Gedichte von Wilhelm Busch

Wilhelm Busch ist einer der meistzitierten deutschen Dichter aller Zeiten, und das, obwohl viele seiner Leser gar nicht wissen, dass sie ihn zitieren. Sätze wie "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr" oder "Selbst ist der Mann, doch besser noch, man hat auch jemand, der es tut für ihn" sind ins Alltagsdeutsch eingedrungen, ohne dass ihr Ursprung noch bewusst wäre. Busch ist der große Volksphilosoph der deutschen Literatur, ein Mann, der mit zwei Zeilen mehr über das menschliche Wesen sagen konnte als andere mit ganzen Kapiteln. Dabei wird er oft unterschätzt, weil sein Ton so leicht wirkt. Die Leichtigkeit ist das Ergebnis harter Arbeit, und hinter den witzigen Reimen steckt ein Denker, der die Welt genau beobachtete und dabei nicht immer zufrieden war, was er sah. Auf dieser Seite finden Sie seine Gedichte aus unserer Sammlung sowie alles Wissenswerte über sein Leben, sein Werk und seine bis heute lebendige Wirkung.

Inhaltsverzeichnis

Wilhelm Busch: Leben und Herkunft

Heinrich Christian Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 in Wiedensahl geboren, einem kleinen Dorf im heutigen Niedersachsen zwischen Hannover und Minden. Sein Vater Johann Friedrich Busch war Krämer und Gastwirt, seine Mutter Henriette eine stille, religiöse Frau. Die Familie war nicht arm, aber auch nicht wohlhabend, und das Dorf war so klein, dass es kaum Ablenkung gab. Was es gab, war Zeit zum Beobachten, und das nutzte der junge Wilhelm auf eine Weise, die sein späteres Werk vollständig erklären würde: Er schaute den Menschen zu, sah ihre Schwächen, ihre kleinen Eitelkeiten und ihre unfreiwillige Komik, und er vergaß nichts davon.

Mit neun Jahren zog er zu seinem kinderlosen Onkel Georg Kleine, einem Pfarrer im nahe gelegenen Ebergötzen, der den Jungen wie einen Sohn behandelte und ihm eine gute Bildung ermöglichte. Diese Jahre bei Onkel Georg prägten Busch auf mehrfache Weise: Sie gaben ihm Zugang zu Büchern und Ideen, die ihm im Elternhaus nicht zugänglich gewesen wären, und sie konfrontierten ihn früh mit dem Blick des protestantischen Geistlichen auf die Welt, einem Blick, mit dem er sich sein Leben lang auseinandersetzte, manchmal zustimmend, oft skeptisch.

Wilhelm Busch starb am 9. Januar 1908 in Mechtshausen am Harz, wohin er sich in seinen letzten Lebensjahrzehnten zurückgezogen hatte. Er wurde 75 Jahre alt und hatte die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in fast vollständiger Einsamkeit verbracht, schreibend, malend und lesend, ohne die Öffentlichkeit zu suchen, die ihn längst zum Klassiker erklärt hatte.

Kindheit in Wiedensahl und die frühen Jahre

Die Kindheit in Wiedensahl war die Schule, aus der Busch sein gesamtes späteres Werk schöpfte. Das Dorf mit seinen wenigen hundert Einwohnern war ein Mikrokosmos der menschlichen Gesellschaft: Neider und Gutmütige, Fromme und Heuchler, Tüchtige und Faulenzer lebten auf engstem Raum zusammen und lieferten dem aufmerksamen Kind ein unerschöpfliches Anschauungsmaterial. Diese frühe Schule des Beobachtens ist in jedem Busch-Text spürbar, auch wenn die Schauplätze seiner Geschichten weit von Wiedensahl entfernt zu sein scheinen.

