Ostergedichte

Ostern ist für Jung und Alt eine schöne Zeit: Die Kleinen freuen sich auf die Ostereiersuche und die Großen auf ein paar ruhige Tage im Kreise ihrer Liebsten. Möchten Sie Karten verschicken, die sozusagen Ostergedichte transportieren? Dann haben Sie die Qual der Wahl: Es gibt kurze Ostergedichte, es gibt lange Ostergedichte. Sie können zum Schmunzeln sein oder zum Nachdenken anregen, denn Ostern ist für die Christen eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr: Am Karfreitag wird der Kreuzigung Jesu Christi und am Ostermontag seiner Auferweckung von den Toten gedacht. Heutzutage kann ein Ostergedicht natürlich genauso gut via E-Mail oder WhatsApp verschickt oder in einem sozialen Netzwerk geteilt werden. In humorvollen Ostergedichten spielen meistens heidnische Symbole eine tragende Rolle – die Hauptfigur ist der Osterhase. Im Übrigen kann man sich durch das Lesen von Ostergedichten auch prima auf die Osterzeit einstimmen oder auf das Bemalen der Ostereier.

Ostern
Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.

Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.

Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.

So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verläßt.

Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
dass sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht!

Autor: Ferdinand von Saar

Ostern
Nun zeigen sich am dürren Holz
Schon grüne, zarte Blätterteilchen,
Die Hecke schwillt in Knospen stolz
Und freundlich lugt das erste Veilchen
Mit Kinderaugen blau und rein
Verwundert in die Welt hinein.

Lobjubelnd tropft der Lerche Lied
Herab aus morgenfrühem Äther —
Und wär es sie nicht, dies verriet,
Gäbs tausend andere Verräter,
Zu melden, daß die Osterzeit
Der traumbefangnen Erde mait.

O Menschenbrust, nun öffne auch
Das Tor den duftgeschwellten Winden,
Daß sich im heiligen Feierhauch
Vertraun und Hoffnung wiederfinden,
Daß Osterlust dein Herz durchzieht
Im Glockenklang, im Vogellied.

Autor: Richard Zoozmann

Fröhliche Ostern
Da seht aufs neue dieses alte Wunder:
Der Osterhase kakelt wie ein Huhn
und fabriziert dort unter dem Holunder
ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.

Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder -
er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei ...
Ja, was errötet denn die Gattin wieder?
Ei, ei, ei,
ei, ei,
ei!

Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware
ins pappne Ei zum besseren Konsum:
Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,
Die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.

Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,
sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.
Man ruft beglückt, wenn sie's gefunden haben:
Ei, ei, ei,
ei, ei,
ei!

Und Hans und Lene steckens in die Jacke,
das liebe Osterei - wen freut es nicht?
Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,
und ohne jedes innre Gleichgewicht.

Die deutsche Politik ... Was wollt ich sagen?
Bei uns zu Lande ist das einerlei -
und kurz und gut: verderbt euch nicht den Magen!
vergnügtes Fest! vergnügtes Osterei!

Autor: Kurt Tucholsky

Ostern
Ostern, Ostern, Frühlingswehen!
Ostern, Ostern, Auferstehen
Aus der tiefen Grabesnacht!
Blumen sollen fröhlich blühen,
Herzen sollen heimlich glühen,
Denn der Heiland ist erwacht.

Trotz euch, höllische Gewalten!
Hättet ihn wol gern behalten,
Der euch in den Abgrund zwang.
Konntet ihr das Leben binden?
Aus des Todes düstern Gründen
Dringt hinan sein ew'ger Gang.

Der im Grabe lag gebunden,
Hat den Satan überwunden –
Und der lange Kerker bricht.
Frühling spielet auf der Erden,
Frühling soll's im Herzen werden,
Herrschen soll das ew'ge Licht.

Alle Schranken sind entriegelt,
Alle Hoffnung ist versiegelt,
Und beflügelt jedes Herz;
Und es klagt bei keiner Leiche
Nimmermehr der kalte, bleiche
Gottverlaßne Heidenschmerz.

Alle Gräber sind nun heilig,
Grabesträume schwinden eilig,
Seit im Grabe Jesus lag.
Jahre, Monde, Tage, Stunden,
Zeit und Raum, wie schnell verschwunden!
Und es scheint ein ew'ger Tag.

