Sommergedichte
Viele Menschen lieben den Sommer, weil sie gern in Maßen Sonne tanken: Das ist einfach gut fürs Gemüt. Abkühlung verschafft ein Sprung ins Wasser eines Sees oder Freibads. Forschen Sie im Internet gerade nach einem Sommergedicht? Möchten Sie es zusammen mit einem schönen Foto in einem sozialen Netzwerk posten? Sommergedichte können auf die wärmste Phase des Jahres einstimmen. Es gibt welche, in denen die Atmosphäre eines Sommerurlaubs beschrieben wird, und andere, in denen eine beliebte sommerliche Beschäftigung der Dreh- und Angelpunkt ist, zum Beispiel das Eisessen. Sommergedichte thematisieren darüber hinaus laue Nächte, was durchaus eine sinnlich-erotische Note haben kann. Manchmal wird auch das Stadtleben im Sommer aufgegriffen: Im Sommer fliehen viele Stadtbewohner aufs Land, weil ihnen die urbane Hitze zu schaffen macht, während Touristen das Stadtleben in vollen Zügen genießen. Und welche Sommergedichte gefallen Ihnen?
Sommergedichte gehören zu den ältesten und verbreitetsten Formen der Jahreszeitenlyrik. Der Sommer hat immer Dichter angezogen, weil er so viel Material bietet: Wärme, Licht, Leichtigkeit, aber auch Erschöpfung, Hitze und die Ahnung, dass diese schöne Zeit nicht ewig dauert. Diese Vielschichtigkeit macht Sommergedichte so lesenswert.

Inhaltsverzeichnis
- Sommergedichte
- Sommer und Lyrik: Eine besondere Verbindung
- Typische Motive in Sommergedichten
- Sommer in der Stadt: Hitze, Flucht und Lebensfreude
- Laue Nächte und sinnliche Stimmung
- Urlaub, Ferne und das Gefühl von Freiheit
- Bekannte Dichter und ihre Sommergedichte
- Wofür man Sommergedichte nutzen kann
- Ein eigenes Sommergedicht schreiben
Sommergedichte
An einem schönen Sommerabende
Lieblich senkt die Sonne sich,Autor: Theodor StormKategorie: Sommergedichte
Alles freut sich wonniglich
In des Abends Kühle!
Du gibst jedem Freud und Rast,
Labst ihn nach des Tages Last
Und des Tages Schwüle.
Horch, es lockt die Nachtigall,
Und des Echos Widerhall
Doppelt ihre Lieder!
Und das Lämmchen hüpft im Tal,
Freude ist jetzt überall,
Wonne senkt sich nieder!
Wonne in des Menschen Brust,
Der der Freud ist sich bewusst,
Die ihm Gott gegeben,
Die du jedem Menschen schufst,
Den aus nichts hervor du rufst
Auf zum ew'gen Leben.
An einem Sommermorgen
An einem SommermorgenAutor: Theodor FontaneKategorie: Sommergedichte
da nimm den Wanderstab,
es fallen deine Sorgen
wie Nebel von dir ab.
Des Himmels heitre Bläue
lacht dir ins Herz hinein
und schließt, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach dich ein.
Rings Blüten nur und Triebe
und Halme von Segen schwer,
dir ist, als zöge die Liebe
des Weges nebenher.
So heimisch alles klingt
als wie im Vaterhaus,
und über die Lerchen schwingt
die Seele sich hinaus.
Der Sommer
Seht ihr den Sommer durch die Lüfte fliegen?Autor: Carl Hermann BusseKategorie: Sommergedichte
In Gold und Blau - so hab ich mir's gedacht;
Nun ist er wieder auf die Welt gestiegen,
Nun giebt's ein Blühn und Düften Tag und Nacht.
Die Falter wissen sich schon nicht zu lassen
Und taumeln glücklich in ein Meer von Licht,
Und Kinderjubel schallt auf allen Gassen,
Und überall ein Kinderangesicht.
Die kleinen Mädchen klatschen in die Hände
Und krähn vergnüglich in die blüh'nde Welt,
Und in der Stadt sind auch die kahlsten Wände
Vom glüh'nden Glanz des Sonnenscheins erhellt.
Der arme Schuster selbst ließ sein Trauer
Und hämmert lustig auf den alten Schuh,
Und vor der Werkstatt tönt vom Vogelbauer
Des gelben Sängers heller Klang dazu.
