Weihnachtsgedichte fuer Kinder / Bald ist Weihnacht

Kategorie: Weihnachtsgedichte

Bald ist Weihnacht, wie freu' ich mich drauf,
Da putzt uns die Mutter ein Bäumlein schön auf.

Es glänzen die Äpfel, es funkeln die Stern',
Wie haben wir doch alle das Weihnachtsfest gern.

Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Bald ist Weihnacht" ist ein schlichter, aber kraftvoller Ausdruck kindlicher Vorfreude. Es besteht aus zwei Strophen, die jeweils einen klaren Gedankengang umfassen. Die erste Strophe beginnt mit der titelgebenden Aussage "Bald ist Weihnacht" und verknüpft sie sofort mit dem persönlichen Gefühl "wie freu' ich mich drauf". Diese direkte Verbindung von Ereignis und Emotion ist typisch für eine kindliche Perspektive. Die Erwähnung der Mutter, die den Baum schmückt, stellt das familiäre, geborgene Zentrum des Festes in den Mittelpunkt. Es ist nicht ein anonymes Ereignis, sondern eine von den Eltern liebevoll vorbereitete Feier.

Die zweite Strophe zoomt an den geschmückten Baum heran. Die "glänzenden Äpfel" und "funkelnden Stern'" sind konkrete, sinnliche Eindrücke, die ein Kind besonders ansprechen. Der Verzicht auf abstrakten Christbaumschmuck unterstreicht die zeittypische oder auch ländlich-bürgerliche Tradition. Der letzte Vers weitet den Blick von der Einzelperson auf die Gemeinschaft: "Wie haben wir doch alle das Weihnachtsfest gern." Dieses "wir alle" schließt die Familie ein und schafft ein Gefühl der verbindenden, gemeinsamen Freude. Das Gedicht ist somit eine kleine Erzählung von der erwartungsvollen Ankündigung über das konkrete, schöne Bild hin zum geteilten Glücksgefühl.

Die erzeugte Stimmung

Das Gedicht erzeugt eine durchweg positive, warme und erwartungsfrohe Stimmung. Es ist frei von Zweifeln, Wehmut oder Komplexität. Die dominierenden Gefühle sind ungetrübte Vorfreude, staunende Begeisterung über die einfache Pracht des Baumes und ein tiefes Gefühl der Geborgenheit innerhalb der Familie. Die verwendeten Verben "freuen", "glänzen" und "funkeln" sind aktiv und lichtvoll. Der Rhythmus ist eingängig und beschwingt, was die freudige Grundhaltung zusätzlich unterstreicht. Insgesamt transportiert das Gedicht das Ideal eines harmonischen, von liebevoller Fürsorge geprägten Familienfestes, das besonders in der kindlichen Erinnerung einen bleibenden Platz findet.

Gesellschaftlicher und historischer Kontext

Das Gedicht spiegelt das bürgerliche Weihnachtsfest des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts wider, wie es sich im deutschsprachigen Raum etablierte. Weihnachten entwickelte sich in dieser Zeit zunehmend zu einem Fest der Familie und der Kinder, weg von stärker öffentlich-kirchlichen Feiern. Der geschmückte Tannenbaum im Wohnzimmer wurde zum zentralen Symbol. Die Erwähnung von Äpfeln als Schmuck verweist auf eine ältere, vielleicht auch ländlichere Tradition, bevor industriell gefertigter Glasschmuck weit verbreitet war. Die Rolle der Mutter als diejenige, die den Baum "aufputzt", zeigt klassische, damals nicht hinterfragte Familien- und Geschlechterrollen. Politische oder soziale Kritik sucht man in diesem Text vergebens; er ist ganz auf die Darstellung eines idyllischen, von äußeren Sorgen abgeschirmten Moments konzentriert. In seiner Einfachheit und Gefühlsbetontheit hat es leichte Anklänge an die Volkslieddichtung und die Romantik, die das Gemüt und das einfache Leben idealisierte.

