Hohelied der Liebe

Kategorie: romantische Gedichte

Oh wie funkelt, Gold dein Name, aus Millionen Lichter hier,
Wundervolles bringt die Wunder, Schönheit ist der Liebe Zier.
Sehnsuchtsvolles Herz umschlungen, liebster Kuss von Mund zu Mund,
all die Jahre war das Suchen, schwarze Spur im Untergrund.
Und das Leiden, das in Wunden dieser Sehnsuchtsreise stand,
ist dann endlich jetzt beendet, weil dein Jubel in uns fand.

All das Hoffen, all die Schwere, all die Brücken die man brach,
waren deinem Herz geschuldet, das uns in der Mitte stach.
Niemals hält ein Glaube, der verschuldet falsche Götter trifft,
der nicht mit dir, hohe Liebe, Macht der Himmelswelten spricht.
Wer die Sterne, ihre Bahnen, für ein sinnlos Leben hält,
der ist ärmer als ein Bettler, der dir keine Fragen stellt.

Liebe wächst in deinen Flügel, fliegt und weitet sich hinaus,
überwindet Hindernis und Hügel, baut dem Herz ein Seelenhaus.
Streicht und streift mit feinen Sinnen, schläft an warmer Seite ein,
nachts wenn alle Träume leben, wird sie noch lebendig sein.
Ach so Liebe, lass dich spüren, sei das Licht, trotz Dunkelheit,
durchströme Herz mit deinem Blut, ja wir sind für dich bereit.

Autor: Marcel Strömer

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Marcel Strömers "Hohelied der Liebe" entfaltet sich als ein kraftvolles lyrisches Bekenntnis, das die Liebe als transformative, fast göttliche Macht feiert. Das Gedicht lässt sich in drei klar erkennbare Bewegungen gliedern. Die erste Strophe beschreibt eine lange, oft schmerzhafte Suche, die in der schließlich gefundenen Erfüllung mündet. Bilder wie die "schwarze Spur im Untergrund" oder die "Wunden dieser Sehnsuchtsreise" zeichnen ein Bild von Mühsal und Dunkelheit, das vom "Jubel" der erfüllten Liebe überstrahlt und beendet wird.

In der zweiten Strophe wendet sich das lyrische Ich reflexiveren, fast philosophischen Betrachtungen zu. Die "Brücken die man brach" und das Herz, "das uns in der Mitte stach", deuten auf notwendige Opfer und einen schmerzhaften, aber zentralen Wandlungsprozess hin. Die Liebe wird hier in einen kosmischen Kontext gestellt und als Gegenentwurf zu einem "sinnlos" empfundenen Leben ohne Glauben und Transzendenz präsentiert. Wer die Ordnung der Sterne leugnet, erscheint "ärmer als ein Bettler", was die Liebe zur Quelle wahren Reichtums erhebt.

Die dritte und letzte Strophe malt schließlich das Bild einer aktiven, wachsenden und tröstenden Liebe aus. Sie "baut dem Herz ein Seelenhaus", bietet Geborgenheit ("schläft an warmer Seite ein") und ist eine lebendige, nächtliche Kraft. Die abschließende Anrufung "Ach so Liebe, lass dich spüren" mündet in ein bedingungsloses Angebot: "ja wir sind für dich bereit." Die Liebe wird so nicht nur als Gefühl, sondern als handelndes, fast personifiziertes Wesen dargestellt, dem man sich hingeben kann.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine intensive, vielschichtige Stimmung, die von tief empfundener Erleichterung und triumphierender Freude getragen wird. Ein Grundton der befreienden Ekstase durchzieht die Verse, besonders spürbar in Ausdrücken wie "Jubel" und "funkelt, Gold dein Name". Dieser Jubel ist jedoch kein leichtfertiger, sondern einer, der sich aus der Kontrastierung mit vorheriger Dunkelheit speist. Die Erwähnung von "Leiden", "Schwere" und "schwarzer Spur" verleiht der Freude Tiefe und Glaubwürdigkeit. Insgesamt entsteht so eine Stimmung der dankbaren, fast feierlichen Erlösung, gepaart mit dem feierlichen Respekt vor der Liebe als einer überwältigenden, ordnenden Macht im Universum und im persönlichen Leben.

