Gedichte von Franz Grillparzer

Franz Grillparzer ist der bedeutendste österreichische Dramatiker des 19. Jahrhunderts, und wie so oft bei Dichtern, die vor allem durch eine Gattung bekannt wurden, gerät das lyrische Werk dabei leicht in den Hintergrund. Das ist schade, denn Grillparzers Gedichte haben eine Qualität, die seinen Dramen in der sprachlichen Präzision und der gedanklichen Tiefe ebenbürtig ist. Er war kein Lyriker, der leicht und verspielt mit Worten umging. Er war einer, der jeden Satz wog, der Schönheit und Strenge zusammenführte und der in seinen Gedichten eine innere Welt offenbarte, die in den Dramen nur indirekt zugänglich ist. Grillparzer kannte die Qual des Schreibens, den Zweifel und die Erschöpfung, und er kannte auch die Momente, in denen die Sprache genau das traf, was er meinte. Diese Momente sind in seinen Gedichten bewahrt. Auf dieser Seite finden Sie seine Gedichte aus unserer Sammlung sowie alles Wissenswerte über sein Leben, sein Werk und seine bleibende Bedeutung für die österreichische und die deutschsprachige Literatur.

Inhaltsverzeichnis

Franz Grillparzer: Leben und Herkunft

Franz Seraphicus Grillparzer wurde am 15. Januar 1791 in Wien geboren, als drittes von fünf Kindern einer gutbürgerlichen Familie. Sein Vater Wenzel Grillparzer war Rechtsanwalt, gebildet, aber von einer Strenge, die das Haus prägte und den Sohn formte, ohne ihn zu wärmen. Die Mutter Maria Franziska war musikalisch begabt und tief religiös, aber auch von einer Schwermut geplagt, die sich in der Familie wie ein stiller Schatten fortpflanzte. Drei ihrer Söhne, darunter Franz, litten ihr Leben lang unter Depressionen, und die Mutter selbst nahm sich 1819 das Leben, ein Verlust, der Grillparzer tief erschütterte und in seinem Werk Spuren hinterließ, die er selbst nie vollständig benennen konnte.

Die Kindheit in Wien war von dem kulturellen Reichtum der Kaiserstadt geprägt, aber auch von der Enge einer Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen den Ständen noch deutlich gezogen waren und in der der Einzelne wenig Spielraum für Eigenwilligkeit hatte. Grillparzer lernte früh, was es bedeutet, in einem System zu leben, das Kontrolle über das Denken und Schreiben ausübte, und dieser frühe Unterricht in der Kunst der Anpassung ohne Selbstaufgabe prägte seine gesamte Lebenshaltung.

Franz Grillparzer starb am 21. Januar 1872 in Wien, wenige Tage nach seinem 81. Geburtstag. Er war der letzte große Vertreter der Wiener Klassik und überlebte die meisten seiner literarischen Zeitgenossen um Jahrzehnte. Sein Tod war der Abschluss eines langen, schwierigen und produktiven Lebens, das die österreichische Literaturgeschichte auf eine Weise geprägt hat, die bis heute nachwirkt.

Wien als Lebensraum und Bürde

Wien war für Grillparzer alles: Heimat, Bühne, Gefängnis und Liebe zugleich. Er hasste die Enge der Stadt, ihre Neigung zu Tratsch und Kritik, die Selbstgefälligkeit des Wiener Publikums und die Macht der Zensur, die sein Schreiben einschränkte. Und er liebte die Stadt mit der Treue eines Mannes, der weiß, dass er ohne sie nicht er selbst wäre. Er verließ Wien mehrfach auf Reisen, nach Deutschland, nach Griechenland, nach Spanien und England, aber er kehrte immer zurück, und die Rückkehr war immer von einer Mischung aus Erleichterung und Resignation begleitet.

Die Stadt erscheint in Grillparzers Werk auf vielfältige Weise: als Ort der Bürokratie, als Ort der Kunst, als Ort der gesellschaftlichen Konventionen, die das Individuum erdrücken. Das Wiener Biedermeier, jene Epoche zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Revolution 1848, war eine Zeit des erzwungenen Rückzugs ins Private, der Unterdrückung des Politischen durch Metternichs Zensurapparat. Grillparzer war ein Kind dieser Zeit, auch wenn er sie gleichzeitig ablehnte. Die Spannung zwischen dem Wunsch nach Äußerung und dem Zwang zum Schweigen ist in seinen Gedichten ebenso spürbar wie in seinen Dramen.

