Trauergedichte

Sie bereiten eine Beerdigung vor? Wenn ein Mensch stirbt, der allseits gemocht, geliebt und geschätzt wurde, dann hinterlässt er eine große Lücke: Zu den um ihn trauernden Menschen gehören Familienangehörige, Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen, Gemeindemitglieder, Vereinsmitglieder und/oder Parteifreunde. Trauergedichte können in Gedenken an den Verstorbenen oder als Aufmunterung an die Hinterbliebenen nicht nur vor und während des Begräbnisses, sondern auch während des anschließenden gemeinsamen Essens vorgetragen werden. Oder suchen Sie ein Gedicht für eine Trauerkarte? Es ist Tradition, dass sie per Post verschickt oder persönlich überreicht wird. In Zeiten des Internets gibt es zudem die Option, per E-Mail Trauergedichte zu versenden oder damit auf einer Website an den Toten zu erinnern. Die Zeilen beziehungsweise Verse können darüber hinaus religiösen Inhalts sein. Beispiele für Trauergedichte aller Art sehen Sie hier. Sie sind zugleich ein Fundus, falls Sie selbst ein Trauergedicht schreiben wollen und dafür Anregungen brauchen.

Am Grabe meiner Mutter
Ahn'st Du wohl des Kindes Sehnen,
Dem die Erde nun so arm?
Fühlst Du nicht die heißen Thränen?
Netzen sie Dein Herz nicht warm?
Schlumm're sanft und träume Freuden,
Trugst genug der ird'schen Pein;
Und vergiß die herben Leiden,
Ruhe aus lieb' Mütterlein!
Ruh' im Schoos der Mutter Erden
Bis ertönt des Schöpfers Ruf,
Und zur Krön' die Perlen werden,
Die Dir Lieb' als Thränen schuf! -

Autor: Peter Auzinger

An die Vergessene
Das Grab hat dich verschlungen,
Da schlummert dein Gebein;
Das Sterbelied ist verklungen,
Wer denkt noch fürder dein?
Ach! alle sind verschwunden,
Die einst geweint mit mir;
Ich hab’ allein gefunden
Den stillen Weg zu dir.

Ich kann es nimmer fassen,
Dass noch der Frühling glüht,
Dass nicht die Blumen blassen,
Seitdem du ausgeblüht;
Dass nicht ein schmerzlich Bangen
Durch jeden Jubel geht,
Seitdem du heimgegangen
Sanft, wie ein Nachtgebet.

Unendlich war dein Lieben,
Groß wie die Welt dein Herz;
Dies bleibet tief geschrieben
In meines Schmerzes Erz.
Lass dich getrost vergessen –
Wenn jedes Band zerbricht,
Wenn alle dich vergessen,
Mein Herz vergisst dich nicht!

Ein Lied, das, kaum geboren,
Auf leisem Hauch entschwebt,
Und doch so unverloren
In treuem Busen lebt –
So lebst du mir in Dauer:
Bist ein verklungnes Lied,
Das durch der Seele Trauer
Mit ew’gem Singen zieht.

Autor: Ludwig Pfau

Auf den Tod eines Kindes
Du kamst, Du gingst mit leiser Spur,
ein flücht’ger Gast im Erdenland;
Woher? Wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.

Autor: Ludwig Uhland

Auf der anderen Seite des Weges
Der Tod ist nichts,
ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.
Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht keine andere Redeweise,
seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht weiterhin über das,
worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Betet, lacht, denkt an mich,
betet für mich,
damit mein Name ausgesprochen wird,
so wie es immer war,
ohne irgendeine besondere Betonung,
ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war.
Der Faden ist nicht durchschnitten.
Weshalb soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg,
nur auf der anderen Seite des Weges.

Autor: Charles Péguy

Auferstehung
Wenn einer starb, den du geliebt hienieden,
So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe,
Dass ernst und still es sich mit dir ergehe
Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.
Da fühlst du bald, dass jener, der geschieden,
Lebendig dir im Herzen auferstehe;
In Luft und Schatten spürst du seine Nähe,
Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden.
Ja, schöner muss der Tote dich begleiten,
Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein,
Und treuer – denn du hast ihn alle Zeiten.
Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein
Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten;
Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

Autor: Emanuel Geibel

Das Bild in meinen Händen
Das Bild in meinen Händen ist´s
was mir blieb von Dir,
ein Bild gedruckt nur,
gedruckt nur auf Papier.