Busch zeigte früh zeichnerisches Talent und wurde darin von seiner Umgebung ermutigt. Das Zeichnen war für ihn nie von der Sprache zu trennen: Er dachte in Bildern und in Worten gleichzeitig, und dieser Doppelblick auf die Welt wurde zum Fundament seines späteren Werkes. Wer seine Bildgeschichten liest, versteht, was damit gemeint ist: Text und Bild ergänzen sich nicht einfach, sie kommentieren einander, widersprechen sich manchmal sogar, und genau diese Spannung erzeugt die besondere Qualität seiner Werke.

Studium und die Jahre an den Kunstakademien

Auf Betreiben des Onkels und dank der finanziellen Unterstützung der Familie begann Busch 1851 ein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf, wechselte dann nach Antwerpen und schließlich nach München, wo er sich dauerhaft niederließ. Die akademische Ausbildung zum Maler war für Busch eine wichtige technische Schule, aber der eigentliche Einfluss dieser Jahre kam von anderer Seite: In den Münchner Kunstkreisen lernte er die satirischen Möglichkeiten der Zeichnung kennen und begann, für die illustrierte Wochenschrift "Fliegende Blätter" zu zeichnen und zu schreiben.

Die "Fliegenden Blätter" waren das humoristische Leitmedium des deutschen Bürgertums im 19. Jahrhundert, und Buschs Beiträge wurden schnell zu den beliebtesten der Zeitschrift. Hier entwickelte er jene Kombination aus Zeichnung und pointiertem Text, die er später in seinen Büchern zur Vollendung bringen würde. Die Münchner Jahre waren gesellig und produktiv, aber Busch blieb auch hier immer ein Außenseiter, einer, der mitmachte ohne wirklich dazuzugehören.

Sprache, Rhythmus und dichterischer Stil

Buschs Vers hat einen Rhythmus, der sich sofort einprägt. Die meisten seiner Texte sind in vierhebigen Jamben oder Trochäen geschrieben, einem Maß, das natürlich klingt und sich leicht behält. Diese metrische Regelmäßigkeit ist kein Zufall, sondern eine strategische Entscheidung: Ein Text, der sich leicht merken lässt, verbreitet sich leichter, und Busch war sich bewusst, dass seine Verse für ein breites Publikum gedacht waren, nicht für den exklusiven Kreis literarischer Kenner.

Dabei ist seine Sprache alles andere als simpel. Busch beherrschte die Kunst der Verdichtung auf eine Weise, die ihn mit den besten Aphoristikern der Weltliteratur vergleichbar macht. In zwei Zeilen sagte er, wofür andere zwei Seiten brauchten, und er sagte es so, dass die Formulierung selbst noch den Inhalt kommentierte. Diese Fähigkeit ist handwerklich außerordentlich schwierig zu erreichen und bei Busch so selbstverständlich, dass man sie leicht übersieht.

Besonders charakteristisch ist sein Umgang mit dem Reim. Bei schwächeren Dichtern ist der Reim oft ein Hindernis, das den Sinn verbiegt. Bei Busch ist er ein Werkzeug: Er setzt die Pointe, unterstreicht die Ironie oder macht die Grausamkeit einer Szene durch die spielerische Form noch deutlicher. Der Kontrast zwischen dem freundlichen Klang des Reims und dem oft bitteren Inhalt ist eines seiner wirkungsvollsten Mittel.

Max und Moritz: Der Welterfolg

"Max und Moritz: Eine Bubengeschichte in sieben Streichen", erschienen 1865, ist das bekannteste Werk Wilhelm Buschs und eines der meistverkauften deutschen Bücher überhaupt. Die Geschichte der beiden Lausbuben, die mit ihren Streichen eine Reihe von Erwachsenen peinigen und am Ende selbst bestraft werden, hat Generationen von Kindern begeistert und Generationen von Eltern zum Nachdenken gebracht.