Das Wiener Burgtheater war die wichtigste kulturelle Institution in Grillparzers Leben. Hier wurden seine Dramen uraufgeführt, hier erlebte er Triumphe und Niederlagen, und hier fand er das Publikum, das ihn gleichzeitig begeisterte und enttäuschte. Das Verhältnis zwischen dem Dichter und dem Burgtheater war nie ungetrübt: Grillparzer kannte das Urteil der Wiener genau, und er wusste, dass es nicht immer das gerechteste war.

Der Beamte und der Dichter: Ein lebenslanger Konflikt

Grillparzer arbeitete sein gesamtes Berufsleben als Beamter im österreichischen Staatsdienst, zunächst in verschiedenen Positionen, schließlich als Direktor des Hofkammerarchivs, ein Amt, das er 1832 übernahm und bis zu seiner Pensionierung 1856 innehatte. Diese Doppelexistenz als Staatsbeamter und Dichter war eine ständige Quelle von Spannung und Erschöpfung: Der Beamte brauchte Ordnung, Verlässlichkeit und Anpassung; der Dichter brauchte Freiheit, Zeit und die Bereitschaft, das Unbequeme auszusprechen.

Grillparzer hat diese Spannung nie vollständig aufgelöst, aber er hat aus ihr gemacht, was möglich war. Der Beamte sicherte die materielle Existenz und gab dem Dichter die Freiheit, nicht schreiben zu müssen, was er nicht schreiben wollte. Der Dichter versorgte den Beamten mit dem Gefühl, dass das Leben mehr war als Akten und Protokolle. Dieses Arrangement war unvollkommen, aber es funktionierte, nach seiner eigenen unperfekten Art.

Die Beamtentätigkeit hatte auch einen unerwarteten Vorteil: Sie konfrontierte Grillparzer täglich mit der österreichischen Gesellschaft in ihrer bürokratischen Gestalt, mit den Mechanismen der Macht und der Ohnmacht, mit der Langsamkeit der Institutionen und der Willkür der Einzelentscheidungen. Diese Erfahrungen flossen in sein dramatisches Werk ein und gaben ihm eine gesellschaftliche Schärfe, die ihm als reiner Privatgelehrter vielleicht gefehlt hätte.

Sprache, Form und dichterischer Stil

Grillparzers lyrische Sprache ist von einer Strenge geprägt, die manche als Kälte missdeuten. Sie ist keine Kälte, sondern Präzision: der Wille, das Gemeinte so genau zu formulieren, dass kein Missverständnis möglich ist, und die Bereitschaft, dafür auf alles zu verzichten, was nur schön klingt, aber nichts sagt. Diese Haltung macht seine Gedichte manchmal weniger unmittelbar zugänglich als die eines Eichendorff oder Heine, aber sie macht sie dauerhafter: Man kann ein Grillparzer-Gedicht viele Male lesen und immer noch neue Schichten entdecken.

Formal war Grillparzer ein Traditionalist. Er schrieb in den überlieferten Formen seiner Zeit, Sonette, Oden, Epigramme, ohne das Bedürfnis zu spüren, die Form zu zertrümmern oder zu erneuern. Was ihn interessierte, war nicht die Neuerung der Form, sondern die vollständige Ausschöpfung ihrer Möglichkeiten. Diese Haltung ist derjenigen Lessings nicht unähnlich: Die Form als Werkzeug, das man beherrschen muss, bevor man mit ihr sprechen kann.

Sein Epigramm ist dabei besonders hervorzuheben. Grillparzer schrieb Epigramme von einer Schärfe und Knappheit, die an die besten der deutschen Tradition anknüpfen und sie gleichzeitig mit einem österreichischen Ton versehen, der sie unverwechselbar macht. In zwei Zeilen konnte er einen Zeitgenossen treffen, eine gesellschaftliche Heuchelei entlarven oder eine philosophische Einsicht formulieren, die lang im Gedächtnis blieb. Diese Fähigkeit zur Verdichtung ist das Zeichen eines Dichters, der sein Handwerk in vollständigem Umfang beherrschte.

