Herbstgedichte

Alles so schön bunt hier! Wer den Herbst liebt, liebt auch Herbstgedichte. Darin werden zum Beispiel das Blätterfallen, die abnehmende Sonnenkraft oder der November-Blues beschrieben. Wer eine Pollenallergie hat, feiert den Herbst als Beginn der niesfreien Zeit: Endlich ist die Nase wieder frei. Und auch das lässt sich treffend in Verse fassen. In Herbstgedichten mit traurigem Grundtenor wird ein wehmütiges Lied angestimmt: Die warme Jahreszeit ist vorüber. Die Tage werden kürzer, erst recht wenn die Uhren umgestellt werden. Die bunten Baumkronen und das fallende Laub sind ein Symbol für das Sterben der Natur. In den Novembertagen sieht die Welt draußen grau und düster aus, und da bläst so mancher Trübsal. Anderen hingegen gefällt diese Herbststimmung sehr. Suchen Sie Herbstgedichte? Hier finden Sie eine große Auswahl.

Herbstgedichte gehören zu den ältesten und meistgepflegten Formen der Jahreszeitenlyrik. Kaum eine andere Jahreszeit bietet so viel Material für Dichterinnen und Dichter: die dramatische Farbenpracht des Laubes, der nachlassende Lärm des Sommers, das langsame Einziehen der Natur in sich selbst. All das spricht etwas an, das tiefer liegt als bloße Wetterbeobachtung.

Herbstgedichte

Inhaltsverzeichnis

Herbstgedichte

An den Herbst

O Herbst, du Zeit der Reife,
Wenn ich das Land durchstreife,
Auf dem im Sonnenschimmer
Dein sanfter Segen ruht,
Wie träumt' ich mich für immer
So mild, so froh, so gut!
Autor: Karl MayerKategorie: Herbstgedichte

Das ist der Herbst

Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,
Durch nackte Zweige fährt der Wind;
Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen -
Leb wohl, du reizend Schifferkind! --

Sie schaute mit den klaren Augen
Vom Bord des Schiffes unverwandt,
Und Grüße einer fremden Sprache
Schickte sie wieder und wieder ans Land.

Am Ufer standen wir und hielten
Den Segler mit den Augen fest -
Das ist der Herbst! wo alles Leben
Und alle Schönheit uns verläßt.
Autor: Theodor StormKategorie: Herbstgedichte

Der Herbst

Trinkt, trinkt, trinkt,
Trinkt, ihr unverdroßnen Brüder
Eures Lebens Sorgen nieder!
Singt, singt, singt,
Singt darunter frohe Lieder,
Trinkt darauf und singet wieder!

Reich, reich, reich,
Träufelt Seegen von Lyäen,
Von den weinbepflanzten Höhen!
Euch, euch, euch,
Lächelt er zukünftge Freuden,
Um die Götter euch beneiden.

Hört, hört, hört,
Hört der Winzer frohen Willen
Fässer her! wir müssen füllen.
Leert, leert, leert,
Leert dieß Faß mit tapfern Zügen,
Daß die Winzer Tonnen kriegen.
Autor: Christian Felix WeißeKategorie: Herbstgedichte

Der Herbst

Der Herbst ist da, schickt uns den Sturm
und macht die Blätter welk,
der Wald wird bunt, das sieht schön aus,
im Haus knackt das Gebälk.
Im Garten fällt das Laub herab,
wir lassen es stets liegen
und warten, bis die Blätter dann
zum Nachbarn rüberfliegen.

Man sieht ihn täglich Blätter fegen,
er gönnt sich keine Ruh’,
denn kaum hat er die Flächen frei,
weht alles wieder zu.
So sieht man ihn tagein, tagaus
mit Eifer Blätter harken.
Er locht und archiviert sie dann,
getrennt nach Art und Marken.

Der Igel läuft beim Nachbarn rum,
er sucht nach einem Hafen,
in dem er dann die Winterzeit
in Ruhe kann verschlafen.
Er sucht verzweifelt nach dem Laub,
das gestern hier gelegen
auf Beeten, Rasen, unterm Baum,
sogar auf allen Wegen.

In unserem Garten findet er
ganz hinten in der Ecke,
das, was er sucht, und kriecht hinein,
bis unter unsere Hecke.
Erleichtert legt er sich zur Ruh’,
senkt ab die Temperatur
des Körpers und den Herzschlag auch,
so will es die Natur.
Autor: Elke AbtKategorie: Herbstgedichte

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.

Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig' und Äste durch mit frohem Rauschen
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebt
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.
Autor: Friedrich HölderlinKategorie: Herbstgedichte

Der Herbst

Den blauen Aether decket
Ein grauer Wolkenhimmel,
Und leichenbleiche Dünste
Ziehn, alle Augenblicke
In andere Gestalten
Sich launenhaft verwandelnd,
In mehr als einer Reihe
Auf höhrer Winde Flügeln
(Denn Ruhe herrscht auf Erden)
Vom Süden nach dem Norden.
In lauten Schaaren ziehen
Die wetterkund'gen Schwalben,
Die wolkenfrohen Lerchen,
Selbst ihr, o Nachtigallen,
In Eile nach dem Süden,
Dem Sommer nach, wie Diener
Dem reisenden Gebieter.
Das Wandern dieser Wolken
Vom Süden nach dem Norden,
Das Wandern dieser Vögel
Vom Norden nach dem Süden,
Sie künden uns den Herbst an.
Vorüber, ach! vorüber
Sind deine heitern Tage
Und tagehellen Nächte,
O freudenvoller Sommer!
Bald wird des Herbstes Odem
Die letzten Blumen tödten,
Mit grimmem Arme schüttelt
Das Laub er von den Bäumen,
Das Laub er von den Büschen!
Schon decken keine Heerden
Die Fluren mehr! Ihr traurig
Gebrüll ertönt aus düstern
Und kerkergleichen Ställen
Der Arme sieht mit Grauen
Den nicht mehr fernen Winter
Mit seinen Frösten nahen!
Autor: Elisabeth KuhlmannKategorie: Herbstgedichte

Der Herbst

Nun heben an zu klagen die Hügel, Tal und Feld,
Es bringt viel Missbehagen des rauhen Windes Kält',
Es fallen falbe Blätter
Und schweben in der Luft;
Denn Schnee und Winterwetter
Der Nordenstürmer ruft.

Die reifen Früchte fallen, wenn man sie nicht nimmt ab,
Die alten Menschen wallen hin zu dem alten Grab.
Das, was hat zugenommen
Bis auf gewisse Zeit,
Muss zu dem Ende kommen
In dieser Eitelkeit.

Wann wir die Äxte sehen den Bäumen angesetzt,
So ist es bald geschehen, dass er, dadurch verletzt,
Zu der entfärbten Erden
Sich neigend bricht und kracht,
Und muss er endlich werden
Dem Feuer zugebracht.

So müssen auch die alle, so sind ohn' gute Frucht,
Sich fürchten vor dem Falle, das ist die Menschensucht.
Und wie der Baum gefället,
So liegt er fort und fort;
Der Böse wird gestellet
Dort in den Jammerort.

So lasset uns bedenken bei dieser Herbsteszeit,
Wie alle Ding' erkranken und zu dem Tod bereit.
Dass wir noch länger leben,
Dass Alles nicht ist aus,
Hat Gottes Gnad' gegeben
Hier in dem Erdenhaus.
Autor: Georg Philipp HarsdörfferKategorie: Herbstgedichte

Der Herbst

Viele Drachen stehen in dem Winde,
Tanzend in der weiten Lüfte Reich.
Kinder stehn im Feld in dünnen Kleidern,
Sommersprossig, und mit Stirnen bleich.

In dem Meer der goldnen Stoppeln segeln
Kleine Schiffe, weiß und leicht erbaut,
Und in Träumen seiner leichten Weite
Sinkt der Himmel wolkenüberblaut.

Weit gerückt in unbewegter Ruhe
Steht der Wald wie eine rote Stadt.
Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
Von den höchsten Türmen schwer und matt.
Autor: Georg HeymKategorie: Herbstgedichte

Die Knospen für den Morgen

Der Herbst, er stürzt mit kaltem Hauch,
Reißt Blätter fort aus Baum und Strauch.
Die Welt, sie zittert, kahl und leer,
Der Sommer ist, als ob er nie gewesen wär.

Der Himmel glimmt in Rot und Gold,
Als brenne er, doch stumm und kalt.
Ein letzter Schrei, ein leises Beben,
Im Tod beginnt ein neues Leben.

Die Äste knarren, alt und kahl,
Der Wind weht wie ein Abschiedssaal.
Doch tief im Erdreich, still verborgen,
Ruh’n schon die Knospen für den Morgen.

So stirbt der Herbst in Feuerflammen,
Doch aus der Asche wird er stammen.
Denn jedes Blatt, das jetzt verweht,
Hat seinen Platz, wo Neues steht.
Autor: Silvan MaaßKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Die Sonne steht nicht mehr so hoch am Himmel,
und auch im Garten das Gewimmel
von Schmetterlingen,Käfern, Fliegen,
kommt ganz allmählich zum Erliegen.
Ja selbst die Meisen, Amseln, Finken,
in leichte Lethargie versinken.
Die Bätter werden braun gegerbst.
Den Igel frierts, denn es ist Herbst!
Autor: Wilfried MutzKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Rot wird das Laub am wilden Wein,
Die Luft geht schon so herbstlich kühl.
Das Eichhorn sagt: "Jetzt fahr' ich ein;
Schon lose wird die Nuß am Stiel,"

Dem Sperling geht's nicht schlecht, er speist
Den ganzen Tag, bald hier, bald dort.
Er sagt: "Die Schwalb' ist schon verreist.
Gut, daß sie fort! Gut, daß sie fort!"

Im Garten um den Rosenstrauch,
Da klingt ganz anders das Gered'.
Ein Blümchen spricht: "Merkt ihr's nicht auch?
Es wird so trüb, so still und öd.

Das Bienchen flog doch sonst so flink
Bei uns umher — wo ist es nun?
Weiß eines was vom Schmetterling?
Der hatt sonst hier so viel zu tun."

Ein zweites sagt: "Eh man's gedacht
Kommt schon die Nacht und weilt so lang,
Wie lieblich war doch einst die Nacht!
Nun ist sie gar unheimlich bang.

