Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe ist der wohl bekannteste Dichter der deutschen Literaturgeschichte. Sein Name steht für eine Schaffenskraft, die in ihrer Breite und Tiefe kaum zu fassen ist: Lyrik, Dramatik, Romane, naturwissenschaftliche Abhandlungen, autobiografische Schriften, Briefe in die Tausende. Wer Goethes Gedichte liest, begegnet einem Menschen, der sein gesamtes Leben lang schrieb, der sich selbst dabei immer wieder neu erfand und der trotzdem erkennbar er selbst blieb. Auf dieser Seite finden Sie seine Gedichte aus unserer Sammlung sowie alles Wissenswerte über sein Leben, seinen Stil und seine anhaltende Bedeutung für die Weltliteratur.
Inhaltsverzeichnis
- Johann Wolfgang von Goethe: Leben und Werdegang
- Die frühen Jahre und der Sturm und Drang
- Die Italienreise als Wendepunkt
- Weimar: Amt, Freundschaft und Klassik
- Sprache und dichterischer Stil
- Natur als Lebensthema
- Liebe als Quelle des Schreibens
- Faust: Das Lebenswerk
- Goethe und der Begriff der Weltliteratur
- Nachwirkung und kulturelle Bedeutung
- Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe: Leben und Werdegang
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Seine Familie gehörte dem wohlhabenden Bürgertum an: Der Vater war kaiserlicher Rat, ehrgeizig und streng, die Mutter warmherzig, erzählfreudig und gerade einmal achtzehn Jahre alt bei seiner Geburt. Diese Konstellation prägte Goethe früh. Vom Vater erbte er nach eigener Aussage die Ernsthaftigkeit und den Antrieb, von der Mutter die Freude am Fabulieren. Beides zusammen ergab einen Charakter, der selten zur Ruhe kam.
Goethe studierte auf Wunsch des Vaters Jura, zunächst in Leipzig, dann in Straßburg, und schloss das Studium 1771 ab. Doch die Rechtswissenschaft war nie sein eigentliches Interesse. Schon während des Studiums schrieb er Gedichte, pflegte literarische Freundschaften und las alles, was ihm in die Hände fiel. In Straßburg traf er Johann Gottfried Herder, der ihn mit Shakespeare und der deutschen Volkslyrik bekannt machte und damit einen entscheidenden Impuls für Goethes dichterische Entwicklung gab.
Nach dem Studium arbeitete er kurz als Anwalt in Frankfurt, dann führte ihn eine Einladung des Herzogs Carl August nach Weimar, einer kleinen thüringischen Residenzstadt, die er bis zu seinem Tod nicht mehr dauerhaft verließ. Am 22. März 1832 starb Johann Wolfgang von Goethe in Weimar. Er wurde 82 Jahre alt und hatte bis kurz vor seinem Tod geschrieben.
Die frühen Jahre und der Sturm und Drang
Goethes frühes Werk entstand in einer Zeit großer literarischer Aufruhr. Der Sturm und Drang, jene Bewegung junger Autoren, die sich gegen die Vernunftgläubigkeit der Aufklärung und die Regelpoetik des Barock wandten, fand in Goethe seinen wohl begabtesten Vertreter. Sein Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers" erschien 1774 und löste in ganz Europa ein Erdbeben aus. Die Geschichte eines jungen Mannes, der an einer aussichtslosen Liebe zerbricht und sich das Leben nimmt, traf einen Nerv, den die Leserinnen und Leser der Zeit kaum erwartet hatten.
Auch seine frühen Gedichte aus dieser Phase sind von einer ungestümen Kraft. "Prometheus", "Ganymed" und "Mahomets Gesang" sind keine sanften Verse, sondern Bekenntnistexte, die mit großer Geste von Titanentum, Sehnsucht und dem Verhältnis des Menschen zu höheren Mächten handeln. Diese Hymnen, wie sie in der Literaturwissenschaft genannt werden, gehören zum Wildesten und Eindrucksvollsten, was Goethe je geschrieben hat.
