Gedichte von Friedrich Schiller
Friedrich Schiller zählt zu den wenigen Dichtern, deren Worte weit über den Bereich der Literatur hinaus in die Sprache eines ganzen Volkes eingedrungen sind. Sätze aus seinen Gedichten und Dramen werden zitiert, ohne dass man immer weiß, von wem sie stammen, und genau das ist ein Zeichen für ihre Wirkungskraft. Schiller schrieb über Freiheit, Würde, Schönheit und die Bestimmung des Menschen, und er tat das mit einer sprachlichen Energie, die bis heute nicht verblasst ist. Auf dieser Seite finden Sie seine Gedichte aus unserer Sammlung sowie alles, was Sie über sein Leben, seinen Stil und seine Bedeutung wissen sollten.
Inhaltsverzeichnis
- Friedrich Schiller: Leben und Werdegang
- Sturm und Drang: Die frühen Jahre
- Weimar und die Freundschaft mit Goethe
- Sprache, Rhythmus und dichterischer Stil
- Freiheit und Würde als zentrale Themen
- Die Balladen: Spannung trifft Tiefsinn
- Schiller und die Weimarer Klassik
- Schiller als Philosoph und Ästhetiker
- Nachwirkung und kulturelle Bedeutung
- Gedichte von Friedrich Schiller
Friedrich Schiller: Leben und Werdegang
Johann Christoph Friedrich Schiller wurde am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren, einer kleinen württembergischen Stadt, die heute stolz den Titel "Schillerstadt" trägt. Sein Vater war Militärchirurg in herzoglichen Diensten, seine Mutter eine fromme, warmherzige Frau, die ihm die Liebe zur Sprache früh einpflanzte. Die Kindheit verlief bescheiden, aber nicht unglücklich, bis Herzog Karl Eugen von Württemberg den jungen Friedrich zwang, die Militärakademie "Hohe Karlsschule" in Stuttgart zu besuchen.
Diese Schule war streng, abgeschlossen von der Außenwelt und auf blinden Gehorsam ausgerichtet, genau das Gegenteil von allem, was Schiller innerlich antrieb. Dort studierte er zunächst Jura, dann Medizin, las heimlich Klopstock und Shakespeare und schrieb an einem Theaterstück, das sein Leben verändern sollte: "Die Räuber". Die Uraufführung 1782 in Mannheim war ein Skandal und ein Triumph zugleich. Das Publikum tobte vor Begeisterung, der Herzog verbot Schiller das weitere Schreiben. Schiller floh. Es war der Beginn eines unsteten, oft von Geldnot und Krankheit geprägten Lebenswegs, der ihn über Mannheim, Leipzig und Dresden schließlich nach Weimar führte.
In Weimar fand er schließlich einen Ort, der ihm entsprach. Die Freundschaft mit Goethe, die Professur in Jena, die Arbeit an Dramen, Gedichten und philosophischen Schriften: Diese Jahre waren trotz zunehmender Krankheit die produktivsten seines Lebens. Am 9. Mai 1805 starb Friedrich Schiller in Weimar, nur 45 Jahre alt, an den Folgen einer Lungentuberkulose, die ihn seit Jahren begleitet hatte.
Sturm und Drang: Die frühen Jahre
Schillers frühes Werk ist geprägt von der literarischen Bewegung des Sturm und Drang, die in den 1770er Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Diese Strömung richtete sich gegen die Vernunftgläubigkeit der Aufklärung und setzte auf Leidenschaft, Originalität und den Aufstand gegen gesellschaftliche Zwänge. Für den jungen Schiller, der selbst unter herzoglicher Bevormundung litt, war das kein abstraktes Programm, sondern gelebte Erfahrung.
Seine frühen Gedichte sind oft wild, überschwänglich und von einer geradezu fiebrigen Energie. Man spürt in ihnen einen jungen Mann, der zu viel zu sagen hat und nicht warten kann. Diese Unmittelbarkeit macht sie bis heute lesbar, auch wenn Schiller selbst seine Frühwerke später kritisch betrachtete und einige davon überarbeitete oder schlicht nicht mehr erwähnte.
Weimar und die Freundschaft mit Goethe
Die Begegnung zwischen Schiller und Goethe gehört zu den bemerkenswertesten Freundschaften der Literaturgeschichte. Zunächst begegneten sich die beiden mit einer gewissen Distanz. Goethe war der gefeierte Olympier, Schiller der aufstrebende Rivale. Doch ab 1794 entwickelte sich aus gegenseitigem Respekt eine echte Arbeitsfreundschaft, die beide bereicherte und die Weimarer Klassik als Epoche überhaupt erst möglich machte.