Wie muß man warten morgens früh,
Bis daß die Sonn guckt übern Zaun!
Ach, und ganz anders wärmte sie,
Als sie noch gern uns mochte schaun."

Ein drittes drauf: "Mir sinkt der Mut,
Der Morgentau, der ist so kalt!
Die spinne sagt: Es wird noch gut!
Ach, wenn's nur würd'! und würd's nur bald!

Nur einmal noch so, wie es war,
Nur ein paar sonn'ge Tage noch.
's wird nicht mehr viel — ich seh' es klar!
Und leben, leben möcht man doch!"
Autor: Johannes TrojanKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Der Herbst ist da mit seinen rauen Winden,
Er ist gekommen, eh du es gedacht.
Du sahst des Sommers zarte Blüten schwinden,
Sahst Blätter welken, fallen, über Nacht,
Und Alles ruft dir ernst und mahnend zu:
O Menschenkind, einst wirst auch scheiden du!

Sieh‘, wie der Sonne letzter matter Schimmer,
Ein falber Goldstrahl, durch die Wipfel floss,
Ist’s noch das mächt’ge Taggestirn, das vormals
Die heißen Flammenpfeile niederschoss?
Wie Abschiedsgrüßen winkt ihr Strahl dir her:
Auch du wirst gehn, und Scheiden ist so schwer.

Auch du wirst scheiden – ob in Jugendprangen
Ob, wenn dein Haupt der Schnee des Alters bleicht –
Ob du auf Dornenpfaden bist gegangen,
Ob dir ein lichter Traum dein Dasein däucht –
Dir kommt der Herbst, wie heute der Natur,
Auch du wirst ruhen, wart ein Weilchen nur!

So wie die grünen Blätter sich entfärben,
Und erdenwärts im kalten Hauche wehn,
So wirst auch du einst altern, welken, sterben –
Und friedlich schlummern bis zum Auferstehn.
Bis licht in deinen tiefen Schlummer fällt
Ein Frühlingsstrahl, der nicht von dieser Welt.
Autor: Ida von ConringKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Es ist nun der Herbst gekommen,
Hat das schöne Sommerkleid
Von den Feldern weggenommen
Und die Blätter ausgestreut,
Vor dem bösen Winterwinde
Deckt er warm und sachte zu
Mit dem bunten Laub die Gründe,
Die schon müde gehn zur Ruh.

Durch die Felder sieht man fahren
Eine wunderschöne Frau,
Und von ihren langen Haaren
Goldne Fäden auf der Au
Spinnet sie und singt im Gehen:
Eia, meine Blümelein,
Nicht nach andern immer sehen,
Eia, schlafet, schlafet ein.

Und die Vöglein hoch in Lüften
Über blaue Berg und Seen
Ziehn zur Ferne nach den Klüften,
Wo die hohen Zedern stehn,
Wo mit ihren goldnen Schwingen
Auf des Benedeiten Gruft
Engel Hosianna singen
Nächtens durch die stille Luft.
Autor: Joseph von EichendorffKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Im sanften Ernst kommt er einhergeschritten,
Der Herbst mit reichen, langbegehrten Spenden,
Er teilt sie freudig aus mit vollen Händen,
Ein lieber, guter Gast, gar wohl gelitten.

In hochbeglückter, froher Menschen Mitten
Mag man ihn feiern, bis die Gaben enden,
Bis an den sonnenhellen Berggeländen
Der Winzer seine Trauben hat geschnitten.

Dann ist sie hin, die schöne, lichte Zeit;
Der Gabentempel der Natur verlieret
Den Reiz der bunten Mannigfaltigkeit.

Hinsinkt das Laub, das bunt den Baum noch zieret,
Und Wald und Flur deckt bald ein graues Kleid,
Das, ach, so sehr mit Schwermut harmonieret.
Autor: Karl FrohmeKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Wieder streut der Herbst ins Land
Seinen gold’nen Blätterregen,
Will das sommermüde Haupt
Nun zum Schlafen niederlegen.

Sterbend noch zum letzten Mal
Blümlein ihre Düfte hauchen;
Wo die Ähre einst geschwankt,
Hirtenfeuer einsam rauchen.

Leise ohne Jubelton
Wandervögel südwärts schweifen,
Noch mit weichem Flügelkuss
Zärtlich ihre Nester streifen.

Ach, das Scheiden der Natur
Mit dem Atemzug, dem kühlen,
Kann das Aug‘ nicht deutlich sehn,
Nur die Seele kann es fühlen.

Und so geht es auch mit uns –
Sind verrauscht des Sommers Lieder,
Ausgeglüht die Lebenslust –
Legt man still uns alle nieder.

Ob im Wettergraus und Not
Sonnenschein und Freuden gingen,
Leise unter Gottes Hand
Unsre Seelen dann verklingen.
Autor: Johanna AmbrosiusKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Einst sah die Nacht so sternenhell und mild
Auf Auen, voll von frischen Blumen, nieder.
Das war die Zeit, als noch im Lenzgefild
Erklangen laut der Nachtigallen Lieder.
Nun schaut die Nacht auf ein verödet‘ Land,
Auf eine Flur, des letzten Schmucks beraubt,
Und sie zerreißt ihr leuchtend‘ Sterngewand
Und hüllt in Wolkenschleier ein das Haupt.