Das Bild, es wird verblassen,
wenn erst die Zeit vergeht.
Das Bild in meinem Herzen
wird alle Zeit bestehn.

Ach könnt ich es nur tauschen,
dies Bild hier auf Papier,
wie gern gäb ich es von mir,
wärst Du nur wieder hier.

Autor: Beate Schreyer

Dein Licht wird ewig brennen
Hier sitze ich und bin entsetzt,
kann kaum ein Wörtchen sagen,
Dein Tod hat mir mein Herz zerfetzt,
kann nicht den Schmerz ertragen!

Du wechselst nur ins Seelenkleid,
gehörst zu den Erlösten,
bist von der Last der Welt befreit,
versuch ich mich zu trösten.

Noch klappt es nicht, es fällt mir schwer,
Dich einfach loszulassen,
ertrinke fast im Tränenmeer,
den Tod muss ich jetzt hassen!

Trotzdem verlier ich nicht den Mut.
Ein Licht wird ewig brennen
für Dich, sehr hell, sehr schön und gut,
ich will‘s Erinn‘rung nennen.

So bleibst Du eben doch noch hier,
gingst Du auch durch die Schranken.
Du lebst, Du wachst, Du stehst bei mir
in Träumen und Gedanken!

Autor: Helga Kurowski

Der Lebensbaum
Ich hab die Nacht im Traum gesehn,
den Lebensbaum, er war so schön,
doch an dem schönen Baume, ach,
da fehlte doch ein kleiner Ast,
der lag zerstört am Erdenreich
und seine Blüten wurden bleich
und in der schönsten Blüte, ach,
da stand Dein Name noch
ganz schwach.

Da hab ich es sofort gewusst,
dass Deine Seel´jetzt reisen muss.
Dein Leben, wie im Traum verbracht,
hat ein Sturm zerstört bei Nacht
und wenn der neue Morgen graut,
dann ist Dein Leben ausgehaucht.

Doch Deine Seel´, die ewig lebt,
dann auf ihre Reise geht,
bis sie kommt ins Himmelreich,
wo alle Menschen werden gleich
und die Ewigkeit der Welt
Dich in ihren Armen hält.

Autor: Beate Schreyer

Der Ölbaum-Garten
Er ging hinauf unter dem grauen Laub
ganz grau und aufgelöst im Ölgelände
und legte seine Stirne voller Staub
tief in das Staubigsein der heissen Hände.

Nach allem dies. Und dieses war der Schluss.
Jetzt soll ich gehen, während ich erblinde,
und warum willst du, dass ich sagen muss
du seist, wenn ich dich selber nicht mehr finde.

Ich finde dich nicht mehr. Nicht in mir, nein.
Nicht in den anderen. Nicht in diesem Stein.
Ich finde dich nicht mehr. Ich bin allein.

Autor: Rainer Maria Rilke

Er sprach zu mir...
Er sprach zu mir: Halt dich an mich,
es soll dir jetzt gelingen;
ich geb' mich selber ganz für dich,
da will ich für dich ringen;
denn ich bin dein und du bist mein,
und wo ich bleibe, da sollst du sein;
uns soll der Tod nicht scheiden.

Autor: Martin Luther

Erinnerung
Vergangen ist Dein Lachen,
verklungen ist Dein liebes Wort,
still und leis bist Du gegangen,
hin zu einem andren Ort.

Konnte dir dorthin nicht folgen,
musst noch bleiben wo ich war,
werd dich lange nicht mehr sehen,
doch immer sprüren, sonderbar.

Wo dich mein Auge nicht kann finden,
sieht mein Herz dich immer fort,
über aller Zeiten Gründe
bleibst Du bei mir,

gehst niemals fort.

Autor: Beate Schreyer

In der Fremde
Ich hör’ die Bächlein rauschen
Im Walde her und hin,
Im Walde in dem Rauschen
Ich weiß nicht, wo ich bin.

Die Nachtigallen schlagen
Hier in der Einsamkeit,
Als wollten sie was sagen
Von der alten, schönen Zeit.