Die Italienreise als Wendepunkt
Im Herbst 1786 brach Goethe heimlich aus Weimar auf und reiste nach Italien. Er tat es ohne große Ankündigung, fast wie eine Flucht, und er blieb fast zwei Jahre. Diese Reise veränderte ihn grundlegend. In Rom, Neapel und Sizilien begegnete er der antiken Kunst und Architektur auf eine unmittelbare Weise, die ihn bis dahin nicht möglich gewesen war. Alles, was er bisher über die Antike gewusst hatte, wurde nun zu gelebter Anschauung.
Die Folgen für sein Schreiben waren erheblich. Der überschwängliche Ton des frühen Werkes wich einer ruhigeren, formstrengeren Haltung. Goethe begann, Sonette und Elegien zu schreiben, die an klassische Vorbilder anknüpften. Die "Römischen Elegien", die er nach seiner Rückkehr vollendete, gehören zu den sinnlichsten und formal durchdachtesten Texten seines gesamten Werkes. Italien hatte aus dem Stürmer und Dränger einen Klassiker gemacht, oder zumindest den Weg dorthin gewiesen.
Weimar: Amt, Freundschaft und Klassik
Goethes Jahrzehnte in Weimar waren von einer Doppelbelastung geprägt, die ihn manchmal fast erdrückte. Auf der einen Seite die Amtspflichten als herzoglicher Minister, Theaterleiter und Verwaltungsbeamter, auf der anderen Seite das eigene Schreiben, das er trotz allem nie aufgab. Hinzu kam die tiefe Freundschaft mit Friedrich Schiller, die ab 1794 sein literarisches Denken neu befeuerte.
Schiller und Goethe ergänzten sich auf eine Weise, die beide selbst als außergewöhnlich empfanden. Wo Schiller abstrakt und idealistisch dachte, blieb Goethe beim Konkreten und Sinnlichen. Wo Schiller nach dem Prinzip hinter den Erscheinungen suchte, betrachtete Goethe die Erscheinungen selbst mit unermüdlicher Genauigkeit. Aus diesem Gegensatz entstand eine Zusammenarbeit, die der Weimarer Klassik ihren Charakter gab und beide Dichter zu Höchstleistungen antrieb.
Sprache und dichterischer Stil
Goethes Sprache ist nicht leicht in ein Schema zu pressen, weil sie sich über sieben Jahrzehnte hinweg immer wieder veränderte. Was bleibt, ist eine Präzision im Umgang mit dem einzelnen Wort, die auffällt, auch wenn man sie nicht sofort benennen kann. Goethe wählte Wörter nicht nur nach ihrer Bedeutung, sondern auch nach ihrem Klang, ihrem Gewicht im Vers und ihrer Wirkung auf den Leser. Diese Sorgfalt ist in seinen besten Gedichten auf jeder Zeile spürbar.
Besonders bemerkenswert ist seine Fähigkeit, das Allgemeine im Besonderen zu zeigen. Ein Gedicht über eine Pflanze wird bei Goethe zum Gedicht über das Wachsen überhaupt. Ein Liebesgedicht wird zum Gedicht über die Zeit. Diese Bewegung vom Einzelnen zum Grundsätzlichen, ohne dabei abstrakt zu werden, ist das Markenzeichen seiner reifen Lyrik. Texte wie "Wandrers Nachtlied", "Der Erlkönig" oder "Gefunden" zeigen diese Qualität auf engstem Raum.
Natur als Lebensthema
Für Goethe war die Natur kein Hintergrundmotiv, sondern ein zentrales Erkenntnisobjekt. Er betrieb Botanik, Geologie, Farbenlehre und Anatomie mit echter wissenschaftlicher Leidenschaft und sah in der Naturbeobachtung eine Form des Verstehens, die dem künstlerischen Schaffen verwandt war. Diese Haltung spiegelt sich in seinen Gedichten auf jeder Seite.
Pflanzen, Jahreszeiten, Wetter, Mondlicht, Berge und Täler: All das taucht in Goethes Lyrik nicht als Dekoration auf, sondern als bedeutungsvolles Gegenüber. Die Natur spricht bei ihm, und der Mensch hört zu. In "Über allen Gipfeln ist Ruh" zum Beispiel verdichtet sich eine ganze Weltanschauung in acht kurzen Zeilen. Ruhe, Vergänglichkeit, Hoffnung auf Frieden, all das ist da, ohne dass ein einziges dieser Wörter im Text vorkommt.
