Wintergedichte
Sind Sie ein Winterfan? Dann lieben Sie sicher auch Wintergedichte. Mit ihnen kann man sich wunderbar auf die kalte Jahreszeit einstimmen: Jetzt sind die Tage am kürzesten, weshalb niemand ein schlechtes Gewissen haben muss, in der Stube zu hocken. Schneebegeisterte zieht es nach draußen, wo sie in Winterlandschaften spazieren gehen und Sport treiben können. Wer lieber in den eigenen vier Wänden bleibt und sich bei Kerzenschein und einer Tasse Tee in eine Kuscheldecke einmummelt und beim Blick aus dem Fenster die tanzenden Schneeflocken beobachtet, kann sich dabei Wintergedichte vorlesen lassen oder einfach selbst lesen. Mögen Sie Wintergedichte, in denen eine heimelige Atmosphäre gezaubert wird? Oder die Wintergedichte, in denen die schlafende Natur beschrieben wird? Oder jene, in denen es um winterliche Aktivitäten geht? Egal, wo Ihre Präferenz liegt: Auf dieser Seite finden Sie die Art von Wintergedicht, die Sie bevorzugen.
Wintergedichte sind keine bloße Beschreibung von Kälte und Schnee. Sie sind Zugänge zu einer Jahreszeit, die Menschen seit jeher zu ganz unterschiedlichen Gefühlen einlädt: zu Rückzug und Besinnung, zu Freiheit auf verschneiten Feldern, zu Staunen über die Verwandlung der Welt durch Frost und Eis. Diese Vielfalt macht die Winterlyrik zu einer der reichhaltigsten Spielarten jahreszeitlicher Gedichte.

Inhaltsverzeichnis
- Wintergedichte
- Winter und Lyrik: Eine alte Verbindung
- Typische Motive in Wintergedichten
- Wintergedichte über Geborgenheit und Stille
- Die schlafende Natur in der Lyrik
- Schnee, Frost und winterliche Bewegung
- Bekannte Dichter und ihre Wintergedichte
- Wintergedichte für verschiedene Anlässe
- Ein eigenes Wintergedicht schreiben
Wintergedichte
Alles still!
Alles still! Es tanzt der Reigen,Autor: Theodor FontaneKategorie: Wintergedichte
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber trohnt das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.
Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.
Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.
Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herz durch die Nacht -
Heiße Tränen nieder tropfen
Auf die kalte Winterpracht.
Am Kamin
Stürme, Dezember, vor meinem Gemach,Autor: Adolf Friedrich von SchackKategorie: Wintergedichte
Hänge, Zapfen von Eis an das Dach;
Nichts doch weiß ich vom Froste;
Hier am wärmenden, trauten Kamin
Ist mir, als ob des Frühlings Grün
Rings um mich rankte und sprosste.
All das Gezweig, wie es flackert und flammt,
Plaudert vom Walde, dem es entstand,
Redet von seligen Tagen,
Als es, durchfächelt von Sommerluft,
Knospen und Blüten voll Glanz und Duft,
Grünende Blätter getragen.
Fernher hallenden Waldhornklang
Glaub´ ich zu hören, Drosselgesang,
Sprudelnder Quellen Schäumen,
Tropfenden Regen durchs Laubgeäst,
Der die brütenden Vögel im Nest
Weckt aus den Mittagsträumen.
Stürme denn, Winter, eisig und kalt!
An den Kamin herzaubert den Wald
Mit der Flammen Geknister,
Bis ich bei Frühlingssonnenschein
Wieder im goldgrün schimmernden Hain
Lausche dem Elfengeflüster.
An den Winter
Willkommen, lieber Winter,Autor: Elisabeth KulmannKategorie: Wintergedichte
Willkommen hier zu Land!
Wie reich du bist, mit Perlen
Spielst du, als wär' es Sand!
Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.
Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt' im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!
Das Dorf im Schnee
Still, wie unterm warmen Dach,Autor: Klaus GrothKategorie: Wintergedichte
Liegt das Dorf im weißen Schnee;
In den Erlen schläft der Bach,
Unterm Eis der blanke Schnee.
Weiden steh´n im weißen Haar,
spiegeln sich in starrer Flut;
alles ruhig, kalt und klar
Wie der Tod, der ewig ruht.