Aktualitätsbezug und moderne Übertragung

Die Kernbotschaft des Gedichts – die reine Vorfreude auf ein Fest und die Freude an gemeinsamen, schönen Traditionen – ist zeitlos. Auch heute können sich Kinder (und Erwachsene) mit dem Gefühl identifizieren, dem Weihnachtsfest entgegenzufiebern. In einer oft hektischen und kommerzialisierten Vorweihnachtszeit erinnert das Gedicht an die einfachen, kostbaren Momente: das gemeinsame Schmücken des Baumes und das Staunen über seinen Glanz. Es lässt sich gut auf moderne Lebenssituationen übertragen, indem es als Anstoß dient, bewusst solche traditionellen, nicht-materiellen Familienrituale zu pflegen. Der Fokus liegt nicht auf Geschenken, sondern auf dem gemeinsamen Erleben und der vorbereitenden Tätigkeit. In diesem Sinne ist es ein kleines poetisches Gegenmittel zur Konsumflut.

Geeignete Anlässe für das Gedicht

Dieses Gedicht ist vielseitig einsetzbar, immer dort, wo kindliche Weihnachtsfreude im Mittelpunkt steht.

  • In der Familie während der Adventszeit, etwa beim Öffnen eines Türchens am Adventskalender oder am Tag des Baumschmückens.
  • Als kleines Vortragsstück für Kinder im Kindergarten oder in den ersten Grundschulklassen, etwa bei einer Weihnachtsfeier.
  • Als Einstieg oder Dekoration auf selbstgemachten Weihnachtskarten von oder für Kinder.
  • In Vorlesebüchern oder -heften zur Einstimmung auf das Fest.
  • Als Auswendiglern-Text für junge Kinder, um spielerisch Sprachgefühl und Gedächtnis zu trainieren.

Sprachregister und Verständlichkeit

Die Sprache ist bewusst einfach, volksnah und für Kinder leicht verständlich gehalten. Es gibt keine Archaismen oder Fremdwörter. Die Syntax ist gradlinig und folgt dem natürlichen Satzbau. Einzige Besonderheiten sind die verkürzten, mundartlich anmutenden Formen "freu' ich mich" (für "freue ich mich") und "drauf" (für "darauf"), die den Text lebendig und gesprochen wirken lassen. Auch "Bäumlein" ist eine Verniedlichungsform, die direkt Kinder anspricht. Der Inhalt erschließt sich bereits Vorschulkindern mühelos, da er von konkreten Bildern (Mutter, Baum, Äpfel, Sterne) und bekannten Gefühlen (Freude) lebt. Für Leseanfänger ist der Text aufgrund des begrenzten Wortschatzes und der Reime ideal. Auch für Deutschlernende auf niedrigem Niveau bietet das Gedicht einen guten, kulturrelevanten Einstieg.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Weniger geeignet ist das Gedicht für Leser, die eine komplexe, mehrdeutige oder kritische Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest suchen. Wer nach literarischer Innovation, tiefergehender Symbolik oder gesellschaftskritischen Untertönen sucht, wird hier nicht fündig. Es spiegelt ein sehr traditionelles, vielleicht aus heutiger Sicht etwas klischeehaftes Familienbild wider, was in nicht-traditionellen Familienkonstellationen oder aus einer reflektierten, modernen Perspektive heraus als nicht ganz passend empfunden werden könnte. Für ältere Jugendliche oder Erwachsene ohne Bezug zu kindlicher Weihnachtsmagie könnte der Text als zu simpel und nostalgisch wirken.

Abschließende Empfehlung

Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du die unverfälschte, kindliche Vorfreude auf Weihnachten einfangen und teilen möchtest. Es ist der perfekte literarische Begleiter für den ersten Advent bis zum Heiligen Abend, besonders am Tag des Christbaumschmückens. Nutze es, um mit jungen Kindern ins Gespräch über ihre eigenen Erwartungen und Freuden zu kommen. Es eignet sich hervorragend als erstes Gedicht, das ein Kind auswendig lernt, oder als festliches Ritual beim gemeinsamen Anzünden der Kerzen. In seiner schlichten Schönheit ist es eine Erinnerung daran, dass die größte Weihnachtsfreude oft aus der gemeinsamen Vorfreude und den einfachen, glänzenden Dingen erwächst.

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