Liebe als Quelle des Schreibens
Kaum ein anderer Dichter hat so konsequent aus seinen Liebeserfahrungen geschrieben wie Goethe. Und kaum ein anderer hatte so viele solcher Erfahrungen, die sich so deutlich in seinem Werk niedergeschlagen haben. Friederike Brion, Lotte Buff, Charlotte von Stein, Christiane Vulpius, Marianne von Willemer: Die Namen der Frauen, die ihn prägten, sind der Literaturwissenschaft wohlvertraut, weil Goethe ihnen in Gedichten und Romanen Denkmäler setzte, die bis heute stehen.
Dabei war sein Verhältnis zur Liebe nicht immer ehrenvoll. Er verließ Frauen, die ihn liebten, zog sich zurück, wenn Beziehungen zu eng wurden, und verwandelte persönliche Erfahrungen in literarisches Material mit einer Kälte, die manchen Zeitgenossen erschreckte. Doch genau aus dieser Spannung zwischen Erleben und Gestalten entstand eine Liebeslyrik von seltener Intensität. Die "Marienbader Elegie", entstanden 1823 als Goethe 74 Jahre alt war und sich leidenschaftlich in die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow verliebt hatte, gilt vielen als das persönlichste und erschütterndste Gedicht seines gesamten Werkes.
Faust: Das Lebenswerk
Kein Text ist so eng mit Goethes Namen verbunden wie "Faust". Er arbeitete an diesem Werk über sechzig Jahre lang, vom frühen Dramenentwurf des Urfaust in den 1770er Jahren bis zur Fertigstellung des zweiten Teils kurz vor seinem Tod. Der erste Teil erschien 1808, der zweite posthum 1832. Zusammen ergeben sie das umfangreichste und vielschichtigste Werk der deutschen Literatur.
Die Geschichte eines Gelehrten, der einen Pakt mit dem Teufel schließt, um Erkenntnis und Erfahrung zu erlangen, die ihm das Leben verweigert hat, berührt Fragen, die keine Zeit veraltert: Was ist Wissen wert? Was opfern wir für Erlebnisse? Wo liegt die Grenze zwischen Streben und Zerstören? Goethe beantwortet diese Fragen nicht einfach, er lässt sie offen und gibt dem Leser damit mehr als jede fertige Antwort es könnte.
Goethe und der Begriff der Weltliteratur
Goethe prägte den Begriff Weltliteratur in einem Gespräch mit seinem Sekretär Johann Peter Eckermann im Jahr 1827. Er meinte damit keine Rangliste der besten Bücher aller Zeiten, sondern eine Idee: dass Literatur über nationale Grenzen hinauswirken kann und soll, dass das Gespräch zwischen den Kulturen durch das geschriebene Wort möglich wird. Diese Vorstellung war für seine Zeit fortschrittlich und ist bis heute aktuell.
Goethe selbst war ein begeisterter Leser fremdsprachiger Literatur. Er las persische Lyrik, beschäftigte sich mit chinesischer Dichtung, übersetzte aus dem Englischen und Französischen und ließ all diese Einflüsse in sein eigenes Werk einfließen. Der "West-östliche Divan", seine späte Gedichtsammlung, die vom persischen Dichter Hafis inspiriert wurde, ist das eindrucksvollste Zeugnis dieser Weltoffenheit.
Nachwirkung und kulturelle Bedeutung
Goethes Einfluss auf die deutsche Kultur ist so weitreichend, dass er sich kaum vollständig beschreiben lässt. Sein Werk hat Generationen von Dichtern, Denkern, Komponisten und Bildenden Künstlern geprägt. Franz Schubert vertonte über 70 seiner Gedichte, darunter "Erlkönig" und "Gretchen am Spinnrade", die zu den bekanntesten Kunstliedern des 19. Jahrhunderts gehören. Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Hugo Wolf folgten mit eigenen Goethe-Vertonungen.
- Goethe-Institut: Die bedeutendste Kulturinstitution Deutschlands im Ausland trägt seinen Namen und fördert in über 90 Ländern die deutsche Sprache und Kultur.
- Goethe-Universität Frankfurt: Die Universität seiner Geburtsstadt ist nach ihm benannt und zählt zu den größten Deutschlands.
- Goethestraßen und Denkmäler: In nahezu jeder deutschen Stadt erinnert mindestens ein Straßenname oder ein Denkmal an ihn.