Die Dramen: Grillparzers eigentliches Reich

Auch wenn diese Seite Grillparzers Lyrik gewidmet ist, wäre es unvollständig, seine Dramen zu übergehen, weil sie und die Lyrik aus derselben Quelle stammen und weil das Verständnis der einen das Verständnis der anderen vertieft. Grillparzers Dramen sind die bedeutendsten des österreichischen Theaters und gehören zum Besten, was die deutschsprachige Bühne des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

"Die Ahnfrau" (1817), sein erstes großes Bühnenerfolg, ist ein Schicksalsdrama von einer Wucht, die das Wiener Publikum überwältigte. "Sappho" (1818) behandelt das Thema der Künstlerin, die zwischen dem Anspruch der Kunst und dem Verlangen nach menschlicher Liebe zerrissen wird, ein Thema, das Grillparzer persönlich naheging. Das Trilogienwerk "Das goldene Vlies" (1821) bearbeitet den Medea-Stoff mit einer psychologischen Tiefe, die ihrer Zeit weit voraus war.

Später folgten "König Ottokars Glück und Ende" (1825), ein historisches Drama über den böhmischen König und seinen Konflikt mit Rudolf von Habsburg, das durch seinen österreichischen Nationalbezug besondere Bedeutung gewann, "Des Meeres und der Liebe Wellen" (1831), eine Neudeutung des Hero-und-Leander-Stoffs von zeitloser Schönheit, und "Der Traum ein Leben" (1834), ein philosophisches Traumspiel, das Calderon und dem Wiener Volkstheater gleichzeitig verpflichtet ist. Diese Werke sind die Pfeiler, auf denen Grillparzers Ruhm ruht, und sie erklären, warum die Lyrik in seinem Schatten stand.

Kathi Fröhlich: Die ewige Braut

Das wichtigste persönliche Verhältnis in Grillparzers Leben war das zu Katharina Fröhlich, genannt Kathi, einer der vier Fröhlich-Schwestern, die im Wiener Kulturleben des Biedermeier eine bedeutende Rolle spielten. Grillparzer lernte Kathi um 1821 kennen, verlobte sich mit ihr, lebte aber nie mit ihr zusammen und heiratete sie nie, obwohl die Bindung bis zu seinem Tod Bestand hatte.

Diese merkwürdige lebenslange Verlobung ohne Ehe ist eines der rätselhaftesten Kapitel in Grillparzers Biografie und ein Schlüssel zum Verständnis seiner Persönlichkeit. Er liebte Kathi, das steht außer Frage. Aber er war auch unfähig oder unwillig, die Bindung vollständig einzugehen, die eine Ehe bedeutet hätte. Die Gründe dafür waren vielfältig: Angst vor dem Verlust der persönlichen Freiheit, Zweifel an der eigenen Fähigkeit zur dauerhaften Bindung, und vielleicht auch das Gefühl, dass die Unvollständigkeit dieser Beziehung sie für seine Kunst fruchtbarer machte als ihre Erfüllung.

Kathi Fröhlich blieb Grillparzer in bemerkenswerter Treue verbunden und pflegte ihn im Alter. Nach seinem Tod erbte sie seinen Nachlass und sorgte für die Bewahrung seines Werkes. Diese Treue, die Grillparzer selbst nie vollständig erwidert hatte, ist eines der bewegendsten Elemente seiner Biografie und verleiht der Beziehung eine Würde, die ihre formale Unvollständigkeit übersteigt.

Melancholie und Selbstzweifel als Lebenshaltung

Grillparzer war ein Mann, der sich das Schreiben selten leicht machte. Selbstzweifel war für ihn keine gelegentliche Erscheinung, sondern eine Grundhaltung, mit der er sein gesamtes Leben umgehen musste. Er hinterfragte seine Werke, noch während er sie schrieb, er zweifelte an ihrem Wert, nachdem er sie abgeschlossen hatte, und er litt unter der Kritik, auch wenn er sie als unberechtigt ablehnte. Diese Empfindlichkeit machte ihn verletzbar, aber sie machte ihn auch zu einem Dichter, der nie oberflächlich war.

Die Melancholie, die sein Werk durchzieht, ist keine romantische Pose, sondern eine echte Grundstimmung, die aus persönlichen Erfahrungen herrührte: dem frühen Tod des Vaters, dem Selbstmord der Mutter, den gescheiterten oder unvollendeten Liebesbeziehungen, den Enttäuschungen durch das Wiener Publikum und die Zensur. Diese Erfahrungen haben ihn nicht gebrochen, aber sie haben ihm eine Tiefe gegeben, die in seinem Werk auf jeder Seite spürbar ist.

