferenz liegt: Auf dieser Seite können Sie die Art von Wintergedicht finden, die Sie bevorzugen.

Winter
Winter ist es. In dem weiten Reiche
Der Natur herrscht tiefe Einsamkeit,
Und sie selbst liegt, eine schöne Leiche,
Ruhig in dem weißen Sterbekleid.

Ihre Blumenkinder ruhn verborgen
An der Mutter Brust, mit ihr bedeckt.
Träumend von dem Auferstehungsmorgen
Wo der Lenz sie aus dem Schlummer weckt.

Was die Erde hat, kann nicht bestehen,
Ihre Gabe heißt Vergänglichkeit,
Aufwärts zu dem Himmel muss du sehen,
Suchst du ewige Schön´und Herrlichkeit.

Autor: Karl Johann Philipp Spitta

Winter
Es deckt das Land des Schneees tiefe Schichte
Zu einer Wüste unabsehbar weit,
Draus ragt, als Denkmal einer grünen Zeit,
Als Pyramide, einsam eine Fichte.

Die Blume lebet nur noch im Gedichte,
Kein Lied erfreut die starre Einsamkeit,
Und selbst die lieben Gräber sind verschneit,
Die Sonne selber birgt das Angesichte.

Wo sind die Kränze, die wir Frühlings flochten,
Wo sind die Herzen, die so freudig pochten,
Wo sind die Fahnen, die wir ließen weh'n?

Verwelkt! verhallt! zersplittert und zertreten!
Es starrt in Eis und Eisen unsere Eden.
O gute Nacht! und laßt uns schlafen geh'n.

Autor: Friedrich Stoltze

Winters Anfang
Nun ist der erste Schnee gefallen
Und deckt des Gartens Blumen zu.
Wann wieder wird der Ruf erschallen:
Erwacht! Erhebt euch aus der Ruh!

Ach, nun wie lang' unholden Mächten
Gehört die Welt, die einst so schön!
Wem bangt nicht vor den langen Nächten,
Wenn um das Haus die Stürme gehn.

O gib uns, Gott, freundliche Helle,
Die uns in Winters Graun beglückt,
Bis daß der Schnee geht von der Schwelle,
Der Schlehbusch draußen neu sich schmückt.

Erhalt' die Glut auf unsrem Herde,
Erhalt' auf unsrem Tisch das Brot;
Gib, daß von uns gegeben werde,
Wenn an die Türe pocht die Not.

Gib uns, daß Friede bei uns wohne,
Daß Freude kehre bei uns ein;
Daß Feuer unser Haus verschone,
Krankheit und Sorge, Angst und Pein.

Daß unversehrt das Dach geblieben,
Wenn wieder Schwalben drunter baun,
Und daß wir all, die wir uns lieben,
Im Lenz die Veilchen wieder schaun.

Autor: Johannes Trojan

Im Winter
Der Winter ist so schaurig,
Vom Himmel fällt der Schnee;
Ich sitz' am Fenster traurig
Und träum' von altem Weh.

Viel' tausend Flocken schweben
Im frohen Spiel herab;
Sie schweben und sie tanzen
Doch all' ins frühe Grab.

So geht es mit dem Herzen,
Wo Hoffnung Blüten treibt;
Sie kommen – und sie schwinden
Und – nur die Träne bleibt.

Autor: Johann Meyer

Winter
Aus Nebellüften gaukeln lichte Flocken
Hernieder auf die ausgestorbne Fläche,
Vom Eise starren Seen, Flüß' und Bäche
Und alle frischen Lebenskeime stocken.

Da schleicht der Lenz heran auf grünen Socken,
Daß er die Kraft des alten Rieden breche,
Daß er den Mord der tausend Blüten räche,
Und wirft den grimmen Feind mit Blumenglocken.

Wie tröstlich ist's, in winterlichen Schauern,
Und in der Wesen allgemeinem Trauern
Zu wissen, daß ein neuer Frühling grüne;

Doch düster schattet eine Wetterwolke
Verfinsternd über einem ganzen Volke,
Und ohne daß ein Rächer ihm erschiene!

Autor: Ferdinand Sauter

An den Winter
Willkommen, lieber Winter,
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Spielst du, als wär' es Sand!

Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.

Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt' im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!

Autor: Elisabeth Kulmann

Winters Flucht
Dem Winter ward der Tag zu lang,
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang;
Er horcht und hört's mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das macht ihm Leid.

Er sieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein.
Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und sprach:
"Wo ist mein silberweißes Kleid,
Mein Hut , mit Demantstaub bestreut?"
Er schämt sich wie ein Bettelmann
Und läuft, was er nun laufen kann.
Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil's noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Winter
Verschwunden ist das lachende Gefilde,
Das noch vor kurzem uns so hoch erfreute,
Des Winters rauher Macht ward es zur Beute,
Der kennt nicht Schonung und nicht Lieb' und Milde.

Die Sonne birgt sich hinterm Wolkenschilde,
Als ob sie vor dem eignen Strahl sich scheute
Und sie der kurze Tageslauf gereute
Hin über sturmgepeitschte Eisgefilde.

Da stehn wir wie an einem weiten Grab,
Das uns so viel der reinsten Freuden decket;
Schau'n wehmutsvoll auf Wald und Flur hinab.

Doch tröstet's uns, daß Leben drin verstecket,
Dem nimmer bricht des Winters Hand den Stab —
Ein Leben, das der Frühling wieder wecket.

Autor: Karl Frohme

Winter
Stille liegt wie eine bleiche,
Kaum verschied’ne liebe Leiche
In dem weißen Sterb‘gewand,
Rings umher nun alles Land.
Durch den Wald schweift hohl ein Tönen
Schaurig zirpt das Vögelein
Durch den abgestreiften Hain.

Selbst der Flüsse und der Bäche
Vielbewegte Spiegelfläche
Ist wie Felsen fest erstarrt;
Hört nur, wie es pfeift und knarrt
Unter Wandrers flücht’gem Tritte,
Der sich eilet nach der Hütte,
Wo nun der gesell’ge Herd
Wärmend hell die Flamme nährt.

Ist das Schöne all’ gestorben?
Mit den Blumen längst verdorben,
Die die Wiesenflur bedeckt?
Ist die Macht, die sie erweckt,
Selbst in Ohnmacht nun entschlafen?
Nein! belauscht ihr heimlich Schaffen,
Wie sie – hauchts auch noch so kalt –
Blumen auf die Fenster malt.

Heimlich, in gewohnter Weise,
Treibt sie so im Reif und Eise
Fast ein loses Blumenspiel:
Hätte sie dabei das Ziel
Eines Königs Kleid zu schmücken,
Mit Juwelen es zu sticken,
Schaut! im Wald manch’ dürres Reis
Trüg‘ vor Menschenkunst den Preis.

Wohl bewahrt in Windelhüllen
Schläft jetzt Blum‘ und Blatt im Stillen,
In der Knospe Wunderschoß,
Lenzluft haucht sie künftig los.
Unter weiß gestreifter Decke
Ruht der Saaten weite Strecke,
Sorglos – bis der Frühling weckt,
Während uns die Sorge neckt.

Autor: Hugo Grabow

Am Kamin
Stürme, Dezember, vor meinem Gemach,
Hänge, Zapfen von Eis an das Dach;
Nichts doch weiß ich vom Froste;
Hier am wärmenden, trauten Kamin
Ist mir, als ob des Frühlings Grün
Rings um mich rankte und sprosste.

All das Gezweig, wie es flackert und flammt,
Plaudert vom Walde, dem es entstand,
Redet von seligen Tagen,
Als es, durchfächelt von Sommerluft,
Knospen und Blüten voll Glanz und Duft,
Grünende Blätter getragen.

Fernher hallenden Waldhornklang
Glaub´ ich zu hören, Drosselgesang,
Sprudelnder Quellen Schäumen,
Tropfenden Regen durchs Laubgeäst,
Der die brütenden Vögel im Nest
Weckt aus den Mittagsträumen.

Stürme denn, Winter, eisig und kalt!
An den Kamin herzaubert den Wald
Mit der Flammen Geknister,
Bis ich bei Frühlingssonnenschein
Wieder im goldgrün schimmernden Hain
Lausche dem Elfengeflüster.

Autor: Adolf Friedrich Graf von Schack

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