Winterfreuden im Allgäu
Kategorie: Wintergedichte
Januar 2013
Autor: Freudreich Peschko
Ich schippe Schnee, ich schippe Schnee,
schon tuen mir die Arme weh.
Ich schippe Schnee, ich schippe Schnee,
nun schmerzt mir auch der Rücken,
ich kann mich kaum noch bücken.
Doch, es schneit unaufhörlich weiter,
allmählich ist das nicht mehr heiter !
Nun endlich hab ich alles weg.
Ich dreh' mich um: O Schreck, o Schreck !
Schon wieder eine dicke Schicht !
Ich glaub, ich schaff das heute nicht !
Auf jeden Fall ist eins zu tun:
Nun gilt es erstmal, auszuruhn.
Ich bin total am Schwitzen,
jetzt muß ich erstmal sitzen.
Ich denk so nach, in meinem Herz
regt sich der Wunsch: Wär's doch schon März
und lieber noch - so Gott es will.. - April.
Ach.., doch vielleicht sogar schon Mai,
dann wär' die ganze Müh' vorbei.
Halt, stopp! Noch nicht !
Hier noch ein Nachtrag zum Gedicht:
26.Mai 2013
Nun, Ende Mai, da stell ich fest:
Der Frühling sich nicht blicken läßt.
Des Winters Ende, des wir harrten,
läß weiterhin noch auf sich warten.
Es scheinet so, daß, was wir dichten,
erfüllt sich manchesmal mitnichten.
Verblüh'n schon jetzt die Herbstzeitlosen ?
Man zieht sich an die langen Hosen
und wünscht : Wär ich doch andernorts,
... in Afrika, in kurzen Shorts.
- Interpretation des Gedichts
- Stimmung des Gedichts
- Gesellschaftlicher und historischer Kontext
- Aktualitätsbezug und moderne Übertragbarkeit
- Geeignete Anlässe für das Gedicht
- Sprachregister und Verständlichkeit
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Abschließende Empfehlung
Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Winterfreuden im Allgäu" erzählt in einer humorvoll-klagenden Weise von der Mühe des Schneeschippens. Es beginnt mit einer sich wiederholenden, fast schon mantraartigen Beschreibung der körperlichen Anstrengung ("Ich schippe Schnee, ich schippe Schnee"). Diese direkte Wiederholung unterstreicht die Monotonie und Ausweglosigkeit der Arbeit. Der lyrische Ich-Erzähler erlebt einen klassischen Kampf gegen die Naturgewalten, der trotz aller Bemühungen aussichtslos erscheint, denn kaum ist die Arbeit getan, liegt schon wieder "eine dicke Schicht". Die kurze Pause, die sich der Erschöpfte gönnt, führt nicht zur Erholung, sondern zu sehnsuchtsvollen Gedanken an wärmere Monate. Der geniale Kniff des Gedichts ist sein zweiteiliger Aufbau mit dem Nachtrag vom Mai. Hier schlägt die anfängliche Wintermüdigkeit in eine tiefere Resignation um. Die Hoffnung auf den Frühling wird enttäuscht, und die launische Allgäuer Witterung macht sogar die eigenen poetischen Wünsche ("was wir dichten") zunichte. Die Fluchtfantasie endet schließlich nicht im deutschen Frühling, sondern in der völligen Ferne "in Afrika, in kurzen Shorts", was die Verzweiflung über das anhaltende schlechte Wetter auf die Spitze treibt.
Stimmung des Gedichts
Die Grundstimmung ist eine Mischung aus liebevoll-ironischem Jammern und trockenem Humor. Zunächst dominiert die körperliche Erschöpfung und der leichte Ärger über die nie endende Aufgabe ("allmählich ist das nicht mehr heiter !"). Darunter schwingt aber stets eine selbstironische Note mit, die das Leiden nicht ganz ernst nimmt. Mit dem Nachtrag vom Mai wandelt sich die Stimmung in eine sanfte, aber deutliche Resignation und Ungeduld. Aus dem akuten Schnee-Ärger wird ein chronisches Frustgefühl über das Ausbleiben der erhofften Jahreszeit. Die abschließende Fernweh-Fantasie verleiht dem Ganzen eine komisch-übertriebene, fast schon absurd anmutende Note, die den Leser schmunzeln lässt.