Was Max und Moritz von ähnlichen Moralgeschichten ihrer Zeit unterscheidet, ist die vollständige Abwesenheit von Sentimentalität. Die Strafe am Ende ist brutal, das Ende der beiden Buben ist endgültig, und Busch kommentiert das mit einer Kälte, die den Leser verblüfft. Dieser schwarze Humor war für das Publikum des 19. Jahrhunderts ein Schock und ein Vergnügen zugleich. Bis heute ist das Buch in viele Sprachen übersetzt worden und hat einen Einfluss auf die Entwicklung des Comics und der Bildgeschichte ausgeübt, der kaum zu überschätzen ist.

Die direkte Linie von Max und Moritz zu späteren Comicfiguren wie den Katzenjammer Kids und von dort zum modernen Comic ist von Literatur- und Comicforschern vielfach beschrieben worden. Busch hat ohne es zu wissen eine neue Kunstform begründet, oder zumindest entscheidend zu ihrer Entstehung beigetragen: das erzählende Bild als autonome literarische Form.

Der Humor als Weltanschauung

Humor war für Busch keine Technik, sondern eine Haltung gegenüber der Welt. Er lachte nicht über die Menschen, weil er sie verachtete, sondern weil er sie kannte, sich selbst eingeschlossen. Diese Art von Humor, die das Allgemein-Menschliche in der individuellen Schwäche erkennt und es mit Nachsicht behandelt, auch wenn die Nachsicht manchmal bissig verkleidet ist, hat eine lange philosophische Tradition. Busch stand darin in der Nähe von Schopenhauer, den er intensiv gelesen hatte und dessen pessimistisches Weltbild ihn tief beeinflusste.

Der Busch-Humor funktioniert auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Da ist zunächst der unmittelbare Witz, die Pointe, das komische Bild. Darunter liegt oft eine melancholische Einsicht in die Unabänderlichkeit menschlicher Schwächen. Und manchmal gibt es noch eine dritte Ebene: eine echte Zärtlichkeit für die kleinen Unzulänglichkeiten, die den Menschen erst menschlich machen. Busch war kein Zyniker, auch wenn er manchmal so klang. Er war ein Pessimist, der trotzdem lachte, und das ist etwas ganz anderes.

Pessimismus und Lebensweisheit

Busch hatte Schopenhauer gründlich gelesen und dessen Philosophie ernst genommen: die Idee, dass der menschliche Wille grundsätzlich auf Enttäuschung ausgerichtet ist, dass das Leben mehr Leid als Freude enthält und dass die Vernunft oft machtlos gegenüber den Trieben ist. Diese pessimistische Grundhaltung durchzieht sein gesamtes Werk, aber sie äußert sich nicht in Klage oder Bitterkeit, sondern in jenem besonderen Lächeln, das man auf dem Gesicht eines Menschen sieht, dem nichts mehr überraschend vorkommt.

Die berühmten Lebensweisheiten, die Busch in seinen Texten verstreute, sind Ausdruck dieses Pessimismus. Sie sagen immer eine unangenehme Wahrheit, aber sie sagen sie so, dass man darüber lachen kann, und dieses Lachen ist der Abstand, den der Mensch zwischen sich und seine Unzulänglichkeiten bringen kann. Das ist keine Resignation, sondern eine Form von Freiheit: Wer über das Unvermeidliche lachen kann, ist ihm zumindest ein wenig überlegen.

Sätze wie "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" stammen zwar nicht von Busch, aber Sätze wie "Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör" könnten von keinem anderen sein. Diese Formulierungen haben eine Präzision, die über den Witz hinausgeht und die den Grund berührt, auf dem der Witz steht: die nüchterne Einsicht in das, was Menschen wirklich tun, wenn das Leben schwer wird.

Die Bildgeschichten: Wort und Bild als Einheit

Was Busch von allen anderen Dichtern seiner Zeit unterscheidet, ist die untrennbare Verbindung von Wort und Bild in seinem Werk. Er war Maler und Dichter in einer Person, und in seinen Bildgeschichten sind beide Seiten so eng miteinander verflochten, dass die Trennung beider das Werk zerstören würde. Text ohne Bilder wäre nur halb so komisch, Bilder ohne Text nur halb so präzise. Die Synergie zwischen beiden ist das eigentliche Kunstwerk.