Die Mondesschimmer fliegen,
Als seh’ ich unter mir
Das Schloss im Tale liegen,
Und ist doch so weit von hier!

Als müsste in dem Garten,
Voll Rosen weiß und rot,
Meine Liebste auf mich warten,
Und ist doch lange tot.

Autor: Joseph von Eichendorff

Letzte Wache
Wie dunkel sind deine Schläfen.
Und deine Hände so schwer.
Bist du schon weit von dannen,
Und hörst mich nicht mehr.

Unter dem flackenden Lichte
Bist du so traurig und alt,
Und deine Lippen sind grausam
In ewiger Starre gekrallt.

Morgen schon ist hier das Schweigen
Und vielleicht in der Luft
Noch das Rascheln von Kränzen
Und ein verwesender Duft.

Aber die Nächte werden
Leerer nun, Jahr um Jahr.
Hier wo dein Haupt lag, und leise
Immer dein Atem war.

Autor: Georg Heym

Meine letzten Flügelschläge
Oben weit am Himmelsende
will ich leuchten sternegleich
wenn ich deine Augen blende
warte so im Himmelreich

Oben dort da Sterne stehen
lebe ich im Lichterort
werd dich sicher wiedersehen
darauf gebe ich mein Wort

Meine letzten Flügelschläge
hier auf Erden sind getan
nicht dass ich hier immer läge
fang doch jetzt von vorne an

Übersende ich von Eden
dir herzallerliebsten Kuss
werde immer mit dir reden
wie ein Engel reden muss

Autor: Marcel Strömer (Magdeburg, 28.11.2014)

Meine Tränen
Es tropfen meine Tränen
Auf heißen Wüstensand.
Jedoch sie nimmer währen
Wenn ihr mich nicht gebrannt.
Ich misse die Gedanken,
Die ihr mit mir geteilt.
Sie warn wie Rosenranken,
Hab´n lang bei mir geweilt.
Ich denke an euch ewig,
Denn ihr, ihr fehlet mir.
Möget ihr ruhen seelig,
Und bleibet immer hier.

Ich denke weil ich bin.
Ich lebe weil ich bin.
Ich liebe weil ich bin.
So liebte ich auch euch.

In gedenken an Uwe, Annemarie, Anneliese, Hilde, Rabea und Jan Phillip.

Autor: Nina W.

Mitunter weicht von meiner Brust...
Mitunter weicht von meiner Brust,
Was sie bedrückt seit deinem Sterben;
Es drängt mich, wie in Jugendlust,
Noch einmal um das Glück zu werben.

Doch frag ich dann: Was ist das Glück?
So kann ich keine Antwort geben
Als die, dass du mir kämst zurück,
Um so wie einst mit mir zu leben.

Dann seh ich jenen Morgenschein,
Da wir dich hin zur Gruft getragen;
Und lautlos schlafen die Wünsche ein,
Und nicht mehr will ich das Glück erjagen.

Autor: Theodor Storm

Schwerer Abschied
Niemals werd ich das vergessen,
Wie dein Arm mich noch umfing,
Jedes Wort beim bangen Pressen
Dir in Tränen unterging.
Ach, wir lernten erst im Scheiden
Unsre Liebe ganz verstehn,
Und doch war's uns beiden;
beiden:
s'ist auf Nimmerwiedersehn!

Seit der Stunde jener Schmerzen
Noch den Druck von deiner Hand
Fühl' ich kühl auf meinem Herzen,
Wie ich damals ihn empfand.
Und wenn alles schweigt um mich,
Mir aufs Bett die Sterne scheinen,
Ist mir oft, ich höre dich
In der Ferne weinen.

Autor: Emanuel Geibel

Tod und Trennung
Gottes Milde mocht es fügen,
Liegt ein Mensch in letzten Zügen,
Stehn am Sterbepfühl die Seinen,
Dass sie müssen weinen, weinen;

Dass sie nicht vor Tränen schauen
Das unnennbar bange Grauen,
Wie der Geist verlässt die Hülle,
Letztes Zucken, tiefe Stille.

Weh dem Tränenlosen, wehe,
Der sich wagt in Sterbens Nähe,
Denn ihm kann durchs ganze Leben
Jenes Grauen heimlich beben.