Die erhaltenen Briefe zwischen Goethe und Schiller füllen mehrere Bände und gehören selbst zur deutschen Literatur. Sie diskutierten darin Ästhetik, Dramaturgie, Naturwissenschaft und Menschenkunde mit einer Offenheit, die man selten zwischen zwei so unterschiedlichen Temperamenten findet. Goethe war bedächtiger, naturverbundener, sinnlicher. Schiller war abstrakter, idealistischer, auf das Prinzip hinter den Dingen aus. Beide lernten voneinander.
Sprache, Rhythmus und dichterischer Stil
Schillers Sprache hat einen Zug, den man kaum überhören kann. Sie ist feierlich ohne Steifheit, klar ohne Schlichtheit, und sie hat einen Rhythmus, der trägt. Viele seiner Gedichte lassen sich gut laut lesen, weil sie auf den Vortrag hin gedacht sind. Das Versmaß sitzt, die Reime sitzen, und trotzdem wirkt nichts erzwungen. Das ist handwerkliche Meisterschaft, die sich hinter einem scheinbar mühelosen Fluss verbirgt.
Besonders auffällig ist Schillers Umgang mit dem Pathos. Er scheut es nicht, aber er setzt es mit Bedacht ein. Wo ein schwächerer Autor ins Bombastische abgleitet, findet Schiller meistens den richtigen Ton: erhaben, aber nicht überladen. Diese Fähigkeit, große Gefühle in große Worte zu fassen ohne dabei kitschig zu werden, ist eine seiner seltensten Qualitäten als Dichter.
Freiheit und Würde als zentrale Themen
Kaum ein Thema hat Schiller so intensiv beschäftigt wie die Freiheit. Das ist kein Zufall. Er hatte selbst erfahren, was es bedeutet, in einem System zu leben, das den Einzelnen dem Willen eines Mächtigen unterwirft. Diese Erfahrung floss in sein gesamtes Werk ein, in die Dramen ebenso wie in die Gedichte und die philosophischen Schriften.
Freiheit bedeutete für Schiller dabei nicht bloß politische Unabhängigkeit. Er dachte tiefer: die innere Freiheit des Menschen, seine Fähigkeit, sich über Trieb und Zwang zu erheben und aus eigenem Willen das Richtige zu tun. Diese Idee verbindet sich bei ihm eng mit dem Begriff der Würde. Ein Mensch, der seine Triebe beherrscht und nach sittlichen Grundsätzen handelt, besitzt Würde, unabhängig von Stand, Reichtum oder Macht. Das war in seiner Zeit eine provokante Aussage, und es ist bis heute eine relevante.
Die Balladen: Spannung trifft Tiefsinn
Schillers Balladen gehören zum Besten, was die deutsche Lyrik in diesem Genre hervorgebracht hat. Texte wie "Der Handschuh", "Die Bürgschaft", "Der Taucher" oder "Die Kraniche des Ibykus" sind spannend wie Kurzgeschichten und tiefgründig wie Gleichnisse. Sie erzählen von Mut, Treue, Verrat und Gerechtigkeit, und sie tun das in einem Ton, der packend ist und nachdenklich zugleich.
Das Balladenjahr 1797 ist in der Literaturgeschichte ein eigener Begriff. In diesem Jahr lieferten sich Schiller und Goethe einen freundschaftlichen Wettstreit im Balladenschreiben, der beide zu Höchstleistungen anspornte. Schiller schrieb in diesem Zeitraum unter anderem "Der Taucher" und "Die Kraniche des Ibykus", Goethe antwortete mit "Der Zauberlehrling" und "Die Braut von Korinth". Dieser Austausch zeigt, wie fruchtbar die Weimarer Zusammenarbeit der beiden war.
Schiller und die Weimarer Klassik
Die Weimarer Klassik bezeichnet eine Epoche der deutschen Literatur, die grob von 1786 bis 1832 angesetzt wird und deren Zentrum die Stadt Weimar war. Neben Schiller und Goethe zählen auch Herder und Wieland zu ihren wichtigsten Vertretern. Das Programm dieser Epoche war eine Abkehr vom überschwänglichen Sturm und Drang zugunsten von Maß, Harmonie und der Idee einer ästhetischen Bildung des Menschen.