Weit, so weit das Auge sieht,
keinen Ton vernimmt das Ohr.
Blau zum blauen Himmel zieht
Sacht der Rauch vom Schnee empor.
Möchte schlafen wie der Baum
Ohne Lust und ohne Schmerz;
Doch der Rauch zieht wie im Traum
Still nach Haus mein Herz.
Der erste Schnee
Der leise schleichend euch umsponnenAutor: Adelbert von ChamissoKategorie: Wintergedichte
Mit argen Trug, eh` ihr`s gedacht,
Seht, seht den Unhold! Übernacht
Hat er sich andern Rat ersonnen.
Seht, seht den Schneemantel wallen!
Das ist des Winters Herrscherkleid;
Die Larve lässt der Grimme fallen; -
Nun wisst ihr doch, woran ihr seid.
Er hat der Furcht euch überhoben,
Lebt auf zur Hoffnung und seid stark;
Schon zehrt der Lenz an seinem Mark.
Geduld! Schon ruft der Lenz die Sonne,
Bald wqeben sie ein Blumenkleid,
Die Erde träumet neue Wonne, -
Dann aber träum´ ich neues Leid!
Der Winter
Der Winter kommt wie jedes JahrAutor: Elke AbtKategorie: Wintergedichte
mit Minustemperatur,
verschönt mit weißem Zuckerguss
draußen die Natur.
Frau Holle holt die Betten vor
und macht sie so bereit
zum Schütteln aus dem Wolkenheim,
damit es bei uns schneit.
So rieseln leichte Flocken nieder,
bald werden es noch mehr,
und manches Kind holt seinen Schlitten
dann aus dem Schuppen her.
Selbst die Erwachsenen freuen sich
an einer Schneeballschlacht
und auch ein Schneemann wird vergnügt
aus Übermut gemacht.
Nun beginnt die Jagdsaison
für unsere armen Hasen.
Die Jäger haben früh bereits
zum Halali geblasen.
Sie kommen langsam übers Feld
und schießen los mit Schrot.
So viele Jäger sind bekanntlich
des Hasen sicherer Tod.
In den Bergen fährt man Ski,
das ist was für Geübte,
mancher brach sich schon ein Bein,
was ihn dann sehr betrübte.
Die Orthopäden mussten ran,
die Knochen zu sortieren
und für die nächste Skisaison
stabil zu präparieren.
Der Winter
Wenn ungesehn und nun vorüber sind die BilderAutor: Friedrich HölderlinKategorie: Wintergedichte
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Und Stürme wehn umher und Regenschauer.
Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende
Wie einer Frage Ton, das dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.
Des Winters Hauch
Des Winters HauchAutor: Franz GrillparzerKategorie: Wintergedichte
entblättert den Strauch,
und wütende Sturmwinde heulen;
an des Hügels Hang,
wo die Lerche sonst sang,
erkrächzen nun Raben und Eulen.
Die Rose liegt
vom Frost geknickt,
und jubelnd hüllet der Winter
in raschem Flug
sein Leichentuch
um Floras blühende Kinder.
Die Schwalbe ruft
aus rauher Luft
ihr Lebewohl hernieder,
blickt noch einmal herab
auf das weite Grab
und flieht dann auf schnellem Gefieder,
und alles ist stumm
und tot ringsum,
kein Laut ertönt aus den Höhen,
nur am sumpfigen Teich,
im matten Gesträuch,
tanzt ein Chor von krächzenden Krähen.
Dezemberschnee
DezemberschneeAutor: Lydia HanschkowKategorie: Wintergedichte
mein Schritt, dein Schritt
meine Spur, deine Spur
das Auge blendend,
lacht die Morgensonne
glitzernde Diamanten hinein.
Eisiger Schnee
in warmer Hand, schnell,
zaubert ein Schneeherz,
mein Herz, dein Herz,
schön ist es geworden,
hey, ich schenke es dir,
soll nicht zerfließen in meiner Hand.