Einst wehten Winde sommerlich und lau;
Vom fernen Westen kamen sie gezogen.
Da hat die Blumenlippe mit dem Tau
Den frischen Hauch der Lüfte eingesogen.
Doch wild aus Westen wehet heut‘ der Wind;
Kein Blumenkind des Sturmes Rauschen kühlt.
Nach seinem blassen, toten Blumenkind
Im welken Laub der Wind, der wilde, wühlt!
Autor: Friedrich Emil RittershausKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Nun sind in dunkler Herbstesnacht
die ersten Blätter leis gefallen,
versunken ist des Sommers Pracht,
verstummt das Lied der Nachtigallen.

Fühlst du, o Menschenherz, nicht auch,
wie kurz und traumhaft deine Tage,
wie bald auch dich ein Herbsteshauch
wie dürre Blätter grabwärts trage?

Der Lenz vergeht; nach kurzer Rast
wird frisches Grün zu welkem Laube,
so fällst du Mensch - der Erde Gast
bald der Vergänglichkeit zum Raube.
Autor: Marie Paschke-DiergartenKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör’ ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
Autor: Nikolaus LenauKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Gärtner, laß die Blätter liegen,
Die jetzt über die Erde rollen
Und die müde von der Reise
Sich zur Ruhe legen wollen.

Wie sie gelb und braun geworden-
Und der Reif an ihrem Rande-
Ruhn sie, tote Sommervögel,
Auf dem dunkelroten Sande.

Sieh, sie wollen deinem rauhen
Besen sich nur ungern fügen;
Du vermagst des Winters Nahen
Doch nicht recht hinwegzulügen.
Autor: Heinrich LerschKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Astern blühen schon im Garten,
Schwächer trifft der Sonnenpfeil.
Blumen, die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt in blauem Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.
Autor: Detlev von LiliencronKategorie: Herbstgedichte

Herbst

Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süsser Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
dich, Welt, hinab
in Winterschlaf.

Bald sinkt's von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu -
und bringt dir Ruh,
o Welt,
o dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.
Autor: Christian MorgensternKategorie: Herbstgedichte

Herbst im Fluß

Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort. -
Ich dachte an alte Leute,
Die auswandern ohne ein Klagewort.

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
Gefügig, und sinken dann still. - -

Wie jeder, der Großes erlebte,
Als er an Größerem bebte,
Schließlich tief ausruhen will.
Autor: Joachim RingelnatzKategorie: Herbstgedichte

Herbst.

Still schreit’ ich dahin über raschelnde Blätter
durch die dunkle Schwermut der herbstlichen Flur,
es zittert der Tau auf sterbenden Blüten
wie eine heimliche Tränenspur...

Von fern tönt ein Lied - verlorene Klänge
einer klagenden Handharmonika,
seltsam - da ist mir’s, als riefe mich jemand,
als hört’ ich dich rufen, als wärst du mir nah...

Die weinenden Blüten schauern in Winde,
die Schatten sinken, der Regen rauscht -
und immer leiser die klagende Stimme -
meine müde, einsame Seele lauscht...
Autor: Leon VanderseeKategorie: Herbstgedichte

Herbsttage

Von Westen bringt zum Wochenende
Tief Kalle Sturm und Regen mit,
dann spüren wir die Wetterwende.
Recht herbstlich wird es, so ein Shit!

Die Tage, Wochen ohne Regen
mit Hitze bis zu 40 Grad,
die kamen manch einem gelegen.
Das alles jetzt ein Ende hat.

Die Bäume werfen ihre Blätter
jetzt ab, es sammelt sich das Laub.
Seit Tagen ändert sich das Wetter,
verschwunden ist der Straßenstaub.

Dunkle Wolken sieht man zieh'n,
oft fällt aus ihnen Regen.
Zugvögel jetzt nach Süden flieh'n
auf eingeübten Wegen.

Der Sommer sich zum Ende neigt,
des Tages helle Stunden
sind, wenn sich jetzt der Herbst uns zeigt,
mit einem Mal verschwunden.
Autor: Bernhard DingesKategorie: Herbstgedichte

Im Herbst

Vorbei der Rosen Prangen,
Die Blätter flattern im Wind,
Die Rosen auf Deinen Wangen
Verwelkten, Du bleiches Kind,
Gebrochen die Lilien stehen,
Du bist geknickt wie sie;
Alles will schlafen gehen,
Geh' schlafen auch Du, Marie!

Der Sommer ist geschieden,
Der Winter ihn jäh vertrieb,
Und nimmer bleibt Glück und Frieden
Zurück bei verrath'ner Lieb';
Ob auch die Stürme verwehen,
Dir kehrt der Frühling nie:
Alles will schlafen gehen,
Geh' schlafen auch Du, Marie!
Autor: Albert TraegerKategorie: Herbstgedichte

Im Herbst

Nun prangt das Feld mit goldnen Garben,
Der Fruchtbaum hat sich tief gebückt
Und mit des Jahres dunklern Farben
Die Flur noch einmal sich geschmückt.