Schiller war in dieser Gemeinschaft eine treibende theoretische Kraft. Seine Schriften zur Ästhetik, besonders die "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen", entwickelten eine Vorstellung davon, wie Kunst den Menschen moralisch formen kann, ohne ihn zu belehren oder zu zwingen. Diese Gedanken flossen direkt in seine Gedichte ein und erklären, warum seine Lyrik oft einen philosophischen Unterton hat, der über das rein Ästhetische hinausweist.
Schiller als Philosoph und Ästhetiker
Schiller war nicht nur Dichter. Er hatte sich intensiv mit der Philosophie Kants auseinandergesetzt und daraus eigene Schlüsse gezogen, die er in mehreren wichtigen Schriften niederlegte. Besonders bekannt sind neben den bereits erwähnten Briefen zur ästhetischen Erziehung auch seine Abhandlung "Über naive und sentimentalische Dichtung", in der er zwei grundlegende Typen von Dichtern und Dichtung unterscheidet.
Der "naive" Dichter, als dessen Vertreter er Goethe sah, ist im Einklang mit der Natur und schafft aus einem ungebrochenen Verhältnis zur Wirklichkeit heraus. Der "sentimentalische" Dichter hingegen, zu dem Schiller sich selbst zählte, ist sich der Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit schmerzlich bewusst und strebt danach, diese Kluft durch Reflexion zu überbrücken. Diese Selbstdiagnose ist aufschlussreich, weil sie erklärt, warum Schillers Gedichte so oft von Sehnsucht durchzogen sind und warum das Ideal in ihnen eine so große Rolle spielt.
Nachwirkung und kulturelle Bedeutung
Schillers Wirkung reicht weit über die Literatur hinaus. Ludwig van Beethoven vertonte den Text von Schillers "Ode an die Freude" im Schlusssatz seiner Neunten Sinfonie, und dieser Text wurde 1985 zur offiziellen Hymne der Europäischen Union. Kaum ein anderes Gedicht der deutschen Literatur hat eine vergleichbare internationale Karriere gemacht.
Auch im Theater ist Schiller eine feste Größe. Seine Dramen werden weltweit gespielt, übersetzt und neu interpretiert. "Wilhelm Tell", "Maria Stuart", "Don Carlos" und "Die Räuber" gehören zum Standardrepertoire der deutschsprachigen Bühnen und finden sich regelmäßig in Spielplänen von London bis Tokio. Das ist keine museale Ehrerbietung, sondern ein Zeichen dafür, dass die Fragen, die Schiller stellt, noch immer brennen.
- Ode an die Freude: Als Grundlage der Europahymne ist dieses Gedicht das meistgehörte deutsche Gedicht der Welt.
- Schillertage und Gedenkfeiern: In zahlreichen Städten werden Schillers Geburts- und Todestage bis heute öffentlich begangen.
- Schillerstraßen und Denkmäler: Kaum eine deutsche Stadt ohne eine nach ihm benannte Straße oder einen Platz mit seinem Standbild.
- Schiller im Schulunterricht: Seine Gedichte und Dramen gehören seit Generationen zum Pflichtprogramm an deutschen Schulen.
- Vertonungen: Neben Beethoven haben auch Franz Schubert, Johannes Brahms und viele andere Komponisten Schillers Texte vertont.
Gedichte von Friedrich Schiller
Unsere Gedichtsammlung zu Friedrich Schiller wächst stetig. Wir bemühen uns dabei um eine ausgewogene Auswahl, die sowohl die bekannten Klassiker als auch weniger geläufige Texte berücksichtigt. Denn wer Schiller nur durch "Der Handschuh" oder "Die Bürgschaft" kennt, hat noch lange nicht alles gesehen, was dieser Dichter zu bieten hat. Stöbern Sie in Ruhe durch unsere Sammlung und entdecken Sie vielleicht einen Text, der Sie überrascht.
Wenn Sie ein bestimmtes Gedicht vermissen oder uns auf einen Text aufmerksam machen möchten, der in unserer Sammlung noch fehlt, schreiben Sie uns gerne über die E-Mail-Adresse in unserem Impressum. Wir prüfen jeden Hinweis und freuen uns über Ihre Mithilfe beim Aufbau einer möglichst vollständigen und hilfreichen Schiller-Sammlung.