Autor: Max von Schenkendorf

Ostern
Nun webt die Sonn aus lichtem Golde
Dem Lenz zum Osterfest ein Kleid,
Und jede schlichte Blutendolde
Erstrahlt wie Edelsteingeschmeid.
Das ist ein Leuchten rings und Blühen!
Und hold wie Veilchendüfte wehn,
Ins Herz auch goldne Träume ziehen
Von andrem Frühlingsauferstehn,

Von jenem Lenz, den uns verheißen
Manch Dichter und Prophetenwort,
Von einer Zeit, da nicht das Eisen,
Da Liebe wirkt als Friedenshort:
Da, wie im Frühling alle Säfte
Froh schaffend walten im Verein,
Sich aller Völker frische Kräfte
Des Friedens Eintrachtswerken weihnl

Hin stürzen dann die starren Schranken,
Die Neid und Tyrannei erbaut,
Was heut noch keimt nur in Gedanken,
Entzückt die Welt in Blüte schaut.
Getrennt nicht kniet man vor Altären,
Dann waltet eine Gottheit nur —
Die eine, die beseelt den hehren
Prachtmunderbau der Allnatur!

Ja, kommen wird der Weltbefreier!
Der Morgen, der die Völker eint —
Des Völkerfrühlings Osterfeier,
Den das Prophetenmort gemeint.
Und wie des Lenzes blühend Werden
Im Freien voll nur kann gedeihn,
So kann des Friedens Reich auf Erden
Auch nur das Reich der Freiheit sein!

Autor: Johannes Proelß

Ostern
Ostern, Auferstehungsfeier,
Jahresmorgen der Natur,
streifst den letzten Winterschleier
Von der neubelebten Flur,
Die sich froh dir überlässt,
Schönes Auferstehungsfest!

Autor: Otto Baisch

Ostern
Höret, hört im Walde locken
Wieder Nachtigallen-Klang;
Höret, hört es mit Frohlocken:
Alles wieder wird Gesang!
Frühlings Neugeburt vollenden
Allmachtskräft’ an allen Enden,
Daß auch uns’re deutsche Erde
Nun ein Garten Gottes werde!

Höret, hört die Osterglocken
Durch der Menschheit Tempel schallen;
Laßt sie wieder mit Frohlocken
Durch der Seele Tiefen hallen!
Aller-Seelen-Frühlingsfeste
Weihet Euch als frohe Gäste,
Daß dem Grab des Herzenswehe
Froh in Dir Dein Gott erstehe.

Höret, hört — Gott ist erstanden
Aus der Völker Todeshaft;
Höret, hört, aus Kett’ und Banden
Lässt er der Völker Kraft:
Ostern kommt, mit Gotteshänden
Wird er Frühlingswonnen spenden;
Ostern wird, das Auferstehen,
Siegend durch die Menschheit gehen.

Autor: Eduard Baltzer

Ostern
Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: Wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
Soweit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.

Autor: Joseph von Eichendorff

Ostern
Heute, da Osterluft weht,
Darfst du den Zauberspruch wagen,
Seele, daß dir auch ersteht,
Was du zu Grabe getragen.

Liebe zu allem, was ist -
Einst in jungfeurigen Stunden,
Ob du viel klüger nun bist,
Hast du doch rechter empfunden!

Glauben an alles, was schafft
Mitten im wüsten Vernichten,
Und an den Sieg der Kraft
Ueber das Treiben von Wichten!

Hoffnung auf alles, was hell
Einst dich gelockt in die Weiten -
Kamst du ans Ziel nicht so schnell,
Krönen dich kommende Zeiten!

Rufe hinab in die Nacht,
Drinnen die drei sich verborgen:
Auf, ihr Begrabnen, erwacht!
Steigt an den goldenen Morgen!

Siehe, sie starben dir nicht,
Die dich dem Leben verbanden -
Und wie sie tauchen ans Licht,
Fühlst du dich selber erstanden.

Autor: Hanns von Gumppenberg

An den Osterhasen
Osterhas, Osterhas,
leg uns recht viel Eier ins Gras,
trag sie in die Hecken,
tu sie nicht verstecken,
leg uns lauter rechte,
leg uns keine schlechte,
lauter bunte, unten und oben,
dann wollen wir dich bis Pfingsten loben!

Autor: Viktor Blüthgen

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