In allen Lüften wirbeln Lerchenlieder,
Und Schwalben schietzen durch die goldnen Höhn,
Und aus den Gärten düftet weißer Flieder -
Herrgott im Himmel, ist die Welt doch schön!
Der Sommer
Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmertAutor: Friedrich HölderlinKategorie: Sommergedichte
Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel
In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,
Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.
Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,
Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,
Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben
Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.
Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,
Der Mensch verwundert sich, daß sein Bemühn gelinget,
Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,
Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.
Der Sommer
Brüder! lobt die Sommerszeit!Autor: Gotthold Ephraim LessingKategorie: Sommergedichte
Ja, dich, Sommer, will ich loben!
Wer nur deine Munterkeit,
Deine bunte Pracht erhoben,
Dem ist wahrlich, dem ist nur,
Nur dein halbes Lob gelungen,
Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,
Brocks, der Liebling der Natur.
Hör ein größer Lob von mir,
Sommer! ohne stolz zu werden.
Brennst du mich, so dank ichs dir,
Daß ich bei des Strahls Beschwerden,
Bei der durstgen Mattigkeit,
Lechzend nach dem Weine frage,
Und gekühlt den Brüdern sage:
Brüder! lobt die durstge Zeit!L.
Der Sommer
Der Sonne flammendes GefiederAutor: Alois Leopold AltmannKategorie: Sommergedichte
Besucht mit seiner Gluth die Flur;
Vom kühlern Hain' ertönen Lieder
Zum Preis der herrlichen Natur.
Und auf den bunten Blumenkronen
Wiegt schaukelnd sich der Schmetterling,
Und arbeitslust'ge Bienen thronen
In ihrem düftereichen Ring.
Schon kommt auf's Feld herangezogen
Der Schnitter und die Schnitterin,
Und des Getreides gold'ne Wogen,
Die strecket ihre Sichel hin.
Bei frohgemuthen Liedern schallen
Die Sorgen wie ein irrer Traum,
Die schwerbeladen Wagen wallen
Hin nach der Scheune luft'gen Raum.
So wird des Jünglings edles Streben,
Das er den Wissenschaften weiht,
Auch einen süßen Lohn erleben,
Beirrt von keinem Drang der Zeit.
Der Urlaub ist zu Ende
Die Urlaubszeit, sie ist vergangen,Autor: Bernhard DingesKategorie: Sommergedichte
die Arbeit hat neu angefangen.
Die Zeit, sie rennt, es flieh'n die Tage
zum nächsten Sommer, ohne Frage.
Die Tage, Wochen waren heiß,
bald folgt die Zeit mit Schnee und Eis.
Doch erst noch macht der Herbst sich breit,
bevor's zum Jahresende schneit.
Manch einer klagt dann, es wär' schön,
könnt' ich doch jetzt ins Freibad geh'n.
Doch andere, die zieht es fort,
zum Skilauf, Rodeln, Wintersport.
Zu Weihnachten, zum Neuen Jahr,
da werden solche Träume wahr.
Die Reiseagenturen dann
für jeden bieten sie was an.
Das Frühjahr kommt im schnellen Schritt,
bringt Sonnenschein und Wärme mit.
Es ist dann bald die Sommerzeit,
zum nächsten Urlaub nicht mehr weit.
Farben des Regebogens
Kennst du des Regenbogens Sinn,Autor: Christina TelkerKategorie: Sommergedichte
er zieht deinen Blick zum Himmel hin.
Er zeigt des Schöpfers Gegenwart,
seine Liebe, die dich stets bewahrt.
Das Rot, die Liebe, die alles erhält,
die wieder vereint, was fast zerfällt.
Orange, des Abendlichtes Schein,
der dich trägt in die Nacht hinein.
Das Gelb, der Sonne heller Glanz,
bringt Heiterkeit, Musik und Tanz.
Grün schenkt uns Hoffnung und neuen Mut,
es tröstet: ‚Es wird alles gut. ‘
Blau, des Himmels strahlende Weite,
über Länder und Grenzen der Gleiche.
Violett, Bescheidenheit und Verstehn,
nur mit Gott unsre Wege zu gehn.
Alle Farben zusammen ergeben,
ein friedlich und harmonisches Leben.
Gottes Güte, die Erde erhält,
denn er liebt die Kinder der ganzen Welt.