In seinen Gedichten erscheint diese Melancholie in einer Form, die sich von der Traurigkeit anderer Dichter unterscheidet: Sie ist nicht süß, nicht self-indulgent, nicht theatralisch. Sie ist sachlich, fast nüchtern, von einer Kälte, die größer erscheint, weil sie so wenig auf Mitgefühl ausgerichtet ist. Grillparzer klagte nicht, er konstatierte. Und diese Konstatierung trifft tiefer als jede Klage.

Grillparzer und das österreichische Wesen

Grillparzer gilt als der österreichische Dichter schlechthin, und dieser Ruf hat seine Grundlage in einer tatsächlichen Entsprechung zwischen seiner Persönlichkeit und dem, was man als österreichisches Wesen beschreiben könnte: die Neigung zur Melancholie bei gleichzeitiger Lebensbejahung, die Verbindung von kulturellem Reichtum und politischer Ohnmacht, das Misstrauen gegenüber dem großen Wort und die Wertschätzung des Konkreten, der Ironie und des Understatements.

Diese österreichische Haltung zeigt sich besonders in seiner Beziehung zum deutschen Nationalbewusstsein des 19. Jahrhunderts. Grillparzer war kein österreichischer Nationalist, aber er war auch kein deutscher Nationalist: Er hatte ein feines Gespür für die Unterschiede zwischen der österreichischen und der preußischen Mentalität, und er beschrieb sie in einem Aphorismus, der zu einem der meistzitierten seiner Sprüche wurde. Er sah, wohin der deutsche Nationalismus führte, und er distanzierte sich davon mit einer Schärfe, die ihm viele Feinde machte.

Das Österreichische bei Grillparzer ist aber keine Beschränkung, sondern eine Perspektive: die Perspektive eines Mannes, der in einem Vielvölkerstaat lebte, der verschiedene Kulturen und Sprachen in sich vereinte, und der gelernt hatte, dass Eindeutigkeit und Uniformität keine Tugenden sind, sondern Anzeichen von Armut. Diese Erfahrung gibt seinem Werk eine Weltoffenheit, die es über das Regionale hinaushebt.

Zensur, Rückzug und das Schreiben für die Schublade

Die Zensur unter Metternichs Regime war eine der prägenden Erfahrungen von Grillparzers Schriftstellerleben. Sein Drama "König Ottokars Glück und Ende" wurde jahrelang von der Zensur zurückgehalten, bevor es 1825 aufgeführt werden konnte. Sein Drama "Ein Bruderzwist in Habsburg" wurde überhaupt nicht mehr zu seinen Lebzeiten aufgeführt: Er schrieb es, legte es in die Schublade und ließ es dort. Ebenso erging es "Libussa" und "Die Jüdin von Toledo", die beide erst posthum uraufgeführt wurden.

Diese Erfahrung des erzwungenen Schweigens hat Grillparzer tief geprägt. Er entwickelte eine Haltung des inneren Rückzugs, die er selbst als seine natürliche Art beschrieb, die aber auch eine Reaktion auf äußere Zwänge war. Er schrieb weiter, auch wenn er nicht veröffentlichte, weil das Schreiben für ihn nicht aufhörte notwendig zu sein, nur weil die Bedingungen der Veröffentlichung unmöglich waren.

Die posthum aufgeführten Dramen sind dabei nicht schwächer als die früheren: Im Gegenteil haben manche Interpreten argumentiert, dass Grillparzers Spätwerk, das er ohne Rücksicht auf das Wohlgefallen des Publikums schreiben konnte, freier und tiefer ist als die Werke, die er mit dem Gedanken an Aufführung und Rezeption schrieb. Das Schreiben für die Schublade kann eine Form von Freiheit sein.

Zwischen Klassik und Romantik

Grillparzer ist literaturgeschichtlich schwer einzuordnen, was ein Zeichen für seine Eigenständigkeit ist. Er wird häufig der Wiener Klassik zugerechnet, einer Epoche, die die Prinzipien der Weimarer Klassik auf den österreichischen Kontext überträgt. Aber er ist auch von der Romantik beeinflusst, von der Tieck und Schlegel, von der spanischen Barockdramatik und vom Wiener Volkstheater. Diese Vielfalt der Einflüsse macht ihn zu einer Gestalt, die sich keiner Schublade fügt.