Ein Blatt das hing an einer Blume
Ein Blatt das hing an einer BlumeAutor: Martin OttoKategorie: Wintergedichte
Im Sommer so schön anzusehen
Der Herbst er kam das Blatt fiel ab
Jetzt musste es vergehen
Im Winter kann sie mich nicht brauchen
Ich gab ihr meine Kraft
Sie wird den Winter überstehen
Ich glaub es ist geschafft
Im Frühling kommen dann neue Blätter
Größer, schöner und noch Blüten
Die Bienen erzählen sich dann Geschichten
Doch leise sonst werden die neuen wütend
Frost
Vom Meer heran braust schwirrendAutor: Clara Müller-JahnkeKategorie: Wintergedichte
ein schneidender Nordnordost,
durch öde Straßen klirrend
schreitet der scharfe Frost.
Im Schnee verloren die Pfade
und Tür und Tor verweht -
nur dass der Stern der Gnade
noch leuchtend am Himmel steht!
Im Winter
Der Winter ist so schaurig,Autor: Johann MeyerKategorie: Wintergedichte
Vom Himmel fällt der Schnee;
Ich sitz' am Fenster traurig
Und träum' von altem Weh.
Viel' tausend Flocken schweben
Im frohen Spiel herab;
Sie schweben und sie tanzen
Doch all' ins frühe Grab.
So geht es mit dem Herzen,
Wo Hoffnung Blüten treibt;
Sie kommen – und sie schwinden
Und – nur die Träne bleibt.
Schnee
Schnee.Autor: Maximilian SpeerKategorie: Wintergedichte
Eiskalt und blütenrein,
Springen möcht' ich hinein.
Schneeweiß, Oha.
Unterm Schnee
Halt ich sacht auf weißem Felde,Autor: Maria JanitschekKategorie: Wintergedichte
Märchen sinnend, stillerlauschten,
Ist`s , als ob zu meinen Häupten
Nahe Flügelschläge rauschten.
Ist es mir, als ob der Schneewind
Warme Blumendüfte brächte.
Blumenduft von tausend Beeten,
Aus der Glutpracht fremder Nächte.
Behend eil`ich in den Garten,
Wo die Bäume silbern stehn,
Um in zitterndem Erwarten
Nach den Zweigen aufzuseh`n.
Streif den Schnee von ihnen zärtlich
Der sie in sein Weiß versteckt,
Und erblick, o lieblich Wunder,
Junge Äuglein, schlafbedeckt.
Frühling! Nach des Sommers Abschied
Nahst du schon mit leisen Küssen,
Und es gibt gar keinen Winter,
Und kein kaltes Sterbenmüssen.
Streift den Schnee nun von den Dingen,
Drunter grünen neue Triebe,
Und ihr spürt des Lebens Jugend
Und die Urkraft seiner Liebe.
Verschneit liegt rings die ganze Welt
Verschneit liegt rings die ganze Welt,Autor: Joseph von EichendorffKategorie: Wintergedichte
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht ein Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seine Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.
Er träumt von künftger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.
Weinachtszeit
Im Walde da fröstelts die Tiere schon sehr,Autor: ManiKategorie: Wintergedichte
doch Menschen gehen friedlich hin und her.
Fichte und Tanne,sie denken sich nur:“Was machen die hier,
was tun sie nur?“
Die Menschen gehen weiter im Walde umher,
und finden eine Zirbe die jammert sehr,
als sie wird auf einen Laster geladen und in die Stadt gefahren.
Doch als sie ist in die Stadt gefahren,
erfährt sie:Sie kommt in den Christbaumladen.
Als sie ist in der warmen Stube,wird sie geschmückt von einem braven Bube.
Jetzt konnte sie warten,bis zur Heiligen Nacht,
dann wird sie erstrahlen in himmlischer Pracht!
18.01.2014
Wenn es Winter wird
Der See hat eine Haut bekommen,Autor: Christian MorgensternKategorie: Wintergedichte
so dass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.
Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher - titscher - titscher - dirr . . .
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.
Winter
Winter ist es. In dem weiten ReicheAutor: Karl Johann Philipp SpittaKategorie: Wintergedichte
Der Natur herrscht tiefe Einsamkeit,
Und sie selbst liegt, eine schöne Leiche,
Ruhig in dem weißen Sterbekleid.
Ihre Blumenkinder ruhn verborgen
An der Mutter Brust, mit ihr bedeckt.
Träumend von dem Auferstehungsmorgen
Wo der Lenz sie aus dem Schlummer weckt.
Was die Erde hat, kann nicht bestehen,
Ihre Gabe heißt Vergänglichkeit,
Aufwärts zu dem Himmel muss du sehen,
Suchst du ewige Schön´und Herrlichkeit.
