Gedichte von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ist einer jener Dichter, deren bekanntestes Werk so tief in das kollektive Bewusstsein eines Volkes eingedrungen ist, dass man den Autor dahinter kaum noch wahrnimmt. Das "Lied der Deutschen", dessen dritte Strophe heute die Nationalhymne der Bundesrepublik bildet, hat seinen Namen überschattet, und das ist in gewisser Weise ungerecht. Hoffmann von Fallersleben war weit mehr als der Verfasser einer Hymne. Er war ein streitbarer politischer Dichter, ein bedeutender Germanist und Volkslieforforscher, ein Verfasser zärtlicher Kinderlieder und ein Mann, der für seine Überzeugungen einen hohen persönlichen Preis zahlte. Auf dieser Seite finden Sie seine Gedichte aus unserer Sammlung sowie alles Wissenswerte über sein Leben, sein Werk und seine bis heute andauernde Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
- August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Leben und Herkunft
- Studium, Wissenschaft und der Weg zur Germanistik
- Die Unpolitischen Lieder und ihre Folgen
- Ausbürgerung, Exil und die Jahre der Wanderschaft
- Sprache, Ton und dichterischer Stil
- Das Lied der Deutschen: Entstehung und Geschichte
- Die Kinderlieder: Eine unterschätzte Seite seines Werkes
- Volksliederforschung und germanistische Leistungen
- Hoffmann als politischer Dichter des Vormärz
- Rückkehr, Rehabilitation und Lebensabend
- Nachwirkung und kulturelle Bedeutung
- Gedichte von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Leben und Herkunft
August Heinrich Hoffmann wurde am 2. April 1798 in Fallersleben geboren, einem kleinen Ort im heutigen Niedersachsen, der heute zur Stadt Wolfsburg gehört. Den Zusatz "von Fallersleben" nahm er später als literarisches Pseudonym an, um sich von anderen Trägern des häufigen Namens Hoffmann zu unterscheiden, und dieser Name wurde so sehr zu seinem eigentlichen, dass der ursprüngliche Familienname heute kaum noch bekannt ist.
Sein Vater war Kaufmann und Bürgermeister von Fallersleben, die Familie gehörte dem protestantischen Bürgertum an. Die Kindheit war unspektakulär, aber nicht unglücklich, und Hoffmann entwickelte früh eine Leidenschaft für Sprache, für Volkslieder und für die Geschichte der deutschen Literatur. Diese Leidenschaften sollten sein gesamtes Leben bestimmen, als Wissenschaftler ebenso wie als Dichter.
Er starb am 19. Januar 1874 in Corvey an der Weser, wo er seine letzten Lebensjahre als Bibliothekar verbracht hatte. Er wurde 75 Jahre alt und hatte ein Leben geführt, das von Brüchen, Verfolgung und Neuanfängen geprägt war, aber auch von einer Produktivität, die bis ins hohe Alter nicht nachließ. Zwischen dem Ruf des politischen Rebellen und dem des sanften Kinderliederdichters liegt das eigentliche, vielschichtige Werk dieses Mannes.
Studium, Wissenschaft und der Weg zur Germanistik
Hoffmann studierte zunächst Theologie in Göttingen, wechselte aber bald zur Philologie und wandte sich der Erforschung der deutschen Sprache und Literatur zu. In Bonn kam er in Kontakt mit dem Altphilologen August Wilhelm Schlegel, der ihn in seiner wissenschaftlichen Ausrichtung bestärkte. Die Germanistik war damals noch eine junge Disziplin, die sich erst langsam als eigenständiges akademisches Fach etablierte, und Hoffmann gehörte zu den Pionieren, die ihr Fundament mitlegten.
1823 wurde er Kustos der Universitätsbibliothek in Breslau, 1830 erhielt er dort eine außerordentliche Professur für deutsche Sprache und Literatur. Diese akademische Karriere verlief zunächst vielversprechend. Hoffmann forschte, publizierte und lehrte mit echtem Enthusiasmus. Doch der Wissenschaftler und der politische Dichter in ihm ließen sich auf Dauer nicht trennen, und es war der politische Dichter, der schließlich die Oberhand gewann und die akademische Laufbahn beendete.