Was ihn von der deutschen Romantik unterscheidet, ist ein entscheidender Zug: Er blieb immer geerdet, immer dem Konkreten und der Wirklichkeit verpflichtet, ohne die romantische Neigung zum Überschwang und zur Weltflucht zu teilen. Was ihn von der Weimarer Klassik unterscheidet, ist die österreichische Melancholie, die Ironie und die Bereitschaft, das Scheitern als ernstzunehmendes Ende zu behandeln und nicht als Durchgangsstadium zu einer höheren Harmonie.

Diese Zwischenstellung macht ihn zu einem der interessantesten Autoren seiner Zeit: Er ist weder der Optimismus der Klassik noch das Überschwängliche der Romantik, sondern etwas dazwischen, etwas Eigenes, das mit dem Wort Österreich nur unvollständig beschrieben ist.

Nachwirkung und kulturelle Bedeutung

Grillparzers Nachwirkung ist in Österreich ungleich tiefer als im übrigen deutschsprachigen Raum, was seiner Rolle als österreichischer Nationaldichter entspricht. Er ist präsent in Schulen, in Theatern, in der Benennung von Straßen, Plätzen und Institutionen, und er ist präsent in der österreichischen Literatur als Referenzpunkt, an dem sich spätere Autoren abgearbeitet haben, von Arthur Schnitzler bis Thomas Bernhard.

International ist Grillparzer weniger bekannt als Goethe, Schiller oder Kleist, was damit zusammenhängt, dass seine Dramen eng mit dem österreichischen Kontext verbunden sind und im Übersetzen spezifische Qualitäten verlieren. Auf deutschen Bühnen wird er regelmäßig gespielt, aber er ist nie zu dem geworden, was Schiller für das deutsche Theater ist: eine unvermeidliche Größe.

Für das Verständnis der österreichischen Literatur und Kultur ist Grillparzer jedoch unverzichtbar. Er hat ein Bild des österreichischen Menschen gezeichnet, das bis heute gültig ist: ambivalent, melancholisch, kulturell reich und politisch ohnmächtig, ironisch gegenüber den eigenen Schwächen und misstrauisch gegenüber dem großen Pathos. Dieses Bild ist nicht schmeichelhaft, aber es ist ehrlich, und Ehrlichkeit war immer Grillparzers größte Stärke.

  • Grillparzer-Preis: Die Österreichische Akademie der Wissenschaften verleiht seit 1874 den Grillparzer-Preis für dramatische Dichtung, einen der ältesten Literaturpreise des deutschsprachigen Raums.
  • Burgtheater Wien: Das Burgtheater, an dem Grillparzer sein gesamtes dramatisches Leben verbrachte, pflegt sein Werk bis heute und führt seine Dramen regelmäßig auf.
  • Grillparzer im Schulkanon: Dramen wie "Des Meeres und der Liebe Wellen" und "Der arme Spielmann" gehören zum Pflichtkanon des österreichischen Schulunterrichts und führen Generationen von Schülerinnen und Schülern an sein Werk heran.
  • Grillparzer-Gesellschaft: Die 1890 gegründete Gesellschaft widmet sich der Erforschung und Verbreitung von Grillparzers Leben und Werk und ist eine der ältesten Literaturgesellschaften des deutschsprachigen Raums.
  • Österreichischer Nationaldichter: Grillparzer gilt als der österreichische Nationaldichter schlechthin, eine Stellung, die er selbst mit der ihm eigenen Ironie kommentiert hätte, aber die die Bedeutung seines Werkes für die österreichische Identität zutreffend beschreibt.

Gedichte von Franz Grillparzer

Unsere Sammlung mit Gedichten von Franz Grillparzer wächst stetig weiter. Wir legen dabei besonderen Wert darauf, die ganze Bandbreite seines lyrischen Werkes abzubilden: die frühen Gedichte ebenso wie die Epigramme, die nachdenklichen Verse der mittleren Jahre und die stillen Texte des Alters. Denn Grillparzer ist als Lyriker mehr als eine Ergänzung zu den Dramen: Er ist ein eigenständiger Dichter, der in seinen Gedichten eine innere Welt öffnet, die in den Dramen nur ahnen lässt, was er wirklich dachte und fühlte.

Wenn Sie ein bestimmtes Gedicht in unserer Sammlung vermissen oder uns auf einen Text aufmerksam machen möchten, der hier noch fehlt, freuen wir uns sehr über Ihre Nachricht an die E-Mail-Adresse in unserem Impressum. Wir prüfen jeden Hinweis sorgfältig und sind für jede Rückmeldung dankbar, die unsere Sammlung vollständiger und lebendiger macht.