Im Sommer
Das ist mir noch gebliebenAutor: Ferdinand SauterKategorie: Sommergedichte
Aus meiner Kinderzeit:
Die Falterwelt zu lieben
Der Bergeseinsamkeit;
Die Falter, die da fliegen,
Wenn heiß der Mittag glüht,
Die auf dem Kelch sich wiegen,
Der würzig aufgeblüht.
Wie hold, sie zu belauschen
In ihrem Sommertraum,
Wenn sie die Grüße tauschen
Am sonnigen Waldessaum;
Wenn sie am Quellenrande
Versammelt sind zum Tanz,
Und wenn im Gartensande
Aufblitzt ihr Schillerglanz.
Erinnerungen schweben
Vorbei im Blumenduft,
Begleiten und umgeben
Die Falter in der Luft!
Im Sommer
Im Garten blühn die RosenAutor: Stine AndresenKategorie: Sommergedichte
In wundervoller Pracht,
Die linden Lüfte kosen
Mit ihren Blättern sacht.
In ihren Kelch geschmieget
Der bunte Falter ruht,
Die fleiß'ge Biene flieget
Dahin mit süßem Gut.
Von Blumenduft durchsogen
Sind Wiese, Flur und Feld,
Des Kornes Aehren wogen,
Von Segen reich geschwellt.
Es schmettert ihre Lieder
Die Lerche aus den Höh'n
Zur blühenden Erde nieder.
O Welt, wie bist du schön!
Es freut im Glanz der Sonne
Sich jede Kreatur.
Rings atmet sel'ge Wonne
Die lächelnde Natur.
Nun, Menschenherz, werd' munter,
Jauchz' auf zum Himmelsdom!
Nun, Menschenleid, geh' unter
Im heil'gen Freudenstrom!
Im Sommer
O weiche Luft voll Blumenduft,Autor: Ferdinand Ernst Albert AvenariusKategorie: Sommergedichte
O Vogelsang der Auen,
Wie sehn ich bang mich Monde lang,
Zu lauschen und zu schauen!
Nun lacht die Erde um mich her
Im Sommersonnenscheine –
Der kleine Finke schlägt nicht mehr,
Die Primel verblüht am Raine!
Die Rosen blühn aus vollem Grün,
Mit lichtem Tau begossen,
Die Sommerpracht ist aufgewacht,
Die Knospenwelt erschlossen.
Was schein die Flur nur heut so leer?
Ich wandle still alleine –
Der kleine Finke schlägt nicht mehr,
Die Primel verblühte am Raine!
Im Sommer
Das ist mir noch gebliebenAutor: Josephine von KnorrKategorie: Sommergedichte
Aus meiner Kinderzeit:
Die Falterwelt zu lieben
Der Bergeseinsamkeit;
Die Falter, die da fliegen,
Wenn heiß der Mittag glüht,
Die auf dem Kelch sich wiegen,
Der würzig aufgeblüht.
Wie hold, sie zu belauschen
In ihrem Sommertraum,
Wenn sie die Grüße tauschen
Am sonn'gen Waldessaum;
Wenn sie am Quellenrande
Versammelt sind zum Tanz,
Und wenn im Gartensande
Aufblitzt ihr Schillerglanz.
Erinnerungen schweben
Vorbei im Blumenduft,
Begleiten und umgeben
Die Falter in der Luft!
Libellentanz
Wir LibellenAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Sommergedichte
Hüpfen in die Kreuz und Quer,
Auf den Quellen
Und den Bächen hin und her.
Schwirrend schweben
Wir dahin im Sonnenglanz:
Unser Leben
Ist ein einz'ger Reigentanz.
Wir ernähren
Uns am Strahl des Sonnenlichts,
Und begehren,
Wünschen, hoffen weiter nichts
Mit dem Morgen
Traten wir ins Leben ein;
Ohne Sorgen
Schlafen wir am Abend ein.
Heute flirren
Wir in Freud' und Sonnenglanz;
Morgen schwirren
Andre hier im Reigentanz.
Sommer
Sommertag! Mit üppigem PrangenAutor: Otto BaischKategorie: Sommergedichte
Glüht das Leben, wohin ihr schaut;
Himmel und Erde in trautem Umfangen,
Strahlen wie Bräutigam und Braut.
Wo der Lenz mit holder Verschwendung
Keime tausendfach ausgestreut,
Wächst empor zu schöner Vollendung,
Was die Erde an Süßem beut.
