Gute Nacht
Kategorie: Gute Nacht Gedichte
Im Feindesland, um Mitternacht,
Autor: Friedrich Brunold
Ging ein Soldat einsam auf Wacht.
Am Himmel klar ein Sternlein stand,
Recht wie ein Gruß vom Heimathland.
Die Liebste wohl am Fenster steht,
Die Händ' gefaltet zum Gebet.
Sie denket des Geliebten heiß,
Den sie im Kampf, im Streite weiß.
„Schlaf' ruhig, Du Soldatenbraut,
Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut.
Gerecht ist ja der Kampf, der Krieg,
So wird auch fehlen nicht der Sieg.
„Fall' ich, die wüchse in der Hand,
Sterb' ich den Tod für's Vaterland.
Schlaf' ruhig, steh' in Gotteshut,
Er schützt ein treu Soldatenblut."
Das Sternlein grüßt noch einmal her,
Dann Stille rings, dann Nacht umher.
Einsam steht der Soldat auf Wacht,
Zwei Herzen rufen: Gute Nacht!
- Biografischer Kontext
- Interpretation des Gedichts
- Stimmung des Gedichts
- Gesellschaftlicher und historischer Kontext
- Aktualitätsbezug und moderne Übertragung
- Geeignete Anlässe für das Gedicht
- Sprachregister und Verständlichkeit
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Abschließende Empfehlung
Biografischer Kontext
Friedrich Brunold, eigentlich Friedrich Brunold Tschirsch, war ein deutscher Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Geboren 1823 und gestorben 1894, ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten und wird nicht zu den kanonischen, literaturgeschichtlich bedeutenden Autoren gezählt. Sein Werk, zu dem auch dieses Gedicht gehört, steht exemplarisch für eine populäre, gefühlsbetonte und oft patriotische Lyrik, die im Bürgertum des späten 19. Jahrhunderts großen Anklang fand. Die Tatsache, dass er heute kaum bekannt ist, macht die Entdeckung seines Gedichts "Gute Nacht" auf einer fundierten Gedichteseite zu einem besonderen Fundstück für literarisch Interessierte.
Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Gute Nacht" erzählt eine einfache, aber emotional aufgeladene Szene: Ein einsamer Soldat auf Nachtwacht im "Feindesland" wird durch einen Stern an seine Heimat und seine dort wartende Geliebte erinnert. Der Aufbau folgt einem klassischen Wechselspiel zwischen beiden Figuren, obwohl sie räumlich getrennt sind. Die ersten beiden Strophen beschreiben die Situation aus einer erzählenden Perspektive und etablieren die Verbindung zwischen den Liebenden durch den Stern als Symbol.
Die dritte und vierte Strophe sind dann als direkte, innere Rede des Soldaten an seine "Soldatenbraut" gestaltet. Hier offenbart sich die ideologische Kernaussage des Gedichts. Der Soldat rechtfertigt den Krieg als "gerecht" und prophezeit den Sieg durch Gottvertrauen. Sein möglicher Tod wird als heldenhaftes Opfer "für's Vaterland" verklärt. Die abschließende Strophe führt beide Stränge zusammen: Die äußere Stille der Nacht kontrastiert mit dem inneren Ruf der beiden Herzen, die sich "Gute Nacht" zurufen. Dieses Ende betont weniger den Patriotismus als vielmehr die universelle menschliche Sehnsucht nach Verbundenheit und Geborgenheit in einer bedrohlichen Situation.
Stimmung des Gedichts
"Gute Nacht" erzeugt eine sehr ambivalente Stimmung. Auf der einen Seite steht ein starkes Gefühl der Melancholie, Einsamkeit und Wehmut. Die Bilder der nächtlichen Wache, der räumlichen Trennung und der in Gedanken vereinten Liebenden sind zutiefst romantisch und rührend. Die Stimmung ist getragen von Sehnsucht und einem untergründigen Bedrohungsgefühl. Gleichzeitig wirkt das Gedicht durch die pathetische Rechtfertigung des Krieges und die betonte Opferbereitschaft auch heroisierend und verklärend. Diese Mischung aus zartem Liebesgefühl und martialischem Pflichtpathos ist charakteristisch für seine Entstehungszeit.