Aktuell haben wir 8 Gedichte von Franz Grillparzer in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:

Des Winters Hauch

Des Winters Hauch
entblättert den Strauch,
und wütende Sturmwinde heulen;
an des Hügels Hang,
wo die Lerche sonst sang,
erkrächzen nun Raben und Eulen.

Die Rose liegt
vom Frost geknickt,
und jubelnd hüllet der Winter
in raschem Flug
sein Leichentuch
um Floras blühende Kinder.

Die Schwalbe ruft
aus rauher Luft
ihr Lebewohl hernieder,
blickt noch einmal herab
auf das weite Grab
und flieht dann auf schnellem Gefieder,
und alles ist stumm
und tot ringsum,
kein Laut ertönt aus den Höhen,
nur am sumpfigen Teich,
im matten Gesträuch,
tanzt ein Chor von krächzenden Krähen.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Wintergedichte

In ein Stammbuch

Dem nur blühet wahres Glück,
Den auf seinem Pfade Freundschaft leitet.
Was es seinen Lieblingen bereitet,
Gab dir alles das Geschick.
Eins nur ist zu geben mir geblieben
Und dies einzige biet ich dir an:
Eine Seele, die dich innig lieben
Und dir Freundschaft geben kann.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Freundschaftsgedichte

Stammbuch

Werde, was du noch nicht bist,
bleibe, was du jetzt schon bist.
In diesem Bleiben und diesem Werden
liegt alles Schöne hier auf Erden.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Geburtstagsgedichte

Sehnsucht nach Liebe

Alles liebet, alles scherzet
In der fröhlichen Natur;
Alles küsset, alles herzet
Auf den Höhn in Wald und Flur!

Läßt der holde Lenz sich nieder,
Sanft umschwärmt vom lauen West,
Senkt der Vogel sein Gefieder,
Bauet liebend sich ein Nest.

Und der Löwe flieht das Morden,
Das sonst höchste Lust ihm schafft;
Er verläßt der Brüder Horden,
Huldigt Amors Zauberkraft.

Und dir soll ich mich entziehen,
Die uns menschlich fühlen lehrt?
Liebe! ach, dich soll ich fliehen,
Die der Tiger selbst verehrt?

Ich allein nur soll dich meiden,
Holde Spenderin der Lust?
Ich soll wilde Tiere neiden
Um das Fühlen ihrer Brust?

Nein! dem schönsten aller Triebe
Sei mein fühlend Herz geweiht!
Schenke mir Themirens Liebe,
Amor, Gott der Zärtlichkeit!
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Gedichte Sehnsucht

Was die Erde Schönes kennt

Was die Erde Schönes kennt,
Was sie hold und lieblich nennt,
Was sie hoch und heilig glaubt,
reicht nicht an des Vaters Haupt.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Vatertagsgedichte

Werde was du noch nicht bist

Werde was du noch nicht bist.
Bleibe was du jetzt schon bist.
In diesem Bleiben und diesem Werden
Liegt alles Schöne hier auf Erden.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Taufgedichte

Wert der Freundschaft

So feurig, unverfälscht und rein,
wie unsers Vaterlandes Wein,
muß Freundschaft sein; fest muß sie halten,
wenn auch des Schicksals Mächte schalten;
Sie kann uns Seligkeit bereiten,
selbst wenn wir mit dem Unglück streiten,
und nimmer reizt selbst Krösus Gold
den Glücklichen, dem sie ist hold;
er wird nicht nach dem Glücke laufen,
um das sonst Menschenkinder raufen,
und wenn die Freunde Freund ihn grüßen,
kann keine Unbild ihn verdrießen.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Freundschaftsgedichte

Zur goldenen Hochzeit

Golden, silbern, eisern, ehern
Nennt die Alter man der Welt,
Und zum mindern von dem höhern
Schreitet fort sie, wird erzählt.

Doch der Mensch in unsern Tagen
Sieht die Alter sich verkehrt:
Jugend, die schon Sorgen plagen,
Zeigt nur eisern ihren Wert.

Erzgewappnet geht das Leben,
Selbst die Liebe wird zum Streit,
Und dem stets erneuten Streben
Liegt der Ruhe Glück so weit.

Erst nach durchgekämpften Jahren
Lacht das Schicksal wieder hold,
Und mit Silber in den Haaren
Wird die Zeit, die Ehe - Gold.
Autor: Franz GrillparzerKategorie: Gedichte zur goldenen Hochzeit