Winter
Es deckt das Land des Schneees tiefe SchichteAutor: Friedrich StoltzeKategorie: Wintergedichte
Zu einer Wüste unabsehbar weit,
Draus ragt, als Denkmal einer grünen Zeit,
Als Pyramide, einsam eine Fichte.
Die Blume lebet nur noch im Gedichte,
Kein Lied erfreut die starre Einsamkeit,
Und selbst die lieben Gräber sind verschneit,
Die Sonne selber birgt das Angesichte.
Wo sind die Kränze, die wir Frühlings flochten,
Wo sind die Herzen, die so freudig pochten,
Wo sind die Fahnen, die wir ließen weh'n?
Verwelkt! verhallt! zersplittert und zertreten!
Es starrt in Eis und Eisen unsere Eden.
O gute Nacht! und laßt uns schlafen geh'n.
Winter
Aus Nebellüften gaukeln lichte FlockenAutor: Ferdinand SauterKategorie: Wintergedichte
Hernieder auf die ausgestorbne Fläche,
Vom Eise starren Seen, Flüß' und Bäche
Und alle frischen Lebenskeime stocken.
Da schleicht der Lenz heran auf grünen Socken,
Daß er die Kraft des alten Rieden breche,
Daß er den Mord der tausend Blüten räche,
Und wirft den grimmen Feind mit Blumenglocken.
Wie tröstlich ist's, in winterlichen Schauern,
Und in der Wesen allgemeinem Trauern
Zu wissen, daß ein neuer Frühling grüne;
Doch düster schattet eine Wetterwolke
Verfinsternd über einem ganzen Volke,
Und ohne daß ein Rächer ihm erschiene!
Winter
Verschwunden ist das lachende Gefilde,Autor: Karl FrohmeKategorie: Wintergedichte
Das noch vor kurzem uns so hoch erfreute,
Des Winters rauher Macht ward es zur Beute,
Der kennt nicht Schonung und nicht Lieb' und Milde.
Die Sonne birgt sich hinterm Wolkenschilde,
Als ob sie vor dem eignen Strahl sich scheute
Und sie der kurze Tageslauf gereute
Hin über sturmgepeitschte Eisgefilde.
Da stehn wir wie an einem weiten Grab,
Das uns so viel der reinsten Freuden decket;
Schau'n wehmutsvoll auf Wald und Flur hinab.
Doch tröstet's uns, daß Leben drin verstecket,
Dem nimmer bricht des Winters Hand den Stab —
Ein Leben, das der Frühling wieder wecket.
Winter
Stille liegt wie eine bleiche,Autor: Hugo GrabowKategorie: Wintergedichte
Kaum verschied’ne liebe Leiche
In dem weißen Sterb‘gewand,
Rings umher nun alles Land.
Durch den Wald schweift hohl ein Tönen
Schaurig zirpt das Vögelein
Durch den abgestreiften Hain.
Selbst der Flüsse und der Bäche
Vielbewegte Spiegelfläche
Ist wie Felsen fest erstarrt;
Hört nur, wie es pfeift und knarrt
Unter Wandrers flücht’gem Tritte,
Der sich eilet nach der Hütte,
Wo nun der gesell’ge Herd
Wärmend hell die Flamme nährt.
Ist das Schöne all’ gestorben?
Mit den Blumen längst verdorben,
Die die Wiesenflur bedeckt?
Ist die Macht, die sie erweckt,
Selbst in Ohnmacht nun entschlafen?
Nein! belauscht ihr heimlich Schaffen,
Wie sie – hauchts auch noch so kalt –
Blumen auf die Fenster malt.
Heimlich, in gewohnter Weise,
Treibt sie so im Reif und Eise
Fast ein loses Blumenspiel:
Hätte sie dabei das Ziel
Eines Königs Kleid zu schmücken,
Mit Juwelen es zu sticken,
Schaut! im Wald manch’ dürres Reis
Trüg‘ vor Menschenkunst den Preis.
Wohl bewahrt in Windelhüllen
Schläft jetzt Blum‘ und Blatt im Stillen,
In der Knospe Wunderschoß,
Lenzluft haucht sie künftig los.