Aus des Laubwerks grünender Hülle,
Drin das Vöglein ein Heim errang,
Klingt hervor mit schmetternder Fülle
Hell frohlockender Jubelgesang.
Zwischen dem Gold der reifenden Ähren
Schimmern farbig Cyanen und Mohn; -
Schwellende Lippen lächeln Gewähren,
Werbender Liebe ward Treue zum Lohn.
Und im freudigen Überschäumen
Schaut befriedigt das Herz zurück,
Dem aus duftigen Lenzesträumen
Aufgeblüht ein gefestigt Glück.
Der du köstlich erfüllt nun zeigest,
Was die Seele sich wünschen mag,
Weile lang, bevor du dich neigest,
Schöner, herrlicher Sommertag!
Sommer
Nun flammt in gold'nen FlutenAutor: Lisa BaumfeldKategorie: Sommergedichte
Der trunk'ne Sommer durch die Luft,
Der Erde heisse, liebeswilde Gluten
Entbrennen hell in rothem Rosenduft ...
Nun weint in Nächten, lauen, fahlen,
Sehnsücht'ger Mond in bangem Zittergrase,
Nun ist die Zeit der tiefen, grossen Qualen,
Der hohen, schmerzlich wonnigen Ekstase ...
Nun ist die Zeit - wann kommst du wieder?
Wo sonst ein Sang mir durch die Seele schauert,
Wo man aus Blumenkelchen Lieder
Und Klänge schöpft, und gerne bebt und trauert ...
Ich wollt', dass mich ein Weh durchgraute,
Dass eine Thräne mir im Herzen glüht',
Und dass, wie sonst, draus eine schmerzbethaute
Tiefdunkle, glutverwirrte Rose blüht ...
Sommer
Singe, meine liebe Seele,Autor: Otto Julius BierbaumKategorie: Sommergedichte
Denn der Sommer lacht.
Alle Farben sind voll Feuer,
Alle Welt ist eine Scheuer,
Alle Frucht ist aufgewacht.
Singe, meine liebe Seele,
Denn das Glück ist da.
Zwischen Aehren, welch ein Schreiten!
Flimmernd tanzen alle Weiten,
Gott singt selbst Hallelujah.
Sommer
Schon hast du über Wiesen, Wald und HügelAutor: Ferdinand SauterKategorie: Sommergedichte
Den höchsten Reiz der Schönheit ausgegossen,
Des Blütenreichthums Schätze sind erschlossen
Und Phöbus weilt mit angehaltnem Zügel.
Das tiefste Blau versinkt im Wellenspiegel,
Darunter blinzeln silberhelle Flossen,
Kein Lufthauch wehrt den glühenden Geschossen
Es schwirrt die Biene nur mit trägem Flügel.
So liebevoll und rastlos im Verschwenden,
Gebiert Natur und zeitigt ihre Kinder,
Bis sie den Gipfel ihres Seins vollenden.
O daß doch sie, die uns'res Wirkens Meister,
Uns achteten für minder freche Sünder,
Und ließen frei die kerkermüden Geister!
Sommer
Sieh, wie sie leuchtet,Autor: Thekla LingenKategorie: Sommergedichte
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand ...
Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Aehren?
Es geht der Sommer über's Land ...
Sommer
Ihr singt von schönen Frühlingstagen,Autor: Gustav FalkeKategorie: Sommergedichte
Von Blütenduft und Sonnenschein,
Ich will nichts nach dem Frühling fragen,
Nein Sommer, Sommer muss es sein.
Wo alles drängt und sich bereitet
Auf einen goldnen Erntetag,
Wo jede Frucht sich schwellt und weitet
Und schenkt, was Süßes in ihr lag.
Auch ich bin eine herbe, harte,
Bin eine Frucht, die langsam reift.
O Glut des Sommers, komm! Ich warte,
Dass mich dein heißer Atem streift.
Später Sommer
Das ist des Sommers letztes Dankgebet:Autor: Ernst GollKategorie: Sommergedichte
Noch ist die Luft erfüllt von schwülen Träumen,
Doch wo der Wald im Mittagsbrande steht,
Will schon ein leises Rot die Wipfel säumen.
Ein Silberwölkchen gleitet über Land
Und taucht beseligt in die Sonnensphäre –
Wir aber geben uns die müde Hand
Und sind bedrückt von Not und Erdenschwere.