Die Unpolitischen Lieder und ihre Folgen
Im Jahr 1840 erschien auf Helgoland, das damals noch unter britischer Verwaltung stand und damit außerhalb der Reichweite preußischer Zensur lag, ein Gedichtband mit dem provokanten Titel "Unpolitische Lieder". Der Titel war pure Ironie: Die Gedichte darin waren alles andere als unpolitisch. Sie kritisierten die deutschen Kleinstaaterei, die Zensur, die Unterdrückung politischer Meinungsfreiheit und die Obrigkeitshörigkeit des deutschen Bürgertums mit einer Direktheit, die für die damalige Zeit außergewöhnlich war.
Die Reaktion der preußischen Behörden ließ nicht lange auf sich warten. Hoffmann wurde 1842 seiner Professur enthoben, ihm wurde die preußische Staatsbürgerschaft entzogen, und er begann eine jahrelange Wanderschaft durch die deutschen Staaten, immer auf der Suche nach einem Ort, der ihn duldete. Dieser Preis für seine Überzeugungen war hoch, und er zahlte ihn ohne zu zögern. Es ist das, was ihn von vielen anderen Dichtern seiner Zeit unterscheidet: Er schrieb nicht nur über Freiheit, er lebte die Konsequenzen des Schreibens.
Die "Unpolitischen Lieder" erschienen in zwei Bänden und enthielten neben den politisch brisanten Texten auch Liebesgedichte, Naturlyrik und humorvolle Verse. Diese Vielfalt zeigt, dass Hoffmann kein einseitiger Pamphletist war, sondern ein Dichter mit breitem Ausdrucksspektrum. Aber es waren naturgemäß die politischen Gedichte, die Aufsehen erregten und seinen Ruf als unbequemer Zeitgenosse begründeten.
Ausbürgerung, Exil und die Jahre der Wanderschaft
Die folgenden Jahre nach der Ausbürgerung waren von einem ruhelosen Wanderleben geprägt, das an die Biografie mancher romantischer Dichter erinnert, aber einen ganz anderen Hintergrund hatte. Hoffmann war kein freiwilliger Wanderer, er war ein Verfolgter. Er zog von einem deutschen Kleinstaat zum anderen, blieb, solange er konnte, und musste weiter, wenn die Behörden seine Anwesenheit nicht mehr dulden wollten.
In dieser Zeit entstanden trotzdem Gedichte, Aufsätze und wissenschaftliche Arbeiten. Hoffmann schrieb unermüdlich, auch unter widrigen Bedingungen, und er pflegte Briefkontakte zu Gleichgesinnten in ganz Deutschland. Diese Netzwerke der literarischen und politischen Opposition waren im Vormärz, jener Periode vor der Revolution von 1848, von großer Bedeutung für den Austausch verbotener Ideen und Texte.
Die Revolution von 1848 schien zunächst Hoffmanns Stunde zu sein. Er kehrte nach Deutschland zurück, beteiligte sich an den politischen Debatten und hoffte auf eine dauerhafte Veränderung der deutschen Verhältnisse. Doch die Revolution scheiterte, und mit ihr die Hoffnungen derer, die wie Hoffmann für eine geeinte, freie Nation gestritten hatten. Die Enttäuschung dieser Jahre ist in manchen seiner späteren Gedichte spürbar, auch wenn er seinen Humor und seine Schaffenskraft nie ganz verlor.
Sprache, Ton und dichterischer Stil
Hoffmanns Sprache ist klar, direkt und volksnah, ohne dabei simpel zu sein. Er schrieb für ein breites Publikum und wusste, dass ein Gedicht, das niemand versteht, auch niemanden bewegt. Diese Haltung unterschied ihn von manchen Zeitgenossen, die Komplexität mit Tiefe verwechselten. Hoffmann bevorzugte das einfache Wort, den eingängigen Rhythmus und den Reim, der sitzt, ohne aufgesetzt zu wirken.
Dabei war er formal durchaus variabel. Er schrieb Strophengedichte in der Tradition des Volksliedes, aber auch formal anspruchsvollere Texte, die zeigen, dass seine Schlichtheit eine bewusste Wahl war und keine Verlegenheitslösung. Besonders in den politischen Gedichten merkt man, wie präzise er den Ton kalkulierte: nicht zu gelehrt, um das Bürgertum abzuschrecken, aber scharf genug, um zu treffen.