Busch entwickelte dabei formale Lösungen, die bis heute als Grundlagen des Comics gelten. Die Darstellung von Bewegung durch Linien, die Sequenz von Bildern zur Erzählung einer Handlung, der Einsatz von Bildunterschriften als Kommentar statt als bloße Beschriftung: All das gehört heute zum Standardrepertoire der grafischen Erzählkunst und wurde von Busch ohne theoretisches Programm entwickelt, einfach weil es funktionierte.

Neben Max und Moritz sind vor allem "Hans Huckebein, der Unglücksrabe", "Die fromme Helene", "Plisch und Plum" und "Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter" hervorzuheben. Jede dieser Bildgeschichten hat einen eigenen Ton und einen eigenen thematischen Schwerpunkt, aber alle teilen dasselbe Grundprinzip: die freundliche, unerbittliche Entlarvung menschlicher Selbsttäuschung.

Busch als Philosoph in Versen

Es ist kein Zufall, dass Busch intensiv Philosophie las. Neben Schopenhauer beschäftigte er sich mit Spinoza und anderen Denkern, und diese Lektüren hinterließen Spuren in seinem Werk, auch wenn er nie ein philosophisches System entwickelte und das auch nie wollte. Was er wollte, war die philosophische Einsicht in eine Form zu bringen, die jeder versteht, und darin war er meisterhaft.

Seine eigenständigen Gedichte, abseits der Bildgeschichten, zeigen diese philosophische Dimension besonders deutlich. Texte wie "Zu Asche wird, was irgend lebt" oder die Gedichte aus dem Band "Kritik des Herzens" von 1874 sind keine Witze, sondern ernsthafte lyrische Reflexionen über Vergänglichkeit, Glück und die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Diese Seite von Busch ist weniger bekannt als die komische, aber sie ist nicht weniger bedeutsam. Sie zeigt, dass hinter dem Humoristen ein Denker stand, der die Fragen des Lebens nicht zur Seite schob, sondern sich ihnen auf seine eigene Weise stellte.

Der Rückzug nach Mechtshausen

Ab 1899 lebte Busch dauerhaft in Mechtshausen am Harz, im Haus seiner Nichte, und zog sich vollständig aus dem öffentlichen Leben zurück. Er gab keine Interviews, nahm keine Ehrungen entgegen und suchte keine Gesellschaft. Diese Entscheidung war keine Verbitterung, sondern Konsequenz: Busch hatte immer lieber beobachtet als teilgenommen, und im Alter zog er die Konsequenz aus einer Haltung, die er sein ganzes Leben gepflegt hatte.

In Mechtshausen schrieb und malte er weiter, für sich selbst, ohne Publikationsdruck. Die Texte und Bilder dieser letzten Phase zeigen einen Busch, der noch ruhiger und noch nachdenklicher geworden war. Der Witz ist leiser, die Reflexion tiefer, die Sprache noch knapper als zuvor. Es sind Texte eines alten Mannes, dem die Zeit zwischen den Worten so wichtig geworden war wie die Worte selbst.

Der Rückzug war auch eine Form von Selbstschutz. Busch wusste, was Ruhm bedeutete: Er hatte ihn erlebt, hatte die Briefe der Bewunderer gelesen und die Feierlichkeiten zu seinem siebzigsten Geburtstag zähneknirschend über sich ergehen lassen. Er zog den stillen Harz dem lauten Publikum vor, und die Nachwelt hat ihm das nicht übelgenommen.