Doch schauern kalt die Abendwinde,
Die Tonne ward so krank und blaß;
Und leise zittert von der Linde
Das welke Laub ins welke Gras.

Ich ahne schon des Winters Tosen
Und gäbe gern, so karg ich bin,
Für eine Handvoll Frühlingsrosen
Des Herbstes ganzen Reichtum hin.
Autor: Friedrich Wilhelm WeberKategorie: Herbstgedichte

Im Herbst

Es glänzen roth die Waldeshügel;
Der schöne Sommer ging zur Ruh.
Der Vogel regt die leichten Flügel
Und fliegt dem fernen Frühling zu.

Ich seh' sie ziehn die schnellen Schaaren
Am klaren Himmel südenwärts -
So möchte wohl von dannen fahren,
Wenn es betrogen ward, das Herz.

So möcht' es fliehn zum fernen Garten,
Wo Glück und Liebe wieder blühn -
Nun aber muß es ruhig warten,
Bis ihm die Rosen wieder glühn.
Autor: Heinrich SeidelKategorie: Herbstgedichte

Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Sie ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewußt bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Herbstgedichte

Im Herbst

Grüner Wald, grüner Wald,
Ach, so mußt du sterben!
Leiser rauscht der Felsenbach —
Vöglein stiegt der Sonne nach -
Grüner Wald, grüner Wald
Wirst Dich bald verfärben!

Grüner Wald, grüner Wald,
Laß uns würdig scheiden —
Hast verdient viel heißen Dank,
Hast geheilt manch' Herze krank
Grüner Wald, grüner Wald,
Tröster aller Leiden!

Grüner Wald, grüner Wald,
Nimm den Gruß der Liebe —
Hast gewährt im Schatten kühl
Süßen Traum auf moosgem Pfühl
Grüner Wald, grüner Wald,
Hort der süßen Triebe!

Grüner Wald, grüner Wald,
Kommt der Frühling wieder,
Singen mit den Vögelein
Wir auch gleich zu Ehren dein,
Grüner Wald, grüner Wald,
Unsre Jubellieder!
Autor: Ludwig BowitschKategorie: Herbstgedichte

Im Herbst.

Niedrig schleicht blaß hin die entnervte Sonne,
Herbstlich goldgelb färbt sich das Laub, es trauert
Rings das Feld schon nackt und die Nebel ziehen
Über die Stoppeln.

Sieh, der Herbst schleicht her und der arge Winter
Schleicht dem Herbst bald nach, es erstarrt das Leben;
Ja, das Jahr wird alt, wie ich alt mich fühle
Selber geworden!

Gute, schreckhaft siehst du mich an, erschrick nicht;
Sieh, das Haupthaar weiß, und des Auges Sehkraft
Abgestumpft; warm schlägt in der Brust das Herz zwar,
Aber es friert mich!

Naht der Unhold, laß mich ins Auge ihm scharf sehn:
Wahrlich, Furcht nicht flößt er mir ein, er komme,
Nicht bewußtlos rafft er mich hin, ich will ihn
Sehen und kennen.

Laß den Wermutstrank mich, den letzten, schlürfen,
Nicht ein Leichnam längst, ein vergeßner, schleichen,
Wo ich markvoll einst in den Boden Spuren
Habe getreten.

Ach! ein Blutstrahl quillt aus dem lieben Herzen:
Fasse Mut, bleib stark; es vernarbt die Wunde,
Rein und liebwert hegst du mein Bild im Herzen
Nimmer vergänglich.
Autor: Adelbert von ChamissoKategorie: Herbstgedichte

November - Nebel

Der November-Morgen ist kalt und rau.
Verbirgt die Stadt im hellen silbergrau.
Nebel kriecht durch Straßenecken,
versucht das Licht zu verstecken.

Er schleicht über Stadt, Feld, Flur und Fluss,
wie ein Fliehender, der von seiner Liebsten scheiden muss.
Aus der Mitte des dunklen Wolkenkranzes entspringt ein Sonnenstrahl.
Des Herbstes letzer Atemzug, sagt Adieu, noch ein letztes mal. .

Ein nasser kühler Wind durch die kählen Äste weht.
Ein vergessenes Blatt im Raigen um sich selber dreht.
Ein Zweig mit einem zarten Rose, sah ich trotzig stehn.
Sie rief zum Wind: „ ich bleibe hier, und werd nicht gehn!“

Eingeholt ist all die Ernte und Saat,
noch bevor der klate Winter naht.
In den Scheunen lagern Heu und Pflug,
Vorrat für Katze, Maus und Federvieh, genug.

Vögel ziehen ihre weiten Kreise,
sammeln sich zur großen Reise.
Fischer steuern heimwärts, holen ihre Netze ein.
wollen in kalten Nächten bei ihren Familien sein.

Der Bootsmann fährt unbeirrt den sicheren Heimathafen an.
Er holt die Segel ein und sichert es vor dem Klabautermann.
Die Krähe vom Baume den Winter an-kreicht,
Das Wasser dem frostigen Eise die Hände reicht.

Des Tages-Zeit schnell vergeht, in früher Dunkelheit.
Die Natur setzt sich zur Ruh, in wohl tuender Müdigkeit.
Kinder, singend von Sankt Martin durch die Straßen ziehn,
Ihr Licht erinnert uns, an die Armen, die vor der Kälte fliehn.