Ein weiteres Merkmal seines Stils ist der Humor. Hoffmann verstand es, politische Kritik mit Ironie zu verbinden und ernste Themen durch einen schrägen Blick zugänglich zu machen. Dieser Zug ins Humoristische ist besonders in den Kindergedichten ausgeprägt, taucht aber auch in den politischen Texten immer wieder auf, manchmal als bittere Ironie, manchmal als echtes Schmunzeln über die Absurdität menschlicher Verhältnisse.
Das Lied der Deutschen: Entstehung und Geschichte
Das bekannteste Gedicht Hoffmanns entstand im August 1841 auf Helgoland, das er besucht hatte, und wurde kurz darauf von dem Komponisten Joseph Haydn mit einer Melodie versehen, die dieser ursprünglich für die österreichische Kaiserhymne geschrieben hatte. Das Ergebnis war das "Lied der Deutschen", ein Gedicht in drei Strophen, das in seiner Entstehungszeit eine klare politische Botschaft hatte, die heute oft missverstanden wird.
Der berühmte erste Vers "Deutschland, Deutschland über alles" bedeutete für Hoffmann und seine Zeitgenossen nicht nationale Überheblichkeit, sondern das Gegenteil: Er war ein Plädoyer dafür, die Einheit Deutschlands über die Interessen der einzelnen Duodezfürsten und Kleinstaaten zu stellen. In einem zersplitterten Land ohne gemeinsame Verfassung und ohne gemeinsame politische Institutionen war der Ruf nach nationaler Einheit ein liberales, fortschrittliches Anliegen, kein chauvinistisches. Diese historische Bedeutung wird bis heute oft übersehen.
Die Geschichte des Gedichts nach seiner Entstehung ist so wechselvoll wie die deutsche Geschichte selbst. Im Kaiserreich wurde es populär, in der Weimarer Republik zur inoffiziellen Nationalhymne, im Nationalsozialismus missbraucht und verfremdet. Nach 1945 war seine Zukunft lange ungewiss. Schließlich wurde 1952 die dritte Strophe, die von Einigkeit, Recht und Freiheit handelt, zur offiziellen Hymne der Bundesrepublik Deutschland erklärt, eine Entscheidung, die bis heute Bestand hat.
Die Kinderlieder: Eine unterschätzte Seite seines Werkes
Neben dem politischen Dichter steht ein Hoffmann von Fallersleben, den viele Menschen kennen, ohne es zu wissen: der Verfasser von Kinderliedern, die zum festen Bestand der deutschen Kindheitskultur gehören. Texte wie "Alle Vögel sind schon da", "Ein Männlein steht im Walde", "Summ, summ, summ" und "Morgen kommt der Weihnachtsmann" stammen aus seiner Feder und werden seit Generationen gesungen, ohne dass die Kinder, die sie singen, und oft auch die Erwachsenen, die sie vorsingen, den Namen des Verfassers kennen.
Diese Kinderlieder sind keine Nebenarbeit oder kommerzielles Gelegenheitsschreiben. Sie entstanden aus echter Zuneigung zu Kindern und aus einem ernsthaften pädagogischen Interesse. Hoffmann glaubte, dass gute Kinderlieder zur Sprachentwicklung und zur emotionalen Bildung beitragen, und er schrieb sie mit derselben Sorgfalt, die er auch seinen politischen Gedichten widmete. Die scheinbare Einfachheit dieser Texte ist das Ergebnis präziser Arbeit: Ein Kinderlied muss singbar, merkbar und dabei wirklich schön sein. Das ist schwieriger als es aussieht.
Die Kinderlieder zeigen eine Seite von Hoffmann, die im Widerspruch zum Bild des verbitterten politischen Exilanten steht, und vielleicht ist es gerade dieser Widerspruch, der ihn als Person so interessant macht. Wer Kinderlieder von solcher Wärme schreibt, ist kein Zyniker. Er ist jemand, der trotz allem an das Gute glaubt.