- Faust als Schulpflichtlektüre: Generationen von Schülerinnen und Schülern sind durch den Faust gegangen, was seinen Status im kollektiven Bildungsgedächtnis sichert.
- Zitate im Alltag: Sätze wie "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie" oder "Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust" sind im deutschen Sprachgebrauch fest verankert, oft ohne dass der Ursprung noch bewusst ist.
Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe
Unsere Sammlung mit Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe wächst stetig weiter. Wir legen dabei Wert auf eine Auswahl, die sowohl die allseits bekannten Texte als auch weniger geläufige Gedichte berücksichtigt. Denn Goethe ist größer als seine zehn bekanntesten Gedichte, und wer tiefer in sein lyrisches Werk eintaucht, wird immer wieder auf Überraschungen stoßen.
Wenn Sie ein bestimmtes Gedicht vermissen oder uns auf einen Text aufmerksam machen möchten, der in unserer Sammlung noch fehlt, schreiben Sie uns gerne über die E-Mail-Adresse in unserem Impressum. Wir prüfen jeden Hinweis sorgfältig und freuen uns über Ihre Mithilfe beim Aufbau einer möglichst vollständigen Goethe-Sammlung.
Aktuell haben wir 28 Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:
- Abschiedsgedichte
- Frühlingsgedichte
- Geburtstagsgedichte
- Gedichte Sehnsucht
- Gedichte zum Nachdenken
- Hochzeitsgedichte
- Kindergedichte
- kurze Gedichte
- Liebesgedichte
- Muttertagsgedichte
- schöne Gedichte
- Taufgedichte
- Valentinstag Gedichte
- Weihnachtsgedichte
Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Der Zauberlehrling, Heidenröslein und Der Erlkönig.
Nähe des Geliebten
Ich denke dein, wenn mir der Sonne SchimmerAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Liebesgedichte
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Wege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten die Sterne.
O wärst du da!
An meine Mutter
Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mirAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Muttertagsgedichte
So lang dir kömmt, lass keinen Zweifel doch
Ins Herz, als wär’ die Zärtlichkeit des Sohns,
Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust
Entwichen. Nein, so wenig als der Fels,
Der tief im Fluss vor ew'gem Anker liegt,
Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut
Mit stürm’schen Wellen bald, mit sanften bald
Darüber fließt und ihn dem Aug’ entreißt,
So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich
Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom
Vom Schmerz gepeitscht bald stürmend drüber fließt,
Und von der Freude bald gestreichelt still
Sie deckt und sie verhindert, dass sie nicht
Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsumher
Zurückgeworfne Strahlen trägt und dir
Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt.
Der Abschied
Lass mein Aug den Abschied sagen,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Abschiedsgedichte
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
Und ich bin doch sonst ein Mann.
Traurig wird in dieser Stunde
Selbst der Liebe süßstes Pfand,
Kalt der Kuss von deinem Munde,
Matt der Druck von deiner Hand.
Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen,
O wie hat es mich entzückt!
So erfreuet uns ein Veilchen,
Das man früh im März gepflückt.
Doch ich pflücke nun kein Kränzchen,
Keine Rose mehr für dich.
Frühling ist es, liebes Fränzchen,
Aber leider Herbst für mich!
Der Erlkönig
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: sonstige Gedichte
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -
"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -
"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -
"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -
Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
Der Zauberlehrling
Hat der alte HexenmeisterAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Kindergedichte
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort' und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.
Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.
Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen:
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!
Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.
Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!
Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen!
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!
Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.
Nein, nicht länger
Kann ichs lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!
O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!
Willsts am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.
Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!
Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
Und sie laufen! Naß und nässer.
Wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen!
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd ich nun nicht los.
In die Ecke,
Besen! Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.
Dich kosen
Ists möglich, daß ich, Liebchen, dich kose,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: kurze Gedichte
Vernehme der göttlichen Stimme Schall!
Unmöglich scheint immer die Rose,
Unbegreiflich die Nachtigall.
Du musst verstehn...
Du musst verstehn!Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Kindergedichte
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach gleich,
So bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs -
So sagt die Hex -
Mach Sieben und Acht,
So ists vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!
Erkanntes Glück
Was bedächtlich Natur sonst unter viele verteilet,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: kurze Gedichte
Gab sie mit reichlicher Hand alles der Einzigen, ihr.
