Deutsche Volkshymne
Kategorie: Gedichte zum Nachdenken
Autor: Bernhard Hermann Efinger
In Gerechtigkeit und Freiheit
wollen wir den Frieden wahren.
Mit Besonnenheit und Weisheit
trotzen wir all den Gefahren.
Stete Forschung und die Lehre
sind des Volkes Unterpfand.
I:Wir dienen mit Stolz zur Ehre
unserm deutschen Vaterland:I
Über uns des Adlers Schwingen,
schützen sie das deutsche Land.
Soll das Tagewerk gelingen,
liegt es in des Schöpfers Hand.
Auf den Grabstein unsrer Toten
legen wir den Ehrensold.
I:In der Brust der Patrioten
schlug das Herz für schwarzrotgold:I
- Biografischer Kontext
- Interpretation des Gedichts
- Stimmung des Gedichts
- Gesellschaftlicher und historischer Kontext
- Aktualitätsbezug und moderne Bedeutung
- Geeignete Anlässe
- Sprachregister und Verständlichkeit
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Abschließende Empfehlung
Biografischer Kontext
Bernhard Hermann Efinger ist kein Autor, der in den großen Literaturgeschichten verzeichnet ist. Seine "Deutsche Volkshymne" scheint das Werk eines lokal oder regional bekannten Verfassers zu sein, der sich mit patriotischer Lyrik beschäftigte. Ohne umfangreiche biografische Quellen liegt der Fokus weniger auf der Person, sondern vielmehr auf dem Text selbst und seiner Einordnung in die Tradition nationaler Gedichte.
Interpretation des Gedichts
Das Gedicht entwirft ein idealisiertes Bild einer nationalen Gemeinschaft, die auf bestimmten Grundwerten aufbaut. Die erste Strophe benennt diese Werte explizit: Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden, Besonnenheit und Weisheit. Diese Tugenden werden als aktives Handlungsprogramm dargestellt ("wollen wir", "trotzen wir"). Forschung und Lehre erscheinen als Garanten für die Zukunft des Volkes. Der wiederkehrende Kehrvers, der hier durch "I:" gekennzeichnet ist, mündet im Bekenntnis zum "deutschen Vaterland", das "mit Stolz" gedient wird.
Die zweite Strophe erweitert dieses Bild um religiöse und historische Dimensionen. Der Adler als Wappentier bietet Schutz, während der Erfolg der täglichen Arbeit ("Tagewerk") in "des Schöpfers Hand" gelegt wird. Dies verbindet nationales Streben mit einer christlichen Grundhaltung. Die Zeile "Auf den Grabstein unsrer Toten legen wir den Ehrensold" ist eine metaphorische Verpflichtung, das Gedenken an die Gefallenen in Ehren zu halten. Der abschließende Kehrvers verknüpft das patriotische Gefühl unmittelbar mit den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold, die im "Herzen" der Patrioten schlagen.
Stimmung des Gedichts
Die Stimmung ist durchweg feierlich, entschlossen und optimistisch. Es herrscht ein Ton der Einigkeit und des gemeinsamen Wollens vor, der durch die häufige Verwendung des Wortes "wir" noch verstärkt wird. Das Gedicht strahlt Sicherheit und Vertrauen aus – sowohl in die eigene Stärke und Weisheit der Gemeinschaft als auch in göttlichen Beistand. Es ist weniger kämpferisch-aggressiv als vielmehr selbstbewusst und beschwörend, mit einem feierlichen Pathos, das an eine Hymne erinnert.
Gesellschaftlicher und historischer Kontext
Das Gedicht spiegelt ein traditionelles, wertekonservatives und nationales Weltbild wider, wie es vor allem im bürgerlichen Milieu des 19. und 20. Jahrhunderts verbreitet war. Die Betonung von "Forschung und Lehre" als "Unterpfand" verweist auf den Glauben an Fortschritt und Bildung. Die Nennung von "Schwarzrotgold" bindet es eindeutig an die deutsche Nationalbewegung und die Farben der Weimarer Republik sowie der heutigen Bundesrepublik. Formal und inhaltlich steht es in der Nachfolge von Nationalhymnen und vaterländischer Lyrik, ohne einer spezifischen literarischen Epoche wie der Romantik zuzuordnen zu sein. Es ist eher ein zeitloses Bekenntnisgedicht.
Aktualitätsbezug und moderne Bedeutung
Heute kann das Gedicht ambivalent wirken. Einerseits benennt es universelle Werte wie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, die nach wie vor hohe Relevanz besitzen. Der Appell zu Besonnenheit und der Wert von Wissenschaft ("Forschung und Lehre") sind in modernen Debatten aktueller denn je. Andererseits steht der ungebrochene, emotional aufgeladene Nationalpatriotismus im Kontrast zu einem heutigen, oft kritischeren und europäisch geprägten Verständnis von Vaterlandsliebe. Die moderne Übertragung läge darin, die genannten Tugenden nicht exklusiv für eine Nation, sondern als Grundlage für eine verantwortungsvolle Gesellschaft insgesamt zu begreifen.
Geeignete Anlässe
Das Gedicht eignet sich besonders für feierliche Anlässe mit nationalem Bezug. Dazu zählen:
- Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Einheit
- Gedenkfeiern mit patriotischem Charakter
- Vorträge oder Seminare zur Geschichte nationaler Symbole und Lyrik
- Als Untersuchungsobjekt im Deutschunterricht zum Thema "Patriotismus in der Literatur"
Sprachregister und Verständlichkeit
Die Sprache ist gehoben und formal, aber nicht übermäßig komplex. Einige Begriffe wie "Unterpfand" (Garantie) oder "Tagewerk" (Tagesarbeit) wirken heute etwas veraltet, aber der Sinn erschließt sich aus dem Kontext. Die Syntax ist klar und hymnisch, mit parallelen Satzstrukturen. Der Inhalt ist für Jugendliche und Erwachsene ab etwa 14 Jahren gut verständlich, vorausgesetzt, der historische Rahmen wird kurz erläutert. Für jüngere Kinder ist die abstrakte Werteebene und der patriotische Begriff "Vaterland" möglicherweise schwerer zugänglich.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Dieses Gedicht ist weniger geeignet für Menschen, die einen kritischen oder distanzierten Blick auf nationale Symbolik und unreflektierten Patriotismus haben. Es passt nicht zu internationalen oder europäisch ausgerichteten Feiern. Aufgrund seines feierlich-ernsten Tons eignet es sich auch nicht für lockere, private Feste wie Geburtstage oder Hochzeiten, es sei denn, sie stehen explizit unter einem entsprechenden Motto. Wer nach lyrischer Individualität, persönlicher Emotion oder poetischer Experimentierfreude sucht, wird hier nicht fündig.
Abschließende Empfehlung
Du solltest dieses Gedicht wählen, wenn du Material für eine feierliche Veranstaltung mit deutschlandbezogenem, patriotischem Hintergrund suchst. Es ist ideal, um ein traditionelles, wertebasiertes Nationalbewusstsein literarisch zu untermalen. Verwende es im Unterricht, um über die Darstellung von Nation in der Lyrik zu diskutieren, oder auf einer Gedenkfeier, die den Zusammenhalt und die gemeinsamen Ideale in den Vordergrund stellt. Als reines Unterhaltungsgedicht für den privaten Rahmen ist es dagegen aufgrund seines spezifischen Pathos nur bedingt geeignet.
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