Doch ein Anblick tiefrer Trauer,
Bänger als des Sterbens Schauer,
War es, könnt ein Aug es fassen,
Wie zwei Herzen sich verlassen.

Autor: Nikolaus Lenau

Trauer
Auf den alten lieben Witthoh
Lenkt' ich wieder meine Schritte,
Dieses Mal mit schwerem Herzen
Und mit tiefer, tiefer Trauer,
Denn sie hatten, ach, im Märzen
Mir mein Töchterlein begraben!
Drosselsang und Lerchentriller
Grüßt' ich sonst mit lautem Jubel,
Heute aber war's, als sängen
Alle Vöglein Trauerlieder,
Und die ersten Frühlingsblümchen,
Anemonen nemorosa,
Osterglocken, blaue Veilchen
Ließen, so hat mir's geschienen,
Alle ihre Köpfchen hängen,
Und es kam mir der Gedanke:
Mehr sieht man oft mit dem Herzen
Als mit Augen sich die Welt an: -
Liegt im Herzen Winterschwermut,
Sieht es draußen keinen Frühling;
Liegt im Herzen Freud und Lenzlust,
Sieht es draußen keinen Winter.

Also lenkt' ich meine Schritte
Wieder auf den lieben Witthoh
Und mit großer Wehmut pflückte
Ich die ersten Anemonen,
Meines Kindes liebste Blumen,
Und ich band drei zarte Sträußchen;
Eines legt' ich auf den Hügel
Meines kleinen holden Engels
Und die beiden andern will ich
Nun als Trauergruß versenden.
Grüßet, grüßet, erste Boten
Nahen Frühlings, grüßet freundlich
Meine lieben, treuen Freunde.
Alles, was ich möchte sagen,
Meines Herzens Not und Plagen,
Sollet ihr zu ihnen tragen,
Leise, leise schmerzlich klagen!

Autor: Paul Cornel

Trauer
Trauer hält mein Herz umfaßt,
Schwer, ach! ist des Lebens Last.
Doch gesegnet der Gebeugte,
Wie — von Frucht gebeugt — der Ast.
Selig, wer gleich ihm in Ahnung
Nahender Befreiung praßt.
Wenn Du nicht den heißen Willen,
Ferner sie zu tragen, hast —
Leichter wird des Daseins Bürde
Und ihr Druck verschwindet fast.
Drängst Du Dich mit Gier an's Leben,
Straft es bitter Deine Hast;
Bist Du stets gewillt zu scheiden,
Ehrt es Dich als edlen Gast,
Reicht zum Labetrunk die süße
Vorempfindung ew'ger Rast.

Autor: Hieronymus Lorm

Trauer
Mein Leben, meine Kraft ist hin;
Mein Glück, die Freunde, mir erkoren,
Sogar den Stolz hab' ich verloren,
Der Welt zu zeigen, was ich bin.

Wie einer treuen Führerin
Hatt' ich der Wahrheit zugeschworen;
Seitdem sie Kinder mir geboren,
Ließ ich auch sie, gesättigt, ziehn.

Doch keiner, der sie je besessen,
Die ewig jung, wird sie vergessen,
Da er durch sie gereift zum Mann.

Mir selber ist von ihrem Lieben
Mein höchstes Lebensgut geblieben:
Daß ich zuweilen weinen kann.

Autor: Alfred de Musset

Trauer
Wie schnell verschwindet
So Licht als Glanz,
Der Morgen findet
Verwelkt den Kranz,

Der gestern glühte
In aller Pracht,
Denn er verblühte
In dunkler Nacht.

Es schwimmt die Welle
Des Lebens hin,
Und färbt sich helle,
Hat's nicht Gewinn;

Die Sonne neiget
Die Röthe flieht,
Der Schatten steiget
Und Dunkel zieht:

So schwimmt die Liebe
Zu Wüsten ab,
Ach! daß sie bliebe
Bis an das Grab!

Doch wir erwachen
Zu tiefer Qual;
Es bricht der Nachen,
Es löscht der Strahl,

Vom schönen Lande
Weit weggebracht
Zum öden Strande,
Wo um uns Nacht.