Unter weiß gestreifter Decke
Ruht der Saaten weite Strecke,
Sorglos – bis der Frühling weckt,
Während uns die Sorge neckt.
Winter ist´s geworden
Winter ist´s geworden,Autor: Diana DenkKategorie: Wintergedichte
ganz plötzlich über Nacht;
ein kalter Wind aus Osten
hat Eis und Schnee gebracht.
Nun schaut die Landschaft öde,
hinweg ist all ihr Grün,
kein Vöglein hör ich singen,
kein Blümlein seh ich blühn.
Doch Seele sei nicht traurig,
dass Schnee das Land bedeckt,
es dauert ja nicht lange
bis Frühling sich erweckt!
Dann öffnet er die Tore
für alle Groß und Klein,
und Frühling ziehet wieder
in jedes Herz hinein!
Winter-Landschaft
Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,Autor: Friedrich HebbelKategorie: Wintergedichte
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.
Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
so gräbt er, glaub' ich, sich hinein ins Grab.
Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf's öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.
Winterfreuden im Allgäu
Januar 2013Autor: Freudreich PeschkoKategorie: Wintergedichte
Ich schippe Schnee, ich schippe Schnee,
schon tuen mir die Arme weh.
Ich schippe Schnee, ich schippe Schnee,
nun schmerzt mir auch der Rücken,
ich kann mich kaum noch bücken.
Doch, es schneit unaufhörlich weiter,
allmählich ist das nicht mehr heiter !
Nun endlich hab ich alles weg.
Ich dreh' mich um: O Schreck, o Schreck !
Schon wieder eine dicke Schicht !
Ich glaub, ich schaff das heute nicht !
Auf jeden Fall ist eins zu tun:
Nun gilt es erstmal, auszuruhn.
Ich bin total am Schwitzen,
jetzt muß ich erstmal sitzen.
Ich denk so nach, in meinem Herz
regt sich der Wunsch: Wär's doch schon März
und lieber noch - so Gott es will.. - April.
Ach.., doch vielleicht sogar schon Mai,
dann wär' die ganze Müh' vorbei.
Halt, stopp! Noch nicht !
Hier noch ein Nachtrag zum Gedicht:
26.Mai 2013
Nun, Ende Mai, da stell ich fest:
Der Frühling sich nicht blicken läßt.
Des Winters Ende, des wir harrten,
läß weiterhin noch auf sich warten.
Es scheinet so, daß, was wir dichten,
erfüllt sich manchesmal mitnichten.
Verblüh'n schon jetzt die Herbstzeitlosen ?
Man zieht sich an die langen Hosen
und wünscht : Wär ich doch andernorts,
... in Afrika, in kurzen Shorts.
Winternacht
Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,Autor: Gottfried KellerKategorie: Wintergedichte
Still und blendend lag der weiße Schnee.
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.
Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.
Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe von mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.
Mit ersticktem Jammer tastet` sie
An der harten Decke her uns hin -
Ich vergess das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn!
Winters Anfang
Nun ist der erste Schnee gefallenAutor: Johannes TrojanKategorie: Wintergedichte
Und deckt des Gartens Blumen zu.
Wann wieder wird der Ruf erschallen:
Erwacht! Erhebt euch aus der Ruh!
Ach, nun wie lang' unholden Mächten
Gehört die Welt, die einst so schön!
Wem bangt nicht vor den langen Nächten,
Wenn um das Haus die Stürme gehn.
O gib uns, Gott, freundliche Helle,
Die uns in Winters Graun beglückt,
Bis daß der Schnee geht von der Schwelle,
Der Schlehbusch draußen neu sich schmückt.
Erhalt' die Glut auf unsrem Herde,
Erhalt' auf unsrem Tisch das Brot;
Gib, daß von uns gegeben werde,
Wenn an die Türe pocht die Not.
Gib uns, daß Friede bei uns wohne,
Daß Freude kehre bei uns ein;
Daß Feuer unser Haus verschone,
Krankheit und Sorge, Angst und Pein.
Daß unversehrt das Dach geblieben,
Wenn wieder Schwalben drunter baun,
Und daß wir all, die wir uns lieben,
Im Lenz die Veilchen wieder schaun.
Winters Flucht
Dem Winter ward der Tag zu lang,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Wintergedichte
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang;
Er horcht und hört's mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das macht ihm Leid.
Er sieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein.
Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und sprach:
"Wo ist mein silberweißes Kleid,
Mein Hut , mit Demantstaub bestreut?"
Er schämt sich wie ein Bettelmann
Und läuft, was er nun laufen kann.
Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil's noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.
Winter und Lyrik: Eine alte Verbindung
Der Winter hat Dichter zu allen Epochen beschäftigt, und das aus gutem Grund. Keine andere Jahreszeit verändert die Welt so grundlegend. Was im Sommer grün und laut ist, liegt im Winter weiß und still. Was belebt wirkte, erscheint jetzt schlafend, manchmal fast tot. Und doch weiß man, dass unter dem Schnee das Leben wartet. Diese Spannung zwischen Erstarrung und verborgener Lebendigkeit ist ein nahezu unerschöpfliches Thema für Lyrik.
Hinzu kommt die besondere Atmosphäre der dunklen Jahreszeit. Lange Nächte, früh einsetzende Dämmerungen, das Licht von Kerzen und Laternen, der Geruch von nassem Holz und kalter Luft: All das spricht die Sinne auf eine Weise an, die sich in Worte drängt. Wer einmal bei Stille durch einen verschneiten Wald gegangen ist, versteht sofort, warum Dichter immer wieder zu diesem Motiv zurückkehren.
Die deutschsprachige Winterlyrik ist besonders reich, weil das Klima des mitteleuropäischen Winters eine deutliche saisonale Erfahrung mit sich bringt. Der Winter ist hier keine abstrakte Idee, sondern ein körperliches Erlebnis, und die besten Wintergedichte tragen genau diese Körperlichkeit in sich.
Typische Motive in Wintergedichten
Wer viele Wintergedichte liest, begegnet bestimmten Bildern immer wieder. Das sind keine Klischees, sondern Urbilder: Erfahrungen, die so grundlegend zur menschlichen Wintererfahrung gehören, dass sie unabhängig voneinander immer wieder in der Lyrik auftauchen.
- Schnee: Das auffälligste und vielseitigste Wintermotiv. Schnee kann Reinheit und Stille symbolisieren, aber auch Kälte, Isolation und das Ausgelöscht-Sein. In Gedichten erscheint er mal als sanfte Decke, mal als bedrohliche Last.
- Frost und Eis: Gefrorene Fenster, vereiste Pfützen, Eis auf einem See: Diese Bilder stehen für Erstarrung, für das Einfrieren des Lebens, aber auch für die kristalline Schönheit, die Kälte erzeugen kann.
- Die kurzen Tage: Das frühe Einbrechen der Dunkelheit, das Licht der Kerzen, das Leuchten der Laternen im Schnee: Wintergedichte arbeiten oft mit Kontrasten zwischen Licht und Dunkel, die in keiner anderen Jahreszeit so ausgeprägt sind.
- Die schlafende Natur: Kahle Bäume, leere Felder, stille Wälder ohne Vogelgesang. Diese Bilder vermitteln nicht nur Verlust, sondern auch eine eigene, ruhige Würde.
- Wärme und Geborgenheit innen: Der warme Ofen, das Kaminfeuer, die beschlagenen Fensterscheiben: Wintergedichte, die das Innere beschreiben, spielen mit dem Kontrast zur Kälte draußen und erzeugen dadurch Behaglichkeit.
- Winterliche Bewegung: Schlittschuhlaufen, Rodeln, Schneewanderwege: Aktivitäten im Winter haben eine ganz eigene Qualität und finden sich in Gedichten, die den Winter als Abenteuer begreifen.
Wintergedichte über Geborgenheit und Stille
Für viele Menschen ist der Winter vor allem eine Zeit des Rückzugs. Man zieht sich zurück in die eigenen vier Wände, in Wärme und Licht, in Ruhe und Gesellschaft der Nächsten. Diese Art des Wintererlebens hat eine lange lyrische Tradition, die in Deutschland oft mit dem Begriff der Gemütlichkeit verbunden wird.
Gedichte über winterliche Geborgenheit beschreiben Innenräume mit einer Sorgfalt, die deutlich macht, wie sehr dieser Kontrast zwischen Kälte draußen und Wärme drinnen das Wohlgefühl steigert. Ein Kaminfeuer wirkt wärmer, wenn man weiß, dass es draußen friert. Eine Tasse heißer Tee schmeckt besser, wenn die Fensterscheiben beschlagen und die ersten Schneeflocken fallen. Wintergedichte machen dieses einfache Glück sichtbar und würdig.
