Sommergedichte

Viele Menschen lieben den Sommer, weil sie gern – in Maßen – Sonne tanken: Das ist einfach gut fürs Gemüt. Abkühlung verschafft ein Sprung ins Wasser eines Sees oder Freibads. Forschen Sie im World Wide Web gerade nach einem Sommergedicht? Möchten Sie es zusammen mit einem tollen Foto in einem sozialen Netzwerk posten? Sommergedichte können einen auf die wärmste Phase des Jahres einstimmen. So gibt es welche, in denen die Atmosphäre eines Sommerurlaubs beschrieben wird. Oder eine beliebte sommerliche Beschäftigung ist der Dreh- und Angelpunkt des Gedichts: das Eisessen. Sommergedichte thematisieren darüber hinaus laue Nächte, was durchaus eine sinnlich-erotische Note haben kann. Manchmal wird das Leben in der Stadt thematisiert: Im Sommer fliehen zahlreiche Stadtbewohner aufs Land, weil ihnen die urbane Hitze zu schaffen macht. Dann sind es vor allem Touristen, die während der Sommermonate das Stadtleben genießen (können). Und welche Sommergedichte gefallen Ihnen?

Sommer
Schon hast du über Wiesen, Wald und Hügel
Den höchsten Reiz der Schönheit ausgegossen,
Des Blütenreichthums Schätze sind erschlossen
Und Phöbus weilt mit angehaltnem Zügel.

Das tiefste Blau versinkt im Wellenspiegel,
Darunter blinzeln silberhelle Flossen,
Kein Lufthauch wehrt den glühenden Geschossen
Es schwirrt die Biene nur mit trägem Flügel.

So liebevoll und rastlos im Verschwenden,
Gebiert Natur und zeitigt ihre Kinder,
Bis sie den Gipfel ihres Seins vollenden.

O daß doch sie, die uns'res Wirkens Meister,
Uns achteten für minder freche Sünder,
Und ließen frei die kerkermüden Geister!

Autor: Ferdinand Sauter

Der Sommer
Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert
Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel
In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,
Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.

Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,
Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,
Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben
Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.

Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,
Der Mensch verwundert sich, daß sein Bemühn gelinget,
Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,
Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.

Autor: Friedrich Hölderlin

Im Sommer
Das ist mir noch geblieben
Aus meiner Kinderzeit:
Die Falterwelt zu lieben
Der Bergeseinsamkeit;

Die Falter, die da fliegen,
Wenn heiß der Mittag glüht,
Die auf dem Kelch sich wiegen,
Der würzig aufgeblüht.

Wie hold, sie zu belauschen
In ihrem Sommertraum,
Wenn sie die Grüße tauschen
Am sonn'gen Waldessaum;

Wenn sie am Quellenrande
Versammelt sind zum Tanz,
Und wenn im Gartensande
Aufblitzt ihr Schillerglanz.

Erinnerungen schweben
Vorbei im Blumenduft,
Begleiten und umgeben
Die Falter in der Luft!

Autor: Josephine von Knorr

Der Sommer
Brüder! lobt die Sommerszeit!
Ja, dich, Sommer, will ich loben!
Wer nur deine Munterkeit,
Deine bunte Pracht erhoben,
Dem ist wahrlich, dem ist nur,
Nur dein halbes Lob gelungen,
Hätt er auch, wie Brocks, gesungen,
Brocks, der Liebling der Natur.

Hör ein größer Lob von mir,
Sommer! ohne stolz zu werden.
Brennst du mich, so dank ichs dir,
Daß ich bei des Strahls Beschwerden,
Bei der durstgen Mattigkeit,
Lechzend nach dem Weine frage,
Und gekühlt den Brüdern sage:
Brüder! lobt die durstge Zeit!L.

Autor: Gotthold Ephraim Lessing

Sommer
Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand ...

Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Aehren?
Es geht der Sommer über's Land ...

Autor: Thekla Lingen

Sommer
Ihr singt von schönen Frühlingstagen,
Von Blütenduft und Sonnenschein,
Ich will nichts nach dem Frühling fragen,
Nein Sommer, Sommer muss es sein.