Und die so herrlich Begabte, von vielen so innig Verehrte,
Gab ein liebend Geschick freundlich dem Glücklichen, mir.
Frühling übers Jahr
Das Beet, schon lockertAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Frühlingsgedichte
Sich's in die Höh',
Da wanken Glöckchen
So weiß wie Schnee;
Safran entfaltet
Gewalt'ge Glut,
Smaragden keimt es
Und keimt wie Blut.
Primeln stolzieren
So naseweis,
Schalkhafte Veilchen,
Versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles
Da regt und webt,
Genug, der Frühling,
Er wirkt und lebt.
Doch was im Garten
Am reichsten blüht,
Das ist des Liebchens
Lieblich Gemüt.
Da glühen Blicke
Mir immerfort,
Erregend Liedchen,
Erheiternd Wort;
Ein immer offen,
Ein Blütenherz,
Im Ernste freundlich
Und rein im Scherz.
Wenn Ros' und Lilie
Der Sommer bringt,
Er doch vergebens
Mit Liebchen ringt.
Dem Fürsten Hardenberg zum siebzigsten Geburtstag
Wer die Körner wollte zählen,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Geburtstagsgedichte
Die dem Stundenglas entrinnen,
Würde Zeit und Ziel verfehlen,
Solchem Strome nachzusinnen.
Auch vergehn uns die Gedanken,
Wenn wir in dein Leben schauen,
Freien Geist in Erdeschranken,
Festes Handeln und Vertrauen.
So entrinnen jeder Stunde
Fügsam glückliche Geschäfte.
Segen dir von Mund zu Munde!
Neuen Mut und frische Kräfte!
Gefunden
Ich ging im WaldeAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: schöne Gedichte
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie die Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt´es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub´s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich´s
Am hübschen Haus.
Und pflanzt´ es wieder
Am stillen Ort,
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
Heidenröslein
Sah ein Knab' ein Röslein stehn,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: sonstige Gedichte
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt' es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein roth,
Röslein auf der Heiden.
Hoch lebe das Geburtstagskind
Hoch lebe das GeburtstagskindAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Geburtstagsgedichte
und froh in allen Jahren.
Nur Menschen, die stets fröhlich sind,
wird Gutes widerfahren!
Drum bleibe wie du heute bist,
ein froher Mensch auf Erden.
Denn jeder gute Optimist
kann mehr als 100 Jahre werden!
unbekannter Verfasser
Dem schönen Tag sei es geschrieben!
Oft glänze dir sein heiteres Licht.
Uns hörest du nicht auf zu lieben,
doch bitten wir: Vergiss uns nicht.
Hochzeitslied
Im Schlafgemach, fern von dem Feste,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Hochzeitsgedichte
sitzt Amor dir getreu und wacht,
dass nicht die List mutwill'ger Gäste
das Brautbett dir unsicher macht.
Er harrt auf Dich. Der Fackel Schimmer
umglänzt ihn, und ihr flammend Gold
treibt Weihrauchdampf, der durch das Zimmer
in wollustvollen Wirbeln rollt.
Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,
der deiner Gäste Lärm verjagt!
Wie blickst du nach dem schönen Munde,
der dir nun bald nichts mehr versagt.
Du gehst, und wünschend geht die Menge;
ach wer doch auch so glücklich wär'!
Die Mutter weint, und ihre Strenge
hielt' gern dich ab und darf nicht mehr.
Dein ganzes Glück nun zu vollenden,
trittst du ins Heiligtum herein;
die Flamme in des Amors Händen
wird wie ein Nachtlicht still und klein.
Schnell hilft der Schalk die Braut entkleiden
und ist doch nicht so schnell wie du,
sieht euch noch einmal an, bescheiden
hält er zuletzt die Augen zu.
Klärchens Lied
FreudvollAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Liebesgedichte
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Hangen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
Mailied
Wie herrlich leuchtetAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Liebesgedichte
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch
Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd, o Sonne!
O Glück, o Lust!
O Lieb, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!
So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,
Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud und Mut
Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!
Mignon
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühnAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Liebesgedichte
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
Kennst du das Haus? auf Säulen ruht sein Dach,
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht' ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn!
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut
Kennst du ihn wohl?