Autor: Ludwig Tieck

Trauer in der Natur
Heute war ich an der Stätte,
wo ich oftmals mit dir ging,
wo dein Arm, der treue, starke
zärtlich meinen Hals umfing.

Damals blühten Sommerrosen,
heute peitscht der Sturm den Schnee,
und es starrt in eisger Decke
nun der waldumhegte See.

Unterm Strauche, wo im Lenze
Vöglein sich ihr Nest gebaut,
liegt jetzt tot ein bunter Sänger,
in der Kehle starb sein Laut.

Von dem Zauber dieser Stätte
welch ein wehmutvoller Rest! -
Seit du gingst, Geliebter, feiert
die Natur ihr Totenfest.

Autor: Else Galen-Gube

Über alle Gräber wächst...
Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.

Autor: Friedrich Rückert

Was dann?
Wo wird es bleiben,
Was mit dem letzten Hauch entweicht?
Wie Winde werden wir treiben -
Vielleicht!?

Werden wir reinigend wehen?
Und kennen jedes Menschen Gesicht.
Und jeder darf durch uns gehen,
Erkennt aber uns nicht.

Wir werden drohen und mahnen
Als Sturm,
Und lenken die Wetterfahnen
Auf jedem Turm.

Ach, sehen wir die dann wieder,
Die vor uns gestorben sind?
Wir, dann ungreifbarer Wind?
Richten wir auf und nieder
Die andern, die nach uns leben?

Wie weit wohl Gottes Gnade reicht.
Uns alles zu vergeben?
Vielleicht? - Vielleicht!

Autor: Joachim Ringelnatz

Weinen
Ich weine, weil ich dich liebe,
Ich weine, weil du es weißt,
Ich weine, weil du mich nicht liebst,
Ich weine, weil du einfach nicht siehst, wie ich um dich weine...

Autor: Tina Schlee

Weint nicht an meinem Grab
Steht nicht an meinem Grab und weint,
ich bin nicht da,
nein, ich schlafe nicht.
Ich bin eine der tausend wogenden Wellen des Sees,
ich bin das diamantende Glitzern des Schnees,
wenn ihr erwacht in der Stille am Morgen,
dann bin ich für euch verborgen,
ich bin ein Vogel im Flug,
leise wie ein Luftzug,
ich bin das sanfte Licht der Sterne in der Nacht.
Steht nicht an meinem Grab und weint,
ich bin nicht da,
nein ich schlafe nicht.

Autor: Abschiedsworte der Lakota-Indianer

Wie wenn das Leben wär nichts andres
Wie wenn das Leben wär nichts andres
als das Verbrennen eines Lichts!
Verloren geht kein einzig‘ Teilchen,
jedoch wir selber geh‘n ins Nichts!
Denn was wir Leib und Seele nennen,
so fest in eins gestaltet kaum,
es löst sich auf in tausend Teilchen
und wimmelt durch den öden Raum.
Es waltet stets dasselbe Leben,
Natur geht ihren ewg‘en Lauf;
in tausend neu erschaff‘nen Wesen,
steh‘n diese tausend Teilchen auf.
Das Wesen aber ist verloren,
das nur durch diesen Bund bestand,
wenn nicht der Zufall die verstaubten
aufs Neue zu einem Sein verband.

Autor: Theodor Storm

Winter im Herzen
Der Hoffnung letzter Blätter fallen
im Herbstbild trüber Einsamkeit
und schöne Worte die im Wind verhallen
verlassen uns für lange Zeit

Bereitet Winter seine Wege
betritt die Bühne kühler Sicht
jetzt eilen Träume letzter Flügelschläge
gen Süden, dort ins warme Licht

Die Friedenslieder durch die Wälder
singt aber nur die Stille hier
der Mensch, er trifft sein Wort nun deutlich kälter
im Blätterwald auf E-Papier

Autor: Marcel Strömer (Magdeburg, den 18.11.2015)

Wo?
Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin, mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier.
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.

Autor: Heinrich Heine

Zeit heilt alle Wunden
Wie bringt ein simpler Dufthauch die Welt so zum Wanken?
Trägt Bitterkeit und Süße die Straße entlang.
Vibrierend im fest verspannten Glas - lässt Makulatur bersten
Und Trauer drängt düster hervor
Zeit heilt alle Wunden!

Autor: Maria

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