Aktuell haben wir 22 Gedichte von Friedrich Schiller in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:
Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Das Lied von der Glocke (gekürzte Fassung).
Amalia
Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Schön vor allen Jünglingen war er,
Himmlisch mild sein Blick wie Maiensonne,
Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.
Seine Küsse - paradiesisch Fühlen!
Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
Harfentöne ineinander spielen
Zu der himmelvollen Harmonie -
Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,
Lippen, Wangen brannten, zitterten,
Seele rann in Seele - Erd' und Himmel schwammen
Wie zerronnen um die Liebenden!
Er ist hin - vergebens, ach, vergebens
Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!
Er ist hin und alle Lust des Lebens
Wimmert hin in ein verlor'nes Ach!
An den Frühling
Willkommen, schöner Jüngling!Autor: Friedrich SchillerKategorie: Frühlingsgedichte
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Ei! ei! da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.
Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
Und 's Mädchen liebt mich noch!
Fürs Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir -
Ich komm' und bitte wieder,
Und du? - du gibst es mir.
Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Berglied
Am Abgrund leitet der schwindlichte Steg,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Er führt zwischen Leben und Sterben!
Es sperren die Riesen den einsamen Weg
Und drohen dir ewig Verderben.
Und willst du die schlafende Löwin nicht wecken,
So wandle still durch die Straße der Schrecken.
Es schwebt eine Brücke, hoch über den Rand
Der furchtbaren Tiefe gebogen,
Sie ward nicht erbauet von Menschenhand,
Es hätte sich's Keiner verwogen,
Der Strom braust unter ihr spat und früh,
Speit ewig hinauf, und zertrümmert sie nie.
Es öffnet sich schwarz ein schauriges Thor,
Du glaubst dich im Reiche der Schatten,
Da thut sich ein lachend Gelände hervor,
Wo der Herbst und der Frühling sich gatten;
Aus des Lebens Mühen und ewiger Qual
Möcht' ich fliehen in dieses glückselige Thal!
Vier Ströme brausen hinab in das Feld,
Ihr Quell, der ist ewig verborgen;
Sie fließen nach allen vier Straßen der Welt,
Nach Abend, Nord, Mittag und Morgen,
Und wie die Mutter sie rauschend geboren,
Fort fliehn sie und bleiben sich ewig verloren.
Zwei Zinken ragen ins Blaue der Luft,
Hoch über der Menschen Geschlechter,
Drauf tanzen, umschleiert mit goldenem Duft,
Die Wolken, die himmlischen Töchter.
Sie halten dort oben den einsamen Reihn,
Da stellt sich kein Zeuge, kein irdischer, ein.
Es sitzt die Königin hoch und klar
Auf unvergänglichem Throne,
Die Stirn umkränzt sie sich wunderbar
Mit diamantener Krone;
Darauf schießt die Sonne die Pfeile von Licht,
Sie vergolden sie nur und erwärmen sie nicht.
Breite und Tiefe
Es glänzen Viele in der Welt,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Sie wissen von allem zu sagen,
Und wo was reizet, und wo was gefällt,
Man kann es bei ihnen erfragen;
Man dächte, hört man sie reden laut,
Sie hätten wirklich erobert die Braut.
Doch gehn sie aus der Welt ganz still,
Ihr Leben war verloren.
Wer etwas Treffliches leisten will,
Hätt gern was Großes geboren,
Der sammle still und unerschlafft
Im kleinsten Punkte die höchste Kraft.
Der Stamm erhebt sich in die Luft
Mit üppig prangenden Zweigen;
Die Blätter glänzen und hauchen Duft,
Doch können sie Früchte nicht zeugen;
Der Kern allein im schmalen Raum
Verbirgt den Stolz des Waldes, den Baum.
Das eine Höchste
Das eine Höchste,Autor: Friedrich SchillerKategorie: Valentinstag Gedichte
was das Leben schmückt,
wenn sich ein Herz,
entzückend und entzückt,
dem Herzen schenkt
in süßen Selbstvergessen.
Das Geheimnis
Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Zu viele Lauscher waren wach;
Den Blick nur durft' ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich, was er sprach.
Leis komm' ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug' der Welt!
Von ferne mit verworrnem Sausen
Arbeitet der geschäft'ge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn' ich schwerer Hämmer Schlag.
So sauer ringt die kargen Loose
Der Mensch dem harten Himmel ab;
Doch leicht erworben, aus dem Schooße
Der Götter fällt das Glück herab.