Zehre von des Jahres Erinnerung und Fülle,
komm zur besinnlichen Ruh und Stille.
Zünde eine Kerze an, trinke ein Glas erlesenen Reben,
lese von Weisen, die in Worte fassten, unser welten Leben.

In die Ferneschweifend, erinnere ich mich an alle Lieben,
die im Himmelreich und nicht auf Erden blieben.
Alles wird irgendwann ein Ende haben, nichts ewig besteht,
damit Neues beginnen kann und die Welt sich weiter dreht.

Lass die vergangenen Tage vor den Augen vorüber ziehn.
Mit Aufgang der Morgenröte, auf den Wolken der Zukunft entfliehn.
Ich folge dem Leuchten eines Sternes. Er Zeigt ein Kind neuer Zeit.
Auf diesem Weg erwartet uns Hoffnung, Segen und Fröhlichkeit.
Autor: Roswitha SelleKategorie: Herbstgedichte

Novemberblues

Ich bin traurig und das find ich dumm
Was kann ich nur dagegen tun?
Es ist der Novemberblues
Der viele Regen
Es ist traurig mein Leben.
Es gibt Hoffnung auf Besserung
Die Weihnachtszeit ist ja voll Licht.
Und es kann mich trösten
Oder auch nicht....
Autor: Margret KoopmannKategorie: Herbstgedichte

Schöner Herbst

Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Die Luft ist klar und kalt und windig,
weiß Gott: ein Vormittag, so find ich,
wie man ihn oft erleben mag.

Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Jetzt schlägt das Meer mit voller Welle
gewiß an eben diese Stelle,
wo dunnemals der Kurgast lag.

Ich hocke in der großen Stadt:
und siehe, durchs Mansardenfenster
bedräuen mich die Luftgespenster ...
Und ich bin müde, satt und matt.

Dumpf stöhnend lieg ich auf dem Bett.
Am Strand wär es im Herbst viel schöner
Ein Stimmungsbild, zwei Fölljetöner
und eine alte Operett!

Wenn ich nun aber nicht mehr mag!
Schon kratzt die Feder auf dem Bogen,
das Geld hat manches schon verbogen ...
Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Autor: Kurt TucholskyKategorie: Herbstgedichte

Schöner Herbst, trauriger Herbst

Der Herbst ist da mit seinem Rauschen,
das wirbelnd, kühl und nass manch Baum entblößt.
Wer wollte jetzt danach nicht lauschen,
wenn gegen hartes Glas manch Nase stößt?

Der Herbst ist schön für all die Seelen,
zu denen Mensch und Los recht nobel sind.
Wenn einem Heim und Heil nicht fehlen,
dann darf man sich erfreun am Regenwind.

Der Herbst erweckt der Sehnsucht Klagen;
wohl dem, der sich verliebt und Wärme hat,
und wehe dem, der muss entsagen,
dem findet bunter Herbst im Leiden statt.
Autor: Arne ArotnowKategorie: Herbstgedichte

September

Schon fallen Blätter
auf das Jahr
Der Sommer geht
auf leisen Sohlen
und mit ihm geht
was Hoffnung war
Autor: Ute Windisch-HofmannKategorie: Herbstgedichte

Spätsommerlicht

1+Seiten füll' ich,
tausend Seiten,
schwarz auf weiss
zum Herbstbaum hin.

Im Licht des
späten Sommers
erscheinen mir
die Farben klarer.

Von ihnen möcht' ich
noch berichten
und von den
herbstbaumgleichen.
Autor: Markus P. BaumelerKategorie: Herbstgedichte

Herbst und Lyrik: Eine besondere Verbindung

Warum hat der Herbst die Lyrik so intensiv beschäftigt? Wohl deshalb, weil er von allen Jahreszeiten am stärksten an den Lauf der Zeit erinnert. Der Frühling steht für Anfänge, der Sommer für Fülle, der Winter für Ruhe. Aber der Herbst ist die Jahreszeit des Abschieds. Er macht das Vergehen sichtbar, direkt und unübersehbar, in jedem einzelnen Blatt, das fällt.

Das macht ihn für die Lyrik so ergiebig. Denn Abschied, Vergänglichkeit und das Bewusstsein, dass nichts bleibt, sind Themen, die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt haben. Der Herbst liefert dafür Bilder, die jedermann kennt und sofort versteht. Man muss kein Literaturkenner sein, um ein gutes Herbstgedicht zu verstehen. Man muss nur einmal durch einen herbstlichen Wald gegangen sein.

Gleichzeitig ist der Herbst keine eindeutig traurige Jahreszeit. Er hat seine eigene Schönheit, die sich von der Schönheit des Sommers grundlegend unterscheidet. Eine reife, schwere, gedämpfte Schönheit. Gedichte, die das einfangen, gehören oft zu den eindrucksvollsten der deutschen Literatur.

Typische Motive und Bilder in Herbstgedichten

Wer viele Herbstgedichte liest, begegnet immer wieder denselben Bildern. Das sind keine Klischees, sondern Archetypen: Bilder, die so grundlegend zur menschlichen Erfahrung des Herbstes gehören, dass sie immer wieder auftauchen, weil sie einfach stimmen.