Wie freu' ich mich der Sommerwonne!
Wie freu' ich mich der Sommerwonne,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Sommergedichte
Des frischen Grüns in Feld und Wald,
Wenn's lebt und webt im Glanz der Sonne
Und wenn's von allen Zweigen schallt!
Ich möchte jedes Blümchen fragen:
Hast du nicht einen Gruß für mich?
Ich möchte jedem Vogel sagen:
Sing, Vöglein, sing und freue dich!
Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:
Wer wollte sich nicht ihrer freu'n,
Wenn er durch frohe Frühlingslieder
Sich seine Jugend kann erneu'n?
Kein Sehnen zieht mich in die Ferne,
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz;
Da wo ich bin, da bin ich gerne,
Denn meine Heimat ist mein Herz.
Sommer und Lyrik: Eine besondere Verbindung
Kaum eine andere Jahreszeit hat die Sinne so unmittelbar angesprochen wie der Sommer. Die Wärme auf der Haut, der Geruch von frisch gemähtem Gras, das Zirpen der Grillen am Abend: All das sind Eindrücke, die sich geradezu aufdrängen und nach Ausdruck verlangen. Lyrik ist dafür das perfekte Medium, weil sie nicht erklärt, sondern zeigt und fühlen lässt.
In der Geschichte der deutschsprachigen Lyrik hat der Sommer eine lange Tradition als Thema. Von Barockversen über die romantische Naturbegeisterung bis hin zur Gegenwartslyrik wurde die heißeste Jahreszeit immer wieder aufgegriffen, jede Epoche mit ihrer eigenen Sensibilität und ihren eigenen Bildern. Was sich dabei nicht verändert hat, ist die grundlegende menschliche Reaktion auf den Sommer: Freude, Entspannung, manchmal Schwermut darüber, dass auch dieser Sommer wieder vergeht.
Ein gutes Sommergedicht fängt genau das ein. Es beschreibt nicht nur Sonnenschein, sondern die Qualität eines ganz bestimmten Augenblicks im Sommer, einen Moment, der so spezifisch ist, dass er sofort allgemein wirkt. Wer ihn liest, erkennt sich wieder.
Typische Motive in Sommergedichten
Sommermotive in der Lyrik kehren immer wieder, weil sie tief in der menschlichen Erfahrung dieser Jahreszeit verwurzelt sind. Kein Dichter muss sie neu erfinden, aber jeder bringt sie auf eigene Weise zum Leuchten.
- Sonne und Licht: Das markanteste Merkmal des Sommers ist sein Licht. Lange Tage, gleißende Mittagssonne, das goldene Licht des späten Nachmittags. In der Lyrik steht Licht häufig für Freude, Fülle und Lebendigkeit, aber auch für Vergänglichkeit, weil starkes Licht immer auch einen starken Schatten wirft.
- Wasser: Seen, Flüsse, das Meer, der Sprung ins kühle Nass. Wasser ist im Sommer mehr als eine physische Erfrischung. Es ist ein Symbol für Befreiung, für den Ausbruch aus der Alltagshitze, für das kurze Eintauchen in eine andere Welt.
- Hitze und Stille: Der heiße Mittag, wenn alles still steht und die Luft flimmert, hat in der Lyrik eine fast mystische Qualität. Diese flimmernde Mittagsstille ist ein Motiv, das sich durch die europäische Literatur zieht.
- Üppige Natur: Volle Bäume, schwere Blüten, Insekten, die summen: Der Sommer zeigt die Natur auf dem Höhepunkt ihrer Fülle. In Gedichten steht diese Fülle oft für das Leben in seiner intensivsten Form.
- Das Ende im Blick: Seltsam, aber typisch: Viele Sommergedichte haben eine leise Melancholie, die aus dem Bewusstsein kommt, dass dieser Sommer vergeht. Schon im Juli spüren manche den kommenden Herbst. Diese Wehmut mitten in der Schönheit gehört zu den ehrlichsten Qualitäten guter Sommerlyrik.
Sommer in der Stadt: Hitze, Flucht und Lebensfreude
Der Sommer zeigt in der Stadt ein anderes Gesicht als auf dem Land. Asphalt, der Wärme speichert und abgibt. Straßencafés, die sich bis weit in die Nacht füllen. Parks, die zum Treffpunkt aller werden, die keinen Garten haben. Dieses städtische Sommerleben hat eine eigene Ästhetik, und die Lyrik hat sie erkundet.