Nachwirkung und kulturelle Bedeutung

Buschs Nachwirkung ist in Deutschland so tief und so breit, dass sie schwer zu fassen ist. Seine Zitate sind in der Alltagssprache präsent, seine Figuren sind kulturelle Ikonen, und sein Einfluss auf die Entwicklung des Comics ist in der Forschung gut dokumentiert. Kaum ein anderer Autor hat das kollektive Sprachgedächtnis der Deutschen so nachhaltig geprägt wie Busch, und das, obwohl oder gerade weil er nie nach Ruhm strebte.

International ist er vor allem durch Max und Moritz bekannt, das in Dutzende von Sprachen übersetzt wurde und in manchen Ländern, besonders in den USA, direkten Einfluss auf die Entwicklung des Comics hatte. Die amerikanischen "Katzenjammer Kids", einer der ersten erfolgreichen Comicstrips, wurden offen als Adaption von Max und Moritz konzipiert und erschienen ab 1897 in amerikanischen Zeitungen.

  • Wilhelm-Busch-Museum Hannover: Das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover trägt seinen Namen und bewahrt einen bedeutenden Teil seines künstlerischen Nachlasses, darunter Originalzeichnungen und Manuskripte.
  • Meistgelesenes deutsches Buch: Max und Moritz gehört zu den meistverkauften deutschen Büchern überhaupt und wurde in über vierzig Sprachen und Dialekte übersetzt.
  • Einfluss auf den Comic: Busch gilt weltweit als einer der Begründer des modernen Comics, und sein Einfluss auf Zeichner und Autoren des 20. Jahrhunderts ist von der Comicforschung vielfach dokumentiert worden.
  • Alltagszitate: Zahlreiche Busch-Verse sind fester Bestandteil des deutschen Sprachschatzes geworden und werden täglich zitiert, oft ohne Kenntnis ihrer Herkunft.
  • Schulkanon: Ausgewählte Texte Buschs gehören zum festen Bestand des Deutschunterrichts und führen Kinder auf spielerische Weise an Literatur und Bildsprache heran.

Gedichte von Wilhelm Busch

Unsere Sammlung mit Gedichten und lyrischen Texten von Wilhelm Busch wächst stetig weiter. Wir achten dabei bewusst darauf, sowohl die bekannten und vielzitierten Verse als auch die weniger geläufigen eigenständigen Gedichte zu berücksichtigen, die hinter dem populären Humoristen den ernsthaften Lyriker und Denker sichtbar machen. Denn Busch ist mehr als ein Lieferant von Kalendersprüchen, so treffend diese auch sein mögen. Wer tiefer in sein Werk eintaucht, begegnet einem der originellsten Geister der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.

Wenn Sie ein bestimmtes Gedicht in unserer Sammlung vermissen oder uns auf einen Text aufmerksam machen möchten, der hier noch fehlt, freuen wir uns sehr über Ihre Nachricht an die E-Mail-Adresse in unserem Impressum. Wir prüfen jeden Hinweis sorgfältig und sind für jede Rückmeldung dankbar, die unsere Sammlung reicher und vollständiger macht.

Aktuell haben wir 22 Gedichte von Wilhelm Busch in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:

Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Kritik des Herzens und Es sitzt ein Vogel auf dem Leim.

Abschied

Die Bäume hören auf zu blühn,
Mein Schatz will in die Fremde ziehn;
Mein Schatz, der sprach ein bittres Wort:
Du bleibst nun hier, aber ich muss fort.

Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu,
Wo du auch bist, wo ich auch sei.
Bei Regen und bei Sonnenschein,
Solang ich lebe, gedenk ich dein.

Solang ich lebe, lieb ich dich,
Und wenn ich sterbe, bet für mich,
Und wenn du kommst zu meinem Grab,
So denk, dass ich dich geliebet hab.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Abschiedsgedichte

Der Knoten

Als ich in Jugendtagen
Noch ohne Grübelei,
Da meint ich mit Behagen,
Mein Denken wäre frei.