Wo alles drängt und sich bereitet
Auf einen goldnen Erntetag,
Wo jede Frucht sich schwellt und weitet
Und schenkt, was Süßes in ihr lag.

Auch ich bin eine herbe, harte,
Bin eine Frucht, die langsam reift.
O Glut des Sommers, komm! Ich warte,
Dass mich dein heißer Atem streift.

Autor: Gustav Falke

Später Sommer
Das ist des Sommers letztes Dankgebet:
Noch ist die Luft erfüllt von schwülen Träumen,
Doch wo der Wald im Mittagsbrande steht,
Will schon ein leises Rot die Wipfel säumen.

Ein Silberwölkchen gleitet über Land
Und taucht beseligt in die Sonnensphäre –
Wir aber geben uns die müde Hand
Und sind bedrückt von Not und Erdenschwere.

Autor: Ernst Goll

Der Sommer
Der Sonne flammendes Gefieder
Besucht mit seiner Gluth die Flur;
Vom kühlern Hain' ertönen Lieder
Zum Preis der herrlichen Natur.

Und auf den bunten Blumenkronen
Wiegt schaukelnd sich der Schmetterling,
Und arbeitslust'ge Bienen thronen
In ihrem düftereichen Ring.

Schon kommt auf's Feld herangezogen
Der Schnitter und die Schnitterin,
Und des Getreides gold'ne Wogen,
Die strecket ihre Sichel hin.

Bei frohgemuthen Liedern schallen
Die Sorgen wie ein irrer Traum,
Die schwerbeladen Wagen wallen
Hin nach der Scheune luft'gen Raum.

So wird des Jünglings edles Streben,
Das er den Wissenschaften weiht,
Auch einen süßen Lohn erleben,
Beirrt von keinem Drang der Zeit.

Autor: Alois Leopold Altmann

Im Sommer
Im Garten blühn die Rosen
In wundervoller Pracht,
Die linden Lüfte kosen
Mit ihren Blättern sacht.

In ihren Kelch geschmieget
Der bunte Falter ruht,
Die fleiß'ge Biene flieget
Dahin mit süßem Gut.

Von Blumenduft durchsogen
Sind Wiese, Flur und Feld,
Des Kornes Aehren wogen,
Von Segen reich geschwellt.

Es schmettert ihre Lieder
Die Lerche aus den Höh'n
Zur blühenden Erde nieder.
O Welt, wie bist du schön!

Es freut im Glanz der Sonne
Sich jede Kreatur.
Rings atmet sel'ge Wonne
Die lächelnde Natur.

Nun, Menschenherz, werd' munter,
Jauchz' auf zum Himmelsdom!
Nun, Menschenleid, geh' unter
Im heil'gen Freudenstrom!

Autor: Stine Andresen

Sommer
Sommertag! Mit üppigem Prangen
Glüht das Leben, wohin ihr schaut;
Himmel und Erde in trautem Umfangen,
Strahlen wie Bräutigam und Braut.

Wo der Lenz mit holder Verschwendung
Keime tausendfach ausgestreut,
Wächst empor zu schöner Vollendung,
Was die Erde an Süßem beut.

Aus des Laubwerks grünender Hülle,
Drin das Vöglein ein Heim errang,
Klingt hervor mit schmetternder Fülle
Hell frohlockender Jubelgesang.

Zwischen dem Gold der reifenden Ähren
Schimmern farbig Cyanen und Mohn; -
Schwellende Lippen lächeln Gewähren,
Werbender Liebe ward Treue zum Lohn.

Und im freudigen Überschäumen
Schaut befriedigt das Herz zurück,
Dem aus duftigen Lenzesträumen
Aufgeblüht ein gefestigt Glück.

Der du köstlich erfüllt nun zeigest,
Was die Seele sich wünschen mag,
Weile lang, bevor du dich neigest,
Schöner, herrlicher Sommertag!

Autor: Otto Baisch

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