Gesellschaftlicher und historischer Kontext
Das Gedicht spiegelt eindeutig das nationale und patriotische Denken im Deutschland des 19. Jahrhunderts wider, insbesondere nach den Einigungskriegen (1864-1871). Die Verherrlichung des Soldatentods "für's Vaterland" war ein weit verbreitetes Motiv in der Literatur dieser Epoche. Es gehört damit nicht zur literarischen Hochkultur der Romantik oder des Expressionismus, sondern zur trivialen oder populären Lyrik, die bürgerliche Werte und staatstragende Gesinnung transportierte. Der starke religiöse Bezug ("Wer Gott vertraut", "in Gotteshut") unterstreicht die enge Verbindung von Thron und Altar im Kaiserreich. Das Gedicht ist somit ein zeitgeschichtliches Dokument, das Einblick in die vorherrschenden mentalitätsgeschichtlichen Strömungen seiner Zeit gibt.
Aktualitätsbezug und moderne Übertragung
Die aktuelle Bedeutung des Gedichts liegt heute weniger in seiner patriotischen Botschaft, die aus moderner, kritischer Perspektive problematisch erscheint. Sein bleibender Wert und seine Übertragbarkeit finden sich im universellen menschlichen Kern: der Erfahrung von Trennung, der Sorge um einen geliebten Menschen in Gefahr und dem Versuch, über große Distanzen hinweg emotionale Verbindung zu halten. Jeder, der schon einmal einen Menschen vermisst hat oder um jemanden in einer schwierigen Situation bangte, kann die Grundstimmung nachvollziehen. In dieser Hinsicht lässt sich das Gedicht auf moderne Lebenssituationen übertragen, etwa auf Partnerschaften in Zeiten beruflicher Fernbeziehungen oder auf die Sorge um Angehörige im Auslandseinsatz oder in Krisengebieten – natürlich ohne die kriegsverherrlichende Komponente zu übernehmen.
Geeignete Anlässe für das Gedicht
Aufgrund seiner thematischen Ausrichtung eignet sich das Gedicht besonders für eine reflektierende Betrachtung in bestimmten Kontexten. Es kann im Geschichtsunterricht als Beispiel für nationalistische Mentalität im 19. Jahrhundert dienen. In der Literaturanalyse bietet es sich an, um Stilmittel, Aufbau und die Vermischung von privatem Gefühl und politischer Ideologie zu untersuchen. Für private Anlässe ist es aufgrund seiner düsteren Thematik und veralteten Weltanschauung nur sehr bedingt geeignet. Allenfalls könnte man es in einem sehr speziellen, themenbezogenen Lyrikvortrag über "Krieg und Liebe in der Lyrik" verwenden.
Sprachregister und Verständlichkeit
Die Sprache des Gedichts ist für heutige Leser leicht verständlich, weist aber einige altertümliche Wendungen auf (z.B. "Heimathland", "denket ... heiß", "wüchse in der Hand"). Der Satzbau ist einfach und regelmäßig, die Reime sind paarweise angeordnet und einprägsam. Dies macht den Inhalt auch für jüngere Lesergruppen ab der Mittelstufe grundsätzlich erschließbar. Die größere Herausforderung liegt nicht in der Sprache, sondern im inhaltlichen Verständnis des historischen und ideologischen Hintergrunds. Ohne eine entsprechende Einordnung kann die Botschaft des Gedichts leicht missverstanden oder unkritisch übernommen werden.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Von einer unkommentierten Verwendung dieses Gedichts ist in bestimmten Situationen abzuraten. Es eignet sich weniger als einfaches Liebesgedicht für einen romantischen Anlass, da die Themen Krieg und Tod im Vordergrund stehen. Menschen, die selbst traumatische Erfahrungen mit Krieg oder militärischen Konflikten gemacht haben, könnten durch die verklärende Darstellung verletzt werden. Auch für eine unreflektierte, rein patriotische Feierstunde ist es aufgrund seiner ambivalenten Botschaft und seiner historischen Einordnung problematisch. Sein Wert liegt in der analytischen und historischen Betrachtung, nicht in der unkritischen Identifikation.
Abschließende Empfehlung
Du solltest dieses Gedicht wählen, wenn du ein literarisches Beispiel aus dem 19. Jahrhundert suchst, das die damalige Verquickung von privater Emotion, Religion und Nationalismus eindrücklich zeigt. Es ist perfekt für eine tiefgehende Analyse im Unterricht oder im Literaturkreis, wo du seinen Aufbau, seine Symbolik und seine zeitbedingte Botschaft diskutieren kannst. Wähle es als historisches Dokument, nicht als zeitlosen Liebesgruß. Auf unserer Seite findest du diese notwendige Einordnung und Interpretation, die es dir ermöglicht, "Gute Nacht" in seiner ganzen Komplexität zu verstehen – als berührendes Zeugnis menschlicher Sehnsucht und als Produkt einer vergangenen, ideologisch geprägten Epoche. Das macht unsere Präsentation des Gedichts zu einer einzigartigen und wertvollen Quelle.
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