Du mein Kind
Kategorie: Kindergedichte
Du mein Kind hör mir mal zu,
Autor: Hans Josef Rommerskirchen
wir beide du und ich,und ich und du.
Ob wir uns beide nah ob fern,
du bist für mich der hellste Stern,
möge es zwischen uns im Leben,
niemals böse Worte geben.
Du bist mein licht in Dunkelheit,
denn du bist mein Sonnenschein,
heute und für alle zeit,
und so wird es immer sein.
Stets offen steht dir meine Tür,
das ich Dich habe!
Ich danke Gott dafür.
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Gesellschaftlicher oder historischer Kontext
- Aktualitätsbezug - Bedeutung heute
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht?
- Sprachregister und Verständlichkeit
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Abschließende Empfehlung
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Du mein Kind" von Hans Josef Rommerskirchen ist ein zutiefst persönliches und emotionales Bekenntnis einer liebenden Bezugsperson, vermutlich eines Elternteils, an ein Kind. Die zentrale Aussage kreist um bedingungslose Liebe, beständige Verbundenheit und den Wunsch nach einem harmonischen Miteinander. Gleich zu Beginn wird mit der direkten Ansprache "Du mein Kind hör mir mal zu" eine intime, vertraute Gesprächssituation geschaffen. Die Wiederholung "wir beide du und ich,und ich und du" betont die Exklusivität und Gegenseitigkeit dieser besonderen Zweierbeziehung.
Die verwendeten Metaphern sind klar und universell verständlich: Das Kind wird als "hellster Stern" und "Sonneschein" bezeichnet. Diese Bilder veranschaulichen, dass das Kind Orientierung, Licht und Wärme in das Leben des Sprechenden bringt, besonders in Zeiten der "Dunkelheit". Der Wunsch, es mögen "niemals böse Worte" zwischen ihnen geben, zeigt ein Bewusstsein für die Verletzlichkeit zwischenmenschlicher Bindungen und den aktiven Wunsch, diese zu schützen. Die "stets offen stehende Tür" symbolisiert eine uneingeschränkte, jederzeit verfügbare Heimat und Geborgenheit. Der abschließende Dank an Gott verleiht der gesamten Zuneigung eine fast sakrale, gesegnete Note und unterstreicht die Dankbarkeit für diese Beziehung.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine durchweg warme, gefühlvolle und zuversichtliche Stimmung. Es strahlt innere Ruhe, Sicherheit und tiefe Zufriedenheit aus. Die gewählten Bilder von Sternenlicht und Sonnenschein vermitteln Hoffnung und Freude. Der Ton ist nicht schwermütig oder nostalgisch, sondern gegenwartsbezogen ("heute") und mit einem optimistischen Blick in die Zukunft ("für alle Zeit", "so wird es immer sein"). Es ist die Stimmung uneingeschränkten Angenommenseins und der Gewissheit, einen sicheren Hafen im anderen zu haben. Beim Lesen oder Hören entsteht ein Gefühl des Getragenseins und der bedingungslosen Wertschätzung.
Gesellschaftlicher oder historischer Kontext
Das Gedicht lässt sich keiner spezifischen literarischen Epoche wie der Romantik zuordnen, obwohl es deren Fokus auf Gefühl und Innerlichkeit teilt. Sein Stil ist zeitlos und volksnah. Es spiegelt ein klassisches, generationsübergreifendes Wertemuster wider: die Heiligkeit der Eltern-Kind-Bindung. In einer schnelllebigen Zeit, in der familiäre Strukturen sich wandeln, hält das Gedicht an der Idee der unverbrüchlichen, emotionalen Heimat innerhalb der Familie fest. Es thematisiert keine politischen oder sozialen Konflikte, sondern konzentriert sich ganz auf den privaten, intimen Mikrokosmos einer liebevollen Beziehung. In dieser Fokussierung auf emotionale Sicherheit und Beständigkeit kann man auch einen impliziten Kontrast zu einer als unsicher oder hektisch empfundenen modernen Welt sehen.