Dahin! Dahin
Geht unser Weg, o Vater, laß uns ziehn!
Neue Liebe, neues Leben
Herz, mein Herz, was soll das geben?Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Liebesgedichte
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh –
Ach, wie kamst du nur dazu!von handmann.phantasus.de
Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.
Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! Lass mich los!
Bäume leuchtend
Bäume leuchtend, Bäume blendend,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Weihnachtsgedichte
Überall das Süße spendend.
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret.
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und Her und immer wieder.
Aber, Fürst, wenn dir's begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.
Zum neuen Jahr
Zwischen dem AltenAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Geburtstagsgedichte
Zwischen dem Neuen
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück
Und das Vergangene
Heisst mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.
Aufgezogen durch die Sonne
Aufgezogen durch die SonneAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Liebesgedichte
Schwimmt im Hauch äther'scher Wonne
So das leicht'ste Wölkchen nie
Wie mein Herz in Ruh' und Freude.
Frei von Furcht, zu groß zum Neide,
Lieb' ich, ewig lieb' ich sie!
Ihr seid nun eins
Ihr seid nun eins, ihr beide,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Hochzeitsgedichte
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des guten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt,
durch Streit und Zwietracht werde
nie euer Bund gestört.
Nähe des Geliebten
Ich denke dein, wenn mir der Sonne SchimmerAutor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Valentinstag Gedichte
Vom Meer erstrahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt;
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!
Natur und Kunst
Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Gedichte zum Nachdenken
Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.
Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst in abgemess'nen Stunden
Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.
So ist's mit aller Bildung auch beschaffen:
Vergebens werden ungebundne Geister
Nach der Vollendung reiner Höhe streben.
Wer Großes will, muss sich zusammenraffen;
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.
Die Lieb'
Woher sind wir geboren?Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Hochzeitsgedichte
Aus Lieb'.
Wie wären wir verloren?
Ohn' Lieb'.
Was hilft uns überwinden?
Die Lieb'.
Kann man auch Liebe finden?
Durch Lieb'.
Was lässt nicht lange weinen?
Die Lieb'.
Was soll uns stets vereinen?
Die Lieb'.
Rastlose Liebe
Dem Schnee, dem Regen,Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Hochzeitsgedichte
Dem Wind entgegegn,
Im Dampf der Klüfte,
Durch Nebeldüfte,
Immer zu! Immer zu!
Ohne Rast und Ruh!
Lieber durch Leiden
Möcht´ ich mich schlagen,
Als viel Freuden
Des Lebens ertragen.
Alle Neigen
Von Herzen zu Herzen,
Ach wie so eigen
Schaffet das Schmerzen!
Wie soll ich fliehen?
Wälderwärts ziehen?
Alles vergebens!
Krone des Lebens,
Glück ohne Ruh,
Liebe, bist du!
Sehnsucht
Was zieht mir das Herz so?Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Gedichte Sehnsucht
Was zieht mich hinaus?
Und windet und schraubt mich
Aus Zimmer und Haus?
Wie dort sich die Wolken
Um Felsen verziehn!
Da möcht’ ich hinüber,
Da möcht’ ich wohl hin!
Nun wiegt sich der Raben
Geselliger Flug;
Ich mische mich drunter
Und folge dem Zug.
Und Berg und Gemäuer
Umfittigen wir;
Sie weilet da drunten,
Ich spähe nach ihr.
Da kommt sie und wandelt;
Ich eile so bald,
Ein singender Vogel,
Zum buschichten Wald.
Sie weilet und horchet
Und lächelt mit sich:
"Er singet so lieblich
Und singt es an mich."
Die scheidende Sonne
Verguldet die Höhn;
Die sinnende Schöne,
Sie läßt es geschehn,
Sie wandelt am Bache
Die Wiesen entlang,
Und finster und finstrer
Umschlingt sich der Gang.
Auf einmal erschein’ ich,
Ein blinkender Stern.
"Was glänzet da droben,
So nah und so fern?"
Und hast du mit Staunen
Das Leuchten erblickt:
Ich lieg’ dir zu Füßen,
Da bin ich beglückt!
Taufgedicht
Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen;Autor: Johann Wolfgang von GoetheKategorie: Taufgedichte
So wie Gott sie uns gab, so muss man sie haben und lieben,
Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.
Denn der eine hat die, die anderen andere Gaben.