Volksliederforschung und germanistische Leistungen
Neben seinem dichterischen Werk hat Hoffmann von Fallersleben bedeutende wissenschaftliche Leistungen hinterlassen, die in der Rezeption seines Werkes oft zu kurz kommen. Als Germanist und Volkslieforforscher leistete er Pionierarbeit bei der Sammlung, Dokumentation und Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Texte. Seine Editionen altdeutscher Handschriften und seine Untersuchungen zur Geschichte des deutschen Volksliedes gehören zu den Grundlagenwerken der frühen Germanistik.
Diese wissenschaftliche Arbeit war für ihn keine trockene Pflichtübung, sondern ein echtes Herzensanliegen. Er sah in den alten Volksliedern und mittelhochdeutschen Texten eine Quelle nationaler Identität und kulturellen Reichtums, die es zu bewahren galt. Diese Überzeugung verband ihn mit anderen Volkslieforfschern seiner Zeit, darunter die Brüder Grimm, mit denen er in Briefkontakt stand und deren Arbeit er schätzte.
Der Zusammenhang zwischen seiner germanistischen Forschung und seiner eigenen Dichtung ist dabei kein zufälliger. Wer die alten Volkslieder so genau kannte wie Hoffmann, lernte von ihnen: die Direktheit, die Musikalität, die Fähigkeit, große Gefühle in einfache Worte zu fassen. Diese Schule der Volkslyrik ist in seinen besten Gedichten und Kinderliedern allgegenwärtig.
Hoffmann als politischer Dichter des Vormärz
Der Vormärz, jene politisch aufgewühlte Epoche zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Revolution von 1848, war eine Zeit, in der Literatur und Politik eng miteinander verflochten waren. Zensur, Überwachung und politische Unterdrückung auf der einen Seite, ein wachsendes Bewusstsein für bürgerliche Rechte und nationale Einheit auf der anderen: In diesem Spannungsfeld entstand eine politische Lyrik, die in ihrer Direktheit und ihrem Mut kaum zu übertreffen war.
Hoffmann gehörte neben Heinrich Heine und Georg Herwegh zu den bedeutendsten politischen Dichtern dieser Epoche. Was ihn von Heine unterschied, war weniger die inhaltliche Haltung als der Ton: Heine war schärfer, ironischer, brillanter in der sprachlichen Formulierung. Hoffmann war direkter, volksnäher, stärker in der schlichten emotionalen Wirkung. Beide hatten recht, auf ihre jeweils eigene Weise, und beide zahlten für ihre Texte mit persönlicher Freiheit und beruflicher Existenz.
Was an Hoffmanns politischen Gedichten bis heute beeindruckt, ist nicht nur ihr Mut, sondern ihre Klarheit. Er ließ keine Zweifel daran, was er meinte, und er sagte es in Worten, die jeder verstehen konnte. In einer Zeit, in der politische Rede durch Zensur in verschlüsselte Andeutungen gezwungen wurde, war diese Direktheit eine Form des Widerstands.
Rückkehr, Rehabilitation und Lebensabend
Nach dem Scheitern der Revolution von 1848 und den folgenden Jahren politischer Reaktion fand Hoffmann von Fallersleben schließlich einen ruhigeren Lebensabend. Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen gewährte ihm 1860 die Stelle eines Bibliothekars im Schloss Corvey an der Weser, eine bescheidene, aber stabile Position, die ihm ermöglichte, seinen Lebensabend in Würde zu verbringen und weiter zu schreiben.
In Corvey lebte er bis zu seinem Tod, umgeben von Büchern, in denen er sein Leben lang zu Hause gewesen war. Die politische Hitze seiner früheren Jahre hatte sich gelegt, aber der Dichter war geblieben. Er schrieb weiter Gedichte, pflegte seine wissenschaftlichen Interessen und empfing Besucher, die ihn als Zeitzeugen einer bewegten Epoche aufsuchten. Seine Autobiografie, die er in diesen Jahren verfasste, ist ein aufschlussreiches Dokument der deutschen Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Nachwirkung und kulturelle Bedeutung
Hoffmanns Nachwirkung ist gespalten, was seinen verschiedenen Gesichtern entspricht. Als Verfasser der Nationalhymne ist er in jedem deutschen Schulbuch präsent, auch wenn die historische Dimension des Textes dort nicht immer angemessen erklärt wird. Als Kinderliederdichter lebt er in Kindergärten und Wohnzimmern weiter, ohne dass sein Name dabei fällt. Als politischer Dichter des Vormärz ist er vor allem in der Literaturwissenschaft bekannt.
