Ein Furz geht um die Welt
Kategorie: lustige Gedichte
So stand er nun im Wiesenhain,
Autor: Tessa Word
schaut vor sich hin
schaut hinter drein
schaut um sich rum
und an sich runter.
Es ist ein Mann
Es ist der Gunther.
Es tut gar weh in sein’m Gewämst
und ungebremst
entfährt er ihm
zwar ungewollt
doch knallend kurz
der Furz.
Geboren in der Windeseile
5 Sekunden in der Meile
fliegt er von dannen
vorbei an Tannen
dem Himmel entgegen
verspielt verwegen
freiheitsliebend
so hoch hinaus und setzt sich nieder
In des Königsadler braun Gefieder
Wird getragen in edlen Schwingen
Hört von fern Rom’s Glocken klingen
Würde gerne Lieder singen
wenn er‘s könnte
Kann‘s aber nicht
Kann nur fliegen.
Wie getrieben.
Allein.
Weiter durch den heißen Süden
Kamele, Wüste ,Pyramiden.
Die verlassend
Hitze hassend.
In die Kälte schnurstracks rasend.
Zu den Pinguinen,
hindurch durch weite Eislawinen.
Doch Kälte bremst nur,
und macht müde.
So schleppt er sich fast kriechend weiter
Erklimmt des Schiffes Außenleiter.
Des letzten hier
in dieser Zeit.
Die Luken zeigen Eisgebilde.
Jetzt schnell in wärmere Gefilde.
Im Vorbeiflug betrachtend nur.
Länder, Städte, weite Flur.
An Kraft gewinnend.
Zeit verrinnend
Sieht er ganz nah, sein letztes Ziel
des Weges endlich nicht mehr viel
Im Wiesenhain
Das richtige
Des Gunthers NASE
anvisiert
Dadurch nochmal mobilisiert
Mit letzter Kraft
Endlich geschafft.
Entfalten.
Und die Moral?
Ist sehr fatal,
Kriecht der Furz
Mit einem Sturz
in einen Zinken
und fängt er an dann dort
zu stinken.
Könnt mancher denken.
Man kann es lenken.
So denkt er falsch.
denn klingt es auch wie eine Phrase
Ein Furz,
gehört in eine Nase.
Und niemals in die weite Welt.
- Interpretation des Gedichts
- Stimmung des Gedichts
- Gesellschaftlicher und historischer Kontext
- Aktualitätsbezug und moderne Bedeutung
- Geeignete Anlässe für das Gedicht
- Sprachregister und Verständlichkeit
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Abschließende Empfehlung
Eine ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Ein Furz geht um die Welt" von Tessa Word erzählt auf humorvolle und epische Weise die Reise eines körperlichen Lufthauches, der unfreiwillig von einem Mann namens Gunther in einem Wiesenhain entlassen wird. Die Interpretation kann auf zwei Ebenen erfolgen: als komische Heldengeschichte und als metaphorischer Kommentar zur Unkontrollierbarkeit und Globalisierung selbst der banalsten Dinge. Der Furz wird personifiziert und erlebt ein regelrechtes Abenteuer. Er erhebt sich in luftige Höhen, reist über Kontinente, von den Alpen bis nach Rom, durch die Wüste und die Antarktis, und kehrt schließlich, erschöpft aber zielstrebig, zu seinem Ursprungsort zurück. Die Pointe liegt in der "fatalen Moral": Der Furz gehöre in eine Nase und nicht in die weite Welt. Dies kann als augenzwinkernde Kritik an der Verbreitung von Banalem oder Lästigem gelesen werden, das, einmal in die Welt gesetzt, unaufhaltsam seinen Weg nimmt und am Ende doch nur stört. Die Reise spiegelt dabei klassische Elemente eines Epos wider – der Held verlässt die Heimat, besteht Abenteuer und kehrt zurück –, was die Absurdität der Handlung noch unterstreicht.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine durchweg heitere und verspielte Stimmung, die mit einer Prise kindlicher Freude am Tabubruch einhergeht. Durch die dynamische, fast atemlose Erzählweise und die bildhafte Sprache ("verspielt verwegen", "hindurch durch weite Eislawinen") fühlst du dich als Leser wie in einen kuriosen Zeichentrickfilm versetzt. Es herrscht eine unbeschwerte Komik, die jedoch nie vulgär wird, sondern stets einen charmanten, fast poetischen Anstrich behält. Die Stimmung schwankt zwischen der slapstickhaften Ausgangssituation, der fast schon heldenhaften Freiheit des fliegenden Furlings und der müden, aber entschlossenen Rückkehr. Die finale "Moral" löst dann ein befriedigendes Schmunzeln aus, da sie die absurde Reise in einen einfachen, allzu menschlichen Kontext zurückholt.