Daß ja die Menschen nie es hören,
Wie treue Lieb' uns still beglückt!
Sie können nur die Freude stören,
Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
Als Beute wird es nur gehascht;
Entwenden mußt du's oder rauben,
Eh dich die Mißgunst überrascht.
Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,
Die Stille liebt es und die Nacht;
Mit schnellen Füßen ist's entwichen,
Wo des Verräthers Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend mit empörter Welle
Vertheidige dies Heiligthum!
Das Lied von der Glocke (gekürzte Fassung)
Fest gemauert in der ErdenAutor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiss
Rinnen muss der Schweiss,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben.
Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
Doch recht trocken lasst es sein,
Dass die eingepresste Flamme
Schlage zu dem Schwalch hinein.
Kocht des Kupfers Brei,
Schnell das Zinn herbei,
Dass die zähe Glockenspeise
Fliesse nach der rechten Weise.
Weisse Blasen seh ich springen,
Wohl! Die Massen sind im Fluss.
Lasst's mit Aschensalz durchdringen,
Das befördert schnell den Guss.
Auch von Schaume rein
Muss die Mischung sein,
Dass vom reinlichen Metalle
Rein und voll die Stimme schalle.
Wie sich schon die Pfeifen bräunen!
Dieses Stäbchen tauch ich ein,
Sehn wir's überglast erscheinen,
Wird's zum Gusse zeitig sein.
Jetzt, Gesellen, frisch!
Prüft mir das Gemisch,
Ob das Spröde mit dem Weichen
Sich vereint zum guten Zeichen.
Wohl! nun kann der Guss beginnen,
Schön gezacket ist der Bruch.
Doch bevor wir's lassen rinnen,
Betet einen frommen Spruch!
Stosst den Zapfen aus!
Gott bewahr das Haus!
Rauchend in des Henkels Bogen
Schiesst's mit feuerbraunen Wogen.
In die Erd ist's aufgenommen,
Glücklich ist die Form gefüllt,
Wird's auch schön zutage kommen,
Dass es Fleiss und Kunst vergilt?
Wenn der Guss misslang?
Wenn die Form zersprang?
Ach! vielleicht indem wir hoffen,
Hat uns Unheil schon getroffen.
Bis die Glocke sich verkühlet,
Lasst die strenge Arbeit ruhn,
Wie im Laub der Vogel spielet,
Mag sich jeder gütlich tun.
Winkt der Sterne Licht,
Ledig aller Pflicht
Hört der Pursch die Vesper schlagen,
Meister muss sich immer plagen.
Nun zerbrecht mir das Gebäude,
Seine Absicht hat's erfüllt,
Dass sich Herz und Auge weide
An dem wohlgelungnen Bild.
Schwingt den Hammer, schwingt,
Bis der Mantel springt,
Wenn die Glock soll auferstehen,
Muss die Form in Stücke gehen.
Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
Dass sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft.
Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt,
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute.
Das Mädchen aus der Fremde
In einem Tal bei armen HirtenAutor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
Ein Mädchen, schön und wunderbar.
Sie war nicht in dem Tal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam,
Und schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.
Beseligend war ihre Nähe,
Und alle Herzen wurden weit,
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.
Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichern Natur.
Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus,
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Willkommen waren alle Gäste,
Doch nahte sich ein liebend Paar,
Dem reichte sie der Gaben beste,
Der Blumen allerschönste dar.
Der Abend
Senke, strahlender Gott, die Fluren dürstenAutor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,
Matter ziehen die Rosse,
Senke den Wagen hinab.
Siehe, wer aus des Meers kristall‘ner Woge
Lieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?
Rascher fliegen die Rosse,
Tethys, die göttliche, winkt.
Schnell vom Wagen herab in ihre Arme
Springt der Führer, den Zaum ergreift Cupido,
Stille halten die Rosse,
Trinken die kühlende Flut.
An den Himmel herauf mit leisen Schritten
Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die süße
Liebe. Ruhet und liebet,
Phöbus, der Liebende, ruht.
Der Antritt des neuen Jahrhunderts
Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
Und das neue öffnet sich mit Mord.
Und das Band der Länder ist gehoben,
Und die alten Formen stürzen ein;
Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben,
Nicht der Nilgott und der alte Rhein.
Zwo gewaltge Nationen ringen
Um der Welt alleinigen Besitz,
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.
Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
Und wie Brennus in der rohen Zeit
Legt der Franke seinen ehrnen Degen
In die Waage der Gerechtigkeit.
Seine Handelsflotten streckt der Brite
Gierig wie Polypenarme aus,
Und das Reich der freien Amphitrite
Will er schließen wie sein eignes Haus.
Zu des Südpols nie erblickten Sternen
Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf,
Alle Inseln spürt er, alle fernen
Küsten - nur das Paradies nicht auf.
Ach umsonst auf allen Länderkarten
Spähst du nach dem seligen Gebiet,
Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.
Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum,
Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
Ist für zehen Glückliche nicht Raum.
In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus des Lebens Drang,
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.
Der Metaphysiker
"Wie tief liegt unter mir die Welt!Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Kaum seh' ich noch die Menschlein unten wallen!
Wie trägt mich meine Kunst, die höchste unter allen,
So nahe an des Himmels Zelt!"
So ruft von seines Thurmes Dache
Der Schieferdecker, so der kleine große Mann,
Hans Metaphysikus, in seinem Schreibgemache.
Sag' an, du kleiner großer Mann,
Der Thurm, von dem dein Blick so vornehm niederschauet,
Wovon ist er - worauf ist er erbauet?
Wie kamst du selbst hinauf - und seine kahlen Höhn,
Wozu sind sie dir nütz, als in das Thal zu sehn?
Die Antike an den nordischen Wanderer
Über Ströme hast du gesetzt und Meere durchschwommen,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Über der Alpen Gebirg trug dich der schwindligte Steg,
Mich in der Nähe zu schaun und meine Schöne zu preisen,
Die der begeisterte Ruf rühmt durch die staunende Welt;
Und nun stehst du vor mir, du darfst mich Heilge berühren,
Aber bist du mir jetzt näher, und bin ich es dir?
Die Antiken zu Paris
Was der Griechen Kunst erschaffen,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Mag der Franke mit den Waffen
Führen nach der Seine Strand,
Und in prangenden Museen
Zeig' er seine Siegstrophäen
Dem erstaunten Vaterland!
Ewig werden sie ihm schweigen,
Nie von den Gestellen steigen
In des Lebens frischen Reih'n.
Der allein besitzt die Musen,
Der sie trägt im warmen Busen,
Dem Vandalen sind sie Stein.
Die Begegnung
Noch seh' ich sie, umringt von ihren Frauen,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Die herrlichste von allen, stand sie da.
Wie eine Sonne war sie anzuschauen;
Ich stand von fern und wagte mich nicht nah.
Es faßte mich mit wolllustvollem Grauen,
Als ich den Glanz vor mir verbreitet sah;
Doch schnell, als hätten Flügel mich getragen,
Ergriff es mich, die Saiten anzuschlagen.
Was ich in jenem Augenblick empfunden,
Und was ich sang, vergebens sinn' ich nach.
Ein neu Organ hatt' ich in mir gefunden,
Das meines Herzens heil'ge Regung sprach;
Die Seele war's, die Jahre lang gebunden,
Durch alle Fesseln jetzt auf einmal brach,
Und Töne fand in ihren tiefsten Tiefen,
Die ungeahnt und göttlich in ihr schliefen.
Und als die Saiten lange schon geschwiegen,
Die Seele endlich mir zurücke kam,
Da sah ich in den engelgleichen Zügen
Die Liebe ringen mit der holden Scham,
Und alle Himmel glaubt' ich zu erfliegen,
Als ich das leise, süße Wort vernahm -
O droben nur in sel'ger Geister Chören
Werd ich des Tones Wohllaut wieder hören!
"Das treue Herz, das trostlos sich verzehrt,
Und still bescheiden nie gewagt zu sprechen:
Ich kenne den ihm selbst verborgnen Werth,
Am rohen Glück will ich das Edle rächen.
Dem Armen sey das schönste Loos bescheert,
Nur Liebe darf der Liebe Blume brechen.
Der schönste Schatz gehört dem Herzen an,
Das ihn erwiedern und empfinden kann."
Die Blumen
Kinder der verjüngten Sonne,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Blumen der geschmückten Flur,
Euch erzog zu Lust und Wonne,
Ja, euch liebte die Natur.
Schön das Kleid mit Licht gesticket,
Schön hat Flora euch geschmücket
Mit der Farben Götterpracht.
Holde Frühlingskinder, klaget!
Seele hat sie euch versaget,
Und ihr selber wohnt in Nacht.