Seitdem hab ich die Stirne
Oft auf die Hand gestützt
Und fand, dass im Gehirne
Ein harter Knoten sitzt.

Mein Stolz, der wurde kleiner.
Ich merkte mit Verdruss:
Es kann doch unsereiner
Nur denken, wie er muss.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Gedichte zum Nachdenken

Ein dicker Sack

Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht an ein reifes Ährenfeld -
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt 'ne Rede an zu halten.
Ich, sprach er, bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin's, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin's, der hoch vonnöten ist,
Daß euch das Federvieh nicht frißt;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin Der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?
Sanft rauschen die Ähren:
Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: sonstige Gedichte

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquillieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: lustige Gedichte

Es wohnen die hohen Gedanken

Es wohnen die hohen Gedanken
In einem hohen Haus.
Ich klopfte, doch immer hieß es:
Die Herrschaft fuhr eben aus!

Nun klopf ich ganz bescheiden
Bei kleineren Leuten an.
Ein Stückel Brot, ein Groschen
Ernähren auch ihren Mann.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Gedichte zum Nachdenken

Früher, da ich unerfahren

Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide
Außer mir noch mehre Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: sonstige Gedichte

Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Sie ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewußt bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Herbstgedichte

Gott sei Dank, sie haben sich!

O wie lieblich, o wie schicklich,
sozusagen herzerquicklich,
ist es doch für eine Gegend,
wenn zwei Leute, die vermögend,
außerdem mit sich zufrieden,
aber von Geschlecht verschieden,
wenn nun diese, sag ich, ihre
dazu nötigen Papiere,
sowie auch die Haushaltssachen
endlich mal in Ordnung machen
und in Ehren und beizeiten
hin zum Standesamte schreiten,
wie es denen, welche lieben,
vom Gesetze vorgeschrieben,
dann ruft jeder freudiglich:
„Gott sei Dank, sie haben sich!"
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Hochzeitsgedichte

Kritik des Herzens

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab ich erstens den Gewinn,
Dass ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
vorweg den andren Kritiküssen;

Zum vierten hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es dann zuletzt heraus,
Dass ich ein ganz famoses Haus.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Gedichte zum Nachdenken

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Geburtstagsgedichte

Der Stern

Hätt‘ einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Weihnachtsgedichte

Ein Freund

Da kommt mir ebenso ein Freund
mit einem großen Zwicker.
Ei, ruft er, Freundchen, wie mir scheint,
Sie werden immer dicker.
Ja,ja, man weiß oft selbst nicht wie,
so kommt man in die Jahre;
Pardon, mein Freund, hier haben Sie
schon eins, zwei graue Haare!
Hinaus, verdammter Kritikus,
sonst schmeiß ich Dich in Scherben,
du Schlingel willst mir den Genuss
der Gegenwart verderben.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Geburtstagsgedichte

Des Lebens Freuden sind vergänglich

Des Lebens Freuden sind vergänglich.
Das Hühnerauge bleibt empfänglich,
wie dies sich äußert, ist bekannt,
krumm wird das Bein und krumm die Hand.
Die Augenlider schließen sich,
das linke ganz absonderlich.
Dagegen öffnet sich der Mund,
als wollt er flöten, spitz und rund.
Zwar hilft so eine Angstgebärde
nicht viel zur Linderung der Beschwerde.
Doch ist sie nötig jederzeit
zu des Beschauers Heiterkeit.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Geburtstagsgedichte

Die erste alte Tante sprach

Die erste alte Tante sprach:
Wir müssen nun auch dran denken,
Was wir zu ihrem Namenstag
Dem guten Sophiechen schenken.

Drauf sprach die zweite Tante kühn:
Ich schlage vor, wir entscheiden
Uns für ein Kleid in Erbsengrün,
Das mag Sophiechen nicht leiden.

