Babbelbuh

Kategorie: Kindergedichte

Es lebt ein Tier im Walde hört,
von dem ich euch berichte,
ganz friedlich meist und ungestört,
nun ich erzähl euch die Geschichte.

Tief im Wald ja tief darinnen,
da lebte einst und lebt es noch,
nun wie soll ich es beginnen,
ein Tier das äußerst seltsam doch.

Mickrig ist es von Gestalt,
es hat 2 Augen leuchtend bunt.
mal ist ihm warm mal ist ihm kalt,
eine Nase lang und rund.

2 Beine die zu kurz geraten,
wie eine Kugel aber auch,
trägt es möchte ich verraten,
einen dicken runden Bauch.

Es ist kein Hase,und kein Reh,
kein Wildschwein und kein Specht,
was ist es dann o jemine,
weiß selbst, es gar auch nicht so recht.

Ich weiß nur das bei jedem Wetter,
es doch hier im Walde hüpft,
mit Ohren groß wie Palmen blätter,
bei regen auch mal unter schlüpft.

Einen Namen ja den hat's ,
es heißt nicht, wie Fink und Spatz,
nein auch nicht, wie ich und du,
denn es nennt sich babbelbuh.

Nun will nicht länger euch hier Quälen,
und euch von jenem nun erzählen,
gar lustig sieht nun dieser aus,
steckt er einmal die Zunge raus.

Und mit den Ohren wackelt er,
und zieht Grimassen wirklich sehr,
schlägt Purzelbäume außerdem,
und mach es sich auch mal bequem.

Ist mal voll Tatendrang mal gibt er Ruh,
so ist er halt der Babbelbuh.
Und wenn es Donnert und gewittert,
er vor angst auch einmal zittert.

Als wär er Ente könnt man meinen,
läuft er auf seinen kurzen Beinen.
Denn lustig ist es eben sehr,
läuft er im Walde hin und her.

Es ist ein Tier wie nie Gesehen,
kann sich auf einem Beine drehen,
und springt so hoch woran mags liegen,
gerade so als könnt er fliegen.

Auch rollt er mal wie Kugel rund,
doch meistens nur zur Abend stund,
Wenn sich die Sonne nicht mehr zeigt,
und sich der Tag dem ende neigt.

Und meist da ist er was erstaunt,
doch fröhlich und recht gut gelaunt,
wird es dunkel dann im tiefen Wald,
so legt er sich zur ruhe bald.

Da er schließlich doch zum Schluss,
noch ein wenig ruhen muss.

Autor: Hans Josef Rommerskirchen

Eine ausführliche Interpretation des Gedichts "Babbelbuh"

Das Gedicht "Babbelbuh" von Hans Josef Rommerskirchen entführt dich in eine verspielte und geheimnisvolle Waldwelt. Im Zentrum steht ein fiktives Wesen, das der Dichter mit liebevoller Neugier porträtiert. Die Interpretation zeigt, dass es sich weniger um die Beschreibung eines realen Tieres handelt, sondern vielmehr um die Feier von Fantasie und kindlicher Unvoreingenommenheit. Das Babbelbuh verkörpert eine reine, unverfälschte Lebensfreude. Seine widersprüchlichen Eigenschaften – mal voll Tatendrang, mal in Ruhe, mal ängstlich, meist gut gelaunt – machen es zu einem sympathischen und vielschichtigen Charakter. Die detaillierte Schilderung seiner Possen, wie das Grimassenschneiden oder das Rollen wie eine Kugel, unterstreicht einen tiefen Wunsch nach Unbeschwertheit und einem Leben im Einklang mit den natürlichen Rhythmen von Tag und Nacht. Das Gedicht endet nicht mit einer spektakulären Pointe, sondern mit der beruhigenden Gewissheit, dass sich das Wesen zur Ruhe legt – ein zyklisches, friedvolles Ende, das Geborgenheit vermittelt.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine durchweg warmherzige, heitere und leicht verträumte Stimmung. Durch den einfachen, erzählenden Ton und die rhythmischen Reime fühlst du dich wie an das Bett eines Kindes versetzt, dem eine Gutenachtgeschichte vorgelesen wird. Es schwingt eine sanfte Neugierde mit, die frei von Angst ist. Selbst wenn das Babbelbuh bei Gewitter zittert, wird dies nicht bedrohlich, sondern einfühlsam und nachvollziehbar dargestellt. Die dominierenden Gefühle sind Behaglichkeit, Freude am Absurden und eine gewisse Nostalgie nach einer unbekümmerten Welt, in der seltsame Wesen einfach existieren dürfen. Die Stimmung ist einladend und macht Lust, selbst im Wald nach dem Babbelbuh Ausschau zu halten.