Diese Aufspaltung in verschiedene Wirkungssphären ist einerseits ein Zeichen für die Breite seines Werkes, andererseits ein Hindernis für eine angemessene Gesamtwürdigung. Wer Hoffmann nur als Hymnenautor kennt, kennt ihn nicht. Wer nur die Kinderlieder kennt, auch nicht. Das vollständige Bild entsteht erst, wenn man alle Facetten zusammensieht: den Wissenschaftler, den politischen Rebellen, den zärtlichen Kinderliederdichter und den Lyriker, der in seinen besten Momenten alle diese Rollen hinter sich ließ und einfach schrieb.
- Nationalhymne: Die dritte Strophe des "Liedes der Deutschen" ist seit 1952 die offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland und damit täglich im öffentlichen Leben präsent.
- Kinderlieder im Alltag: Texte wie "Alle Vögel sind schon da" und "Ein Männlein steht im Walde" gehören zum festen Repertoire von Kindergärten und Grundschulen und werden von Generationen von Kindern gesungen.
- Hoffmann-von-Fallersleben-Museum: In Wolfsburg, zu dem Fallersleben heute gehört, erinnert ein Museum an Leben und Werk des Dichters und bewahrt seinen Nachlass.
- Germanistische Bedeutung: Seine wissenschaftlichen Editionen und Forschungen zur mittelhochdeutschen Literatur und zur Geschichte des Volksliedes gehören zu den Grundlagen der deutschen Philologie.
- Politische Symbolkraft: Als Dichter, der für seine politischen Überzeugungen Professur und Bürgerrechte verlor, steht Hoffmann bis heute als Symbol für den Mut zur freien Meinungsäußerung in Zeiten der Unterdrückung.
Gedichte von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Unsere Sammlung mit Gedichten von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wächst stetig weiter. Wir legen dabei besonders großen Wert auf eine Auswahl, die die ganze Bandbreite seines Werkes widerspiegelt: politische Gedichte neben Kinderliedern, historische Texte neben Naturlyrik, bekannte Verse neben solchen, die weniger geläufig sind und gerade deshalb eine Entdeckung wert sein können. Denn Hoffmann von Fallersleben ist, wie hoffentlich diese Seite gezeigt hat, weit mehr als ein einziges berühmtes Lied.
Wenn Sie ein bestimmtes Gedicht in unserer Sammlung vermissen oder uns auf einen Text aufmerksam machen möchten, der hier noch fehlt, freuen wir uns sehr über Ihre Nachricht an die E-Mail-Adresse in unserem Impressum. Wir prüfen jeden Hinweis sorgfältig und sind für jede Rückmeldung dankbar, die unsere Sammlung vollständiger und lebendiger macht.
Aktuell haben wir 18 Gedichte von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben in unserer Sammlung, die in folgenden Kategorien zu finden sind:
- Frühlingsgedichte
- Geburtstagsgedichte
- Hochzeitsgedichte
- Kindergedichte
- Liebesgedichte
- Neujahrsgedichte
- Ostergedichte
- Sommergedichte
- Valentinstag Gedichte
- Weihnachtsgedichte
- Wintergedichte
Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald und Ein Männlein steht im Walde....
Ein Männlein steht im Walde...
Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Kindergedichte
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem purpurroten Mäntelein?
Das Männlein steht im Walde auf einem Bein,
Und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem kleinen, schwarzen Käppelein?
Frühlings Ankunft
Grüner Schimmer spielet wiederAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Frühlingsgedichte
Drüben über Wies' und Feld.
Frohe Hoffnung senkt sich nieder
Auf die stumme trübe Welt.
Ja, nach langen Winterleiden
Kehrt der Frühling uns zurück,
Will die Welt in Freude kleiden,
Will uns bringen neues Glück.
Seht, ein Schmetterling als Bote
Zieht einher in Frühlingstracht,
Meldet uns, dass alles Tote
Nun zum Leben auferwacht.