Aktualitätsbezug - Bedeutung heute
In der heutigen Zeit, die oft von Unsicherheit, digitaler Distanz und komplexen Beziehungsmustern geprägt ist, hat dieses Gedicht eine besondere, berührende Aktualität. Es erinnert an die elementare menschliche Sehnsucht nach verlässlicher Bindung und bedingungslosem Rückhalt. Die Zeile "Stets offen steht dir meine Tür" gewinnt in einer mobilen Gesellschaft, in der Familien oft räumlich getrennt leben, eine tiefe Bedeutung. Die Botschaft ist universell übertragbar: Sie gilt nicht nur für Eltern und Kinder, sondern für jede tiefe Liebesbeziehung oder enge Freundschaft, in der man dem anderen "Licht in der Dunkelheit" sein möchte. Es ist ein poetisches Plädoyer für Wertschätzung, einfache Wahrheiten und die Pflege unserer wichtigsten menschlichen Verbindungen.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Als liebevolle Widmung in einem Geschenkbuch zur Geburt, Taufe oder Adoption eines Kindes.
- Als persönlicher Text in einer Glückwunschkarte zum Geburtstag des Kindes (egal ob jung oder erwachsen).
- Als tröstende oder bestärkende Worte in einer schwierigen Phase, um Verbundenheit zu signalisieren.
- Als einfühlsamer Beitrag zu einem Familienfest oder einer runden Geburtstagsfeier.
- Als Inschrift oder Rahmen für ein gemeinsames Foto von Eltern und Kind.
- Als poetisches Element in einer Rede anlässlich einer Hochzeit, wo man dem eigenen Kind dankt.
Sprachregister und Verständlichkeit
Die Sprache des Gedichts ist bewusst einfach, klar und direkt gehalten. Sie verzichtet vollständig auf Archaismen, Fremdwörter oder komplexe syntaktische Strukturen. Der Satzbau ist parataktisch (Aneinanderreihung von Hauptsätzen) und damit leicht nachvollziehbar. Der Reim ist eingängig, das Metrum natürlich sprechbar. Diese Schlichtheit ist keine Schwäche, sondern die eigentliche Stärke des Gedichts, denn sie macht seinen emotionalen Kern für Leser und Hörer jeden Alters sofort zugänglich. Ein Grundschulkind versteht die Kernbotschaft der Liebe, ein Erwachsener erkennt die tiefere Schicht der lebenslangen Verpflichtung und Dankbarkeit. Es ist ein Gedicht, das vom Herzen kommt und direkt zum Herzen spricht.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für Leser, die explizit nach intellektuell herausfordernder, sprachlich experimenteller oder gesellschaftskritischer Lyrik suchen. Wer eine distanzierte, ironische oder mehrdeutige Herangehensweise an das Thema Familie und Liebe bevorzugt, wird hier nicht fündig. Ebenso ist es für sehr formelle oder offizielle Anlässe, die eine neutrale Sprache erfordern, weniger passend. Sein unverhohlener Emotionalismus und sein fast schon inniger Ton könnten auf Menschen, die mit solch offenen Gefühlsbekundungen wenig anfangen können, vielleicht befremdlich wirken.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du echte, unverfälschte Emotionen ausdrücken möchtest, für die Alltagssprache oft zu banal erscheint. Es ist die perfekte poetische Form, um einem Kind – egal ob klein oder schon erwachsen – zu sagen: "Du bist mein Zentrum, mein Licht und meine Freude. Meine Liebe zu dir ist bedingungslos und mein Zuhause immer für dich da." Nutze es in Momenten, in denen du Dankbarkeit für diese besondere Beziehung zeigen willst, oder um in stürmischen Zeiten ein stilles, aber kraftvolles Versprechen der Beständigkeit zu geben. Es ist ein Gedicht, das nicht analysiert, sondern gefühlt werden will und eine Brücke der Zuneigung baut, die ein Leben lang hält.
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