Gesellschaftlicher oder historischer Kontext
Das Gedicht lässt sich nicht einer spezifischen literarischen Epoche wie Romantik oder Expressionismus zuordnen. Es ist ein modernes, unterhaltsames Gedicht, das in der Tradition der komischen Lyrik und der Nonsens-Poesie steht. Sein gesellschaftlicher Kontext ist die heutige, enthemmte und globalisierte Welt. Der Furz, der blitzschnell ("5 Sekunden in der Meile") die Welt umrundet, kann als Parodie auf die Geschwindigkeit von Nachrichten, Gerüchten oder viralen Inhalten im digitalen Zeitalter gesehen werden. Die Reiseroute – von Europa über den "heißen Süden" bis in die Antarktis – spiegelt zudem ein globales Bewusstsein wider. Die Botschaft, dass manche Dinge besser "zu Hause" (oder in der Nase) blieben, anstatt die Welt zu belästigen, ist ein zeitloser, aber in einer Zeit der ständigen medialen Überflutung besonders pointierter Gedanke.
Aktualitätsbezug - welche Bedeutung hat das Gedicht heute?
Die Bedeutung des Gedichts ist heute vielleicht größer denn je. In einer Ära, in der jeder Gedanke, jedes Missgeschick oder jeder unbedachte Kommentar via Social Media in Sekunden eine globale Reichweite erlangen kann, wirkt die Odyssee des Furlings wie eine perfekte Allegorie. Das Gedicht thematisiert auf witzige Art die Unmöglichkeit, einmal freigesetzte Informationen oder deren Effekte wieder einzufangen. Es geht um die ungewollten Konsequenzen unserer Handlungen in einer vernetzten Welt. Gleichzeitig ist es eine erfrischende Erinnerung daran, nicht alles zu ernst zu nehmen und die Absurditäten des Alltags mit Humor zu betrachten. Die Übertragung auf moderne Lebenssituationen ist einfach: Ob ein peinlicher Moment, ein unbedachtes Wort oder ein kleines Missgeschick – oft fühlt es sich an, als nähme es ein Eigenleben und verbreite sich unkontrollierbar. Das Gedicht bietet hier eine komische Katharsis.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist ein idealer Lückenfüller und Stimmungsaufheller für gesellige Runden und lockere Anlässe. Perfekt passt es zum Vorlesen in einem humorvollen Freundeskreis, bei Familienfeiern mit entspanntem Publikum oder als kurze, unerwartete Darbietung auf einer Party. Es eignet sich hervorragend für gesprochene Lyrik-Abende, die nicht nur Hochkultur im Programm haben, oder als amüsanter Beitrag in einem Schulkontext, um Schülern zu zeigen, dass Lyrik auch lebendig, witzig und nah am Leben sein kann. Aufgrund seines Themas ist es zudem ein heimlicher Klassiker für gesellige Männerrunden oder als humorvolle Reaktion auf eine ungewollt lautstarke körperliche Äußerung in geselliger Runde.
Sprachregister und Verständlichkeit
Die Sprache des Gedichts ist bewusst zugänglich und locker. Sie bedient sich eines umgangssprachlichen, fast erzählerischen Registers mit vereinzelten poetischen Wendungen ("des Königsadler braun Gefieder", "Rom's Glocken klingen"). Komplexe Syntax oder fremdsprachliche Begriffe suchst du vergebens. Der Satzbau ist meist kurz und treibend, was den Eindruck einer rasanten Reise unterstützt. Archaismen wie "Gewämst" (für Gewand/Kleidung) oder "Zinken" (umgangssprachlich für Nase) sind sparsam eingesetzt und stören das Verständnis nicht, sondern verleihen dem Text zusätzlichen Charme. Der Inhalt erschließt sich bereits beim ersten Lesen problemlos. Kinder ab dem Grundschulalter verstehen die grundlegende Handlung und finden sie lustig, während Erwachsene die zusätzlichen metaphorischen und gesellschaftlichen Ebenen schätzen können.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Das Gedicht eignet sich weniger für formelle oder zeremonielle Anlässe wie Trauerfeiern, Hochzeitszeremonien oder offizielle Business-Dinner. Menschen, die sehr empfindlich auf derbe oder körperbezogene Humorformen reagieren oder Lyrik ausschließlich als ernste, erhabene Kunstform schätzen, werden an diesem Text wahrscheinlich wenig Freude haben. Auch in einem streng konservativen oder sehr prüden Umfeld könnte das Thema auf Unverständnis stoßen. Für literarische Analysen, die ausschließlich auf tiefgründige philosophische oder politische Aussagen abzielen, bietet das Gedicht zwar Ansätze, steht aber sicherlich nicht im Vordergrund.
Gib eine abschließende Empfehlung ab
Wähle dieses Gedicht genau dann, wenn du eine gesellige Runde mit unkompliziertem Lachen auflockern möchtest oder einen Beweis brauchst, dass Poesie nicht verstaubt sein muss. Es ist die perfekte literarische Zugabe für einen Kneipenabend, einen geselligen Grillnachmittag oder eine lockere Familienfeier. Nutze es als humorvollen Kontrapunkt in einer ansonsten ernsten Gedichtesammlung oder als Türöffner, um Menschen, die mit Lyrik nichts anfangen können, zu zeigen, dass sie sehr wohl ihren Spaß daran haben können. Kurz gesagt: Immer dann, wenn der Moment nach einer Prise charmantem Schabernack und einer erfrischend anderen Perspektive auf die großen und kleinen Reisen des Lebens verlangt.
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