Der dritten Tante war das recht:
Ja, sprach sie, mit gelben Ranken!
Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht
Und muss sich auch noch bedanken.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Geburtstagsgedichte

Warnung vor der Ehe

Sie hat nichts und Du desgleichen,
dennoch wollt Ihr, wie ich sehe,
zu dem Band der heil'gen Ehe
Euch bereits die Hände reichen.

Kinder, seid Ihr denn bei Sinnen?
Überlegt Euch das Kapitel!
Ohne die gehör'gen Mittel
soll man keinen Krieg beginnen.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Hochzeitsgedichte

Und hier besiegeln

Und hier besiegeln diese Zwei
sich dauerhafte Lieb und Treu.
Hoch ist der Liebe süßer Traum
erhaben über Zeit und Raum.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Hochzeitsgedichte

Warum heiratet man

Der eine tuts um die Dukaten,
der zweite um ein hübsch Gesicht,
der dritte darf nicht länger warten,
der vierte, weil Mama so spricht.
Der fünfte will sich einmal setzen,
der sechste ist nicht gern allein,
der siebte hofft, sich zu ergötzen,
der achte möcht auch einmal frein,
beim neunten sind es Mitleidstriebe,
doch ihr - ihr heiratet sicher
nur aus Liebe.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Hochzeitsgedichte

Sehnsucht

Schon viel zu lang
Hab’ ich der Bosheit mich ergeben.
Ich lasse töten, um zu leben,
Und bös macht bang.

Denn niemals ruht
Die Stimme in des Herzens Tiefe,
Als ob es zärtlich klagend riefe:
»Sei wieder gut!«

Und frisch vom Baum
Den allerschönsten Apfel brach ich.
Ich biß hinein, und seufzend sprach ich,
Wie halb im Traum:

»Du erstes Glück,
Du alter Paradiesesfrieden,
Da noch kein Lamm den Wolf gemieden,
O komm zurück!«
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Gedichte Sehnsucht

Solange Herz und Auge offen

Solange Herz und Auge offen,
um sich am Schönen zu erfreun,
solange darf man freudig hoffen,
wird auch die Welt vorhanden sein.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: kurze Gedichte

Vater werden ist nicht schwer

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
dass er gar nicht abgeneigt;
nur er will mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.
Dieserhalb besonders scheut
er die fromme Geistlichkeit,
denn ihm sagt ein stilles Grauen:
das sind Leute, welche trauen.

So ein böser Mensch verbleibt
lieber gänzlich unbeweibt.
Ohne einen hochgeschätzten
tugendsamen Vorgesetzten
irrt er in der Welt umher,
hat kein reines Hemde mehr.
Wird am Ende krumm und faltig,
grimmig, greulich, ungestaltig,
bis ihn denn bei Nacht und Tag
gar kein Mädchen leiden mag.
Onkel heißt er günstigen Falles,
aber dieses ist auch alles.

Oh wie anders ist der Gute!
Er erlegt mit frischem Mute
die gesetzlichen Gebühren,
lässt sich redlich kopulieren,
tut im Stillen hocherfreut
das, was seine Schuldigkeit.
Steht dann eines Morgens da
als ein Vater und Papa
und ist froh aus Herzensgrund,
dass er dies so gut gekunnt.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: Vatertagsgedichte

Wirklich, er war unentbehrlich...

Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah,
Zu dem Wohle der Gemeinde,
Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
Ohne ihn, da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
Keine Stunde hatt' er frei.
Gestern, als sie ihn begruben,
War er richtig auch dabei.
Autor: Wilhelm BuschKategorie: lustige Gedichte

Zahnschmerz

Das Zahnweh, subjektiv genommen,
ist ohne Zweifel unwillkommen;
doch hat's die gute Eigenschaft,
dass sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Zucken, Rucken und Rumoren,
und aus ist's mit der Weltgeschichte,
vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins,
kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet,
man weiß nicht, was die Butter kostet,
denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluss: Er muss heraus!
Autor: Wilhelm BuschKategorie: lustige Gedichte