Nachtigall und Lerche singen
Euch der Liebe selig Loos,
Gaukelnde Sylphiden schwingen
Buhlend sich auf eurem Schooß.
Wölbte eures Kelches Krone
Nicht die Tochter der Dione
Schwellend zu der Liebe Pfühl?
Zarte Frühlingskinder, weinet!
Liebe hat sie euch verneinet,
Euch das selige Gefühl.
Aber hat aus Nanny's Blicken
Mich der Mutter Spruch verbannt,
Wenn euch meine Hände pflücken
Ihr zum zarten Liebespfand:
Leben, Sprache, Seelen, Herzen,
Stumme Boten süßer Schmerzen,
Goß euch dies Berühren ein,
Und der mächtigste der Götter
Schließt in eure stillen Blätter
Seine hohe Gottheit ein.
Geburtstagsgedicht
Rastlos vorwärts musst du streben,Autor: Friedrich SchillerKategorie: Geburtstagsgedichte
nie ermüdet Stille stehn,
willst du die Vollendung sehn,
musst ins Breite dich entfalten,
soll sich deine Welt gestalten,
in die Tiefe musst du steigen,
soll sich dir das Wesen zeigen,
nur Beharrung führt zum Ziel,
nur die Fülle führt zur Klarheit,
und im Abgrund wohnt die Wahrheit.
Zur Geburtstagsfeier
Zur GeburtstagsfeierAutor: Friedrich SchillerKategorie: Geburtstagsgedichte
Feierlich empfangen wir die Sonne,
Mit der Freude herzlichem Gesang,
Wo des jungen Lebens Frühlingswonne
Einst auf deine Wiege niedersank:
Sieh! wir bringen mit gerührtem Herzen
Dir, o Vater! diese Blumen dar.
Winde, Vater! unter frohen Scherzen
Sie dir lächelnd in das Silberhaar!
Denn der Gute, der des Schönen Pflanze
Früh schon in dem reinen Busen nährt,
Welcher nach der Tugend heil’gem Kranze
Ringt – er ist der Freudenthräne werth.
Hoffnung
Es reden und träumen die Menschen vielAutor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
Licht und Wärme
Der bess're Mensch tritt in die WeltAutor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Mit fröhlichem Vertrauen,
Er glaubt, was ihm die Seele schwellt,
Auch außer sich zu schauen,
Und weiht, von edlem Eifer warm,
Der Wahrheit seinen treuen Arm.
Doch alles ist so klein, so eng,
Hat er es erst erfahren;
Da sucht er in dem Weltgedräng
Sich selbst nur zu bewahren;
Das Herz, in kalter, stolzer Ruh,
Schließt endlich sich der Liebe zu.
Sie geben, ach! nicht immer Glut,
Der Wahrheit helle Strahlen.
Wohl denen, die des Wissens Gut
Nicht mit dem Herzen zahlen.
Drum paart zu eurem schönsten Glück
Mit Schwärmers Ernst des Weltmanns Blick!
Ich bringe nichts als ein Gedicht
Ich bringe nichts als ein GedichtAutor: Friedrich SchillerKategorie: Geburtstagsgedichte
zu Deines Tages Feier;
denn alles, wie die Mutter spricht,
ist so entsetzlich teuer.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten
Denn wo das Strenge mit dem Zarten,Autor: Friedrich SchillerKategorie: Hochzeitsgedichte
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Wilhelm Tell
Wenn rohe Kräfte feindlich sich entzweien,Autor: Friedrich SchillerKategorie: sonstige Gedichte
Und blinde Wuth die Kriegesflamme schürt;
Wenn sich im Kampfe tobender Parteien
Die Stimme der Gerechtigkeit verliert;
Wenn alle Laster schamlos sich befreien,
Wenn freche Willkür an das Heil'ge rührt,
Den Anker löst, an dem die Staaten hängen:
- Da ist kein Stoff zu freudigen Gesängen.
Doch wenn ein Volk, das fromm die Heerden weidet,
Sich selbst genug, nicht fremden Guts begehrt,
Den Zwang abwirft, den es unwürdig leidet,
Doch selbst im Zorn die Menschlichkeit noch ehrt,
Im Glücke selbst, im Siege sich bescheidet:
- Das ist unsterblich und des Liedes werth.
Und solch ein Bild darf ich dir freudig zeigen,
Du kennst's, denn alles Große ist dein eigen.