Stadtbewohner, die im Sommer bleiben, kennen beides: die Belastung durch die Hitze, die in Betonschluchten besonders intensiv ist, und gleichzeitig die entspannte Leichtigkeit, die entsteht, wenn die Stadt sich im Sommer etwas verlangsamt. Wer bleibt, hat manchmal das Gefühl, die eigene Stadt neu zu entdecken, weil weniger Betrieb herrscht und mehr Raum für das Schlendern, Beobachten und Innehalten bleibt.
Sommergedichte über das Stadtleben sprechen oft von dieser Ambivalenz. Die Hitze ist kaum zu ertragen, und trotzdem ist da etwas Schönes: ein Abend auf dem Balkon, ein improvisiertes Picknick im Park, das Summen der Stadt in einer warmen Nacht. Diese Mischung aus Beschwerde und Genuss macht städtische Sommerlyrik besonders lebensnah.
Laue Nächte und sinnliche Stimmung
Die Sommernacht ist ein eigenes Kapitel in der Lyrik. Was tagsüber drückend heiß war, verwandelt sich nach Sonnenuntergang in etwas ganz anderes: warme Luft, die immer noch nach dem Tag riecht, Sterne, die heller wirken als im Winter, eine Stimmung, die entspannter und offener ist als zu anderen Zeiten des Jahres.
Sommergedichte über Nächte haben oft eine sinnliche Qualität. Das liegt nicht nur am romantischen Klischee, sondern an der Realität: Lange Sommerabende laden dazu ein, draußen zu sitzen, länger zusammenzubleiben, Gespräche zu führen, die man sonst nicht führt. Die Nacht des Sommers ist großzügiger als die des Winters, sie gibt mehr Zeit und mehr Licht.
In der Literatur hat diese Qualität der Sommernacht eine lange Geschichte. Von Shakespeares "Sommernachtstraum" bis zu zeitgenössischer Lyrik über Festivals und Lagerfeuer: Die warme Nacht ist ein Ort der Möglichkeiten, der Begegnungen und manchmal auch der leichten Schwermut, die kommt, wenn man weiß, dass auch diese Nacht irgendwann endet.
Urlaub, Ferne und das Gefühl von Freiheit
Für viele Menschen ist der Sommer vor allem die Zeit des Urlaubs. Die Sehnsucht nach Ferne, nach anderen Landschaften, anderen Gerüchen, anderen Tagesrhythmen: Das ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, und Sommergedichte greifen es auf vielfältige Weise auf.
Gedichte über den Sommerurlaub sprechen von Ankommen und Loslassen. Von der Erschöpfung der Hinreise und der Erleichterung, wenn man endlich ankommt. Von der eigentümlichen Zeitlosigkeit, die an Urlaubsorten herrscht, wo die Tage länger scheinen und die Abende nie enden wollen. Und von dem merkwürdigen Gefühl der Heimkehr, das immer auch einen kleinen Verlust enthält.
Auch die Sehnsucht nach dem Meer gehört hierher. Das Meer ist in der Lyrik eines der mächtigsten Symbole überhaupt, für Weite, Freiheit, Unberechenbarkeit und die Grenzen des Bekannten. Im Sommergedicht erscheint es oft als Ort der Erholung und gleichzeitig der inneren Reinigung. Man kommt ans Meer und kehrt verändert zurück.
Bekannte Dichter und ihre Sommergedichte
Einige der bekanntesten Dichter der deutschen Literaturgeschichte haben Sommertexte geschrieben, die bis heute lesenswert sind und die zeigen, wie unterschiedlich diese Jahreszeit erlebt werden kann.
- Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) beschrieb die Natur mit einer Genauigkeit und Empfindsamkeit, die in seinen Sommergedichten besonders deutlich wird. Für ihn war die Natur im Sommer nicht nur Kulisse, sondern Gesprächspartner. Seine Texte verbinden naturwissenschaftliche Beobachtung mit lyrischer Empfindung auf eine Weise, die bis heute einzigartig ist.
- Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857) hat zwar den Herbst besonders geliebt, aber auch Sommergedichte geschrieben, die von Wanderlust und der Schönheit der warmen Jahreszeit durchzogen sind. Bei ihm ist der Sommer oft der Ausgangspunkt einer Reise, körperlich oder innerlich.