  • Fallendes Laub: Das deutlichste Symbol des Herbstes. Jedes fallende Blatt ist ein kleiner Abschied. In der Lyrik steht es für Vergänglichkeit, für das Ende eines Lebensabschnitts, manchmal auch für Loslassen und Akzeptanz.
  • Nebel und Dunst: Der Herbstnebel verschleiert die Konturen der Welt und gibt ihr etwas Traumhaftes, Unwirkliches. In Gedichten wird er oft als Metapher für Unklarheit, für den Übergang zwischen zwei Zuständen genutzt.
  • Das schwindende Licht: Die Tage werden kürzer, das Licht weicher und goldener. Dieses besondere Herbstlicht, das Fotografen als "goldene Stunde" kennen, hat auch in der Lyrik seinen festen Platz.
  • Ernte und Fülle: Der Herbst ist nicht nur das Ende, er ist auch die Zeit des Einbringens. Volle Felder, schwere Äpfel, Weinlese. Diese Bilder stehen für Reife und Abschluss, aber auch für Dankbarkeit.
  • Wind und Sturm: Der Herbstwind trägt Blätter davon und kündigt den Winter an. In der Lyrik ist er oft eine Stimme, die ruft oder klagt, eine Kraft, die Veränderung bringt.
  • Tiere, die sich zurückziehen: Zugvögel, die aufbrechen. Igel, die sich einrollen. Die Natur bereitet sich vor. Auch Menschen spüren oft diesen Impuls im Herbst: sich zu sammeln, nach innen zu kehren.

Melancholie und Schönheit: Zwei Seiten einer Jahreszeit

Herbstgedichte haben häufig einen melancholischen Grundton. Das ist kein Zufall und kein Mangel. Melancholie ist kein bloßes Traurigkeit, sie ist eine tiefere, nachdenklichere Stimmung, die ihren eigenen Wert hat. Wer sich im Herbst ein wenig wehmütig fühlt, wenn die letzten warmen Tage vergehen und das Laub zur Erde fällt, ist damit in guter Gesellschaft.

Aber Herbstgedichte sind keineswegs alle düster. Es gibt eine starke Tradition der Herbstlyrik, die die Schönheit dieser Jahreszeit feiert, ohne die Melancholie zu verleugnen. Diese Gedichte halten beides gleichzeitig: das Wissen um das Vergehen und die Freude am Anblick der Farben, der Gerüche, der kühlen Luft. Das ist vielleicht das Reifste, was Lyrik leisten kann: Schönheit und Verlust in einem Bild zu halten, ohne das eine gegen das andere auszuspielen.

Wer den Herbst liebt, weiß das. Diese Jahreszeit ist für viele Menschen die Lieblingszeit gerade deshalb, weil sie so ehrlich ist. Sie versteckt den Abschied nicht hinter Blüten. Sie zeigt ihn offen, in leuchtenden Farben, und macht ihn dadurch auf seltsame Weise erträglich.

Der November in der Lyrik

Unter allen Herbstmonaten nimmt der November eine besondere Stellung ein. Er ist der dunkelste, kälteste und in der Wahrnehmung vieler Menschen der schwierigste Monat des Jahres. Das Laub ist längst gefallen, die bunten Farben des Oktobers sind verschwunden, und der Winter lässt noch auf sich warten. Was bleibt, ist oft eine Kahlheit, die manchen auf das Gemüt drückt.

Genau deshalb hat der November so viele Dichter angezogen. Er ist die ungeschminkteste Version des Jahres. Kein Schmuck mehr, kein Ablenkung durch Farben oder Wärme. Nur die nackte Landschaft, der früh einbrechende Abend und das eigene Innenleben, das in solchen Stunden lauter spricht als zu anderen Zeiten.

Novembergedichte haben oft eine besondere Intensität. Sie sprechen von Einsamkeit, aber auch von Stille, die wohltuend sein kann. Von Grau, das nicht nur trostlos ist, sondern auch ruhig. Von der Möglichkeit, in sich zu gehen, wenn die Welt draußen so wenig anbietet. Wer den November kennt, versteht solche Gedichte sofort.

Bekannte Dichter und ihre Herbstgedichte

Die deutsche Literatur hat eine reiche Tradition an Herbstlyrik. Einige Texte haben sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben, dass man sie kennt, auch ohne zu wissen, wer sie geschrieben hat.

  • Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) schrieb mit "Herbsttag" eines der meistzitierten deutschen Herbstgedichte überhaupt. Die Zeilen über den letzten Sonnentag, das Reifen der Trauben und den Obdachlosen, der keinen Ort mehr findet, haben eine Wucht, die jahrzehntelang nichts von ihrer Kraft verloren hat. Rilke verstand es wie kaum ein anderer, das Persönliche mit dem Kosmischen zu verknüpfen.
  • Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857) schrieb Herbstgedichte, die von Wanderlust und gleichzeitiger Sehnsucht nach Heimat durchzogen sind. Der Herbst ist bei ihm die Jahreszeit, in der das Wandern melancholisch wird, weil die Natur sich zurückzieht und der Reisende allein bleibt.
  • Theodor Storm (1817 bis 1888) ist als Herbstdichter weniger bekannt als Rilke, hat aber Texte geschrieben, die die nordische Herbst- und Winterstimmung auf unvergleichliche Weise einfangen. Seine Gedichte haben etwas Verhaltenes, Stilles, das tief trifft.
  • Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) beobachtete die Natur mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit und lyrischem Gefühl zugleich. Seine Herbstgedichte sind nicht sentimental, aber sie berühren, weil sie so präzise sehen.