Es gibt auch eine stille, meditative Seite solcher Gedichte. Die Kürze der Wintertage, das frühe Dunkel, die erzwungene Langsamkeit: Das alles lädt zum Innehalten ein. Wintergedichte, die diese Stille beschreiben, ohne sie zu beklagen, haben eine besondere Tiefe. Sie zeigen, dass Ruhe kein Mangel ist, sondern eine Qualität.
Die schlafende Natur in der Lyrik
Der Winter legt die Natur bloß. Was im Sommer verdeckt war, wird jetzt sichtbar: die Struktur der kahlen Bäume, der Verlauf von Wegen und Hügeln unter dem Schnee, das Gerüst der Landschaft. Für aufmerksame Beobachter ist der Winter deshalb keine Zeit der Leere, sondern eine Zeit der klarsten Sicht.
Wintergedichte über die schlafende Natur arbeiten oft mit der Paradoxie, dass die scheinbar tote Landschaft voll von Leben ist. Unter dem Schnee warten Wurzeln und Samen auf den Frühling. In den kahlen Bäumen sitzen Vögel, die man im belaubten Sommer nie gesehen hätte. Das Schweigen der Wälder ist kein wirkliches Schweigen, weil wer genau hinhört, das Knacken des Frostes, das Rieseln des Schnees und das entfernte Rufen eines Vogels vernimmt.
Solche Gedichte haben eine philosophische Dimension. Sie sprechen von Vergänglichkeit und Erneuerung, von Enden, die keine endgültigen Enden sind. Der Winter als notwendige Ruhephase, ohne die kein Frühling möglich wäre: Das ist ein Gedanke, der in der Winterlyrik immer wieder anklingt und der über die Jahreszeit hinaus bedeutsam ist.
Schnee, Frost und winterliche Bewegung
Nicht alle Wintergedichte sind still und besinnlich. Es gibt eine lebhafte, bewegungsreiche Tradition der Winterlyrik, die den Schnee nicht als Kulisse, sondern als Spielfeld begreift. Schlittschuhlaufen auf einem zugefrorenen See, Rodeln auf einem Hügel am Stadtrand, der erste Spaziergang nach einem Schneefall: Diese Erfahrungen haben eine eigene Energie, und Gedichte, die sie einfangen, stecken an.
Wintergedichte über Bewegung im Schnee haben oft einen anderen Rhythmus als stille Naturbetrachtungen. Sie sind schneller, klangvoller, manchmal sogar ausgelassen. Das Knirschen des Schnees unter den Stiefeln, der Atem, der in kalter Luft sichtbar wird, das Kribbeln der Kälte auf den Wangen: Diese körperlichen Eindrücke finden in solchen Texten ihren lyrischen Ausdruck.
Wintergedichte, die winterliche Aktivitäten beschreiben, eignen sich auch besonders gut für Kinder. Der Schnee als Abenteuer, der Winter als Einladung zum Spielen: Das ist eine Perspektive, die Kindern vertraut ist und die in einfacher, klarer Sprache verfasst werden kann, ohne an Lebendigkeit zu verlieren.
Bekannte Dichter und ihre Wintergedichte
Die deutsche Literaturgeschichte hat einige Dichter hervorgebracht, deren Wintergedichte zu den bekanntesten und meistgelesenen der Epoche gehören.
- Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857) hat den Winter mit einer Sehnsucht beschrieben, die typisch für die romantische Naturbegeisterung ist. Seine Winterlandschaften sind gleichzeitig Seelenlandschaften, und das Wandern durch den verschneiten Wald ist bei ihm immer auch ein innerer Weg.
- Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) schrieb mit "Harzreise im Winter" eines der eindringlichsten deutschen Wintergedichte. Der Text ist dunkel, schwer und voller Bilder einer rauen, unfreundlichen Natur, die der inneren Verfassung des Wanderers entspricht.
- Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) sah im Winter eine Jahreszeit der Sammlung und der Stille, die dem Denken und Fühlen Raum gibt. Seine Winterbilder sind präzise und von großer Ruhe durchzogen.