- Theodor Fontane (1819 bis 1898) schrieb über die märkische Landschaft im Sommer mit einer Zuneigung, die seine norddeutsche Heimat in ein besonderes Licht rückt. Seine Sommerbilder sind ruhig, beobachtend und von einer stillen Freude geprägt.
- Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) näherte sich dem Sommer aus einer anderen Perspektive. Für ihn war die Fülle der warmen Jahreszeit immer auch ein Anlass zur Besinnung auf Vergänglichkeit. Seine Sommergedichte haben eine Tiefe, die über bloße Naturbegeisterung weit hinausgeht.
- Mascha Kaléko (1907 bis 1975) schrieb über den Sommer in der Stadt mit einer Leichtigkeit und Ironie, die ihre Texte bis heute frisch wirken lässt. Ihre Beobachtungen des städtischen Sommerlebens sind präzise, warmherzig und manchmal wehmütig.
Wofür man Sommergedichte nutzen kann
Sommergedichte sind vielseitiger einsetzbar als man zunächst denkt. Sie passen nicht nur in die warme Jahreszeit selbst, sondern zu einer Reihe von Situationen, in denen Leichtigkeit, Freude oder Naturverbundenheit gefragt sind.
- Soziale Netzwerke und Blogs: Ein Sommergedicht in Kombination mit einem stimmungsvollen Foto aus dem Urlaub oder dem eigenen Garten macht einen Post persönlicher und ansprechender.
- Sommerliche Grußkarten: Wer jemandem im Sommer eine Karte schickt, ob aus dem Urlaub oder einfach so, gibt dem Gruß mit einem passenden Vers eine besondere Note.
- Gartenpartys und Sommerfeste: Ein kurzes Sommergedicht als Einladungstext oder als Teil der Feier setzt einen stimmungsvollen Rahmen, der sich von den üblichen Standardformulierungen abhebt.
- Einstimmung auf die Urlaubszeit: Wer vor dem Urlaub ein schönes Sommergedicht liest, kann gedanklich schon ein wenig loslassen, auch wenn der Alltag noch nicht beendet ist.
- Als Geschenkbeilage: Ein Sommergedicht auf einem kleinen Zettel neben einem Urlaubsmitbringsel oder einem saisonalen Geschenk macht die Geste persönlicher.
Ein eigenes Sommergedicht schreiben
Der Sommer ist vielleicht die dankbarste Jahreszeit zum Schreiben, weil er so viele unmittelbare Eindrücke bietet. Man muss nur draußen sitzen und die Augen offen halten, schon hat man mehr Material als man braucht.
Der beste Ausgangspunkt für ein eigenes Sommergedicht ist ein konkreter Moment. Nicht "der Sommer ist schön", sondern: das Geräusch des Sprinklers im Nachbargarten, das Kleben der Arme auf einer heißen Parkbank, der erste Schluck eines kalten Getränks nach einem langen heißen Tag. Solche Momente sind klein und sehr spezifisch, und genau deshalb treffen sie universell.
- Gehen Sie draußen spazieren und notieren Sie, was Sie wahrnehmen. Gerüche, Geräusche, Temperaturen, Lichtqualitäten. Diese Notizen sind das Rohmaterial für das Gedicht.
- Entscheiden Sie sich für einen einzigen Moment oder ein einziges Bild. Ein Gedicht, das zu viele Sommereindrücke auf einmal verarbeitet, verliert seinen Fokus. Weniger ist mehr.
- Überlegen Sie, welche Stimmung Sie erzeugen möchten. Sommergedichte können fröhlich sein, melancholisch, sinnlich, ruhig oder aufgeregt. Diese Grundentscheidung beeinflusst jeden weiteren Schritt.
- Überarbeiten Sie mit Abstand. Was im ersten Entwurf noch nach Klischee klingt, lässt sich oft durch ein präziseres Bild ersetzen. Einen Tag nach dem Schreiben sieht man das deutlicher als sofort.
Sommergedichte einzulesen, zu suchen oder selbst zu verfassen ist eine der angenehmsten literarischen Beschäftigungen, die es gibt. Sie passt zur Jahreszeit: leicht, offen, neugierig und ohne großen Aufwand. Und manchmal, wenn ein Vers wirklich trifft, bleibt er im Kopf, noch lange nachdem der Sommer selbst vorbei ist.