Nur die Veilchen schüchtern wagen
Aufzuschau'n zum Sonnenschein;
Ist es doch, als ob sie fragen:
»Sollt' es denn schon Frühling sein?«
Seht, wie sich die Lerchen schwingen
In das blaue Himmelszelt!
Wie sie schwirren, wie sie singen
Über uns herab ins Feld!
Alles Leid entflieht auf Erden
Vor des Frühlings Freud' und Lust –
Nun, so soll's auch Frühling werden,
Frühling auch in unsrer Brust!
Papas Geburtstag
Ist kein schönerer Tag dochAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Geburtstagsgedichte
in der Welt so wie heut!
Und es hat unser Herze
sich noch nie so gefreut.
Ja, wir freuen uns alle
Heissa heissassa!
Denn es ist dein Geburtstag,
lieber, guter Papa!
Und wir wanden dir Kränze,
und wir flochten hinein
unsre innigsten Wünsche
für dein Wohl und Gedeih'n.
Sei so froh wie die Blumen,
wie die Blätter so grün!
Mag für uns, deine Lieben,
stets dein Leben so blüh'n!
Kinder, Kinder! Kommt herbei
Kinder, Kinder! Kommt herbei!Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Ostergedichte
Suchen wir das Osterei!
Immerfort, hier und dort
und an jedem Ort.
Hier ein Ei, dort ein Ei -
bald sind`s zwei und drei!
Ist es noch so gut versteckt,
endlich wird es doch entdeckt.
Kommt herbei!
Sucht das Ei!
O glücklich, wer ein Herz gefunden!
O glücklich, wer ein Herz gefunden,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Hochzeitsgedichte
Das nur in Liebe denkt und sinnt
Und mit der Liebe treu verbunden
Sein schönres Leben erst beginnt!
Wo liebend sich zwei Herzen einen,
Nur eins zu sein in Freud und Leid,
Da muss des Himmels Sonne scheinen
Und heiter lächeln jede Zeit.
Die Liebe, nur die Lieb’ ist Leben:
Kannst du dein Herz der Liebe weihn,
So hat dir Gott genug gegeben,
Heil dir! Die ganze Welt ist dein!
Der Weihnachtsbaum
Von allen den Bäumen jung und alt,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Weihnachtsgedichte
Von allen den Bäumen groß und klein,
Von allen in unserm ganzen Wald,
Was mag doch der allerschönste sein?
Der schönste von allen weit und breit
Das ist doch allein, wer zweifelt dran?
Der Baum, der da grünet allezeit,
Den heute mir bringt der Weihnachtsmann. -
Wenn Alles schon schläft in stiller Nacht,
Dann holet er ihn bei Sternenschein
Und schlüpfet, eh' einer sich's gedacht,
Gar heimlich damit ins Haus hinein.
Dann schmückt er mit Lichtern jeden Zweig,
Hängt Kuchen und Nüss' und Äpfel dran:
So macht er uns Alle freudenreich,
Der liebe, der gute Weihnachtsmann.
Morgen kommt der Weihnachtsmann...
Morgen kommt der Weihnachtsmann,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Weihnachtsgedichte
Kommt mit seinen Gaben,
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn' und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegesheer
Möcht' ich gerne haben.
Bring' uns lieber Weihnachtsmann,
Bring' auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Pantertier,
Ross und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!
Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennst ja uns're Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Großpapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.
Weihnachtszeit
O schöne, herrliche Weihnachtszeit!Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Weihnachtsgedichte
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.
Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freuen und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein!
Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald
Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Frühlingsgedichte
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.
Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.
Der Traum
Ich lag und schlief; da träumte mirAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Weihnachtsgedichte
ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
ein hoher Weihnachtsbaum.
Und bunte Lichter ohne Zahl,
die brannten ringsumher;
die Zweige waren allzumal
von goldnen Äpfeln schwer.
Und Zuckerpuppen hingen dran;
das war mal eine Pracht!
Da gab's, was ich nur wünschen kann
und was mir Freude macht.
Und als ich nach dem Baume sah
und ganz verwundert stand,
nach einem Apfel griff ich da,
und alles, alles schwand.
Da wacht' ich auf aus meinem Traum,
und dunkel war's um mich.