Für welche Anlässe eignen sich Herbstgedichte?

Herbstgedichte sind vielseitiger einsetzbar als man zunächst denken würde. Sie passen nicht nur in die Jahreszeit selbst, sondern zu einer ganzen Reihe von Situationen und Anlässen.

  • Karten und Briefe im Herbst: Wer einem Freund oder einer Freundin im Oktober oder November etwas schickt, kann mit einem kurzen Herbstgedicht eine persönliche Note setzen. Das ist unkompliziert, aber wirkungsvoll.
  • Einladungen zu Herbstfesten: Ein Gedicht auf der Einladung zum Erntedankfest, zur Feier im Garten oder zum gemütlichen Abend mit Glühwein macht Lust auf den Anlass.
  • Schulveranstaltungen und Lesungen: Herbstgedichte eignen sich hervorragend für Schulprojekte, Lesungen oder Theateraufführungen rund um die Jahreszeit. Viele klassische Texte sind klar genug, um auch jüngere Zuhörer zu erreichen.
  • Als Begleitung in schwierigen Zeiten: Der Herbst steht für Abschied und Veränderung. Menschen, die gerade etwas loslassen müssen, finden in Herbstgedichten oft Worte für das, was sie empfinden.
  • Allgemeines Verschicken in sozialen Netzwerken: Ein schönes Herbstgedicht als Post oder Nachricht teilt eine Stimmung, ohne viele eigene Worte nötig zu machen.

Ein eigenes Herbstgedicht schreiben

Der Herbst ist vielleicht die dankbarste Jahreszeit für eigene Schreibversuche. Die Natur bietet so viel Material, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Genau das ist der erste Schritt: draußen sein, genau hinschauen und dann beschreiben, was man wirklich sieht, nicht was man zu sehen erwartet.

Ein gutes Herbstgedicht beginnt fast immer mit einer konkreten Beobachtung. Nicht "der Herbst ist traurig", sondern das eine rote Blatt, das auf dem nassen Gehsteig klebt. Nicht "die Natur stirbt ab", sondern der Geruch von feuchtem Laub, der einen an etwas erinnert, ohne dass man sofort weiß, woran. Solche konkreten Ausgangspunkte sind wertvoller als jede abstrakte Aussage.

  • Gehen Sie hinaus und schauen Sie bewusst hin. Was fällt Ihnen heute am Herbst auf, das Sie gestern noch nicht gesehen haben? Dieses Detail kann der Kern Ihres Gedichts werden.
  • Notieren Sie Bilder, bevor Sie Verse schreiben. Eine Liste mit Herbstbildern, Gerüchen, Geräuschen ist ein guter Ausgangspunkt. Daraus wählen Sie später das Stärkste aus.
  • Entscheiden Sie sich für einen Ton. Melancholisch, feierlich, ironisch, zärtlich? Der Ton muss konsistent sein. Ein Gedicht, das zwischen Trauer und Humor schwankt, wirkt schnell unentschlossen.
  • Kürzen Sie mutig. Die erste Fassung ist fast immer zu lang. Streichen Sie alles, das nicht wirklich zum Kern beiträgt. Was übrig bleibt, ist meistens das Stärkste.

Vielleicht haben Sie einen Freund, für den Sie ein solches Gedicht schreiben möchten. Vielleicht schreiben Sie es auch einfach für sich. Beides ist ein guter Grund. Der Herbst vergeht schnell, und wer ihn in Versen festhält, hat etwas, das länger bleibt als die Saison selbst.

Herbstgedichte im Wandel der Zeit

Herbstgedichte haben sich über die Jahrhunderte verändert, auch wenn die Grundthemen dieselben geblieben sind. In der Romantik war der Herbst vor allem ein Spiegel der Seele, eine Projektionsfläche für innere Zustände. Im Realismus des 19. Jahrhunderts rückte die genaue Beobachtung der Natur stärker in den Vordergrund. Der Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts brachte dann eine neue Intensität mit sich: Farben wurden greller, Stimmungen extremer, Bilder verdichteter.

Die moderne Herbstlyrik ist vielschichtiger und weniger an Epochenmerkmale gebunden. Zeitgenössische Dichterinnen und Dichter greifen klassische Motive auf und kombinieren sie mit einer Sprache, die näher an der heutigen Erfahrung liegt. Das Ergebnis sind Texte, die vertraut wirken und trotzdem überraschend sind.

Was sich nicht verändert hat, ist die Wirkung. Ein gutes Herbstgedicht berührt heute genauso wie vor zweihundert Jahren, weil es etwas anspricht, das unveränderlich ist: die menschliche Erfahrung des Abschieds, der Schönheit im Vergehen und der Stille, die kommt, wenn der Lärm des Sommers verstummt ist.

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