Gesellschaftlicher und historischer Kontext
Das Gedicht ist kein Werk einer literarischen Epoche wie Romantik oder Expressionismus, sondern ein zeitgenössisches, volkstümliches Gedicht aus dem Jahr 2013. Es spiegelt sehr konkret die Lebensrealität in einer schneereichen Region wie dem Allgäu wider. Der Bezug ist weniger politisch oder sozial, sondern vielmehr kulturell-geografisch. Es thematisiert das urmenschliche und besonders deutsch-alpenländische Thema des "Schimpfens aufs Wetter" als verbindendes Alltagserlebnis. Der humorvolle Umgang mit den Launen der Natur und der eigenen Hilflosigkeit ihr gegenüber ist ein typisches Element der (selbst)ironischen Betrachtung des Alltags. Der Nachtrag zeigt zudem, wie sehr unsere Stimmung und unsere Wünsche von den jahreszeitlichen Abläufen abhängen – ein Thema, das in Zeiten des Klimawandels und unbeständigerer Wetterlagen vielleicht sogar eine neue Brisanz erhält.
Aktualitätsbezug und moderne Übertragbarkeit
Das Gedicht ist heute so aktuell wie eh und je. Jeder, der schon einmal Schnee geschippt, Laub geharkt oder eine sich ständig wiederholende, frustrierende Hausarbeit verrichtet hat, kann die Gefühle des lyrischen Ichs nachempfinden. Es geht um das Gefühl, gegen eine Sisyphusarbeit anzukämpfen, bei der der Erfolg nur von kurzer Dauer ist. Die Sehnsucht nach dem Frühling und die Enttäuschung, wenn er auf sich warten lässt, sind universelle Erfahrungen. In einer Zeit, in der wir Wetterextreme häufiger erleben, trifft das Gedicht auch den Nerv derer, die sich nach beständigeren, vorhersehbareren Jahreszeiten sehnen. Die pointierte Fluchtfantasie am Ende ist zudem ein perfekter Ausdruck für den modernen Winterblues und den Wunsch nach einem letzten Ausbruch in die Sonne.
Geeignete Anlässe für das Gedicht
Dieses Gedicht eignet sich hervorragend für lockere, gesellige Runden in der kalten Jahreszeit, etwa beim gemütlichen Beisammensein nach dem Schneeschippen oder an einem verregneten Frühlingstag. Es ist ein idealer Beitrag für einen geselligen Abend in einem Verein oder einer Stammtischrunde im Alpenraum, wo es sicherlich sofort verstanden und mit eigenen Anekdoten beantwortet wird. Man kann es auch humorvoll in einem Newsletter oder einer Einladung zu einem Winterfest verwenden. Für private Blogs oder Social-Media-Posts an einem grauen Maitag ist es ebenfalls perfekt geeignet, um sich mit anderen über das schlechte Wetter "auszuklagen".
Sprachregister und Verständlichkeit
Die Sprache ist durchweg umgangssprachlich, einfach und direkt. Es gibt keine Archaismen oder komplexen Syntaxstrukturen. Der Satzbau ist meist kurz und knapp, was den Eindruck von Erschöpfung und pragmatischem Denken verstärkt. Der Reim ist einfach und eingängig, fast schon singsangartig, was den volkstümlichen und humorvollen Charakter unterstreicht. Selbst der etwas gehobenere Satz "Des Winters Ende, des wir harrten" wirkt in diesem Kontext bewusst leicht ironisch. Aufgrund dieser klaren Sprache und der alltäglichen Thematik erschließt sich der Inhalt problemlos für Leser jeden Alters, von Jugendlichen bis zu Senioren. Die eingängige Struktur macht es fast schon vorlesereif.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für Leser, die nach tiefgründiger, metaphorischer oder philosophischer Lyrik suchen. Wer eine strenge, klassische Gedichtform oder eine revolutionäre sprachliche Ästhetik erwartet, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte es für Menschen, die in Regionen ohne nennenswerten Winter leben, schwerer nachvollziehbar sein, da ihnen die spezifische Erfahrung des Schneeschippens und der langen Sehnsucht nach dem Frühling fremd ist. Der sehr regionale Bezug zum Allgäu und dessen Wetterkapriolen spricht vielleicht nicht jeden im gleichen Maße an.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du nach einem lockeren, authentischen und herzerfrischend ehrlichen Text suchst, der das Lebensgefühl eines nassen, kalten oder einfach nur frustrierenden Tages auf den Punkt bringt. Es ist die perfekte literarische Begleitung für jeden, der sich über die Unbilden des Watters amüsieren möchte, anstatt sich nur zu ärgern. Ob du es auf einer Skihütte vorträgst, in deinem Blog über den verpassten Frühling schreibst oder es einfach nur für dich selbst liest, um deine eigene schlechte Laune wegzuschmunzeln – "Winterfreuden im Allgäu" ist wie ein heiteres Seufzer in Gedichtform. Es erinnert dich daran, dass du mit deinem Ärger nicht allein bist und dass man über die eigenen misslichen Lagen am besten lacht, wenn man sie in Worte fasst.
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