Gute Nacht
Kategorie: Gute Nacht Gedichte
Im tiefsten Innern
Autor: Betty Paoli
Ein süß Erinnern
Und einen Gruß
Zum Tagesschluß.
Daß Gottes Güte
Mein Glück behüte,
Daß seine Treu'
Stets mit dir sei;
Daß deine Seele
Sich mir vermähle
Auf ewiglich:
Das bete ich.
Auf ihn nur zähl' ich,
Uns beid' empfehl' ich
Fromm seiner Macht -
Nun, gute Nacht!
- Biografischer Kontext
- Interpretation
- Stimmung
- Gesellschaftlicher oder historischer Kontext
- Aktualitätsbezug
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Sprachregister und Verständlichkeit
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Abschließende Empfehlung
Biografischer Kontext
Betty Paoli, mit bürgerlichem Namen Barbara Elisabeth Glück, war eine bedeutende österreichische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts. Geboren 1814, führte sie ein bewegtes Leben, das von finanziellen Nöten und dem Kampf um gesellschaftliche Anerkennung als freie Autorin geprägt war. Sie war als Lyrikerin, Journalistin und Rezitatorin tätig und pflegte Kontakte zu wichtigen literarischen Persönlichkeiten ihrer Zeit. Ihr Werk ist oft von persönlicher Tiefe, melancholischer Reflexion und einem starken Gefühlsausdruck charakterisiert. Das Gedicht "Gute Nacht" spiegelt die für Paoli typische Verbindung von innigem persönlichem Empfinden mit einem frommen, vertrauensvollen Grundton wider.
Interpretation
Das Gedicht "Gute Nacht" ist mehr als ein einfacher Abendgruß. Es entfaltet sich als ein dreiteiliges inniges Gebet. Die erste Strophe setzt im "tiefsten Innern" an, einem Ort der Intimität und Wahrhaftigkeit. Von dort aus sendet das lyrische Ich ein "süß Erinnern" und einen Gruß – eine Verbindung von Vergangenem ("Erinnern") und Gegenwärtigem ("Gruß") zum Abschluss des Tages.
Der zweite und dritte Teil formuliert dann die eigentlichen Wünsche, die an Gott gerichtet sind. Zunächst bittet das Ich um göttlichen Schutz für das eigene Glück und um Gottes beständige Treue für den geliebten Menschen ("dir"). Die Bitte steigert sich in der dritten Strophe zu einem tiefen seelischen Wunsch: die ewige Vermählung der Seelen. Dies ist weniger im konkreten, weltlichen Sinn zu verstehen, sondern als Sehnsucht nach einer unauflöslichen, geistigen Verbindung.
Die letzte Strophe bringt dieses Vertrauen auf den Punkt: "Auf ihn nur zähl' ich". In frommer Hingabe werden beide Personen der göttlichen Macht anempfohlen, bevor der irdische, zärtliche Abschied "Nun, gute Nacht!" folgt. Das Gedicht verbindet so das Private mit dem Transzendenten und macht die Nachtruhe zu einem Akt des Glaubens und der Hingabe.
Stimmung
Das Gedicht erzeugt eine außerordentlich sanfte, innige und friedvolle Stimmung. Es ist getragen von tiefer Zuneigung, einem Gefühl des Geborgenseins in einer höheren Macht und der Sehnsucht nach ewiger Verbundenheit. Leise Melancholie schwingt im "süßen Erinnern" mit, wird aber von einem starken, tröstenden Vertrauen überwölbt. Die Atmosphäre ist nicht aufgewühlt oder leidenschaftlich, sondern besinnlich, fromm und zuversichtlich. Es ist die Stimmung eines ruhigen Herzens am Ende eines Tages, das sich und seinen Nächsten sicher aufgehoben weiß.