Gesellschaftlicher und historischer Kontext

Obwohl das Gedicht von einem zeitgenössischen Autor stammt, weist es starke Bezüge zu literarischen Traditionen auf, die seine zeitlose Wirkung unterstreichen. Der Titel "Hohelied der Liebe" ist ein deutlicher Verweis auf das biblische "Hohelied Salomos", eine Sammlung leidenschaftlicher Liebeslieder, die die irdische Leidenschaft oft als Spiegel göttlicher Liebe deutet. Strömer übernimmt diese sakrale Überhöhung. Inhaltlich und stilistisch lassen sich Einflüsse der Romantik erkennen, etwa in der Betonung von Sehnsucht, der Verschmelzung von Gefühl und Natur (Sterne, Himmelswelten) sowie der Idee der Liebe als einigender, heilender Kraft in einer fragmentierten Welt. Das Gedicht steht damit in einer langen Tradition, die die Liebe nicht als bloße Privatsache, sondern als zentrales, welterschließendes Prinzip begreift.

Aktualitätsbezug - Bedeutung für heute

In einer modernen Welt, die oft von Vereinsamung, Sinnsuche und oberflächlichen Kontakten geprägt ist, bietet Strömers Gedicht einen kraftvollen Gegenentwurf. Es erinnert daran, dass tiefe, transformative Liebe ein mühsamer Weg sein kann ("all die Brücken die man brach"), dessen Ziel aber unermesslichen Wert besitzt. Die Gegenüberstellung eines "sinnlos" gelebten Lebens mit einem von Liebe und Staunen ("Sterne, ihre Bahnen") erfüllten Dasein trifft den Nerv vieler Menschen heute. Es ist ein Plädoyer gegen die Zynik und für die Hingabe an etwas Größeres als sich selbst – sei es in einer Partnerschaft, einer tiefen Freundschaft oder der Leidenschaft für eine Sache. Das "Seelenhaus", das die Liebe baut, kann als Metapher für innere Stabilität und Heimat in unruhigen Zeiten gelesen werden.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht?

Dieses Gedicht eignet sich hervorragend für feierliche und intime Anlässe, die einen besonderen Tiefgang erfordern. Es ist eine ausgezeichnete Wahl für einen Heiratsantrag, als Lesung während einer Hochzeitszeremonie (besonders für Paare, die einen nicht-konfessionellen, aber dennoch feierlichen Ton wünschen) oder als Geschenk zum Hochzeitstag. Darüber hinaus kann es in einer Trauerede oder bei einer Gedenkfeier für eine verstorbene geliebte Person Verwendung finden, um die Kraft und die bleibende Bedeutung einer tiefen Bindung zu würdigen. Auch als inspirierender Text für sich selbst in Zeiten der Zweifel oder als Ausdruck tiefer Dankbarkeit gegenüber einem geliebten Menschen ist es perfekt geeignet.

Sprachregister und Verständlichkeit

Strömer verwendet eine gehobene, poetische Sprache, die jedoch weitgehend frei von schwer verständlichen Archaismen ist. Die Syntax ist klar und die Bilder sind trotz ihrer Tiefe meist unmittelbar zugänglich. Begriffe wie "Zier", "umschlungen" oder "Macht der Himmelswelten" verleihen dem Text einen feierlichen, klassischen Klang, ohne ihn unverständlich zu machen. Die zentralen Metaphern – die Liebe als Licht, als Weg, als Baumeister, als kosmische Macht – sind universell und können von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen entschlüsselt werden. Die emotionale Kernbotschaft von Suche, Erfüllung und Hingabe ist für jeden Leser ab einem fortgeschrittenen Jugendalter nachvollziehbar und ansprechend.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Das Gedicht eignet sich weniger für Leser, die eine nüchterne, distanzierte oder gar ironische Betrachtung von Liebe suchen. Wer nach sehr kurzen, schnörkellosen oder alltagssprachlichen Gedichten sucht, könnte den pathetischen und feierlichen Ton als zu überladen empfinden. Ebenso ist es für rein humorvolle oder leichtherzige Anlässe (wie einen flotten Geburtstagsgruß) wahrscheinlich zu schwergewichtig und intensiv. Menschen, die mit poetischer Sprache und metaphorischen Bildern wenig anfangen können, könnten den Zugang als etwas anspruchsvoll empfinden.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du die Liebe in ihrer ganzen epochalen Tiefe und transformativen Kraft feiern möchtest. Es ist die ideale Wahl für den Moment, in dem Worte des Alltags nicht mehr ausreichen und du eine Sprache brauchst, die dem Gefühl von endlich gefundener Erfüllung, überwundener Dunkelheit und bedingungsloser Hingabe würdigen Ausdruck verleiht. Nutze es, wenn du nicht nur ein Gefühl beschreiben, sondern es in einen größeren, fast spirituellen Rahmen stellen willst – sei es bei einem lebensverändernden Versprechen, in einer tiefgründigen Reflexion oder als bleibendes Zeugnis einer Verbindung, die mehr ist als nur Zufall.

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