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
sag an, wo find' ich dich?
Libellentanz
Wir LibellenAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Sommergedichte
Hüpfen in die Kreuz und Quer,
Auf den Quellen
Und den Bächen hin und her.
Schwirrend schweben
Wir dahin im Sonnenglanz:
Unser Leben
Ist ein einz'ger Reigentanz.
Wir ernähren
Uns am Strahl des Sonnenlichts,
Und begehren,
Wünschen, hoffen weiter nichts
Mit dem Morgen
Traten wir ins Leben ein;
Ohne Sorgen
Schlafen wir am Abend ein.
Heute flirren
Wir in Freud' und Sonnenglanz;
Morgen schwirren
Andre hier im Reigentanz.
Neujahr
Das alte Jahr vergangen ist,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Neujahrsgedichte
das neue Jahr beginnt.
Wir danken Gott zu dieser Frist.
Wohl uns, dass wir noch sind!
Wir sehn aufs alte Jahr zurück,
und haben neuen Mut.
Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Die Zeit ist immer gut.
Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Wir ziehen froh hinein.
Und: Vorwärts, vorwärts, nie zurück!
Das soll unsre Lösung sein.
Oh, wie ist es kalt geworden
O, wie ist es kalt gewordenAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Frühlingsgedichte
Und so traurig, öd' und leer!
Raue Winde weh'n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.
Auf die Berge möcht' ich fliegen,
Möchte seh'n ein grünes Tal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl;
Möchte hören die Schalmeien 1)
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.
Schöner Frühling, komm doch wieder,
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring' uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!
Ja, du bist uns treu geblieben,
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.
Du bist die Sonne, die nicht untergeht
Du bist die Sonne, die nicht untergeht;Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Liebesgedichte
Du bist der Mond, der stets am Himmel steht;
Du bist der Stern, der, wenn die andern dunkeln,
Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln;
Du bist das sonnenlose Morgenrot;
Ein heitrer Tag, den keine Nacht bedroht;
Der Freud und Hoffnung Widerschein auf Erden -
Das bist du mir, was kannst du mehr noch werden?
Ja, du bist mein!
Ich will's dem blauen Himmel sagen,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Liebesgedichte
Ich will's der dunklen Nacht vertrau'n,
Ich will's als frohe Botschaft tragen
Auf Bergeshöh'n, durch Heid und Au'n.
Die ganze Welt soll Zeuge sein:
Ja, du bist mein!
Und ewig mein!
In meinem Herzen sollst du leben,
Sollst haben, was sein Liebstes ist,
Du sollst, von Lieb und Lust umgeben,
Ganz fühlen, dass du glücklich bist!
Schließ' mich in deine Arme ein!
Ja, du bist mein!
Und ewig mein!
Wie freu' ich mich der Sommerwonne!
Wie freu' ich mich der Sommerwonne,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Sommergedichte
Des frischen Grüns in Feld und Wald,
Wenn's lebt und webt im Glanz der Sonne
Und wenn's von allen Zweigen schallt!
Ich möchte jedes Blümchen fragen:
Hast du nicht einen Gruß für mich?
Ich möchte jedem Vogel sagen:
Sing, Vöglein, sing und freue dich!
Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:
Wer wollte sich nicht ihrer freu'n,
Wenn er durch frohe Frühlingslieder
Sich seine Jugend kann erneu'n?
Kein Sehnen zieht mich in die Ferne,
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz;
Da wo ich bin, da bin ich gerne,
Denn meine Heimat ist mein Herz.
Winters Flucht
Dem Winter ward der Tag zu lang,Autor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Wintergedichte
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang;
Er horcht und hört's mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das macht ihm Leid.
Er sieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein.
Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und sprach:
"Wo ist mein silberweißes Kleid,
Mein Hut , mit Demantstaub bestreut?"
Er schämt sich wie ein Bettelmann
Und läuft, was er nun laufen kann.
Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil's noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.
Zwei Herzen
Wo liebend sichAutor: August Heinrich Hoffmann von FallerslebenKategorie: Valentinstag Gedichte
zwei Herzen einen,
nur eins zu sein
in Freud und Leid,
da muß des Himmels Sonne scheinen
und heiter lächeln jede Zeit!