Gesellschaftlicher oder historischer Kontext
Das Gedicht ist klar in der Gedankenwelt des Biedermeier und der späten Romantik verankert. Diese Epochen betonten das Private, das Häusliche, die Innigkeit und die Religiosität als Rückzugsorte vor den politischen Umwälzungen und der zunehmenden Verstädterung. Die "Vermählung der Seelen" reflektiert das romantische Ideal einer seelischen Liebe, die über das Körperliche hinausgeht. Der starke Gottesbezug und das Motiv der frommen Empfehlung sind typisch für eine Zeit, in der der Glaube noch ein zentraler Orientierungspunkt des Alltags war. Paolis Werk steht damit exemplarisch für die bürgerliche Lyrik des 19. Jahrhunderts, die Gefühl, Moral und Religion miteinander verband.
Aktualitätsbezug
Die zeitlose Sehnsucht nach Geborgenheit, treuer Verbundenheit und einem Moment des Innehaltens macht das Gedicht auch heute noch höchst relevant. In unserer hektischen, oft unsicheren Welt spricht die tiefe Sehnsucht nach spiritueller oder emotionaler Verankerung viele Menschen an. Der Wunsch, einen geliebten Menschen nicht nur physisch, sondern auf der Ebene der Seele zu verbinden, ist ein modernes Beziehungsideal geblieben. "Gute Nacht" kann als Einladung verstanden werden, den Tag bewusst mit einem Moment der Dankbarkeit, der liebevollen Erinnerung und der positiven Intention für den Partner abzuschließen – eine Praxis, die auch für moderne Paare wertvoll ist.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Das Gedicht eignet sich perfekt für sehr persönliche und intime Momente. Es ist eine außergewöhnliche Textwahl für liebevolle Gute-Nacht-Nachrichten an einen langjährigen Partner oder die engste Vertraute. Auf Hochzeitskarten oder zu Jahrestagen transportiert es die Tiefe einer gewachsenen, seelischen Bindung. Da es ein Gebet ist, passt es auch in einen religiösen Kontext, etwa als Trostspruch oder in einer Andacht. Vor allem aber ist es ein Gedicht für den stillen, privaten Austausch zwischen zwei Menschen, die eine tiefe geistige und emotionale Verbindung teilen.
Sprachregister und Verständlichkeit
Die Sprache ist gehoben und leicht altertümlich ("Erinnern" als Substantiv, "vermähle", "ewiglich", "empfehl' ich"), aber dennoch klar und direkt. Die Syntax ist einfach und der Satzbau meist kurz, was dem Gebetscharakter entspricht. Durch die Reime und den regelmäßigen Rhythmus ist es leicht einprägsam. Für ältere Jugendliche und Erwachsene ist der Inhalt sofort zugänglich, die archaische Wortwahl bedarf vielleicht einer kurzen Erklärung. Jüngeren Kindern könnte die tiefere, religiöse Bedeutung weniger vertraut sein, die Grundstimmung von Zuneigung und Geborgenheit ist jedoch auch für sie spürbar.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für rein weltliche oder sehr lockere Beziehungen, da sein frommer und seelenverbundener Ton sonst befremdlich wirken könnte. Es passt nicht zu oberflächlichen oder rein freundschaftlichen Gute-Nacht-Grüßen. Menschen, die keinen spirituellen Bezug haben oder eine sehr nüchterne, unpoetische Sprache bevorzugen, könnten mit der religiösen Hingabe und den altertümlichen Formulierungen wenig anfangen. Auch für einen fröhlich-ausgelassenen Anlass ist die besinnliche und innige Stimmung nicht die richtige Wahl.
Abschließende Empfehlung
Wähle dieses wunderschöne Gedicht genau dann, wenn du deinem Partner oder einer sehr nahestehenden Person eine tiefe emotionale und spirituelle Bindung ausdrücken möchtest. Es ist die perfekte Textbotschaft für einen ruhigen Abend, an dem du deine Zuneigung nicht nur als Alltagsgeste, sondern als bewussten Akt der Liebe und des Vertrauens zeigen willst. Nutze es, wenn Worte wie "Schatz" oder "Ich hab dich lieb" nicht mehr ausreichen, um die Tiefe deiner Gefühle und deines Wunsches nach ewiger Verbundenheit zu beschreiben. Es ist ein Gedicht für die Seele, gesprochen aus dem "tiefsten Innern".
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