Gesellschaftlicher oder historischer Kontext

Das Gedicht lässt sich keiner spezifischen literarischen Epoche wie Romantik oder Expressionismus direkt zuordnen. Es steht vielmehr in der langen Tradition der phantasievollen Nonsens- und Nacherzählliteratur, die es in vielen Kulturen gibt. Man könnte Bezüge zu kindlichen Schöpfungsmythen oder selbst erfundenen "Freunden" sehen. In einem weiteren Sinne spiegelt es ein zeitloses menschliches Bedürfnis: der oft rationalen und durchstrukturierten Welt durch die Erfindung verspielter, regelfreier Gegenfiguren etwas Magisches entgegenzusetzen. In einer leistungsorientierten Gesellschaft stellt das lustige, zweckfreie Babbelbuh eine angenehme Gegenwelt dar. Es thematisiert indirekt den Wert von Spiel, Fantasie und der Akzeptanz des Andersartigen.

Aktualitätsbezug - welche Bedeutung hat das Gedicht heute?

In unserer heutigen, häufig von Hektik und digitaler Reizüberflutung geprägten Zeit, gewinnt ein Gedicht wie "Babbelbuh" eine besondere Bedeutung. Es lädt zu einer mentalen Pause ein, zu einem kurzen Ausstieg in einen Ort der reinen, unkomplizierten Freude. Die Botschaft, dass es in Ordnung ist, mal "voll Tatendrang" und mal in völliger "Ruh" zu sein, ist ein wertvoller Gegenentwurf zum ständigen Optimierungsdruck. Das Wesen, das "kein Hase, und kein Reh" ist, erinnert uns daran, dass nicht alles kategorisierbar und benennbar sein muss – eine wichtige Lektion in einer Welt, die oft nach klaren Labels und Definitionen verlangt. Für Kinder ist es eine Einladung, die eigene Fantasie spielen zu lassen; für Erwachsene eine Erinnerung, sich diese Fähigkeit zu bewahren.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Das Gedicht ist vielseitig einsetzbar und passt perfekt zu verschiedenen Gelegenheiten, die von Leichtigkeit und Gemeinschaft geprägt sind.

  • Vorlesestunden mit Kindern: Ideal zum abendlichen Vorlesen, in der Kita oder Grundschule. Die lebendigen Bilder regen die Vorstellungskraft an.
  • Einstieg in kreative Projekte: Wunderbar geeignet, um im Kunst- oder Deutschunterricht das Malen oder Erfinden eigener Fantasiewesen anzuregen.
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsmomente: Die rhythmische Sprache und die friedvolle Waldatmosphäre können in stressigen Zeiten für eine kleine Auszeit genutzt werden.
  • Feste im Familienkreis: Ein unterhaltsamer Beitrag zu einer Geburtstagsfeier oder einem gemütlichen Beisammensein, der für Schmunzeln sorgt.
  • Wanderungen oder Naturerlebnisse: Passt thematisch wunderbar zu einem Ausflug in den Wald und kann die Wahrnehmung für das Spielerische in der Natur schärfen.

Sprachregister und Verständlichkeit

Die Sprache des Gedichts ist bewusst einfach, volksnah und direkt gehalten. Komplexe Syntax oder Fremdwörter suchst du hier vergebens. Der Dichter verwendet einen erzählenden, fast mündlichen Ton ("nun ich erzähl euch die Geschichte"), der eine große Nähe zum Leser schafft. Einige wenige, leicht altertümlich wirkende Wendungen wie "o jemine" oder "zur Abend stund" stören die Verständlichkeit nicht, sondern verleihen dem Text einen charmant-märchenhaften Klang. Die Reime sind eingängig, der Rhythmus gleichmäßig. Dadurch erschließt sich der Inhalt bereits für jüngere Kinder im Vorschulalter problemlos, während die hintergründige Botschaft auch älteren Lesern Freude bereitet. Es ist ein Gedicht, das generationenübergreifend funktioniert.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Du solltest von diesem Gedicht Abstand nehmen, wenn du nach tiefgründiger philosophischer Lyrik, gesellschaftskritischer Schärfe oder formaler Experimentierfreude suchst. Es eignet sich weniger für literaturwissenschaftliche Analysen, die auf komplexe Stilmittel oder historische Verortung abzielen. Menschen, die rein rationale oder sachliche Texte bevorzugen, könnten den Charme des verspielten Nonsens vielleicht nicht vollständig erfassen. Ebenso ist es für sehr ernste oder traurige Anlässe wie eine Trauerfeier naturgemäß unpassend. Sein Zuhause ist die Welt des Leichten, Heiteren und Fantastischen.

Abschließende Empfehlung: Wann genau sollte man dieses Gedicht wählen?

Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du ein Lächeln verschenken oder eine Atmosphäre ungezwungener Freude schaffen möchtest. Es ist die perfekte Wahl für den Moment, in dem du den Alltag hinter dir lassen und in eine Welt eintauchen willst, in der das Einzige, was zählt, ein dicker runder Bauch und die Lust am Purzelbaumschlagen ist. Nutze es als Türöffner zur Fantasie bei Kindern, als erfrischendes literarisches Bonbon in einer anspruchsvollen Leseliste oder einfach als persönliche Erinnerung daran, dass auch in dir ein verspieltes "Babbelbuh" lebt, das hin und wieder herausgelassen werden möchte. Es ist weniger ein Gedicht für den intellektuellen Diskurs, sondern vielmehr ein Gedicht fürs Herz und für die kindliche Seele in jedem von uns.

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