- Theodor Storm (1817 bis 1888) beschrieb den norddeutschen Winter mit einer Genauigkeit, die an der eigenen Naturbeobachtung geschult ist. Seine Wintertexte haben etwas Verhaltenes, Gedämpftes, das sehr nah am tatsächlichen Erleben dieser Jahreszeit ist.
Wintergedichte für verschiedene Anlässe
Wintergedichte passen zu mehr Gelegenheiten als nur dem stillen Nachmittag zu Hause. Sie begleiten die gesamte Wintersaison, von den ersten kalten Novembertagen bis in den Februar hinein, und eignen sich für eine überraschend große Bandbreite von Situationen.
- Adventszeit und Vorweihnachtszeit: Wintergedichte ohne explizit religiösen Inhalt eignen sich hervorragend als Begleitung der Adventswochen, auf Karten, in Kalendern oder als Tischgedicht bei Adventsfeiern.
- Winterkarten und Grüße: Wer im Dezember oder Januar Karten verschickt, findet in Wintergedichten eine Alternative zur üblichen Weihnachtslyrik, besonders für Menschen, die weniger kirchlich gebunden sind.
- Soziale Netzwerke: Ein Wintergedicht mit einem passenden Foto, etwa einer verschneiten Landschaft oder einem Kaminfeuer, macht einen Post persönlicher und stimmungsvoller.
- Vorlesestunden mit Kindern: Ruhige Wintergedichte eignen sich wunderbar für das abendliche Vorlesen, weil sie eine entspannte Atmosphäre schaffen und gleichzeitig Sprachgefühl und Vorstellungsvermögen fördern.
- Als Einstimmung auf die Jahreszeit: Wer zu Beginn des Winters ein schönes Wintergedicht liest, betrachtet die kommenden Monate mit anderen Augen, aufmerksamer für das, was die Jahreszeit zu bieten hat.
Ein eigenes Wintergedicht schreiben
Der Winter ist eine dankbare Jahreszeit für eigene Schreibversuche, weil er so viele unmittelbare, sinnliche Eindrücke bietet. Man muss sich nicht besonders anstrengen, um Stoff zu finden: Ein Blick aus dem Fenster, ein Spaziergang im Frost, der erste Atemzug in der Kälte des Morgens: All das ist Material.
Beginnen Sie mit dem, was Sie selbst erleben. Nicht mit dem, was ein Wintergedicht beschreiben sollte, sondern mit dem, was Sie wahrnehmen. Was sehen Sie gerade? Was hören Sie? Was fühlen Sie auf der Haut? Aus dieser konkreten Wahrnehmung heraus entstehen die lebendigsten Bilder.
- Suchen Sie das überraschende Detail. Nicht der Schnee im Allgemeinen, sondern dieser eine Ast, auf dem der Schnee eine merkwürdige Form angenommen hat. Nicht die Kälte im Allgemeinen, sondern das Kribbeln genau dort, wo die Handschuhe aufhören.
- Entscheiden Sie sich für eine Grundstimmung. Soll das Gedicht still sein oder lebendig? Schwermütig oder freudig? Diese Entscheidung bestimmt Ton, Rhythmus und Bildwahl von Anfang an.
- Nutzen Sie den Kontrast. Kälte draußen und Wärme drinnen, Stille der Natur und das Summen eines Hauses: Kontraste erzeugen Spannung, und Spannung macht Gedichte lebendig.
- Probieren Sie verschiedene Längen. Manche Wintergedanken passen in vier Zeilen, andere brauchen mehr Raum. Schreiben Sie einen längeren Entwurf und kürzen Sie dann, bis nur noch das Wesentliche bleibt.
- Lesen Sie laut vor, idealerweise draußen. Was sich in der winterlichen Luft gut sprechen lässt, hat den richtigen Atem. Was sich versperrt anfühlt, muss noch einmal überarbeitet werden.
Wintergedichte zu lesen, zu suchen oder selbst zu verfassen ist eine der schönsten Beschäftigungen der kalten Jahreszeit. Sie passen zur Langsamkeit des Winters, zu seiner Stille und zu der Bereitschaft, innezuhalten, die er in vielen Menschen weckt. Und manchmal findet man beim Lesen eines Wintergedichts genau das, was man gesucht hat: Worte für etwas, das man schon lange gefühlt hat, ohne es benennen zu können.